Full text: Briefe und Akten zur Geschichte des Dreissigjährigen Krieges. Neunter Band. (9)

März 9. 
März 10. 
208 1611 93 -94. 
bei so beschaffnen Sachen vielleicht das einzige Mittel ist, das Haus 
Oesterreich vor weiteren Gefahren zu behüten. Als „ein alter, treu 
affectionirter osterreichischer diener* habe ich dies E. L. andeuten 
wollen. Wenn Sie mir zustimmen, so mögen Sie mit Erzherzog 
Ferdinand oder allein sich ohne Zeitverlust in die Sache schlagen, 
um grössere Weiterungen zu verhüten. Wird diese Gelegenheit ver- 
absäumt und gewinnt der Kaiser oder der König die völlige Ober- 
hand, so wird jeder künftige Vergleich völlig abgeschnitten und das 
Haus Oesterreich ganz getrennt werden, die Untertanen des Hauses 
aber, die sich die Erhebung ihres Herrn allein zumessen werden, 
werden so stark „vorbrechen“, dass man von ihnen künftig wenig 
Respekt oder Gehorsam zu erwarten haben wird, wie schon jetzt 
der Augenschein zeigt. Datum Salzburg den 9. martii a. 1611. 
Wba., Salzburg, Bd 10, Fasz. 3, — Kpt.! 
94. Papst Paul V. an König Matthias. 
„Paulus papa V. Charissime in Christo fili noster, salutem et 
apostolicam benedictionem. Quanta animi nostri dolore accepimus ea, 
quae nuper Pragae tumultuose acta sunt, ex eo facile compertum 
e8se posse existimamus M.'" Tuae, quod optime intelligis, uam ardenti 
paternae charitatis affectu desideravimus, semper Vos filios nostros in 
Christo charissimos vinculo pacis coniunctos et unanimes conservare 
et quia oculis nedum mentis sed corporis iam cernimus inevitabilem 
ruinam inclitae familiae Vestrae et religionis catholicae in Germania, 
si haec Vestra discordia ulterius progrediatur. Ideo manus nostras 
ad Deum patrem misericordiarum levantes eius immensam bonitatem 
! Gleichzeitig schreibt der Geheimsekretär des Erzbischofs, Thomas 
Perger, an den vertrauten Rat des Erzherzogs Ferdinand, Peter Casal: sein 
Herr denkt daran, dass die Erzherzoge Ferdinand und Maximilian die Ge- 
legenheit, wie sie der Stand der Dinge in Prag mit sich bringt, unverzüg- 
lich benützen sollten „und, dieweil sich auf I. ksl. M.t'seiten je keiner be- 
stendigen mutation oder enderung gemeinem wesen zum besten villeicht bei 
80 beschaffnem wesen sonders zu trösten, alle mitl und weg einwendeten, ein 
völlige cession der erblanden halben mit zimblichen conditionen zu erhandlen, 
wie auch volgends im reich als ein notwendige consequenz“. Ausser dem sieht 
der Erzbischof nicht, wie dem Hause Oesterreich zu beständiger Ruhe zu 
verhelfen wäre; er hat nichts an sich erwinden lassen, den Kaiser bei seiner 
Autorität und dessen Haus bei Einigkeit zu erhalten ; aber es ist allee umsonst 
und wäre bei diesem Regiment dem Kaiser am nützlichsten, den Rest seines 
Lebens ic Ruhe und ohne grosse Behelligung zuzubringen (Wda, a.a. O.; 
Kpt. eigb.). — Casal erwidert am 16. März mit der Mitteilung, dass den 
Erzherzog Ferdinand die Fürsorge des Erzbischofs für das „hartsinkende* Haus 
Oesterreich hoch erfreue und dass sein Herr dem Erzherzog Maximilian eine 
Zusammenkunft in Salzburg wegen einer Interposition der Herzoge vo 
schlagen habe (Wda., a. a. O.; Or. eigh.). Am 20. März laden die Erz- 
herzoge Maximilian und Ferdinand den Erzherzog Albrecht zu dieser Zu- 
sammenkunft ein, an der der Erzbischof von Salzburg und Herzog Maximilian 
von Baiern teilnehmen sollen (Wöa., a. a. O.; Kopie).