Metadata : Blätter für Rechtsanwendung. VI. Band (6)

378  Ueber  Amtsnutreue.

einen  zuviel,  in  der  andern  zu  wenig  vorräthig,
in  seinen  Buchern  bald  zu  viel,  bald  zu  wenig
vereinnahmt,  eben  so  bald  zu  vuirl,  bald  zu  wenig
verausgabt,  im  Ganzen  aber  einen  Rassedefekt.
Seine  Individualität  beseitigte  den  Verdacht,  als
habe  er  nur  zum  Scheine  auch  sich  zum  Schaden
gerechnet,  der  Defekt  war  für  seine  Verhaltnisse
nicht  bedentend  und  sein  geringer  Aufwand  und
guter  Leumund  waren  Grunde,  daß  ihm  weder
die  Unterschlagung  noch  eine  absichtliche  Unrichtigkeit
  in  den  Buchern  zuzutrauen  war,  im  Gegentheil
  die  Unrichtigkeit  seiner  Bucher  nur  als  Produfkt
  seiner  Untüchtigkeit  angesehen  werden  konnte:
es  wurde  auf  Cntlassung  von  der  Instanz  erkannt
  108),  Ein  anderer  Beamter  unter  gleichen
Verhältnissen  hatte  noch  uberdieß  sich  Privatgehulfen
  angenommen,  durch  welche  der  Defekt  leicht
veranlaßt  seyn  konnte,  und  wurde  losgesprochen  1%½).

Wenn  dagegen  ein  Beamter  doppelte  Bucher,
die  einen,  welche  zur  Kontrole  bereit  liegen,  unrichtig,
  die  andern,  welche  er  nicht  vorzulegen  hat,
richtig  führt,  so  sind  letztere  kein  Grund,  den  zweiten
  Grad  des  Verbrechens  nicht  anzunehmen,  selbst
wenn  er  sie  in  seinem  Bureau  liegen  hatte,  denn
durch  die  unrichtigen  täuscht  er  die  Kontrole  und
gerade  die  Führung  zweierlei  Bücher,  von  welchen
er  die  richtigen  zuruckhält,  ist  eine  betrugliche
Handlung  #70).

Andere  betrügliche  Handlungen,  als  die  in
den  Buchern  und  Rechnungen,  fuhrt  Art.  363  des
St#B.  als  Merkmale  des  zweiten  Grades  nicht
auf:  dagegen  srrechen  die  Anmerkungen  Bd.  III,

S.  203,  §.  8  von  betrügersschen  Handlungen  über:

x08)  AGE.  v.  30.  Jan.  18  41.  37.  3  ½.

1%4  ##.  v.  I7.  Aug.  184..  203.  2%.

110)  AGE.  vom  12.  Dez.  1823,  und  OAGE.  v.  6.  März
1824.  O#A.  |15.  „  ½2  1.  M.  19.  /