Full text : Europäischer Geschichtskalender. Zweiundzwanzigster Jahrgang. 1881. (22)

36  Das  denische  Reich  und  seine  einzelnen  Glieder.  (Jan.  1.)

See-  und  44  Marine-Offizieren,  19  Marine-Ingenieuren,  122  See-Cadetten
und  ein  Friedensstand  von  Mannschaften  von  254  Unterchargen,  7809  Seeleuten,
  Mannschaften  des  Maschinendienstes  und  Werstarbeitern  und  10535
Seesoldalen,  jo  daß  demnach  der  Friedensstand  der  deutsehen  Marinc,  bei
Abrechnung  der  Osfiziere  der  Reserve  und  Seewehr  wie  der  Aerzte.  Marine-Geistlichen
  und  des  geiammten  Beamienpersonals,  der  Marinc-Stabswacht
und  all  der  nur  zum  Hafendienst  bestimmlen  Chargen  und  Mannschaften,
4971  Köpfe  oder  laben  einen  Stand  von  10,000  Ossiqfieren  und  Mannschaften
  beträgt.  Die  Zahl  der  aktiven  Schisse  und  Fahrzenge  der  deutschen
Flolte  beläuft  sich  einschließlich  der  Dampf=  und  Segel-Schulschiffe,  aber
ohne  die  nur  zum  Hafendienst  benutzten  Schiffe  und  Fahreuge,  auf  #0  Schiffe
und  Fahrzeuge  mit  407  Geschützen,  81,501  Lonnengehalt  und  eine  Maschinenkraft
  von  10.3,300  indicirten  Pferdekräften.  Im  Ban  begrifsen  sind  1  Panjer-Corvetten,
  5  gedeckte  Corvetten,  wovon  4  sihon  in  letzter  Auerüstung  sind
und  3  als  Ersatzschisse  für  die  älteren.  noch  in  Gebrauch  befindlichen  Corvetten
  dienen  werden,  und  3  Ersatz-Ranonenbote.  Ter  Tonngehalt  dieser
noch  im  Bau  bezw.  in  letzter  Ausrüstung  begriffenen  Schisfe  und  Fahrzeuge
wird  zu  33,177  Tonnen  und  ihre  Maschinenkraft  zu  5,920  indicirten  Pferdekräften
  angegeben.  Geschütze  werden  dieselben  insgesammt  121  führen.

—  Januar.  (Deutsches  Reich.)  Die  Fortdauer  desjenigen
Zustandes,  den  man  als  „Kanglerkrisis“  zu  bezeichnen  sich  gewöhnt
hal,  beschäftigt  die  Presse  auch  im  neuen  Jahr  sehr  lebhaft.

Im  wesentlichen  handelt  es  sich  nach  den  Ausführungen  der  leitenden
Presorgane  bei  der  neuen  Organisation  darum,  die  ichon  bestehenden  oder
noch  zu  errichtenden  Reichsämter:  das  Auswärtige  Amt.  das  Reichskriegsaml,
  das  Finanzamt,  das  Justizamt,  das  Eisenbahn-,  bezw.  Verkehrsamt,
durch  eine  innigere  Verbindung  mit  den  preußischen  Ministerien  aus  dem
gegenwärtigen  hall=  und  machllosen  Zustande  zu  erlösen,  die  entsprechenden
Ressortveränderungen  innerhalb  der  preuß  dichen  Regierung  durchzuführen,  im
nothwendigen  Gegensalze  dazu  dem  föderativen  Prinzip  des  Bundes  und  den
wichtigeren  Mittel=  und  Kleinstaaten  durch  grundgesehlich  gesicherte  Bestimmungen
  über  ihren  Anlheil  an  der  Reichsregierung  und  Reichsverwaltung
im  Bundesrath  und  seinen  Ausschüssen  gegen  eine  „Verpreußung“  verstärlte
Bürgschaften  zu  geben,  und  das  Reich  in  finanzieller  Beziehung  durch  eine
Sleuerreform  in  der  bekannten  Nichtung,  unter  Aufhebung.  oder  doch  Einschränkung
  der  Matrikularbeiträge,  auf  seine  eigenen  Füße  zu  stellen.  Andrerseits
  müßte  für  die  neue  Organisalion  und  für  ein  erfolgversprechendes  Funclioniren
  der  neuen  Organe  ein  lebensfähiges  und  schaffenskräftiger  Verhältniß
zur  Vollsvertretung  hergestellt  werden,  so  daß  alle  der  Befestigung  und  dem
Ausbau  des  Reichs  und  seiner  nothwendigen  Justitutionen  zugewandten  Elemente,
  mithin  alle  zwischen  den  frondirenden  Altconservativen  einerseils,  den
Ultramontanen  und  Sozialisten  andrerseite  stehenden  Parleien,  unter  Zurücktellung
  der  kleinen  Fractionsstreitigkeiten  gegen  die  großen,  für  Bestand  und
Entwicklung  des  Staales  und  der  Gesellschaft  enkscheidenden  Gesichtspunkte
l  eine  nähere  Fühlung  mit  der  Reicheregierung  gebracht  und  Bertreler  der
uu  der  Mehrheit  ausschlaggebenden  Partei  bei  der  Besetzung  der  höchsten
Posten  der  Verwaltung  zur  aktiven  Betheiligung  herangezogen  würden.  Wie
weit  es  dem  Neichskanzler  gelungen  ist  für  seine  organisatorischen  Projelte
den  Kaiser  zu  gewinnen  und  welche  Aussichten  denselben  im  n-  -
gewiesen  werden  dürfen,  ist  noch  unbekannt;  selbst  die  Frage:  o
Bennigsen  die  Zustimmung  der  in  ihrer  Fühlung  nach  rechts  und  lium  *r
Mehrheit  verschaffenden  Partei  zu  alen  wesentlichen  Punkten  des  so  um-