Full text : Bismarck. Sein Leben und sein Werk.

286  11.  Das  Vorspiel  des  Krieges.  Der  Krieg  1866

Es  gelang  Bismarck  seinen  König  zu  überzeugen.  Daß  er
es  fertig  brachte,  ist  einer  seiner  vornehmsten  Erfolge  und  ein
Akt  politischer  und  moralischer  Selbstüberwindung,  die  er  deshalb
  sich  abgewinnen  konnte,  weil  sein  Genie  ebenso  mächtig
war  wie  sein  Mannesstolz.

Am  5.  August,  einem  Sonntag,  hatten  die  Mittagsglocken
den  Frieden  eingeläutet,  als  des  Königs  majestätisch-ehrwürdige
Gestalt  an  der  Spitze  der  Prinzen  seines  Hauses  den  Weißen
Saal  des  königlichen  Schlosses  betrat  und  Bismarck  dem  Könige
die  Thronrede  überreichte.  Erwärmend  und  ergreifend  wirkten
schon  die  kurzen  Worte,  die  von  den  Siegen  und  dem  Heldentod
  der  Kämpfer  sprachen;  reicher  Beifall  aber  durchtönte  den
Saal,  als  die  schlichten  Worte  fielen:  „Ich  hege  das  Vertrauen,
  daß  die  jüngsten  Ereignisse  dazu  beitragen
werden,  die  unerläßliche  Verständigung  insoweit  zu
erzielen,  daß  Meiner  Regierung  in  Bezug  auf  die
ohne  Staatshaushaltsgesetz  geführte  Verwaltung  die
Indemnität,  um  welche  die  Lamndesvertretung  angegangen
  werden  soll,  bereitwillig  erteilt  und  damit
der  bisherige  Konflikt  für  alle  Zeit  zum  Abschluß  gebracht
  werden  wird.“

Der  im  Weißen  Saale  bei  dieser  Stelle  sich  erhebende  Jubel
zitterte  in  vielen  tausend  Herzen  in  Preußen  und  jenseits  der
preußischen  Grenzpfähle  nach;  denn  nunmehr  war  eine  schwere
Sorge  um  Deutschlands  Gegenwart  und  Zukunft  von  ihnen
genommen.

Die  Verhandlungen  des  Landtags  verliefen  erfreulich.  Bismarcks
  berechtigte  Mahnung  am  1.  September  wirkte  heilsam;
er  fügte  ihr  noch  hinzu,  sonst  habe  man  wohl  gesagt:  „Was
das  Schwert  gewonnen  hat,  hat  die  Feder  verdorben“;  er  habe
das  Vertrauen,  daß  man  nicht  hören  werde:  was  Schwert  und
Feder  gewonnen  haben,  ist  von  dieser  Tribüne  vernichtet  worden.
  —  Daß  noch  Mißtöne  erklangen,  ist  im  politischen  Leben
unvermeidbar;  sie  gingen  von  unversöhnlichen,  im  Grunde
recht  kleinlichen  Persönlichkeiten  aus,  die  nichts  vergessen  und
nichts  vergeben  konnten;  aber  auch  aus  Bismarcks  alter  kon-