224 Rat, den Darmstädtern die Zähne zu zeigen. Hinckeldey. Die „Freilassungsnote“.
des Phaethonfluges ihrer selbständigen Politik bedenklich zu werden beginnt. Mir drängen.
sich dabei zwei Betrachtungen auf, begründet auf die Überzeugung, daß mit diesen hoch- und
kleinmütigen Herrn das Zähnezeigen stets weiter führt, als rücksichtsvolles Wohlwollen:
1) Ob es nicht an der Zeit ist, Darmstadt gegenüber eine Demonstration zu machen, indem
man den Sitz der Residentur wieder nach Frankfurt zurückverlegt; drei Viertheil der laufenden
Geschäfte, die Handel, Pässe, Verificationen 2c. betreffen, müssen ohnehin hier Namens
der Residentur durch die Bundesgesandschaft betrieben werden; jedenfalls würde ich die
Andeutung einer solchen Absicht für sehr zeitgemäß halten. 2) Wenn es überhaupt möglich
ist, eine Ansicht über den Verlauf der Zollfrage zu äußern, so geht die meinige dahin,
daß die Darmstädter Winkelzüge und Vermittlungsvorschläge machen werden, bis der
Bruch von uns formell proclamirt wird, dann aber einzulenken versuchen werden; in dem
Fall wird, wie ich glaube, von der Pfordten eo ipso zwar nicht abtreten, aber fallen,
Beust¹) vielleicht unentbehrlich befunden werden, aber an den Kleinen, an Dalwigk und
Witgenstein, sollten wir ein Exempel statuiren, daß man uns nicht ungestraft auf der Nase
spielt. Es ist ohnehin eine Belästigung, mit Ministern, deren ganzes Programm in der
Prinzlich Emilschen Regation gegen Preußen besteht, in Einem Zollverein zu leben, und
dem Hezoge von Nassau würde die vorbedungne Pensionirung Witgensteins ein angemessenes
Neugeld bilden für das Bestreben, „weder eine östreichische noch eine Preußische,
sondern eine nassauische Politik zu treiben“, wie er mir im vorigen Jahre sagte. Kurz, ich
möchte unmaßgeblich anheimstellen, den Zollverein mit Darmstadt und Nassau nicht zu erneuern,
wenn jene beiden Herrn nicht zurücktreten. Dann wird gewiß eine Preußische
Reaction in der Haltung dieser Staaten erfolgen.
Hinkeldey hat auf Grund leichtsinniger Polizeiberichte, ich weiß nicht von wem, über den
Geist des Preuß. Militärs hier am Ort durch S. Majestät und das Kriegsministerium
hier Anfragen und Erinnerungen veranlaßt, die das Offiziercorps mit Recht verletzt haben,
und leider hält man die Gesandschaft, das „Civil“, für die Urhebern davon. Die Polizei-Agenten,
aus Mangel an Stoff, lügen und übertreiben unverantwortlich. Mit der Bitte,
mich und meine Frau (der es wohl geht) Ihrer Frau Gemalin zu empfehlen, in treuer
Anhänglichkeit..
(Nachschrift.)
Der junge Herr wird Wilhelm Otto Albrecht (nach dem Bären) getauft werden.
*205. Telegramm an Minister v. Manteuffel.
18. August 1852. Morgens 10 3/4 Uhr.
Die Nachricht, welche meine telegraphische Depesche vom 8. c. und mein Bericht vom
8. c. enthielten, ist mir auch von dem französischen Gesandten in denselben Ausdrücken, wie
damals vom englischen, und als zuverlässig mitgeteilt worden. Herr von Tallenay gilt als
gut unterrichtet.
¹) Hinter dem Namen Beust mit Bleistift, anscheinend auch von Bismarcks Hand, wohl gelegentllch
der Veröffentlichung des Schreibens durch Poschinger, eingefügt: und Hassenpflug.