Die Friedensresolution vom 19. Juli 1917. 151
im Reichstage hinaus. Sie ergab die Stärkung des Kriegswillens
beim Feinde, der Deutschlands Niedergang vor Augen sah,
das Irrewerden der Türkei und Bulgariens an unserem Vertrauen
auf den Sieg und die Schwächung unseres Kriegswillens.
Reichskanzler v. Bethmann wurde verabschiedet, bevor die
Friedensresolution zum Austrag kam. Reichskanzler Dr. Michaelis
verhielt sich in seinem Innern gegen die Friedensresolution ablehnend,
nahm sie aber an. Die O. H. L. hatte vor ihr gewarnt, ohne
indes, wie es richtig gewesen wäre, im Falle ihrer Annahme die
äußerste Folge für sich zu ziehen. Der Reichskanzler Graf v. Hertling
stellte sie ohne jede Einschränkung in sein Regierungsprogramm
ein und hielt an ihr fest, auch als ihn die O. H. L., namentlich im
Januar 1918, bat, sich von ihr freizumachen. Dadurch, daß die Regierung
nun rückhaltlos für die Richtigkeit des Gedankens der
Friedensresolution eintrat, gewann diese nach allen Richtungen an
schädlicher Bedeutung. Der feindliche Kriegswille bekam dauernd
von neuem Nahrung; ihm wurde ja immer wieder die Schwäche
des deutschen Volkes gezeigt. Der Feind erhielt schließlich einen
Freibrief für jede beliebige Verlängerung des Krieges. Die
„Versöhnung“ stand ihm stets in sicherer Aussicht. Er konnte
gewinnen, ohne zu wagen. In Deutschland festigte sich der Glaube,
daß tatsächlich ein solcher Friede jeden Augenblick erhältlich sei und
daß nur die Alldeutschen, die Vaterlandspartei und die O. H. L. dem
widerstrebten. Wir verloren endgültig den Glauben an unsere
eigene Kraft und hofften nur noch auf andere. Aus den Miesmachern,
wo es eigenes Können galt, wurden überzeugte Menschen
in dem Hoffen auf das Wohlwollen der Feinde.
Das Hoffen auf die Zweite Internationale hatte nachgelassen,
trotzdem es noch verschiedentlich von Führern der Sozialdemokratie
als berechtigt bezeichnet wurde. Es wandte sich jetzt dem feindlichen
Versöhnungswillen zu, der nur leider nicht vorhanden war, und
richtete sich endlich auf Wilson. Ihm blieb es vorbehalten, die unverständliche
Leichtfertigkeit des deutschen Volkes recht gründlich
und grausam zu täuschen, ohne es allerdings von dem Hoffen auf
andere ein= für allemal gründlich zu heilen. Etwas Kläglicheres
9