52 Die Werkschule.
und zu sichten, sie mit den Zeugnissen der Schule über die theoretischen
Kenntnisse der Lehrlinge zu vergleichen und daraus Schlüsse über die
allgemeine Tüchtigkeit des einzelnen zu ziehen, ist eine mühe- und verantwortungsvolle
Aufgabe des Berufsschulleiters. Sie ist besonders deshalb
sehr wichtig für ihn, weil sie, wenn auch nur zum geringen Teile,
den Mangel behebt, den die Verwendung von Berufslehrern naturgemäß
nun einmal mit sich bringen muß: Er erfährt wenigstens aus dem Munde
Dritter — der Werkmeister — etwas über die praktischen Leistungen
seiner Zöglinge, wenn er sich freilich hierbei auch ganz auf diese Dritten
verlassen muß, da er eine eigene Meinung sich ja, weil nicht selbst kaufmännisch
oder technisch leitend in der Fabrik tätig, nicht zu bilden
vermag.
In seltenen Fällen kann nun ein einzelner den gesamten Unterricht
an einer Lehrlingsschule übernehmen, schon aus dem Grunde nicht,
weil, wie im Abschnitt über die Unterrichtszeit noch näher besprochen
werden wird, die verschiedenen Lehrlingsklassen morgens oder abends
gleichzeitig Unterricht haben. Die Schulzeit muß aber unbedingt auf
wenige Tagesstunden zusammengedrängt werden, damit die Lehrlinge
möglichst kurze Zeit der Arbeit in der Fabrik entzogen zu werden
brauchen. Die Heranziehung von weiteren Berufslehrern als Assistenten ist
also nötig, und man wird hier großen Wert darauf legen, Spezialfachlehrer
für diejenigen Wissenszweige zu wählen, die für das betreffende
Unternehmen jeweils besonders wichtig sind. Also für Maschinenfabriken
Fachlehrer für Maschinenbau, im Zeichnen entsprechend ausgebildete
Konstrukteure, für Textilfabriken Fachlehrer für Spinnerei
und Weberei usw.
Schon diese letztere Erwägung wird denjenigen, der die Gründung
einer Werkschule plant, bedenklich machen, zumal wenn seine Fabrik
nicht in einer größeren Stadt, sondern, wie dies beispielsweise gerade
bei Papierfabriken sehr häufig der Fall ist, abseits von anderen Ansiedlungen
liegt und gewissermaßen mit ihren Beamten und Arbeitern
ein kleines Reich für sich bildet. Für derartige Fabriken sind nun aber
die Vorteile einer eigenen Schule gerade besonders große, denn die Zeitverluste
für den weiten Schulweg der Lehrlinge zur nächsten Pflichtfortbildungsschule
werden vermieden. Andererseits müssen bei dem System
der Verwendung von Berufslehrern als Lehrkräfte diese letzteren mit
den bemängelten Zeitverlusten rechnen und folgerichtig höhere Entschädigungen
fordern — immer vorausgesetzt, daß es überhaupt möglich
ist, geeignete und genügend viele Lehrer ausfindig zu machen,
Nicht verkennen darf man einen weiteren Nachteil, der darin liegt,
daß sich der ganze Schulbetrieb bei der Verwendung von Berufslehrern
der Pflichtfortbildungsschule nähert, über deren Unzuträglichkeiten für