Full text : Der Weltbrand. Deutschlands Tragödie 1914-1918. Erster Band. (1)

6.

Frsiher  als  im  Osten  noch  hatte  im  Westen  die  Stunde  geschlagen,  wo  die
Angrlffekrdfte  beider  Gegner  In  fruchtlosem  Abringen  erlahmten.

Falkenhapne  Entschluß,  auf  dem  dußersten  rechten  Flügel  der  neugebildeten
deutschen  Westfront  noch  elnmal  zum  Angriff  überzugeben,  entsprach  dem  Gebot
der  Stunde.  Aber  die  Art,  wie  dleser  Entschluß  in  die  Tat  umgesetzt  worden
lst,  wird  der  Streit  so  bald  nicht  verstummen.

Nachdem  dle  Kräfte  der  französischen  Oberleltung  sich  mlt  dem  Vorstoß  der
Armee  Maudhuy  erschöpft  hatten,  war  die  Welterführung  der  Operatlonen  ganz
auf  die  englische  Heeresleltung  übergegangen.  Aun,  da  es  sich  um  englische
Lebenslnteressen  handelte,  war  French  endgültig  aus  jener  seltsamen  Befangenbeit
  erwacht,  dle  ihn  seit  selner  ersten  Alederlage  bei  Nons  lm  Bann  gehalten
datte.  Schon  stand  er  mit  seiner  Infanterle  von  La  Bassée  über  Armentierce
ble  Warneton  nabe  der  Verteidlgungezone  von  Lille,  das  in  den  ersten  Oktobertagen
  von  der  deutschen  Kapvallerle  besetzt  worden,  dann  aber  vorübergehend
wieder  in  die  Hände  der  Franzosen  gefallen  und  am  12.  Oktober  nach  heftigen
Kämpfen  endgültig  in  deutschen  Besitz  gekommen  war.  Frenche  Relter  hielten
Verbindung  mit  einer  engllsch-belgischen  Gruppe,  welche  närdlich  von  Dpern
am  Bferkanal  sich  bereitstellte.  Nun  schickte  French  sich  an,  den  deutschen
Nordflügel,  der  noch  immer  ulcht  über  die  Höhe  von  Warneton  binausgekommen
  war,  zu  umgehen.  Ole  Stunde  drängte.

Falkenhapn  trug  sich  mit  großen  Hoffnungen.  Er  war  entschlossen,  den
Angriff  in  Flandern  mit  allen  ihm  zur  Verfügung  stehenden  Kräften  durchzuführen
  und  die  Hllferufe  aus  dem  Osten  zu  überbören,  weil  er  überzeugt  war,
daß  nicht  nur,  was  sich  von  selber  verstand,  die  Weiterführung  der  deutschen
Front  bie  zum  Meere  jetzt  undedingt  errelcht  werden  müsse  —  neln,  daß  es  ihm
darüber  hlnaue  gellngen  werde,  den  Feind  über  den  Yserabschnitt  zurückzuwerfen,
  ihm  dann  zu  folgen  und  die  englisch-französtsche  Front,  die  sich  inzwischen
der  deutschen  gegenüber  von  Noyon  bie  Lille  befestigt  hatte,  von  Norden  her
aufzurollen.

Aber  er  mußte  dlese  Operation  mit  Kräften  durchfübren,  welche  ihrer
Aufgabe  nicht  gewachsen  waren  und  nicht  gewachsen  sein  konnten.  Eine  neue
Szene  der  deutschen  Kragödie  hebt  an:  dle  Opferung  unserer  Jungmannschaft.


Die  Seeküste  war  schon  Anfang  Oktober  errelcht  worden:  unmitteldar
nach  dem  Falle  von  Antwerpen  war  aus  der  Reihe  seiner  Eroberer  das  3.  Reservekorpe
  Beseler  von  Gent  nach  Westen  aufgebrochen,  um  den  Aufmarsch  der  neu
sich  dlldenden  4.  Armee  zu  decken.  Es  hatte  am  14.  Oktoder  Vrügge,  am  15.
Ostende  besetzt.

Am  17.Oktober  stand  die  deutsche  4.  Armee  auf  der  Linie  Ostende-Kortrijk
  zum  Angriff  bereit.  Linke  anschlleßend  hielt  sich  die  6.  Armee
bereit,  im  Raumc  zulschen  Lille  und  Arras  das  Vorgehen  der  4.  Armee  zu
unterstützen.

Dle  4.  Armee  bestand  aus  dem  bereits  krlegserfahrenen  3.  Reservekorpe
und  vier  nach  der  Mobllmachung  aufgestellten  Reservekorps,  deren  Regimenter

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