Full text : Briefe und Akten zur Geschichte des Dreissigjährigen Krieges. Neunter Band. (9)

April  19.

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zufrieden  und  dringen  mit  Gewalt  auf  gänzliche  Abtretung  der
Regierung  von  Böhmen  und  der  einverleibten  Läuder,  hindern  also
die  bräderliche  Vergleichung.  24.  Die  Stände  sollen  sogar  ent
schlossen  sein,  sich  des  kaiserlichen  Schatzes  zu  bemächtigen.

25.  „Betauren  I.  M.‘,  dass  der  könig  in  Ungarn  nicht  vermerket
und  bedenket,  dass  Spanien,  der  pabst  und  die  stende  in  den  erblanden,
zuvorderst  aber  in  der  cron  Behmen  sich  desselben  person  und
hoheit  zum  eussersten  verderb  und  untergang  des  hauses  Oesterreichs
mit  sonder  gefahrlicbem  nachtheil  des  heil.  reichs,  ihre  intention
allerseits  dermaleins  ins  werk  zu  richten,  schendlichen  missbrauchen.“
26.  Dem  König  und  allen  Reichsständen  sollte  nicht  weniger  verdächtig
  sein,  dass  etliche  Reichsfürsten  „mit  particularpersonen  von
den  stenden,  denen  die  Picarder  fürnemblichen  anhangen,  und  nicht
mit  T.  M.'  und  den  standen,  als  von  E.  chfl.  gn.  hochloblichen
beschicht,  nicht  sonder  verweiss  und  vermutung  zukunftiger  gefehrlicher
verenderung  im  regiment  correspondieren.“  !

27.  Der  Kaiser  besorgt,  dass  das  vom  König  und  den  Ständen
aus  verschiedenen  Nationen  gesammelte  zahlreiche  Volk,  weil  keine  Mittel
zur  Bezahlung  vorbanden  sind,  bei  so  unordentlichem  Wesen  meutern,
ns  Reich  einbrechen  und  wie  die  böhmische  Krone  80  auch  die  römische
mit  Gewalt  zu  erlangen  sich  unterstehen  wird,  zumal  es  an
schwierigen  Köpfen  und  gefährlichen  Praktikanten  nicht  fehlt  und
der  König  denen,  die  ihn  erhoben,  auch  gegen  seinen  Willen  wird  folgen
müssen.  28.  Endlich  erinnert  der  Kaiser  E.  kfl.  Gn.  ganz  väterlich
zu  erwägen,  wie  sich  dieser  Aufstand  der  Untertanen  aus  der
Moldau  in  die  Wallachei.  und  von  da  durch  Siebenbürgen,  Ober-  und
Nieder-Ungarn,  Oesterreich  und  Mähren  wie  eine  ansteckende  Seuche
bis  nach  Böhmen  und  an  E.  kfl.  Gn.  Grenze  fortgepflanzt  hat,  so
dass  diese  Gefahr  E,  kfl.  Gn.  jetzt  am  nächsten  ist.  Der  Kaiser
gibt  auch  E.  kfl.  Gn.  zu  erwägen,  wie  viel  des  Königs  von  Ungarn
Volk  und  Anhang  bei  solchem  Ehrgeiz  und  Verlangen  nach  Regimentsveränderung
  und  Neuerungen  zu  trauen  ist,  da  jener  Anhang  sich  %
verlauten  lässt  als  stehe  die  römische  Krone  in  seinen  Händen.

Da  nun  der  Kaiser  zu  E.  kfl.  Gun.  ein  besonderes  Vertrauen
hat  und  von  niemandem  in  dieser  so  AäAussersten  Not  mehr  Gutes
erwartet  als  von  Derselben,  er  auch  wol  weiss,  in  welchem  Ansehen
E.  kfl.  Gn.  bei  König  Matthias  und  den  Ständen  stehen,  so  bittet  er
E.  kfl.  Gn.  „ganz  embsig“,  ihn  als  das  höchste  Haupt  des  Reichs

zwei  seiner,  geeimen  Räte  eine  persönliche  Zusammenkunft  vorgeschlagen
habe,  dass  aber  die  königlichen  Räte  mit  Rücksicht  auf  die  böhmischre
Stände  davon  abgeraten  hätten;  Khlesl  selber  machte  Zuniga  davon  Mitteilang
(Sim.,  Fasz.  2497,  f.  261;  Kopie).  Ein  Schreiben  des  Königs  an  die  böhmischen
Stände  vom  19.  April  (Wi,  IA  1,  K.  2990;  Kpt.)  und  der  Bericht  eines
Agenten,  wahrscheinlich  des  kurpfälzischen,  vom  3.  April  aus  Prag,  bestätigen
die  Tatsache;  letzterer  verlegt  sie  auf  den  2.  April  (U.,  Unionsacta,  tom.  XXI,
no.  2102).
ı  Vgl.  no.  79  und  no,  108.