Volltext : Geschichte der königlich Preußischen Armee. Band IV. (4)

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Erfurt  aufgehalten.  Nachdem  sich  die  Besatzung  auf  Grund  einer
Übereinkunft  am  6.  Januar  1814  auf  die  Zitadellen  Petersberg  und
Cyriaksburg  zurückgezogen  hatte,  sodaß  die  Stadt  selbst  von  den
Preußen  besetzt  werden  konnte,  trat  Kleist  unter  Zurücklassung  eines
hauptsächlich  aus  Landwehr  bestehenden  Blokadekorps  ebenfalls
den  Marsch  nach  Frankreich  an  und  stieß  im  Februar  1814  zur  Schlesischen
  Armee.  An  der  Weichsel  wurde  noch  Danzig,  an  der  Oder
Stettin,  Küstrin  und  Glogau,  an  der  Elbe  Magdeburg,  Wittenberg,
Torgau  von  den  Franzosen  festgehalten,  sodaß  beträchtliche  Streitkräfte
  der  Verbündeten  vor  diesen  Plätzen,  z.  T.  bis  zum  Friedensschluß,
  verbleiben  mußten.  Damit  verlor  aber  auch  Napoleon  für  den
Feldzug  von  1814die  dort  eingeschlossenen  Truppen.  Danzig  wurde  am
2.  Januar  1814  nach  mehr  als  elfmonatiger  Belagerung  übergeben,
der  verdiente  Befehlshaber  der  vor  der  Festung  verwendeten  ostpreußischen
  Landwehr,  Oberst  Graf  Ludwig  zu  Dohna  erlag  kurz
nachher  dem  Nervenfieber  ½2).  Das  von  pommerscher  Landwehr
eingeschlossene  Stettin  konnte,  obwohl  nur  aus  Feldgeschützen  beschossen,
  am  5.  Dezember  1813  besetzt  werden.  Die  Einnahme  der
Elbfestungen  wurde  die  Aufgabe  des  IV.  (Tauentzienschen)  Armeekorps,
  das  außer  der  Artillerie  ebenfalls  zum  größten  Teil  aus  Landwehr
  bestand.  Torgau  kapitulierte  nach  heftigem  Bombardement  am
26.  Dezember  1813.  Die  Erstürmung  von  Wittenberg,  die  in  der
Nacht  zum  13.  Januar  1814  nach  geschickter  Vorbereitung  durch
Artillerie  und  Ingenieure  erfolgte,  war  die  glänzendste  Waffentat
dieses  Korps.  Magdeburg  hielt  sich  bis  zum  Friedensschluß.  Bei  der
Vielseitigkeit  seiner  Aufgaben  wuchs  das  Tauentziensche  Korps  bis
zum  März  1814  auf  73  Bataillone,  57  Schwadronen,  12  und  zwei
halbe  Batterien  an.  Darunter  befanden  sich  2⅛  sechspfündige  Fußbatterien
  (Nr.  31—33)  und  eine  zwölfpfündige  Batterie  (Nr.  7),
die  nachträglich  für  dieses  Korps  errichtet  wurden,  wogegen  die  halbe
achtpfündige  Batterie  einging.  Die  halbe  sechspfündige  Fußbatterie
Nr.  30  wurde  zu  einer  halben  reitenden  Batterie  Nr.  13  umgewandelt.
Auch  für  das  Bülowsche  Korps  wurde  eine  weitere  sechspfündige
Fußbatterie  (Nr.  34)  aufgestellt,  die  Batterie  des  Lützowschen  Freikorps
  anfangs  1814  vollständig  beritten  gemacht  und  auf  A.  K.O.  vom
8.  Mai  als  reitende  Batterie  Nr.  14  in  die  Armee  übernommen.
Im  ganzen  bestanden  nunmehr  13½⅛  reitende,  7  zwölfpfündige,
32½  sechspfündige  Fußbatterien,  eine  dreipfündige  Fußbatterie  und
eine  siebenpfündige  Haubitzbatterie.  Die  schon  begonnene  Mobilmachung
  von  2  sechspfündigen  Batterien  (Nr.  30  und  35)  für  die

172)  Das  durch  die  Übergabe  in  Gefangenschaft  geratene  1.  Westphälische
Linieninfanterieregiment,  das  größtenteils  aus  Angehörigen  der  ehemals
preußischen  Lande  westlich  der  Elbe  bestand  und  1812  in  Kurland  zur  Division
Grandjean  des  Korps  Macdonald  gehört  hatte,  wurde  mit  A.K.O.  vom  15.  2.  1814,
noch  400  Mann  stark,  in  preußische  Dienste  übernommen  und  unter  seinem  Kommandeur
  Oberstlieutenant  Pleßmann  dem  Elbinsanterieregiment  als  Reservebataillon
  zugeteilt.