Full text : Die Gebrechen und Sünden der Sittenpolizei aller Zeiten, vorzüglich der Gegenwart.

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Die  Sage  ließ  sich  an  diesen  Verhältnissen  nicht  genügen
und  verwandelte  sogar  des  Geschichtschreibers  Einhard  fromme
Gattin  Imma  (Emma)  in  eine  Tochter  des  Kaisers.  Zu
entschuldigen  sind  jene  illegitimen  Bünde  durch  des  Herrschers
Weigerung,  seine  schönen  Töchter,  die  er  nicht  missen  mochte,
zu  verheiraten;  gemildert  wird  ihre  Anstößigkeit  durch  die
hohe  Bildung,  welche  diese  Mädchen  erhielten  und  welche  sie
befähigte,  an  den  Arbeiten  der  berühmten  „Akademie“  Karls
teilzunehmen,  und  gedeckt  wurden  jene  Verhältnisse  durch
den  Glanz,  mit  dem  der  Monarch  seine  Familie  besonders
bei  Jagden  umgab,  wie  auch  durch  das  im  übrigen  trauliche
und  innige  Verhältnis  zwischen  ihm  und  seinen  Kindern.
Man  sagte  damals,  eine  Enkelin  des  Kaisers,  Gundrade,
sei  das  einzige  tugendhafte  Mädchen  am  Hofe  gewesen.
Zwar  begann  schon  Karl,  denselben  von  unreinen  Elementen
zu  säubern;  aber  es  blieben  deren  noch  genug,  um  seinen
Nachfolger  zu  noch  einschneidenderen  Schritten  zu  veranlassen.
Derselbe  soll  die  öffentlichen  Dirnen  verurteilt  haben,  40  Tage
lang  halbnackt,  mit  einer  Inschrift  an  der  Stirn,  welche  ihre
Schuld  kundgab,  im  Lande  umherzuirren.

Im  zehnten  Jahrhundert  wurde  eine  asketische  Richtung
auf  dem  Gebiete  der  Religion,  besonders  in  Deutschland,
vorherrschend;  aber  nicht  nur  dieser  Umstand  hatte  eine
merkliche  Besserung  des  sittlichen  Lebens  im  Gefolge,  sondern
auch  die  Trennung  Deutschlands  vom  Frankenreiche  für
ersteres  Land.  Das  schon  von  Tacitus  gerühmte  reine
Familienleben  hatte  sich  östlich  vom  Rhein  überhaupt  nie
wesentlich  zum  schlimmern  gewendet,  sondern  nur  da,  wo
die  Germanen  sich  mit  Romanen  vermischten.  Der  Hof  der
sächsischen  Könige  und  Kaiser  war  makellos  und  unterschied
sich  daher  vorteilhaft  von  demjenigen  Karls  des  Großen,  und
die  Frauen,  die  an  ihm  lebten,  waren  herrliche  Gestalten
an  Sittenreinheit.  Daher  wurden  auch  im  deutschen  Reiche
die  Frauen  so  hoch  geehrt  wie  im  ungeteilten  fränkischen