Metadata : Fabrikschulen.

Vorteile  der  Werkschulen.  23

von  3  bis  5  Uhr  festgesetzt,  dann  muß  der  Schüler  vorher  etwa  1  Stunde
Zeit  zur  Reinigung,  Umkleidung  und  für  den  Schulweg  haben;  nachher
aber  noch  einmal  bis  6  oder  7  Uhr  zur  Arbeit  zu  kommen,  lohnt  sich
kaum.

Sollen  indessen  die  jungen  Leute  in  den  Fabriken,  Werften  und
Hütten  möglichst  vom  ersten  Tage  ihrer  Tätigkeit  eine,  wenn  auch  nur
geringe  Vergütung  für  ihre  Arbeit  erhalten,  so  ist  es  nur  gerecht,  wenn
die  Arbeitgeber  dafür  auch  eine  regelrechte  Gegenleistung,  kein  unnützes
  Stückwerk  verlangen.  Was  Wunder,  daß  unter  dem  Drucke  der
Verhältnisse  die  Entwickelung  vielfach  bereits  dahin  gegangen  ist,  daß
die  Werke  nur  noch  junge  Leute,  die  die  Fortbildungsschule  hinter  sich
haben,  einstellen  und  ganz  darauf  verzichten,  Lehrlinge  auszubilden.
Das  ist  aber  entschieden  zu  bedauern,  denn  selbstverständlich  erhält  ein
Lehrling,  der  sämtliche  Abteilungen,  etwa  einer  Maschinenfabrik  —  als
da  sind  Schlosserei,  Dreherei,  Hoblerei,  Fräserei,  Montage,  Schleiferei,
Poliererei,  Räderfräserei,  Schmiede,  Härterei,  Modelltischlerei,  Gießerei—
durchläuft,  eine  gründlichere  Kenntnis  seines  Handwerkes,  als  wenn  er
bei  einem  kleinen  Handwerker  in  die  Lehre  geht.

Vorteile  für  die  Lehrlinge.

Auch  deren  sind  so  viele,  daß  die  Einrichtung  der  Werkschulen  von
diesem  Gesichtspunkte  aus  sich  nicht  minder  empfiehlt.  Wie  verständlich,
ist  es  einem  Werke,  das  einer  bestimmten  Branche  angehört,  viel  eher
möglich,  den  fachlichen  Unterricht  auf  diese  Branche  zu  spezialisieren,
als  dies  an  einer  Pflichtfortbildungsschule  der  Fall  sein  kann.  Wir  müssen
hier  von  den  ganz  großen  Berliner,  Münchener,  Kölner  Pflichtfortbildungsschulen
  absehen,  die  ja  genügend  Schüler  aus  allen  Gewerben  haben,
um  jeweils  besondere  Fachklassen  einzurichten,  sondern  wir  müssen
an  die  Pflichtfortbildungsschulen  der  kleinen  Städte,  die  die  Mehrzahl
bilden,  denken,  um  die  Richtigkeit  der  Ausführungen  zu  erkennen.

Des  weiteren  wird  der  Fach-Unterricht  an  der  Fabrikschule  von
Fachleuten  des  eigenen  Werks,  Technikern  und  Kaufleuten  erteilt,
die  diese  Branche  zweifellos  durch  ihre  langjährige  Praxis  besser  beherrschen,
  als  dies  ein  Berufslehrer  theoretisch  durch  noch  so  heißes  Bemühen
  jemals  erreichen  kann.  Die  vorgetragenen  und  bearbeiteten  Beispiele
  sind  nicht  Büchern,  sondern  wirklichen  Vorfällen  des  wechselnden
Tages  entnommen.  Aus  dem  Leben  gegriffen  ist  der  ganze  Fachunterricht
an  einer  solchen  Werkschule  und  deshalb  so  lebendig.  Dies  gilt  in  noch
viel  höherem  Maße  für  den  Zeichen-Unterricht,  wo  der  Modellschreinerlehrling
  anders  behandelt  wird  als  der  Dreherlehrling,  und  der  Maschinenschlosser
  anders  als  der  Gießer.  Ich  führe  hier  als  besonders
drastisch  Beispiele  aus  einer  Maschinenfabrik  an;  Schiffsbauer,  Papier-