Metadata : Erinnerungen des Kronprinzen Wilhelm.

Das  zweite  Mal  waren  meine  Frau  und  ich  nach
Zarskoe  Selo  eingeladen.  Hier  hätte  man  sich  wie  bei
einem  reichen  Privatmann  auf  dem  Lande  fühlen  können,
wäre  man  nicht  auf  Schritt  und  Tritt  durch  die  polizeilichen
  und  militärischen  Sicherheitsvorkehrungen  daran
erinnert  worden,  daß  man  sich  bei  einem  Herrscher  zu
Gaste  fand,  der  seinem  eigenen  Volke  nicht  traute.  Zars—
koe  liegt  in  einem  großen  Park.  Außerhalb  des  Park—
gitters  war  ein  Kordon  von  Kosaken  postiert,  die  Tag
und  Nacht  hin  und  her  trabten  und  alles  überwachten.
Im  Park  standen  ungezählte  Posten,  ja  selbst  im  Schloß
stieß  man  überall  auf  Doppelposten  mit  aufgepflanztem
Seitkengewehr.  Ich  sagke  damals  zu  meiner  Frau,  man
fühle  sich  da  wie  in  einem  Gefängnis,  und  ich  würde
es  lieber  darauf  ankommen  lassen,  eines  Tages  durch
eine  Bombe  in  die  Luft  zu  fliegen,  ehe  ich  ein  solches
Leben  auf  die  Oauer  erkrüge.

Eine  qualvolle  Aukofahrk  ist  mir  lebhaft  in  Erinnerung
  geblieben.  Der  Kaiser  wollkte  uns  das  Palais
an  der  See  zeigen,  und  wir  fuhren  im  geschlossenen
Auko  los.  Es  war  seit  Monaten  das  erste  Mal,  daß  der
Kaiser  Zarskoe  verließ.  Die  Fahrk  dauerke  ekwa  vier
Stunden.  Der  Eindruck  war  krostlos  und  fief  bedrückend.
Alle  Orkschaften,  durch  die  wir  kamen,  wie  ausgestorben:
es  durfke  sich  kein  Einwohner  auf  der  Straße  oder  in
den  Fenstern  blicken  lassen  —  nur  Soldaten  und  Polizei.
Unheimliche  Stille,  ein  kief  beklemmender  Druck  über
allem.  Nein  —  das  war  bein  Leben  des  Lebens  werk,
wenn  man  sich  so  verstecken  mußke.

Auch  an  einer  großen  Parade  nahmen  wir  keil.  Die
Gardekruppen  sahen  glänzend  aus;  sie  haben  sich  ja  auch

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