1087 üben — über.
vor dir spielt und den muthwill ubt Hölderlin 22;
dasz sie (böse Geister) ihren böllischen muthwillen an
unscrem rerderben uben Goethe Götz 5. 2) die
in älterer Spr. daraus hervorgebenden mannigsachen
Nebenbed. (des sortwährend gebrauchens, begens, pflegens,
geschäftigseins, Zeit verwendens, sich hervorthuns, vgl.
Lexer) haben sich im Nhd. wieder verloren bis auf die
der fortgesetzten Beschäftigung zur Erlangung einer
Fertigleit: etwas uben; gedechtnusz neben, exercere
Memorfan Maaler; da man alles uben musz, so ub
ich . an Tasso die geduld Goethe Tasso 1, 2; cinen
eigenen feinern sinn, den wir pirgends mehr als vor
dem schauplatze uben Schiller 3, 518; sie ubten
dabei ihre grausigen harmonien Keller Sinng. 207;
mann der parademarsch ubt Molkte 7, 129; ein
lied, tonstuck, auf der probe eine scene noch einmal
oben; mit ausgelassenem Obj.: wir uben, bis wir es
können; vgl. auch einuben; — einen uben; seine
schdler neben und leeren, discipulos exercere Maaler;
einen in geduld, entsagung uben; das Part. geubt
von einem, der auf solche Weise Fertigkeit erlangt hat:
denen, die da dureh geubt sind Hebr. 12, 11; wer
aber nicht geubt ist, der verstehet wenig Sir. 31, 10;
im rechnen, in waffen (Goethe Egm. 1) gelbt; ein
geubter schreiber, klarvierspieler; sprichwörtlich: auch
die geubtesten schwimmer ertrinken; — einen uben,
in ältern Nhd. auch = plagen: meine tochter wird
vom teulel gefatzet, er ubet sie Keisersberg bei
Frisch; alle glieder waren betrubt. der hohmut hatt
sie wol geübt Alberus Esop 10, 75; nachher unteregangen
3) reflexives üben, an 2 angeschlossen, mhd.
in der Bed. sich thätig zeigen entwickelt (da nobten sich
sine helde Kaiserchron. 17137), erst uhd. in heutigem
Sinne: sich neben, sein verstand neben im lernen,
ingenium per sstudia agitare, sich mit schreiben ueben,
erercere atulum Maaler; bleibe in gottes wort, und
ube dich drinnen Sir. 11, 21; ube dich selbst .. an
der gottseligkeit 1. Tim. 4, 7; übe dich zum tuchtigen
violinisten Goethe Wanderj. l, 4; sich in der andacht
(Gellert Betschw. 1, 6), im kinderspiel (Schiller
3, 168), in blicken (1, 9) uben; dafür in älterer Spr.
mit Gen.: welche rechter guter werk sich uben Lutber
1, 1975; als Merkwort: fruh ubt sich, was ein meister
werden will Schiller Tell 3, 1; mit sächlichem Subj.:
augen, die sich im weinen ubten Kab. 4, 7; kriege, in denen
die kräfte sich regten und ubten Ranke Werke 1, 155.
üben, in hoben und druben, vgl. dort.
über, allgemein Befinden in einer Höhe, auf einer
Oberfläche, Bewegung von Anfang zu Ende einer
Strecke, auch Schreiten jenseits einer Grenze bezeichnend;
gemeingerm. Wort, zum Teil in leichter Formverschiedenheit
je nach der Stellung als Adverb oder Präp.
erscheinend, goth. ufaro und ufar, altnord. yñr, altengl.
oler, altsächs. obar, ahd. upiri, ubari. und upir. uber,
ubar, mhd. uber; in Ablaut und nächster Beziehun
zu auf und ob, sowie zum Adj. ubel (s. d.); vgl. au
unter ober 1. I. Adverbium des Raumes und der Zeit,
vielfach in Verbindungen mit Verben, vgl. unten 1II
und die besondern Auszählungen; das Verbum unterdrückt
in lebendiger Rede: (als er) jählings, pferd aber,
mann unter, ins wasser stürzt Goetbe Wanderj. 3, 18;
bei Besehl: das gewechr uber! Ex. Regl. 10; in Verbindungen
mit haben. wobei ein Vorbandensein jenseits
der Grenze des Verbrauchten bezeichnet wird, landschaftlich:
wir haben voch einen thaler uber (allgemeiner
übrig, s. d.); in mannigfacherer Fügung mit sein;
einem uber sein, überlegen, aus landschaftlicher norddeutscher
Rede erst in die jetzige Schriftspr. gedrungen:
wenn in diesen fragen der abgcordnete Windthorst
dem grafen Moltke, wie man sagt, uber ist Bismarck
Red. 15, 315; er ist dir uber, und wns er will, das
setzt er durch Wildenbruch Opfer 19; darin seien
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die alten barbaren uns über gewesen Daheim 189°9, 7625;
auch: mun fuhlte sich den machthabern uber Gegenwart
Bd. 39, 147b; etwas ist einem uber, man hat es
satt: ich will nicht mehr, ich mag nicht mehr, es ist
mir uber Bismarck Red. 11, 47; älter: das ist nunmehr
uber. vorbei; ja. wür der thrünen erster ausbruch
uber JESchlegel bei Adelung; — in der formelhasten
Verbindung uber und uber, — völlig, gänzlich:
es ist über und uber voll, das glas läuft uber und
über ebb.; izt sind Sie wieder scharlacb uber und uber
Schiller Fiesko 2, 11; die zahlreichen bauernfeiertage,
von denen der tirolische kalender über und uber roth
wird Heyse 5, 325; selten — drunter und drüber:
nunmehr ging cs mit den höfen uber und uber Möser
Pbant. 1, 330; — uber mit näheren Bestimmungen; in
örtlichem Sinne, durch Adverbien: (der Stern) stund
oben uber Matth. 2, 10; er wohnt gerade uber; quer
über, transberse Frisch; gegen der kirohen uber,
e regione temnli Stieler; zusammengerückt gerade.,
quer-, gegenuber; vgl. auch Kopf-, meer-, hier-, daroher
(drüber), vorüber (das in älterer Spr. auch getrennt
stebt: als er fur Pnuel uber kam 1. Mos. 32, 3t), serner
überher, -hin; in zeitlichem Sinne, durch Acc.: de
ganze zeit uber 4. Mos. 6, 6; den sabbath uber waren
sie stille Luc. 23, 56; die msehlzeit uber, den ganzen
winter uber Steinbach; blieb einer . die nacht uber
dort Schiller 3, 541; auch durch Gen.: des tages
über Steinbach; uber der erde schwebt ein duft
des tages über Goethe ital. Reife 1; — uber — mehr
als: im sacke war noch uber ein scheffel korn; vgl.
auch darüber. II. Präp. mit Dat und Acc.; 1) mit
Dat., in der alten Spr. noch selten, erst im Nhd. recht
ansgebildet; Verschmelzung mit dem Dat. des männlichen
und neutralen Artikels zu uberm, gern in täglicher,
auch in dichterischer Rede; in scharser örtlicher
Bed., Stand= oder Wirkungsort in einer Höhe bezeichnend:
ein adler schwebt über dem sce; gesung der
geister uber den wassern Goethe; er sitzt uber dem
kreis der erden Jes. 10, 22; das buch licgt auf dem
simse uber der thur; soweit der himmel uber der erde ist;
über dem berge steht ein gewitter; er schlügt die hunde
über dem kopfe zusammen; er stcht uber ibm geneigt,
u. s. w.; freier und bildlich: er weint über ihrem
grabe; es schwebt ein ungluck uber seinem haupte;
der zorn gottes bleibt uber jm Joh. 3, 36; gott ist
uber mir Schiller Karl. 3, 7; uber einem stehen,
gesellschaftlich; eine Oberfläche bezeichend: öl schwimmt
über dem wasser; uber der erde: bergmännisch: uber
tage auf der Erdoberfläche Beith 46; ein Jenseits:
uber dem bache drüben; er wohnt über der s#lrasze:
in einer stunde bin ich uber der gränze Schiller
Kab. 1, 9; — über, zeitlich: uber tage befand sich der
kranke leidlich; dasz es nicht sicher uber tage war
Körner Zriny 1, 8; besonders zeitlich -zuständlich:
über der arbeit einschlalen; es kam sie hurt an uber
der geburt 1. Mos. 35, 17; der faule stirbt uber seinen
wundschen Spr. Sal. 21, 25; lasset die sonne nicht
uber ewrem zorn untergeben Eph. 1, 26; uber tische
sich unterhalten; man sitzt tüglich . uber der reformation
des kammergerichts Ranke Werke 1, 318; der
bischof, der ober solchem frevel crtappt war Freytag
Bild. 1, 323; mit Einspielen eines ursächlichen Sinnes:
diese unser kleider und schuh sind alt worden, uber
der seer langen reise Joh. 9, 13; sie entsatzten sieh
uber seiner lere Marc. 1, 22, erschrack sie uber seiner
rede Luc. 1, 29; wird ulso uber deinem erkenntnis der
schwache bruder umbkomen 1. Cor. 8, 11; sich über
einer sache anfhalten (um derselben willen verweilen)
Adelung; uber einem lärm erwachen ebd.; dasz sie
uber dem mangel verzweiselten Freytag Bild. 1, 1;
der Germane aber vergasz uber dem persönlichen
ruhm Gzehr häufg, nach dem praktischen nutzen oder
über.