Full text : Regierungsblatt für das Königreich Württemberg vom Jahr 1877. (54)

426  Nebersicht  der  Vvolitischen  Eutwinzelung  des  Jahres  1885.

Tonart  bisher  irgend  welche  Erfolge  ihrer  neuen  Politik  aufzuweisen,
  außer  der  energischen  Vertretung  einiger  Interpellationen
über  die  Stellung  der  Deutschen  in  Böhmen.

In  den  ersten  Monaten  des  Jahres  machte  sich  die  damals
noch  vereinigte  Linke  einige  Hoffnungen,  einen  Keil  in  den  eisernen
  Ring  der  Majoritätsparteien  zu  treiben  und  so  das  Taaffe'sche
Regiment  zu  erschüttern,  allein  diese  Hoffnungen  erwiesen  sich  bald
als  trügerisch:  Die  bei  der  Gebühren-Novelle  von  der  Rechten
abgefallenen  Deutsch  -Klerikalen,  auf  deren  Annäherung  an  die
Linke  man  gerechnet  hatte,  erklärten  bald  kategorisch,  daß  an  eine
Verständigung  der  Deutsch-Klerikalen  mit  den  Liberalen  zur  Bekämpfung
  der  Czechen  nun  und  nimmermehr  zu  denken  sei.  Dagegen
  kam  den  deutsch-liberalen  Bestrebungen  von  anderer  Seite
eine  unerwartete  Hilfe,  welche  wenigstens  eine  Aussicht  eröffnete,
auf  welchem  Wege  einst  der  Beginn  einer  Umkehr  der  Regierungspolitik
  möglich  sei:  der  gemeinsame  Kriegsminister  erklärte  im
Delegationsausschusse,  er  könne  seine  patriotischen  Besorgnisse  nicht
unterdrücken,  daß  bei  den  in  vielen  Kronländern  herrschenden  Bestrebungen,
  die  Schulen  nach  nationalen  Prinzipien  einzurichten,

Armee,  das  bestehende  befriedigende  Verhältnis  (der  Erlernung  der  Armeesprache



Das

sprache)  alteriert  werden  könne.  So  zurückhaltend  die  Außerung
war,  so  sehr  wurde  doch  ihre  Bedeutung  für  die  politische  Situation
  sofort  erkannt.  Sobald  sich  herausstellt,  daß  die  Taaffe'sche
Politik  eine  Schwächung  der  Wehrkraft  der  Monarchie  involviere,
sind  die  Tage  dieser  Politik  gezählt;  denn  dann  wäre  der  Moment
gekommen,  wo  zwei  mächtige  Faktoren  ihren  Einfluß  geltend
machen  würden:  die  Krone  und  das  Bündnis  mit  Deutschland.
Die  Deutsch-Osterreicher  beklagen  sich  oft,  daß  es  den  Deutdeutsch-schen

  in  Osterreich  niemals  so  schlecht  gegangen  sei  als  seit  dem

österreichische

  Abschluß  des  deutsch-österreichischen  Bündnisses.  Mit  der  größten
vnnonn  Penibilität  vermeidet  es  die  deutsche  Regierung,  in  Osterreich  oder
Nationa.in  Ungarn  ein  Wort  zu  Gunsten  der  Stellung  der  Deutschen  einlitäts.
  zulegen;  ja  alle  Versuche  der  Deutsch-Osterreicher,  den  Beziehungen

Frage

der  beiden  Kaisermächte  einen  besonderen  nationalen  Charakter  beizulegen,

  wurden  von  der  deutschen  offiziösen  Presse  mit  nicht  mißzuverstehender
  Deutlichkeit  zurückgewiesen.  Diese  Haltung  der