bei Meineids-Verwarnungen. 91
tert werden könnte, daß er von dem Eide, den er
vielleicht mit gutem Gewissen härte schwören können,
abstehe und auf diese Weise eher sein gutes Recht
opfern, als sich dem Scheine, falsch geschworen zu
haben, Preis geben wolle. Dieser Zweifel findet
jedoch durch den Grundsatz, den schon Mevius?)
aufgestellt hat, und der sich von selbst versteht,
seine Widerlegung, daß die Meineids-Erinnerung
nie dahin ausarten darf, vom Eide, der zur Ehre der
Wahrheit mit gutem Gewissen geschworen werden
kann, abzuschrecken und das Gewissen dessen, der
seiner Sache und ihrer Gerechtigkeit gewiß ist, zu
beunruhigen. Ein taktfester Richter und ein kluger
Geistlicher werden nie auf diesen Irrweg gerathen;
diese Eigenschaften müssen aber schon vorne
herein ebenso vorausgesetzt werden, als bei der
Parthei, welche schwören soll, die Fähigkeit, zwischen
Wahrheit und Unwahrheit zu unterscheiden, und das
Bewußtseyn über das eine oder andere.
Eine Anerkennung, daß die Beiziehung eines
Geistlichen bei Meineids-Verwarnungen nicht unzuläßig
sey, ist übrigens auch darin zu finden,
daß in einem vorliegenden Ministerial-Ausschreiben
d. d. München den 31. Jan. 1827 die Gebühren
der Geistlichen für dergleichen Mühewaltungen festgesetzt
wurden, und dieses Gebühren-Regulativ ist
seiner Fassung nach nicht blos auf solche Fälle beschränke,
wo die Partheien darüber einig sind, daß ein
Geistlicher zur Meineids-Verwarnung beigezogen
werde. Endlich fehlt es auch nicht an ober" und
7) Decisionum Pars IV. Dec. 118 Not. 7.