Das zweite Mal waren meine Frau und ich nach
Zarskoe Selo eingeladen. Hier hätte man sich wie bei
einem reichen Privatmann auf dem Lande fühlen können,
wäre man nicht auf Schritt und Tritt durch die polizeilichen
und militärischen Sicherheitsvorkehrungen daran
erinnert worden, daß man sich bei einem Herrscher zu
Gaste fand, der seinem eigenen Volke nicht traute. Zars—
koe liegt in einem großen Park. Außerhalb des Park—
gitters war ein Kordon von Kosaken postiert, die Tag
und Nacht hin und her trabten und alles überwachten.
Im Park standen ungezählte Posten, ja selbst im Schloß
stieß man überall auf Doppelposten mit aufgepflanztem
Seitkengewehr. Ich sagke damals zu meiner Frau, man
fühle sich da wie in einem Gefängnis, und ich würde
es lieber darauf ankommen lassen, eines Tages durch
eine Bombe in die Luft zu fliegen, ehe ich ein solches
Leben auf die Oauer erkrüge.
Eine qualvolle Aukofahrk ist mir lebhaft in Erinnerung
geblieben. Der Kaiser wollkte uns das Palais
an der See zeigen, und wir fuhren im geschlossenen
Auko los. Es war seit Monaten das erste Mal, daß der
Kaiser Zarskoe verließ. Die Fahrk dauerke ekwa vier
Stunden. Der Eindruck war krostlos und fief bedrückend.
Alle Orkschaften, durch die wir kamen, wie ausgestorben:
es durfke sich kein Einwohner auf der Straße oder in
den Fenstern blicken lassen — nur Soldaten und Polizei.
Unheimliche Stille, ein kief beklemmender Druck über
allem. Nein — das war bein Leben des Lebens werk,
wenn man sich so verstecken mußke.
Auch an einer großen Parade nahmen wir keil. Die
Gardekruppen sahen glänzend aus; sie haben sich ja auch
64