Nummer 291
Warschau verlassen.
Amsterdam, 16. Dez. Depeschen aus Petersburg
besagen, daß die Bevölkerung von
Warschau nur mehr 80 bis 100 000 Seelen
wähle und aus den ärmsten Volksschichten bejinehe.
Die Wohlhabenden haben bereits alle
die Stadt verlassen und sich größtenteils nach
Moslau begeben. Ein Teil sei zwar wieder zurückgelehrt,
aber nach dem neuerlichen Erscheinen
eines Zeppelins über Warschau erneut geflohen.
(3.)
In Petersburg.
Berlin, 16. Dez. Nach Meldungen ist Petersburg
ohne Wasser, da die Newa Wasserleitung
zugefroren ist. Viele Fabriken haben den
Betrieb eingestellt. Die Teestuben und Badeanstalten
wurden geschlossen. Die Bahnhofe
sind in Dunkel gehüllt. (13.)
Die Verhaftungen in Rußland.
WIB Wien, 16. Dez. Nack einer der
„,Politischen Correspondenz“ aus Bularest zu—
gehenden Mitteilung berichten aus Nußland dort
eingetrofsenen Reisende, daß nicht nur die Füh.
rer der Sozialisien, sondern überhaupt alle ra
dikalen Mitglieder der Duma verhaflet worden
find.
Russische Verluste auf dem
Schwarzen Meere.
Kopenhagen, 16. Dez. Die Nussen haben
behauptet, daß bei dem Bombardement
von Feodosia kein rufsisches Schiff verloren
gegangen ist. Nunmehr haben sie aber jetzt
Rosenhetmer Anzeiger
Grund geschossenen Torpedojägers „Donietz“
begonnen. Wenn diese Hebung erfolgt ist,
sollen noch andere folgen.
Der Rhedive Wien.
Berlin, 10. De:. Aus Konstantinopel be
richtet die „Diutsche Tageszeitung", daß der
Khedive nack Wien abgereist sei, um dort mit
den leitenden Kreisen Fühlung zu nehmen. (.3.)
Kriegoerllärung Persiens an
Rußland.
Konstantinopel, 16. Dez. Nach hier eingelausenen
Nachrichten hat Persien die Mobilisierung
angeordnet. Die Kriegoerllärung
an NRußland stehe unmittelbar bevor. ().)
Portugal.
WIB.' Lissabon, 16. Dez. (Reuter.) In
Regierungserklärung führt Ministerpräsident
Coutinho aus: Das nalionale Programm
schließt die Ausführung von Maßregeln ein,
die durch die Abstimmungen im Parlament am
23. November beschlo'sen worden sind, nämlich
die Verteidigung des Landes und megiic bald
sltattsindende Wahlen. Ohne die Veriei ldigung
der Kolonien außer Acht zu lassen, sei die
Regierung entschlossen. zu lämpfen, um dem
Vaterlande die Garantie der Unabhängigkei zu
erwerben, wenn sie überzeugt ill, daß die Zulunft
des Vaterlandes auf dem Spiele steht.
Siegesfeiern in den Volksschulen.
Rosenheim, 16. Der.
lich für die höheren Lehranstalten, gewisse Mittelschusen
und die höheren Mädchenschulen angeordnet
worden, daß zur Feier bedeutungsvoller
deutscher Waffenerfolge der Unterricht
auf einen Tag freizugeben ist. Für die Volkschulen
ist eine gleiche Anordnung nicht ergangen.
Hierin wird manchenorts eine Benachtciligung,
ja sogar ein? geringere Einschägung
der Volkoschule, ihres Lehrpersonals und ihrer
Schuljugend erblict. Deshalb ist mehrjach in
der Preise und in Eingaben an das Staatsministerium
der Wunich geaußert worden, es
mockhten hinsichtlich der Ausselzung des Unterrichtes
aus Anlaß von Siegesnachrichten die
Vollsschulen den übtigen Lehranstalten gleichgesielit
werden. Hier zu liegt nun folgende amtlichke
Milleilung vor:
Seit Ausbruch des Krieges leidet der Unter
richtsbetrieb in den Volls#schulen an vielen Orten
unter empfindlich en Stlörungen und Hem
mungen. In zahlreichen Städten und in der
Umgebung wichtiger Waffenplätze konnte infolge
Inanipruchnahme der Schulgebäude für militärische
Zwecke der Unterricht der Vollsschuljugend
erst längere Zeit nach dem oronungsmäßigen
Schulbeginn ausgenommen werden,
vieljach muß er sich solche Einschränkungen gefallen
lassen, daß oft nur wenige Stunden des
Tages für den Unterricht nutzbar gemacht wer
den können. Bei den höheren Lehrannalten und
Mittelschulen haben sich ähnliche Störungen in
viel geringerem Maße ergeben. Diese Ver-Bältnisse,
in Verbindung mit teilweise weitgehendem
Mangel an Lehbrkraften notigen dazu,
wenn überhaupt noch etwas Eriprießliches im
Volkeschulunterricht ersielt werden soll, die verfügbare
Zeit nach Möglichkeit auszunutzen.
Donnerstag, 77. Dezember 1914
eine noch größere Bedeutung als bel den anderen
Lehranftalten. Vielfach stehen die Familienväter
im Felde, die Mutter und die sonstigen
erwachsenen Familienangehorigen sind genotigt,
in verstärktem Maße sich der Hauswirt
schaft anzunehmen oder dem Erwerb# nachzu
gehen. So entbehren die Kinder haufig der
notigen hauslichen Errie#ung und Aufsicht. Klagen
über Verwahrlosung der Jugend sind denn
auch nicht selten lault geworden. Dies gilt na
mentlich fur das Land und oie Industrièorte.
Hier erwächit der Schule die Aufgabe, noch
mehr als zu sonstigen Zeiten ihr Augenmerk
auf die Erziehung der * anvertrauten Jugend
zu richten. Vernunftige Eltern wisien der
Schule Dank, wenn sie einen Teil der ihnen ob
liegenden Er#iehungoaufgabe ihnen abnimmt
und ihren Kindern erhohte Aufmerksamteit zu
wendet. Die Erfüllung der Erziehungeaufgabe
der Vollsschule wird aber nicht gefordert, wenn
die Kinder durch Schulbefreiung noch mehr als
dies leider notgedrungen bereits geschehen muß,
sich selbst uberlassen werden.
Aus diesen Erwägungen tragt das K. B.
Staateministerium auck jent noch Bedenten, die
Vollsschulen hinsichtlich der Aussetzung des
Schulunterrichtes anläßlich wichtiger Kriegeereignisse
den höheren Lehrannalten allgemein
gleichustellen. Das Fenhalten an dem seither
eingenommenen Standpunkte hal auck, wie
Preßäußerungen und Zuschriften erfehen lassen.
im großen und ganzen die Billigung der Eltern
kreise gefunden. Wenn übrigens ganz beson
dere Anlässe eine Aussetzung des Schulunterrichtes
auch an den Volleschulen angezeigt erscheinen
lassen, wird di: Unterrichtsverwaltung
nicht ermangeln, von sich aus auch für die
mit der Hebung des von den Türken in den
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Bei der Volksschule hat aber,
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Militärische Jugend-Exziehung.
Das K. Krlegeministertum und das K. Staateministerim dis Innen
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