Vorgeschichtliche Zeit. 129
welchem wieder verschiedene Kleinigkeiten von Bronze, viele Geiäßbruchstücke, Thierknochen
und Kohlen verstreut waren, eingesetzt. Neben der Grabkammer war auf dem
Boden eine Brandplatte, dann 1 m höher, unter der Spitze des Hügels, eine zweite.
— Eine solche Bestattung mögen wir uns etwa folgendermaßen denken: nachdem der
Todte mit seinen Waffen in die in den gewachsenen Boden eingetiefte Grabkammer
gelegt und mit Brettern und Erde bedeckt war, entfachten sie daneben oder darüber
ein gewaltiges Feuer, opferten und hielten den Leichenschmaus, holten hierauf aus
der Umgegend steinfreie Erde, vermengten sie mit der Asche und den Kohlen des
Feuers, mit den Knochen der geopferten und verspeisten Thiere und mit den Scherben
der Thongefässe, die sie nach dem Mahl zerschlagen hatten; dann schütteten sie alles
über das Grab in Kreisform umher, trugen immer wieder neue Erde herbei, bis
der Hügel mächtig groß geworden war, und zündeten auf der Spitze des Hügels wieder
ein Feuer an, das sie dann nochmals mit Erde bedeckten, werthvolle Beigaben dazu
einsenkend, bis der Hügel angewachsen war zu jener riesenmäßigen Größe, ein Erinnerungsmal
für ewige Zeiten.
Groß ist die Aehnlichkeit der in den Hügeln beim Asberg und in denen bei
der Hundersinger Heuneburg gemachten Funde: die Goldblechreife und die Bronzegefässe
sind wie aus denselben Werkstätten, auch die Waffen, besonders die Dolche
sind sehr ähnlich. Anders ist wieder die Vertheilung der Beigaben: in den 2 Asberger
Hügeln keine Spur von eingemengten Scherben, Schmucksachen u. s. w., auch die
Umherlegung großer Gefässe r2c. fehlt dort, — aber wieder in beiden eingetiefte
durch Holzdielen abgegrenzte Grabkammern. Manches deutet auf dieselbe Zeit;
aber andere Volksstämme, die anderen Sitten huldigten, mögen damals am Neckar
und an der Donau gesessen sein. Doch ist es schwierig, Schlüsse zu ziehen, ehe eine
große Zahl dieser gewaltigen Gräber eingehend untersucht ist. So fand sich eine
halbe Stunde westlich vom Hundersinger Fürstengrab ein Hügel von 100 Fuß im
Durchmesser, der gar nichts enthielt, als in der eingetieften Grabkammer Reste eines
mit Eisenblech beschlagenen Wagens.
Ein drittes Beispiel, diesmal aus dem Norden Württembergs, aus dem Fränkischen,
bot der „Fuchspörzel“ bei Kirchberg a. d. J., ein 43 m im Durchmesser
haltender Hügel. Ueber dem Begrabenen, der genau im Mittelpunkt des Hügels auf
kleine Feldsteine gebettet ruhte, war ein mächtiger Steinkegel 2,28 m hoch und 6—7 m
im Durchmesser, aus vielen großen und theilweise seltenen Steinen (Feuersteinen bis
zu 22 Pfund und Versteinerungen) gethürmt. Der Todte hatte Schwert und andere
Eisenwaffen mit ins Grab genommen, sowie seinen Wagen, von dem sich zahlreiche
Eisenstücke vorfanden. Urnentrümmer, Knochen von mindestens 6 weiteren Menschenleichen
und Bronzegeräthe fanden sich im Umkreis des Grabes. Von Gold, Silber,
Bernstein oder Glas keine Spur.
Als ein Grabhügel von Bedeutung, dessen Inhalt freilich nicht ganz klarliegt,
da der Hügel schon in den Jahren 1820—21 umgegraben wurde, sei noch erwähnt
der in der Nähe des Rothenbergs bei Unter-Türkheim (s. W. Jahrbücher
1821. S. 174 ff. und Jahrgang 1823, Erstes Heft, S. 41 f.). Der Hügel lag
gegenüber dem Schloß Württemberg und ragte, mit Tannenbäumen besetzt, hoch
hervor. Man fand darin mehrere Gerippe, die Gesichter nach Osten gekehrt, wovon
eines mit Sandsteinen umgeben, und diese waren mit Holz ausgefüttert, dessen obere
Kante mit einem Beschläg (7) versehen war. Quer herüber lag ein roher Sandstein
im Gewicht von etwa 4 Centner. Man fand schöne Bronzeringe an seinen Fußund
Armknochen, Bronzefibeln u. drgl., und bei einem zweiten Skelett wieder an
Fuß= und Armknochen Bronzeringe, 2 goldene Ohrringe und rechts neben dem
Das Königreich Württemberg. 9