D. schwäb., bapr. u. fränk. kir. Wictenberger. Fähringer Wittelsbacher §§# 268—269. 11
vielfachen Verwirrungen hat nun das bayrische Haus von 1324 bis 1373
in den Marken regiert. Denn nicht bloß, daß diese Länder in der herren-
losen Zeit verkleinert waren, sondern beim Streit des Kaisers mit dem
Papste (§ 220) kam Bann und Interdikt und im Gefolge desselben ein
fürchterli Einfall der Polen und der noch heidnischen Litauer über die
Marken. Im Innern lösten sich die Bande der Ordnung, die Ritterschaft
ward „schloßgesessen“ (d. h. sie bauete oder erwarb eigene Burgen), ward
übermütig und räuberisch, die Städte erhoben sich zu fast völliger Unab-
hängigkeit. Als später Markgraf Ludwig des Vaters Plane gemäß sich mit
Marete Maultasch vermählte (§ 221) und so Tyrol gewann, dann nach
des Vaters Tode an der Spitze der bayrischen Partei gegen die lützelbur-
gische auftrat (§ 222), regte ihm der neue Kaiser Karl IV. in Brandenburg
alle möglichen Feinde, die Anhaltiner, Mecklenburger (§ 257), den Erzbischof
von Magdeburg u. a. auf. Wieder kam blutige Verwirrung über die un-
glücklichen Lande. In diesen Zeiten, 1348, trat ein Mann auss, der sich für den
1319 gestorbenen letzten Askanier, Waldemar (55 222. 263.) ausgab — der
falsche Waldemar genannt. Er erzählte, sein Tod und Schenbegängaie
seien Trug gewesen, da er um seines Gewissens willen als Pilger nach dem
Morgenlande habe ziehen und in unbekannter Armut sterben wollen; jetzt
jedoch sei er durch das Elend seines Landes bewegt worden, wieder hervor-
zutreten. Er fand viel Anhang, und Karl IV. anerkannte ihn für echt, bis
er sich 1349 mit Ludwig aussöhnte; dann gab er ihn als Abenteurer auf,
doch ward jener nach seinem 1357 erfolgten Tode im Erbbegräbnis der An-
haltiner beigesetzt. Im Jahre 1351 trat Ludwig der Altere freiwillig die
Marken an sen beiden jüngeren Brüder Ludwig den Römer, 1351—1365,
und Otto den Finner (Faulen), 1351—1373, ab und zog sich nach Ober-
bayern und Tyrol zurück. Von diesen Brüdern gewann Kaiser Karl IV.,
eine spätere Zwietracht im bayrischen Hause, die er selbst angeschürt, Aug
benutzend, das Versprechen der Erbfolge in den Marken, die er 1373 von
dem jüngsten Bruder Otto, den er lange hintergangen und verächtlich be-
handelt haite, durch den Vertrag von Fürstenwalde sich erzwang. So
n die Marken von dem banurischen an das lützelburgische Las, — Die
Linien des bayrischen Herzogshauses bieten später nur das Schauspiel be-
ständiger Kämpfe unter sich und gegen die Nachbarn; für die allgemeine
Geschichte sind sie ohne Bedeutung. Erst 1506 vereinigte Herzog Albrecht IV.
der Weise die wichtigsten bayrischen Lande dauernd, und seine Söhne Wilhelm
und Ludwig regierten dieselben als Herzöge gemeinsam. Die bayrischen
Lande bleiben hinfort vereint, und Herrscher aus Wilhelms Geblüt sind ihre
Herzöge. Die Stadt München, von Heinrich dem Löwen gegründet (§ 188),
erhob sich erst durch Ludwig den Bayer zu größerer Bedeutung. Ingolstadt
war die 1472 gegründete Universität der schen Lande)
§ 269. Von dem ehemals großen Herzogtum Franken, dem Hauptlande
des Reiches, welches den größten Teil des späteren kurrheinischen und ober-
rheinischen Kreises umfaßt hatte, war der Name nur dem östlichsten Teile
eblieben, jenen Ländern, die zu beiden Seiten des Mains zwischen Rhön,
inger Wald, Fichtelgebirge und JTura in den weitgeöffneten, milden und
fruchtbaren Thälern der Rezat, Rednitz und Pegnitz, der Itz, fränkischen
Saale und anderer Flüsse sich ausbreiteten. In diesem fränkischen Kreise
ragten drei geistliche Gebiete hervor mit ihren bischöflichen Residenzen: Eich-
*) Im übrigen vergl. § 248 und Anmerkung.