I. Europa. 838 56. Schweiz.
durch Einführung des Referendum über Gesetzgebungsfragen (Art. 89) betont. Art. 27 hat
dem Unterrichtswesen wichtige Fortschritte gesichert. — Die Grundsätze der Bundesverfassung
von 1874 sind seitdem durch verschiedene Teilrevisionen weiter entfaltet worden.
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschalft.
Vom 29. Mai 1874.
(Mit den bis Ende 1908 vorgenommenen Abänderungen.)
Im Namen Gottes des Allmächtigen! Die schweizerische Eidgenossenschaft,
in der Absicht, den Bund der Eidgenossen zu befestigen, die Einheit, Kraft und Ehre
der schweizerischen Nation zu erhalten und zu fördern, hat nachstehende Bundesverfassung
angenommen:
Bundesverfassung der schweizerischen Eidgenossenschaft.
Erster Abschnitt. Allgemeine Bestimmungen.
Art. 1. Die durch gegenwärtigen Bund vereinigten Völkerschaften der zweiundzwanzig
souveränen Kantone, als: Zürich, Bern, Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden
(ob und nid dem Wald), Glarus, Zug, Freiburg, Solothurn, Basel, (Stadt und
Landschaft), Schaffhausen, Appenzell (beider Rhoden), St. Gallen, Graubünden,
Aargau, Thurgau, Tessin, Waadt, Wallis, Neuenburg und Genf, bilden in ihrer Gesamtheit
die schweizerische Eidgenossenschaft.
Art. 2. Der Bund hat zum Zweck: Behauptung der Unabhängigkeit des Vaterlandes
gegen außen, Handhabung von Ruhe und Ordnung im Innern, Schutz der Freiheit
und der Rechte der Eidgenossen und Beförderung ihrer gemeinsamen Wohlfahrt.
Art. 3. Die Kantone sind souverän, soweit ihre Souveränetät nicht durch die
Bundesverfassung beschränkt ist, und üben als solche alle Rechte aus, welche nicht
der Bundesgewalt übertragen sind.
Art. 4. Alle Schweizer sind vor dem Gesetze gleich. Es gibt in der Schweiz
keine Untertanenverhältnisse, keine Vorrechte des Orts, der Geburt, der Familien
oder Personen.
Art. 5. Der Bund gewährleistet den Kantonen ihr Gebiet, ihre Souveränetät
innert den Schranken des Artikels 3, ihre Verfassungen, die Freiheit, die Rechte des
Volkes und die verfassungsmäßigen Rechte der Bürger gleich den Rechten und Befugfugnissen,
welche das Volk den Behörden übertragen hat.
Art. 6. Die Kantone sind verpflichtet, für ihre Verfassungen die Gewährleistung
des Bundes nachzusuchen.
Der Bund übernimmt diese Gewährleistung insofern:
a. sie nichts den Vorschriften der Bundesverfassung Zuwiderlaufendes enthalten;
b. sie die Ausübung der politischen Rechte nach republikanischen (repräsentativen
oder demokratischen) Formen sichern;
c. sie vom Volke angenommen worden sind und revidiert werden können, wenn
die absolute Mehrheit der Bürger es verlangt.
Art. 7. Besondere Bündnisse und Verträge politischen Inhalts zwischen den
Kantonen sind untersagt.