Full text : Blätter für Rechtsanwendung. VII. Band (7)

10  Von  der  Wissenschaftlichkeit  der  Rechtspflegeheiten,

  seinem  Bewußtseyn  lebendig  vorschwebt,
findet  sofort  jede  Errungenschaft  neuer  Lektüre,
jede  doktrinelle  Ausbeute  der  Praris  den  geeigneten
  Platz,  wo  sie  sich  anknüpft,  und  dergestalt  einprägt,
  daß  sie  bei  jedem  Anlasse  der  Benützung
sich  darbeut.  Jede  Eigenthümlichkeit  eines  vorgekommenen
  Falles  hat  für  den  wisssenschaftlichen
Praktiker  eine  höhere  Bedeutung;  er  sieht  darin
nicht  blos  die  Aufgabe  einer  Berufsarbeit,  sondern
auch  den  Gewinn  für  die  Wissenschaft.  Mag  immer
  seine  Berufsthätigkeit  viele  lästige  Mühewaltung
  mit  sich  bringen;  er  weiß  diese  zu  veredeln,
und  damit  auch  zu  vereinfachen  und  zu  erleichtern.

Betrachten  wir  nun  auch  die  Kehrseite,  das
Bild  des  Praktikers  ohne  wissenschaftliche  Bildung.
Zwischen  den  auf  dem  Nullpunkte  wissenschaftlicher
Bildung  Stehenden  und  den  mehr  oder  minder
mangelhaft  Gebildeten  giebt  es  natürlich  mannigfache
  Schattirungen.  Indessen  glauben  wir  nicht
zu  irren,  wenn  wir  annehmen,  daß  die  Originale
des  hier  zu  zeichnenden  Bildes  in  manchem  Lande
deutscher  Zunge  nicht  blos  ausnahmsweise  vorkommen.
  „Uebrigens  sey  vorläufig  bemerkt:

Nicht  Leute,  die  ihr  kennt,  sind  hier  zur  Schau  getragen;
Wer  sich  getroffen  fühlt,  mag  sich,  nicht  uns  verklagen.
Auch  der  Geschäftsmann  von  ordinärem  Kaliber
besitzt  Rechtskenntnisse,  mehr  oder  weniger,  mitunter
  sehr  wenige;  aber,  wieviel  es  auch  sey,  er
besitzt  sie  nur  als  ein  Aggregat  von  Einzelnheiten;
er  kann  einen  Haufen  auf=  und  durcheinander  liegender
  Steine  sein  eigen  nennen,  während  die
Steine  im  Gebäude  der  Wissenschaft  zu  einem  symetrischen
  wohleingerichteten  Ganzen  verbunden  sind.
Natürlich  ist  es  weit  schwieriger,  aus  dem  bunten
Haufen  den  gerade  passenden  Stein  herauszusuchen,
als  sich  in  dem  wohlgeformten  Gebäude  zurechtzufinden.
  —  Sich  den  Weg  zum  Ziele  durch  Betrachtung
  der  Stellung  eines  gegebnen  Verhältnisses