82 Das Deutsche Reich und seine einzelnen Glieder. (März 16.)
mit Nachrichten versehen habe, die der andern Seite nachteilig waren, das
habe ich bestritten, und das bestreite ich auch jetzt noch. Der Fall Hinneberg
hat sich so abgespielt: Professor Sehring war bei mir und trug mir
seine Beschwerden vor. Er sagte mir, wie sehr er darunter leide, daß
immer wieder in der Presse Angriffe gegen ihn erschienen. Ich suchte ihn
zu beruhigen, aber das gelang mir nicht, und schließlich bat er: wollen
Sie nicht wenigstens die Güte haben, Ihren Einfluß auf den „Lokalanzeiger“
dahin anzuwenden, daß die Angriffe unterbleiben? Ich sagte
Ich habe gar keinen Einfluß, keine Beziehungen zum „Lokalanzeiger“, aber
ich will Ihren Wunsch erfüllen und den „Lokalanzeiger“ bitten lassen, daß
er in der Polemik gegen Sie zurückhalte. Ich beauftragte den zuständigen
Herrn, hinzugehen und dort wurde nun mein Wunsch ausgesprochen, die
Zeitung möchte doch in dem Streit Zurückhaltung üben und namentlich
ihre Angriffe gegen Professor Sehring unterlassen. Das ist tatsächlich auch
geschehen, seit der Zeit sind Angriffe gegen Herrn Sehring nicht mehr erschienen.
Das ist meine Tätigkeit, die ich in der Presse ausübte, und zwar
meine einzige Tätigkeit. Nun wurde bei dieser Gelegenheit meinem Abgesandten
von dem Redakteur mitgeteilt, daß kürzlich der Herr Hinneberg
bei ihm gewesen sei und der Redakteur den Eindruck gewonnen hätte, daß
dieser Herr im Auftrage des Kultusministeriums käme. Es sind dann
Klatschgeschichten von ihm erzählt worden, als ob gewisse Zwistigkeiten im
Ministerium beständen, kurz, der richtige Klatsch. Als ich das erfuhr, sagte
ich: Ich will damit nichts zu tun haben; Menschen, die Beziehungen zum
Kultusministerium haben wollen, müssen auch den richtigen Takt haben;
wenn sie bloß Klatschereien machen, so will ich nichts mit ihnen zu tun
haben. Ich war ja nicht in der Lage, den Herrn Hinneberg mit dem
Redakteur zu konfrontieren, es sind ja zwei Privatpersonen, aber ich glaube,
daß ich den einzig richtigen Schluß zog, mich von dem Herrn zurückzuziehen
und ihm sagen zu lassen: Wir sind geschiedene Leute. Alles das — dies
möchte ich besonders betonen — ist in meinem ausdrücklichen Auftrage
geschehen und keineswegs aus der eigenen Initiative des Herrn Geheimrat
Elster hervorgegangen. Einen derartigen Klatsch muß ich mit aller Entschiedenheit
von mir abweisen.
16. März. (Elsaß-Lothringen.) In den demokratischen
Straßburger Blättern „Neue Zeitung“ und „Bürger-Zeitung“ wird
die Kompromißvorlage über die Verfassung der Reichslande als
eine großmütige Entäußerung des preußischen Einflusses begrüßt.
Dagegen sieht der in Metz erscheinende „Messin“, das Organ des
Lothringer Blocks, in dem ganzen Entwurf noch immer eine verkappte Verpreußung
Elsaß-Lothringens.
16. März. (Reichstag.) Beschlüsse der Budgetkommission
über die Verwendung der Kaliabgabe.
Mit 16 gegen 12 Stimmen wird folgende Verteilung beschlossen:
Für den Ersatz der dem Reich aus der Ausführung des Kaligesetzes erwachsenden
Kosten bekommt das Reich eine halbe Million. Zu Propagandazwecken
im Ausland sind 2 Millionen Mark bestimmt. Für praktische Versuche
sowie für wissenschaftliche Arbeiten und Veranstaltungen zur Hebung
des Kaliabsatzes nach näheren Bestimmungen des Bundesrats werden
1100000 Mark verwandt, wovon landwirtschaftlichen Korporationen, Genossenschaften
und Verbänden 600000 Mark zufallen; zur Förderung der
Moor= und Haidekulturen 100000 Mark. Zu Vergütungen an von der