8 AIlgemeine Chronik.
16. März. (Holland) II. Kammer: verweigert auch dem neuen bürger-
lichen
Kriegsminister gegenüber ihre Zustimmung zu einer Novelle
zum Milizgesetz, das die jährliche Recrutenaushebung von 11,500
auf 14,000 Mann erhöhen sollte. Der bürgerliche Kriegeminister
nimmt seine Entlassung und wird wieder durch einen Militär ersetzt.
[Pforte: Rumänien.]) II. Kammer: genehmigt eine Vorlage der
Regierung betr. Prägung von Münzen mit dem Bildniß des Landes-
fürsten troß des bisherigen Einspruchs der Pforte.
17.„ [Schweiz: Tessin.) Beide Räthe der Bundesversammlung be-
schließen übereinstimmend. daß die Bestimmungen der Tessiner Ver-
fassung über die Wahl des Gr. Rathes mit den Bestimmungen der
Bundesverfassung in Uebereinstimmung gebracht werden müssen.
18. " [Deutschland — Holland.] Der abgesetzte Bischof von Pader-
born wird von Holland ausgewiesen und geht nach England.
[Italien.] II. Kammer: Minghetti erleidet in der Frage der Mahl-
steuer eine Schlappe und das ganze Ministerium gibt sofort seine
Demission ein. Der König nimmt sie an und beauftragt Depretis,
das Haupt der Linken, mit der Neubildung der Regierung
„ ( Pforte: Serbien ] schreibt eine Zwangsanleihe von 16 Mill. Fr.
zu 8 % Zinsen aus.
20. (Pforte: Bosnien ] Aus Bosnien treten neuerdings 700 Flücht-
linge nach Croatien über.
21-24 ( England.] Unterhaus: nimmt die indische Titelbill in
dritter Lesung mit 209 gegen 134 Stimmen an. Die Maßregel ist
indeß im Lande entschieden unpopulär.
. (Schweiz: Wallis.)] Die Bundesversammlung genehmigt die neu
revidirte Verfassung des Cantons Wallis nur unter dem ausdrück-
lichen Vorbehalt der von der Bundesverfassung garantirten Glaubens und
Gewissensfreiheit.
22. " [Frankreich) Die Regierung setzt eine Anzahl der am meisten com-
promentirten antirepublicanischen Präfecten etc. ab.
[ Pforte: Herrzegowina und Bosnien.) Die an diesem Tage erfol-
gende feierliche Verlesung des Fermans, welcher im Namen des Sul-
tans, zu Gunsten der Bevölkerung beider Provinzen er-
leassenen Verfügungen bestätigt und die neuen Reformen, in Folge
der Note Andrassy, auseinandersetzt, erregt bei den türkischen Ein-
wohnern Mißvergnügen und läßt die christlichen völlig gleichgültig.
23. (Frankreich.) Dep. Kammer: Der neue Unterrichtsminister legt ihr
einen Ges.-Entwurf betr. Abänderung des sog. kath. Universitätsge-
setzes und Wiederherstellung des alleinigen Rechtes des Staats auf
Verleihung der academischen Grade vor.
„ [Dänemark.] Landsthing: nimmt die vom Folkething verworfene
Festungsvorlage der Regierung seinerseits mit 39 gegen 11 Stimmen an.
24. ( Oesterreich-Ungarn] Ungarn Abg.-Haus: genehmigt eine neue
Regulirung des. siebenbürgischen. Königsbodens sehr zum Nachtheil der
deutschen Sachsen.
25. „ (Deutschlend: Preußen.] Abg.-Haus: Die Regierung legt demselben
nunmehr den förmlichen Antrag betr. die Uebertragung der preuß.
Eisenbahnen an das Reich vor.
„ [Italien.] Die zuerst versuchte Bildung eines Coalitionsministe=
riums scheitert. Das neue Ministerium wird daher ausschließlich aus
der Linken gebildet: Depretis Ministerpräsident und Finanzminister,
Baron Nicotera Inneres, Melegari Aeußeres, Mancini Justiz, Cop-