Metadata : Rosenheimer Anzeiger. 64. Jahrngang (64)

 

Rosenheimer  Anzeiger

4—  —  usg  ensscho##  fäglich  nachmitkags  4  Uhr  (mu  Ausnahme  der  gonn-Der
  Abonnementepres  batsä6t  oioudciäbrüch  Mark  3.  —,
1.  —  Für  TPollabannenten:  #:  Zufallacbabr.  frel  tus  Haus  14  Plennig  —

Fornsprecher:  Verlag  und  —2  Nr.  72,  Inkerate-Adteilung  Ne.  233.

—
###

 

 

 

 

 

Die  etnsp.  Petttzeile  im  Anjeigenteil  kollet  W  MI9.,  tm  Reklametell  70  Pig.  Lealanhn
nach  besonderem  Tarif.  Annadme  von  U####n  und  Gallagen  durch  dle  Unnoncen·  E  xpedttion
Haalensiein  &  Logler  A-G.  Nolenbeim,  München,  Kürnberg,  Beritn,  Ve#slan,  Caßel  ulw.

Sdu  eir  Anzeigen-Annahme  11  Uhr  minags.

 

 

 

Amtliches  Publikakions-Orga#.

Rosenheimer  Tagblatt

 

Kuner  278  1  Ka##  1.  Adventsonntag

Wohin?

Von  geschätzker  Seite  wird  uns  geschrieben:

Der  erste  „Monat  der  Nevolution  geht  zu
SEnde.  Die  Frage  liegt  nahe,  was  in  diesem
Monat  erreicht  wurde,  wenn  man  von  dem  vollbogenen
  Umsturz  absieht.  Das  deutsche  Volk
hal  ihn  anerkannt  und  Eint  auf  dem  Voden  der
reschaffenen  Tatsache.  Eine  Reuktion  ist  aus.
beschlossen.  Das  ganze  Volk  mit  Ausahme
  einer  lleinen  gadtalen  Gruppe  —  wil
endlich  Ruhe  und  Frieden,  Jowohl  nach
innen,  wie  auch  nach  a  ußen.  Imerer  und
mherer“  Frieden  sind  aber  in  unserer  #  Lage  aufs
engste  miteinander  verknüpft.  Der  Waffenilillftand
  mit  seinen  furcht#aren  Härren  kann  nur

dann  nicht  zur  vollen  Auswirkung  gelangen,

wenn  er  durch  einen  Vorfrieden  überholt  wird.

l

 

lier  wie  derum  ist  abhangig  von  de  Verhandungsfähigkeit
  der  proviser  schen  Reichsregierung.

s  genügt  für  uns
richt,  daß  diese  Regierung  sich  selbst  für  verlankungssähig
  hälnn.  sondern  daß  unsere
Keinde  von  gesterm  sie  als  verhandiungsfähig
merkennen.  Dafür  bekteht  wenig  Aussicht.
blange  die  westlichen  Deno#tanten  auch  nur
den  geringiten  Iweifel  an  der  Ueberwindung  des

Nadikatismus  in  Doutschland  hegen.  Das  heißt
u#f  gut  deutsch,  daß  die  Entente  nur  dann  mit
uns  verhandeln  wird.  wenn  sie  uns  die  inncre
Kraft  um  Wiederaufbau  zutraut.  Ein  solche-Hutrauen
  können  uns  nicht  Worte,  sondern  nur
Zaten  gewimen.

Den  Westmächten  ihre  Zweisel  benehmen  zu
lelfen  ür  daher  Pllicht  jedes  männlichen  und
weiblichen  Deunschen.  weil  davon  die  Grund-*
  gen  unseres  neuen  Staatswesens,  nämllich

(rot  und  Frieden  abhängen.  Wer  das  noch
i##4  erkanm  hat,  ist  entweder  blind  oder  er  will
iicht  fehen,  weil  er  eigen  süchtige  poliricche  Ziele
ersolg:,  die  mit  dem  Irtexesse  der  Bo  n•

zesamtheikt  nichts  zu  kun  haben.  2  drin.
bende  Interesse.  der  Volksgesamtheit  erheischt
gebielerisch  die  Verfasung  gebende,  nicht  Verkassung

  sindende  Nalioyalversammstt  ng.  un  d
zwar  nicht  nur  im  Reich,  sondern  auch  in  den
kinzelstaaten.  Auch  in  der  Republik  muß  der

rUfammenhalt  und  föderative  Charakter  Deutsch.
ie  gewahrt  bleiben.  Wir  haben  ein  klasi—
rres  Beispiel.  wie  man  eine  föderative  Repn.
ölik  aufbaut:  die  Vereinigten  Staaten  von  Ame.
i'sa.  Nicht  mit  Unrecht  gilt  der  Begründer  jener
mächtigen  Demokratie,  der  große  George  Wa-"bington,
  noch  heute  als  der  Vaier  seines  dankharen
  Volkes.

Warum  halten  wir  uns  nicht  an  jenes  Beipiel,
  auf  caß  endlich  hoffmingofrobes  Grün  aus
den  Ruinen  der  Vergangenheit  erblühe?  Uebereil
  wird  verhandelt,  überall  wird  geredet.  Man
spieltHe  eine  Theorie  gegen  die  andere  aus,
und  ur  schönen  Worte  ist  kein  Ende.  Warum?
Aas  wird  damit  erreicht?  Nichts!  Handeln
nmir  doch!  „Der  Worte  sind  genug  gewechselt,
laßt  mich  auch  endlich  Taten  seh'n.
Komplimente  drechselt,  kann  etwas  Nuhyliches
gescheh'n.“  ie  Zeit  drängt!  Es  gib
einen  Weg,  der  zum  Ziele  führt.  Scheidemann
hat  ihn  uns  gezeigt.  Beschreiten  wir  ihn  sofortl
  Beschreiten  wir  ihn  sowohl  im  Reich  al5s
such  in  den  Einzelstaaten!  Und  zwar  ganzohne

m  Tendenz,  nur  um  endlich  an
einer  Stelle  in  Deutschland  ein  fertiges
Staatsganz:s  hinzustellen.  Um  endlich  eine  Tat
en  gewähren!  Der  Wettlauf  um  die  Ordmg
dürfte  dann  sogleich  beginnen.  Der  Staatsmann,
ver  jetzt  unverzüglich  eine  lebensfähige  Demokratie,
  sei  es  im  ganzen  Reiche,  sei  es  auch  nur
in  einem  Einzelstaate,  erschafft.  wird  den  Dank
des  ganzen  Volkes  ernten.  Sein  Name  wird
auf  ewig  in  der  Geschichte  glänzen.  Wohlver-Kanden
  kann  diese  Demokratie  in  ihrer  Strultur
mir  dem  ahnlich  oder  sinnverwandt  sein,  was
wir  heute  bei  den  Westmächten  vorsinden.  An-5
  le  werden  wir  weder  die  französische  Rachsucht
  Sch  den  englischen  Sieberdünge  enlwaffven.
  lichten  wir  uns  aber  bei  dem  Aufbau  des
neuen,  durch  Teunsch-Sesterrolt,  vermehrten
Staatenbundes,  nach  der  Union,  so  werden  uns
-unstreilig  die  Sympathien  dieses  emporblühen.
ken,  mächtigen,  kerngesunden  und  mit  seiner  Ver-—



die  lleberwältigten  —i

trauens

 

Indes  ihr

 

Sonntag,  1.  Dezember  ##n

Jestsegung  der  Wahl  zur  Natiouall
Versammlung  für  den  16.  Vebruar  191.

Ver  Thronverzicht  des  Kaisers.
lieserung  Wilhelm  II.

D####Ensente  verlangt  die  Aus-Will

  Foch  den  Wasftenftillstand  abbrechen?
Internierung  der  Armee  Mackensen  in  Ungarn.  —

Die  Funkenfrationen

  in  Händen  der  Unadhängigen.

 

fassung  seit  mehr  dem  150  Jahren  zurfriedenen
Volles  zuliegen.  Diese  Sympathien  brauchen
  wir!  Vergesien  wir  nicht  einen  Augenblick,
daß  wir  heute  ganyich  freundlos  und  weltverlassen
  daftchen.  Daß  wir  für  die  wirklichen  u.
angeblichen  Mißgrisse  des  alten  Regimes  verantwortlich
  gemacht  wer'en.  Daß  wir  nir  gends
Vertrauen  besitzen.  Sompathie  oder  Freundschaft
  kann  aber  nur  auf  dem  Voden  des  Vergedeihen.
  Darum  sieelle  jeder  Einzelne,
aber  auch  jeder,  seine  eigenen  Wünsche  zurück
und  biete  die  Hand  zum  schnellsten  Aufbau
des  Ganzen.  Das  Tempo  und  die  Art  dieses
Aufbaues  werden  über  Sein  oder  Nichtsein,  über
Leben  oder  Untergang,  Friiheit  oder  Slklaventum
  eines  aus  tausend  Wunden  blulenden  wei,
sten  Kulturvolkes  von  80  Millionen  entscheidend
sein!  Das  ilt  eine  unumstößtiche,  durch  nichs
hinwegmeiskutierende  Wahrhe#n

Die  Nevoluion  richtete  sich  doch  gegen  jene
Welteroberer  und  Friedensfeinde,  deren  kriegsverlängernde
  Politik  laut  jüngsten  Zeitungsnachrichten
  uns  ins  Elend  gestürzt  hat.  Wohlan
denn!  Will  die  Rrvolutiort,  die  unserem  Volke
Unverzugrich  Freiheit  und  Selbitbestimmung  de.
scheren  soll,  durch  üarrlirnigen,  zandernden  Dok.
trinarismus  neues  unsägliches  Unheil  über  une
bringen?  Wir  wollen  das  keinesfalls  glauben.
wollen  vielmehr  seit  darauf  vertrauen,  daß  dem
nicht  so  ist.  Allein  gar  manchem  weltfremden
Theoretiter  und  Schwärmer  mun  der  erfahrene
Kener  des  Auslander  heute  lant  und  eindring.
Jich  zurusen:  Täusche  dich  nicht!  Die  Welt  läßt:
sich  nicht  von  dir  revolutionieren.  Sie  länt
sich  nicht  deine  Gedanken  auszwingen.  Die
siegesfrohen  Heere  und  Völker  unserer  Feind:
werden  ebensowenig  ihre  Fahnen  mit  den  roten
Abzeichen  vertauschen,  wie  sie  diele  bei  uns  anerkennen
  oder  dulden  werden.  Die  Welt  steht
im  Leichen  des  Völkerbundes  ,  so  wie  ihn
Wräsident  Wilson  verkündet  hat,  durchführen
wird,  und  nach  Masgabe  der  unbegrenzten  amerikanischen
  Machtmittel  zu  unserem  und  der  Welt
Heil  auch  durchführen  kann!  Lediglich  im  diesem
  Zeichen  steht  heute  die  Welt,  nicht  aber
im  Zeichen  des  internationalen  roten  Radikalismus.
  Glaubst  du  das  nicht,  so  gleichst  du  an
Urteilslosigkeit  und  Kumsichtigleit.  an  Unlerschätzung
  des  Auslandes  und  an  törichter  Selbst.
überhebung  jenen  gerade  von  dir  so  grimmig
besehdeten  Imperialisten,  die  mit  ihrem  Hurrapatriotiemus
  die  Welt  überwinden  wollten.  Damit
  wärest  du  zu  unser  aller  Schaden  ebenso
unbelehrbar  wie  jene,  denn  du  fülrtest  uns  nicht
Dinauf,  sondern  hinab.

Wer  daher  sein  Volk  und  Vaterland  liebt.
der  hoffe  nicht  nur,  sondern  wirke  auch  dafür,
  daß  wir  alle  auf  die  Frage  „wohin?“
mit  Sbinauft“  antworten  VWanr

das  Hahrecht  zur  nanonalversammlung.


Berlin,  29.  Nov.  (Drahtb.)  Der  Rat  der
Volksbeauftragten  hat  in  seiner  heutigen  Eitzung
  die  Verordnung  über  die  Wahlen  zur  Verfassung
  gebenden  deutschen  Nationalversammlung
(Reichswahlgesetz;  angenommen.

Das  Wahlrecht  wird  den  Grundsätzen  des
Aufruses  vom  12.  November  1918  entsprechen.
[Das  Reich  wird  in  dem  Gebietsumsang  vom
1.  August  1914,  ohne  daß  damit  der  Entscheidung

  der  Friedensverträge  vorgegriffen  wirde

in  33  Verhältniswahlkreise  eingeteilt,

„geleistet  haben.

 

 

in  denen  nach  der  Einwohnerzahl  je  6  bis  16
Abgeordnete  zu  wählen  sein  werden.  Die  Wahlen
  sollen  vorbehaltlich  der  Zustimmung  der  am
16.  Dezember  1918  zufammentretenden  Reichsversammlung
  der  Arbeiter=  und  Soldatenräte
Deutschlande  am  16.  Februar  1919  stattfinden.
  Das  Reichswahlgesetz  und  die  dazu  gehörige
  Wahlorduung  werden  morgen  im  Reichsgesechat
  verkündet  u-  werden.

Der  —  des  Ralsers.

Berlin,  29.  11.  (Drahtb.)  Um  aufgetauchten
  Mihverständnissen  über  seine  Abdankung  zu
begegnen,  hat  Kaiser  Wilhelm  in  einer  staatsrechtlich
  einwandfreion  Urkunde  auf  die  Rechte
an  der  Krone  Preußens  und  der  damit  verbundenemn

  deutschen  Kaiserkrone  verzichtet.

Die  Urkunde  hat  folgenden  Wortlaut:

„Ich  verzichte  hierdurch  für  alle  Zukunft  auf
die  Rechte  an  der  Krone  Preußens  und  der  damit
  verbundenen  Rechte  an  der  Deutschen  Kaiserkrone.
  Zugleich  entbinde  ich  alle  Beamten  des
Deutschen  Reiches  und  Preußens  sowie  alle  Offiziere,
  Unteroffiziere  und  Mannschaften  der  Marine,
  des  preußischen  Heeres  u.  der  Truppen  der
Vundeskontingente  des  Treueides,  den  sice  mir  als
ihrem  Kaiser,  König  und  Obersten  Besehls  haber
Ich  erwarte  von  ihnen.  daß  sie
bis  zur  Neuordnung  des  Deutschen  Reiches  den
Inhabern  der  tatsächlichen  Gewalt  in  Deutschland
  helfen,  das  deutsche  Volk  gezen  die  drohenden
  Gefahren  der  Anarchie,  der  Hungersnot  und
der  Fremdberrschaft  zu  schüßen.  Urlundlich  unter
  unserer  höchsleigenhändigen  Unterschrift  und
beigedrucktem  kaiserlichen  Insiegel

gegeben  Amerongen,  den  28.  Nov.  1918

gez.  Wilhelm.“

§  Berlin,  30.  11.  (Drahtb.)  Zur  Veröffentlichung
  der  kaiserlichen  Abdankung  meldet
das  Berliner  Tageblatt:  Vor  einigen  Tagen
war  ein  Beamter  des  diplomatischen  Dienstes
nach  Holland  gesandt  worden,  um  die  kaiserliche
  Abdankungsurkunde  mit  Unterschrift  abzuholen.
  Wilhelm  II.  hatte  ursprünglich  einen
anderen  Tert  entworfen,  der  aber  nicht  geeignet
  erschien.  Man  verständigte  sich  dann  auf
den  jetzt  veröffentlichten  Wortlaut.

Die  Enten  te  verlangt  die  Aus
lieferung  des  Erkaisers.
*  Bern,  29.  Nov.  Die  Ententemächte  haben
  von  ihren  Gesandten  im  Haag  bereits  die
Auslieferung  Kaiser  Wilhelms  verlangt.


Der  Vassenftiultand.

Nimmt  Foch  die  Feindseligkeiten
wieder  auf
*  Berlin,  29.  Nov.  In  denjenigen  Kreisen,
  die  für  gut  informiert  gelten  müssen,  verstärkt
  sich  laut  „Berliner  Tageblatt“  der  Eindruck,
  daß  Foch  beabsichtigt,  den  Waffenstillstand
  abzubrechen  und  die  Feindseligkeiten
gegen  eine  nicht  mehr  vorhandene  Armee  zu
beginnen.  Es  wird  auf  ganz  bestimmte  neue
Tatsachen  hingewiesen,  aus  denen  sich  diese  Absicht
  klar  ergebe.
Die  Armee  Mackensen  wird  in  Ungarn
  interniert.
*  Budapest,  30.  11.  (Drahtb.)  Der  ungarisde
  Ministerrat  beschloß  auf  Wunsch  Frank-Or#t.

  1.  Adventsonniag  .  Sehrm

in  crgen  befindlichen  Armee  Madenfens  von
00  Mans.  Die  Deutschen  haben  sich  einhen.
  erklärt.
Der  französische  Appetit.
*s  Berlin,  29.  Nov.  Es  wird  mit  eteilt.
Daß  höhere  frawössche  Offizicre,  die  in
Elsaß-Lothringen  aufhalten.  an  die  Regierungsinstanzen

  in  der  Pfalz  und  in  Rheinhessen  die

 

 

 

 

reichs  die  sofortige  Internierung  der.

Anfrage  haben  siellen  lassen,  ob  sie  nicht  willens
  seien,  sich  unter  frangosische  Herrschaft
  zu  stellen.  Eine  Antwort  iit  selbstverständlich
  auf  diese  Anfragen  nicht  erteilt
worden.

§  Berlin,  30.  11.  (Drahtb.)  In  Saarbrücken
  erklärten  französische  Offiziere,  daß
Elfaß-  Lothringen  und  das  Saarrevier
  französisch  sei  und  bleibe  und  von
einer  Volksabstimmung  keine  Rede  sein  könne.
Wenn  das  übrige  Rheinland  sich  für  Frankreich
  entscheide,  wolle  dieses  alles  tun,  um  berechtigten
  Wünschen  Verwirklichung  zu  verschaffen.


Die  Versorgung  Deutschlands
s  Genf,  30.  11.  (Drahtb.)  Eine  internationale
  Konferenz  soll  nach  Brüssel  berufen
werden,  um  die  Entscheidung  über  die  Art  und
Weise  zu  fällen,  in  der  Deutschland  versorgt
werden  soll.

Eine  schwere  F#erp  leä#en  in  der  Nähe
üttich.

s  Aus  dem  39.  11.  (Drahtb.)  In
der  Nähe  von  Lüttich  auf  dem  Bahnhof  Ans
explodierte  der  Zug  mit  70  Wagen  Munition.

s  gab  80  Tote,  viele  Verwundete  und  erheblichen
  Materialschaden.

Die  Friedenskonferenz.
Die  Vorbereitungen.

*s  Kopenhagen.  30.  11.  (Drahtb.)  Politiken
  meldet  aus  London:  Die  Vorbereitungen
  zur  Friedenskonferenz  sind  in
vollem  Gang.  Nächue  Woche  beginnt  in  London
  eine  interallierte  Vor  Konferenz,  die  in  der
Weiten  Dezemberwoche  in  Paris  fortgesehzt  wird.
In  ihr  werden  die  Kommessionen  gewählt,  welche
die  Arbeiten  der  Hauptkonferenz  vereinfachen
sollen.  Die  Grenzen  aller  Staaten  werden  einer
  Nachprüfung  unterzogen  werden,  was  viele
Monate  dauern  dürfte.

Ne  Lage  im  Reiche.

Die  Gehälter  der  Volksbeauftragten.

*  Berlin,  29.  Nov.  Wie  wir  erfahren.
schreibt  die  „Poftr“,  beziehen  die  Volksbeauftragten
  Ebert,  Scheidemam.  Landsberg.  Haase,
Dillmann  und  Barth  je  eine  Aufwandsentschädigung,
  die  etwa  ein  Fünftel’  des  früheren
–3  J3•t  beträgt,  also  rund  Mk.
das  Sechsmännerkollegium  leine
Se  de  besint,  sieht  ihnen  ein  Pensionsanspruch
  nicht  zu.
Die  Funkenstationen  in  den  Händen
der  Unabhängigen.
§*  Berlin,  29.  Nov.  Nach  dem  „Berliner
Tageblatt“  find  sämtliche  Funkenstationenvon
  Unabhängigen  besetzt.  die  der
Spartalusgruppe  nahestehen.  Sie  verbreiten
Nachrichten,  die  ihren  rigenen  Wünschen  und
Interessen  entsprechen.  Die  Presse  des  In-  und
Auslandes  wird  daher  gewarnt,  diesen  Nach,
richten  Glauben  zu  schenken.  Die  Regierung  lehnt
jede  Verantwortung  für  diese  Meldungen  ab.

Was  der  Achtstundentag  bedeutet.

Von  besonderer  volkswirtschaftlicher  Seite
wird  uns  geschrieben:

Die  Bedingungen  für  den  Präliminarfrieden
  werden  schwer  sein.  Wir  werden  wohl
die  Hergabe  Elfaß-Lothringene  anerkennen  muüssen.
  Wciter  werden  Vergesellschaftungen  gewis.
ser  Sonderbetriebe,  die  reif  zur  Sozialisierung
sind,  wie  Krupp  usw.,  vorgenommen  werden
müssen.  Wir  werden  wohl  auch  Bergwerke  und
Bergwerkerechte  hergeben  müssen,  um  die  schau-