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Der einst mit frischem Grün sich hieß belauben
Den dürren Stab in seines Priesters Hand,
Ließ er mir jedes Heiles Täuschung rauben,
Da auch des letzten Trostes Täuschung
wand,
Im Inm'ren stärkt' er mir den einen Glauben,
Den an mich selbst ich in mir selber fand:
Und wahrt ich diesem Glauben meine Treue,
Nun schmückt’ er mir den dürren Stab aufs
neue.
Was einsam schweigend ich im Inw'ren hegte,
Das lebte noch in eines andren Brust;
Was schmerzlich tief des Mannes Geist erregte,
Erfüllt ein Jünglingsherz mit heil'ger Lust:
Was dies mit Lenzessehnsucht hinbewegte
Zum gleichen Ziel, bewußtvoll unbewußt,
Wie Frühlingswonne mußt' es sich ergießen,
Dem Doppelglauben frisches Grün entsprießen.
110. Der Feldzug vom Jahre 1866 in Süddeutschland.
Du bist der holde Lenz, der neu mich schmückte
Der mir verjüngt der Zweig’ und Aste Saft:
Es war dein Ruf, der mich der Nacht entrüchte,
Die winterlich erstarrt hielt meine Kraft.
Wie mich dein hehrer Segensgruß entzüchte,
Der wonnestürmisch mich dem Leid entrafft,
Ho wandl ich stolzbeglüchkt nun neue Pfade
Im sommerlichen Königreich der Gnade.
Wie könnte nun ein Wort den Sinn dir
zeigen,
Der das, was du mir bist, wohl in sich faßt?
Neun' ich kaum, was ich bin, mein dürftig
Eigen,
Bist, König, du noch alles, was du hast:
So meiner Werke, meiner Taten Reigen,
Er ruht in dir zu hold beglüchter Rast:
Und hast du mir die Sorge ganz entnommen,
Bin nun ich um mein Hoffen selbst gekommen.
Ho bin ich arm und nähre nur das eine,
Den Glauben, dem der deine sich vermählt:
Er ist die Macht, durch die ich stolz erscheine,
Er ist's, der heilig meine Liebe stählt.
Doch nun geteilt, nur halb noch ist er meine,
Und ganz verloren mir, wenn dir er fehlt.
Ho gibst nur du die Kraft mir dir zu danken
Durch khöniglichen Glauben ohne Wanken.
110. Der Feldzug dom Jahre 1866 in Süddeutschland.
Von Heinrich Friedjung.))
Die preußische Hauptarmee war unter persönlicher Führung Moltkes
binnen vier Wochen von der sächsischen Grenze bis an die Donau vorgedrungen.
Auch im mittleren Deutschland fiel den Waffen König Wilhelms ein Erfolg
nach dem anderen zu: alle deutschen Stämme bekamen in diesem Feldzuge die
militärische Überlegenheit Preußens zu sühlen. Unmittelbar nachdem die Hannoveraner
bei Langensalza am 29. Juni die Waffen gestreckt hatten, erhielt
General Vogel von Falckenstein Auftrag die süddeutschen Staaten zu
unterwerfen. Falckenstein hatte durch den Feldzug im Norden alles Wünschenswerte
erreicht, aber nicht ohne von seiner Aufgabe mehrmals abgewichen zu
1) „Der Kampf um die Vorherrschaft in Deusschlan 1859 bis 1866“, II. Band,
S. 439 ff. Stuttgart und Berlin 1905“, J. G. Cott