352 38. Koloniale Angelegenheiten.
hört, wie dadurch der deutsche Kredit, das deutsche Ansehen in der Welt
geschädigt worden wäre. Im Auslande bildet man sich wirklich ein,
es wären bei uns Millionen gestohlen worden, unser Beamtenstand sei
verseucht, es sei kaum noch ein ordentlicher, pflichttreuer und braver
Beamter in Deutschland anzutreffen. In englischen, französischen,
amerikanischen, spanischen Blättern erschienen spaltenlange Artikel, angefüllt
mit deutschem Klatsch und Tratsch, unter der Überschrift „Das
deutsche Panama“. Demgegenüber, meine Herren, will ich vor dem
Inlande und vor dem Auslande, vor der ganzen Welt feststellen, daß
der deutsche Beamtenstand von keinem anderen übertroffen
wird — —
(lebhaftes Bravo! rechts; Unruhe links).
Vizepräsident Dr. Paasche: Meine Herren, ich bitte um etwas
Ruhe.
Reichskanzler Fürst von Bülow (fortfahrend): — — an Treue,
an Fleiß, an Gewissenhaftigkeit, an Integrität.
(Bravo! rechts. Zurufe links.)
Ich will feststellen — und Ihre Unterbrechungen machen mich darin
nicht einen Augenblick irre
(Bravo! rechts) —,
daß auch in unserer Kolonialverwaltung die große Mehrheit
der Beamten, die unter schwierigen Verhältnissen arbeiten,
ordentliche und pflichttreue Beamte sind.
(Bravol rechts. Zurufe links.)
Ich will feststellen, daß einzelne beklagenswerte Vorfälle, die sich in
unserer Kolonialverwaltung ereignet haben, nicht dem ganzen deutschen
Beamtenstande zur Last geschrieben werden können. Ich will feststellen,
daß solche Vorgänge auch in der Kolonialgeschichte anderer Völker
stattgefunden haben und in höherem Grade und weit größerem Umfange
als bei uns. Engländer, Franzosen, Amerikaner haben noch ganz andere
Kolonialschwierigkeiten und ganz andere Kolonialskandale überwunden
als wir.
(Sehr richtig!)
Wie man solche Schwierigkeiten, wie man solche Not überwindet, mutig,
zäh und geduldig, können wir von den Engländern, das können wir
auch von den Franzosen lernen. Und ich will endlich feststellen, daß
diejenigen, die bei uns solche Ubertreibungen und Verallgemeinerungen