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bei so beschaffnen Sachen vielleicht das einzige Mittel ist, das Haus
Oesterreich vor weiteren Gefahren zu behüten. Als „ein alter, treu
affectionirter osterreichischer diener* habe ich dies E. L. andeuten
wollen. Wenn Sie mir zustimmen, so mögen Sie mit Erzherzog
Ferdinand oder allein sich ohne Zeitverlust in die Sache schlagen,
um grössere Weiterungen zu verhüten. Wird diese Gelegenheit ver-
absäumt und gewinnt der Kaiser oder der König die völlige Ober-
hand, so wird jeder künftige Vergleich völlig abgeschnitten und das
Haus Oesterreich ganz getrennt werden, die Untertanen des Hauses
aber, die sich die Erhebung ihres Herrn allein zumessen werden,
werden so stark „vorbrechen“, dass man von ihnen künftig wenig
Respekt oder Gehorsam zu erwarten haben wird, wie schon jetzt
der Augenschein zeigt. Datum Salzburg den 9. martii a. 1611.
Wba., Salzburg, Bd 10, Fasz. 3, — Kpt.!
94. Papst Paul V. an König Matthias.
„Paulus papa V. Charissime in Christo fili noster, salutem et
apostolicam benedictionem. Quanta animi nostri dolore accepimus ea,
quae nuper Pragae tumultuose acta sunt, ex eo facile compertum
e8se posse existimamus M.'" Tuae, quod optime intelligis, uam ardenti
paternae charitatis affectu desideravimus, semper Vos filios nostros in
Christo charissimos vinculo pacis coniunctos et unanimes conservare
et quia oculis nedum mentis sed corporis iam cernimus inevitabilem
ruinam inclitae familiae Vestrae et religionis catholicae in Germania,
si haec Vestra discordia ulterius progrediatur. Ideo manus nostras
ad Deum patrem misericordiarum levantes eius immensam bonitatem
! Gleichzeitig schreibt der Geheimsekretär des Erzbischofs, Thomas
Perger, an den vertrauten Rat des Erzherzogs Ferdinand, Peter Casal: sein
Herr denkt daran, dass die Erzherzoge Ferdinand und Maximilian die Ge-
legenheit, wie sie der Stand der Dinge in Prag mit sich bringt, unverzüg-
lich benützen sollten „und, dieweil sich auf I. ksl. M.t'seiten je keiner be-
stendigen mutation oder enderung gemeinem wesen zum besten villeicht bei
80 beschaffnem wesen sonders zu trösten, alle mitl und weg einwendeten, ein
völlige cession der erblanden halben mit zimblichen conditionen zu erhandlen,
wie auch volgends im reich als ein notwendige consequenz“. Ausser dem sieht
der Erzbischof nicht, wie dem Hause Oesterreich zu beständiger Ruhe zu
verhelfen wäre; er hat nichts an sich erwinden lassen, den Kaiser bei seiner
Autorität und dessen Haus bei Einigkeit zu erhalten ; aber es ist allee umsonst
und wäre bei diesem Regiment dem Kaiser am nützlichsten, den Rest seines
Lebens ic Ruhe und ohne grosse Behelligung zuzubringen (Wda, a.a. O.;
Kpt. eigb.). — Casal erwidert am 16. März mit der Mitteilung, dass den
Erzherzog Ferdinand die Fürsorge des Erzbischofs für das „hartsinkende* Haus
Oesterreich hoch erfreue und dass sein Herr dem Erzherzog Maximilian eine
Zusammenkunft in Salzburg wegen einer Interposition der Herzoge vo
schlagen habe (Wda., a. a. O.; Or. eigh.). Am 20. März laden die Erz-
herzoge Maximilian und Ferdinand den Erzherzog Albrecht zu dieser Zu-
sammenkunft ein, an der der Erzbischof von Salzburg und Herzog Maximilian
von Baiern teilnehmen sollen (Wöa., a. a. O.; Kopie).