Schlesien. Halberstadt. 201
werden leicht wahrnehmen, wohin es führen würde, wenn auf solche Art
Privilegien und Gerechtsame vernichtet werden könnten.
Ferner dürfte leicht zu beweisen seyn, dass durch den lezten Reichstagsschluss
das landesherrliche Ius reformandi in Absicht der Stifter und
Klöster in den alten deutschen Reichslanden keine andere Bestimmung
erhalten hat, als dass es nicht mehr an den Westphälischen Frieden gebunden
ist. Daraus folgt aber nicht, dass eg ganz uneingeschränkt sei
und nach Willkühr ausgeübt werden könne; vielmehr geben sowohl die
Grundsätze des allgemeinen Staatsrechts, als auch die besondere rechtliche
Verfassung eines jeden Landes, welche der lezte Reichstagsschluss weder
aufgehoben hat noch aufheben könnte, manche Einschränkungen an die
Hand, welche ein so gerechter und billiger Landesherr, als E. M. sind, nicht
unbeachtet lassen wird, wenn dieses gleich in andern Ländern geschehen
seyn mag.
Diese Ueberzeugung und der Wunsch, uns wenigstens gegen scheinbare
Vorwürfe sicher zu stellen, machen es äusserst wichtig, dass E. M.
geruben mögten, das gebetene rechtliche Gehör und Erkenntniss zu gestatten.
Wir sind aber sehr entfernt, dabei eine Verzögerung der von E. M. etwa
schon beschlossenen Maasregeln zu beabsichtigen und würden vielmehr sogleich
mit Vorbeigehung der beiden ersten Instanzen auf die Entscheidung
des Ober-Tribunals kompromittiren.
Und warum sollten E. M. dies nicht erlauben? Ihr allgemein verehrter
Sinn für Gerechtigkeit und Billigkeit wird dadurch gegen die Besorgniss
gesichert, dass Ihnen die Sache nicht aus dem rechten Gesichtspunkte
dargestellt sei; Sie erscheinen dann in den Augen der ganzen katholischen
Welt, welche auch Sie beobachtet, in dem wahren Lichte; Sie thun den
wiehtigen Schritt nicht eher, ala nachdem Sie die moralische Gewisbheit
haben, dass dieser Schritt so gerecht und billig sei, als Sie 88 voraussetzen.
Auch sind die Klöster, für deren Wohl und Weh wir hier sprechen
müssen, dieser Schonung nicht unwerth. Sie haben sich, wie die Behörden
68 auf Errfordern bezeugen werden, bei allen Gelegenheiten als getreue, E.
M. ganz ergebene Unterthanen bewiesen, haben in öffentlichen Bedrängnissen
dem Staate mit ihrem Vermögen beigestanden; haben mit erheblichen
Kosten viele nützliche Kolonisten in das Land gezogen, sie in ihren Be-Sitzungen
angesezt und bis jezt in einer zufriedenen Lage erhalten; haben
einen grossen Theil ihrer Askker und Wiesen an benachbarte Dorfschaften
verpachtet, die dadurch in zunehmenden Wohlstand gekommen sind; haben
den Dürftigen ohne Unterschied des Glaubens nach allen Kräften zahllose
Wohlthaten erzeigt, Kranke gepflegt, Waisen erzogen, und das Land mit
tichtigen Pfarrern und Schullehrern versorgt.
Was kann der Staat durch Ihre Aufhebung gewinnen ? und was werden
dagegen alle diejenigen leiden, welche bisher so erhebliche Vortheile von
den Klöstern genossen haben ?
1804
Juli 12