Full text : Rosenheimer Anzeiger. 60. Jahrngang (60)

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Kummer  103

bienrat  Jodlbauer.  D  deutsche  Landwirtschaftsrat
  hat,  unterstützt  von  anderen,  die  gleichen
  Ziele  verfalgenden  wirts  chastlichen  Interessentengruppen,
  an  den  Bunde  esrat  das  Erfuchen
  gerichtet,  den  Zoll  auf  Obst  und  Gemüse  bedeutend
  zu  erhöhen.  Der  Referent  faßte  seine

arlegungen,  in  denen  er  lich  mit  aller  Enkschie
  denheit  aegen  eine  derartige  Zollerhöhung
aussprach,  in  folgenden  Leitsätzen  zusammen:
Die  geforderte  Erhöhung  der  Zölle  auf  Obst
und  Gemüse  ist  unbedingt  abzulehnen  und  zwar
aus  wirtschaftiichen,  sozialen  und  hygienischen
Gründen.  Sie  in  abzulehnen  vom  Standpunlt
der  Pronnzenten  selbst.  namentlich  weil  der
etmaige  Gewinn  aus  einer  zu  erwartenden  Peissteigerung
  ats  Folge  der  Jollerhöhung:  durch  den
Rüühgang  des  Koniumes  wettacmacht  würde,  rom
Standpunlt  von  Handel  und  Industrie,  weil  der
Imischenhandel!  erschwert,  der  Lebensunterhall,
insbesondere  der  Arbeiter,  verteuert  und  die
Arbeitslöbne  davurch  noch  weiter  in  die  Höhe
getrieben  würden,  ohne  daß  dadurch  die  Lebens
rerhältuisse  der  Arbeiter  selbst  eine  Bessetung
erfahren,  vor  ailem  aber  auch,  weil  zu  befürchten
ist,  daß  eine  solche  Zollerhöhung  Gegenmaßregeln
  der  davon  betroffenen  Staaten  herausfordert,
  die  darauf  gerichtet  kind,  der  Industrie
den  Absatz  ihrer  Eriern  1  isse  dorthin  weiter  zu
erschweren,  wenn  nicht  vllig  unmöglich  zu  machen;
  vom  Standpumt  des  Gesamtkonsums,  meil
die  Verteuerung  von  Oht  und  Gemüse  ledialich
auf  Kosten  der  Ernährung  und  Gesunderha#tung
des  Volles  und  eine  weitere  Erhöhnng
seiner  bereils  anserordentlich  teueren  Lebe#shaltung
  bedeuten  würde.  Die  bestehenden  Kölle
auf  Obst  und  Gemüse  fi  ind  vielmehr  tunlichst  zu
reonzieren.  Neserent  betragte,  dim  Staatsministertum
  b#n  K.  Hauses  und  des  Acußern
von  dem  Veschlus  der  Kammer  Kenntnis  zu
geben  und  es  gleichzeitigq  zu  bitten,  im  Bundesrat
jedweden  Aut  c9  auf  Erson  ung  der  Zölle  auf
Obit  und  Gemüse  mi#t  aller  Entschiedenheit  entgegenzutreten.
  Ferner  beantragte  er,  von  dieser
  Stellungnahme  dem  Deutschen  Handelsiag
Kenntnie  zu  geben  und  ihn  zu  ersuchen,  bei  den
geietzgebenden  Faltoren  des  Reichs  im  Sinne
obigen  Beschlusses  vornellig  eu  werden.  Nach
längerer  Dieluision,  welche  die  einhimmige  Stellunnnahme
  gegen  eint  derartige  Zollerhöhung
W  schloß  sich  die  Kammer  den  Ausführungen
  des  -  an.

Das  Gebührenwesen.

Bez  züglia  des  Entmurfes  eines  Gesetzes  über
Aenderung  im  Gebührenwesen  beschloß  die  Kammer.
  an  die  Abgeardnetenlammer  und  die  Reichsratekammer
  die  Bitte  zu  richten,  den  Entwurf,
so,  wie  er  jent  norliegt,  abzulehnen,  weil  er  bestmmt
  ist,  abgeiehen  von  den  durch  ihn  enkstebenden
  großen  Belästigungen,  weite  Kr  iĩe
von  Handel  und  Industrie  schwer  zu  schädigen.

Soziale  Kundschau.

München.  1.  Mai.  Das  „Jentralblatt“  neröffentlicht
  in  Nr.  7  den  Vericht  des  bayer.
Sekretariats  des  Gesamtverhandes  der  christlichen
  Gewerkschaften  für  das  Jahrl!913.
Am  Schluise  des  Jahres  waren  im  Bezirt  651
Ortsoruppen  miit  31  3362  Milgliedern  vorhanden;
  Ortslartelle  beanden  32.  Lohnbewegungen'
  murden  10J  geführt,  davon  13  allein
ven  den  chritlichen  Gr  werlschaften.  Mit  Ausnakme
  der  örtlichen  Verträge  auf  Grund  der
Reichr#arife  sind  die  christlichen  (Geworl#chaften
imn  Bezirle  an  112  Tarif  fverirägen  beteiligt.

Verlin,  1.  Mai.  VBei  der  Reichsversickerungsanftal#
  für  Angestellte  ind
imn  eren  sicherungs  und  Geschäftsjahr  1913

•r
1324  003  Perionen
diess  ainge  n  1

 

 

geht

 

 

versichert  gewesen.  Von  Mainz,  1.  Mai.
Anträge  auf  Durch#süh--bei  Niedersaulheim  in  noch  zu  berichten:
runz  eines  Heil  ahltens  ein.  Genehmigt

——

wurden  6892  Anträge,  wofür  1,5  Mill.  Mi.
—  1  Prozent  der  Beitragseinnahmen  —  verausgabt
  wurden.  Von  den  genehmigten  Anträgen
  entfallen  2031  auf  Kuren  in  Lungenheilsrätten,
  1963  auf  Zahnersaß,  1394  auf  Ku.
ren  in  Sanatvrien,  815  auf  Vadekuren,  178
auf  Behandlung  in  Kliniken.
wurden  Zuschüsse  zur  Durchführung  einer  Kur
geleistet.

Verlin,  1.  Mai.  Eine  Arbeitslosenzählung
  unter  den  techuischen  Angestellten
  hat  der  Deutsche  Techniler-Verband
im  Dezember  vorigen  Jahres  veranstaltet.  Es
geht  daraus  hervor,  d  daß  fast  ein  Zehntel  der
Angehörigen  dieser  Organssation  in  den  gröbheren
  Städten  siellungslos  waren.  Die  durchschnittliche
  Arbeitslosigleit  ist  auf  120  Tagebei
  den  über  40  Jahre  alten  Angestellten  auf
142  Tage  ermittelt  worden.  Also  fast  vier  Monate
  durchschnittliche  Arbeitslosigkeit  und  sast  5
Monate  bei  den  über  40  Jahre  alten  Angestellten!
  Einen  Veweis  für  die  Arbeit  der  Or
gauisation  gegen  Arbeitslosigleit  unter  den
technischen  Angestellten  erbringt  die  Jählung
burch  die  Tatsache,  daß  die  Organisierten  im

Durchschnitt  nur  138  Tage,  die  Unorganifierten
  jedoch  197  Tage  ohne  Stellung  maren.

Berschiedene  Nachrichten.

Berlin,  1.  Mai.  Die  Maiseier  in  Berlin
uno  den  Vororten  ist  in  der  größten  Ruhe  verlaufen.
  Nur  in  den  äußeren  Bezirken  der  Stapt
und  in  der  Nähe  der  großen  Versammlungssälc,
  mohin  die  Arbeiter  in  lleinen  Trupps
zoren.  merlte  man  eitwas  Leben.  Die  Beteiligung
  an  den  Vormittagsversammlungen  war
nicht  merklich  größer  als  in  den  letzten  Jahren.
In  den  großen  Metallindustriewerken  wurde
gearbeitet.  Am  stärksten  besucht  waren  die  Versammlungen
  der  Vauarbeiter.

Berlin.  1.  Mai.  Auf  der  Chaussee  nach
Jüterbog  wurde  heute  Morgen  die  12jährige
Anna  Lehmann  aus  dem  Dorfe  Hausstecklust
auf  dem  Wege  nach  der  Schule  von  einem  Manne

 

übersallen,  vergewaltigt  und  rurch  Schaufelschläge
  niedergeschlagen.  Das  bewußtlose  und
schwerverletzte  Kind  wurde  in  das  Krankenhaus

  nach  Jüterbog  gebracht,  wo  es  bald  siarb.
Als  der  Tat  verdächtig  sind  bieher  zwei  Männer
  e  igenommen  worden.

a,  1.  Mai.  Auf  der  Saalebahn  bei
Jena  ist  heute  nachmittag  das  letzte  Stück  des
hoch  gelegenen  zweiten  Geleises  angeschlossen
und  damit  der  weigeleisige  Betrieb  der  Lini:
Berlin—  München  in  vollim  Umfange  endgültig
  aufgenommen  worden.  Heute  vor  40  Jahren
wurde  die  Saalebahn  dem  Verleht  übergeben.

Ru  dolstadt,  1.  Mai.  Die  Gewerbe-Insveltion
  für  Schwarzburg-  Sondershausen  hal
er’nsttelt,  daß  in  einer  Thermometermacherfamilie
  drei  Kinder  infolge  Quecliilbervergifung
  stark  zurüchgeblieben.  der  Sprache  verluctig
  gegangen,  nahezu  völlig  verblödet  und
zeitweilig  am  Körper  mit  eiterigen  Geschwüren
bedeckt  sind.  Die  Kinder  wurden  in  ein  Kranrenhaus
  nach  Blankenburg  gebracht.

Lalbe  ftertadt,  1.  Mai.  Die  beiden  Offizierflieger
  Leutnant  Niemeier  vom  Sachsischen
Ins.-Reg.  Nr.  178  als  Führer  und  Oberleutnant
  Maner  vom  Lufstschisser-Bataillon  1  als
Begleiier,  die  heute  Morgen  in  Döberitz  auf
einem  Doppeldecker  aufgesticgen  waren,  sino
lbeute  Mittay  in  Höbe  von  20  Meter  über  dem
Flugplatz  Halberstadt  von  einer  Boe#  erfan
morden.  Der  Apporat  wurde  zu  Voden  geschlendert
  und  vollständig  Frtrümmert.  Oberleutnant
  Mayer  wurde  sofort  getötet,  Leutnant
Riemeier  schwer  verietzt.

Zu  dem  Eitenbohnunglück

Amllich

ist  endgültig  festgest  elit,  daß  dem  Unglück  drei
——.  —-—



 

Snrmonds  zu  dietem  Zweck  übergeben.  Sehen  Sie
nicht  ein,  was  eine  solche  Forderung  bedeuten
würde?  La.  orence  wurde  ein  bis  zwei  Stunden
nach  unserem  Kartenspiel  ermordet.  Wie  lann
jemand  die  Summe  wissen,  die  er  gewonnen  zu
haben  behanvteie?  Keiner  sah  ihn  zwischen  dem
Ende  dieses  Spiels  und  seiner  Ermordung,  außer
der  Mann,  der  ihn  ermordete.“
„Fräulein  Moore  sah  ihn  —  und  S
„Wollen  Sie  damit  anbenten,  daß  F
Moore  diesen  Brief  schrieb  —  oder
„Ich  verstehe.  Sie  schließen  daraus,  daß
derjelnae  der  dies  schrieb,  Lawrence  tötete,  weil
der  Brief  Dinge  enthält,  die  nur  der  Mörder
wissen  lonnte.  Darin  liegt  etwas  Wahres.  Aber
wenn  das  so  klar  ist,  ist  es  dann  nicht  etwas  sel
unüberlegt,  Ihnen  überhaupt  zu  Füeiben  —  8
unüberlegt,  daß  es  fast  unbegreiflich  ist
Slechne  —  *-  kennen  inns  das  beuni-
  Eprichw  hw  ge  nicht,  dan  es  ganz
Uar  ist.  Im  seas  95  “v“  Wglanbe.  ist  verwickelter
  wie  Sie  denken.  Le  daß  der
Schreiber  dieses  Briefes  Lawrence  tötete  —  und
ich  glaube,  es  wird  s  herausslellen,  daß  das  der
Sali  war  —  so  ist  die  Frage,  wer  schrieb  es.
Die  Unterschrift  kanlet  See  Göttin“.  Ich  glaube
ei  Göttin“  ist  der  Schrei  ber.  Frage,  wer  ist  die
öttin)  Das  ist  das  Rätsel-„Sprechen
  Sie  obsichillch  in  Geheimsprache?
Dars  ich  fiagen.  was  Sie  eigentlich,  meinen
I  slcher,  daß  ich  das  selbst  w
Ich  9.  e  be  605  weit,  zu  behaupten.)  d  t
etwas  übernatürliches  vorläge  —
schichte##  lemmt!  zutr  cesbeht  isin  Fürccb  bor.  tie
Das  sagen  Sie  nur  lieber
der  üh  t⅛ê½  Heset  erkennt  bel  Ver-Hechen
  nichts  Uebernatürliches
„Vielleicht  nicht!  Sie  lagme,  e  war  ein

 

Mann.  Somonds  denlt,  es  war-  eine  Frau;  ich
glaube,  Sie  irren  sich  alle  bei  Lawrence
wurde  weder  von  einem  Sbeid  noch  von  einer
Tran  ermordet.  Wer  oder  was  ist  „die  Göttin“!
Finden  Sie  das  aus  und  Sie  haben  den  Verbrecher.“

Seine  Lippen  verzogen  sich  zu  einem  ironischen

Lächeln.

„Ich  möchte  wirklich  wissen,  ob  Sie  im  Ernst
deulen.  zmich  an  der  Nase  herumführen  zu  können.“

I  .  Der  Mann  war  so  voll  EGist
und  Haue,  daß  er  jede  Gelegenheit  benutzen  mußte,
einen  Tropfen  davon  nach  mir  zu  verspritzen.
Seine  Ansichten  über  mich  waren  schon  vorher
keine  allzu  freundlichen  gewesen.  Jetzt,  da  der
Schatten  einer  Frau  zwischen  uns  getreten  war,
jetzt  sühlte  ich,  daß  er  nicht  davor  zurücckschrecken
würde,  mich  an  den  Galgen  zu  liefern.  Daß  meine
Unschuld  erwiesen  würde,  wäre  ihm  ganz  gleichgiltig
  —  sofern  ich  nur  zuvor  aufgeknüpst  worden

Während  ich  noch  überlegte,  was  ich  ihm
antworten  sollte.  —  denn  wenn  ich  auch  hofste,  ihn
im  gegebenen  Moment  bei  der  Kehle  zu  packen  und
sanft  zum  Fenster  hinaussallen  lassen  zu  könneyn,  so
wünschte  ich  doch,  ihn  inzwischen  mit  der  rößten
Höflichkeit  ubeb  behandeln  —  kam  ajend  ins  Zimmer
#eltr.  #  urner,  der  Nacht-Portier.  Er
chien  just  ein  Handguerener  tgehabt  zu  haben.
Denn  er  hielt  sein  Taschentuch  an  die  Nase  und
seine  ganze  Livrec  war  in  Unordnung

„Herr  Philipp  Lawrence  ist  rornP  die  Hinter.
treppe  hinuntergegangen.

Wir  starrten  ihn  an,  —  ohne  icheuch  zu  —

isen,  was  er  eigentlich  wollte.
danken  waren  anderweitig  in  Anspruck  nler  Gel.
gewesen.  n  nicht  be-Als

  er  merkte,  daß  wir
Kriffen,  fuhr  er  sast.wülend  lort

In  511  Fällen.

 

Tote,  fünf  Schwerverletzte  und  10  Leichtverletzte
  zum  Opser  sielen.  Heute  abend  waren  die
Aufräumungsarbeiten  so  wert  fortgeschritten,
daß  der  Personenverlehr  wieder  durchgefübrt
werden  lann,  —  en  ist.  der  Güterverkehr  noch
Beschränkungen  un  gorworsen.  Unter  den  Trümmern
  der  verunglückten  Züge  fand  man  keine  Toten
  mehr,  so  daß  Soffnung  besteht,  daß  es  bei
den  drei  Todesopfern  bleiben  wird.  Der  getötete
  Lokomotioführer  Lehr  war  40  Jahre
alt,  verheiratet  und  Vater  mebrerer  Kinder.
Die  im  Maimer  Kranlenhaus  befindlichen  vier
Schmerverletzten  befinden  sich  den  Umständen
nach  zufr  edensfellend.  Die  Verletzungen  bestehen
  meist  in  Ouetschungen  und  Brüchen;  Lebensgefahr
  besteht  bei  keinem.  Das  Befinden  des
erheblich  verletzien  Heizers  des  Personenzuges
hat  sich  so  weit  gebessert  daß  auch  er  als  gereltet
  angesehen  werden  kann.  Das  Ungläck
wurde  deshalb  so  solgenschwer,  da  cs  sich  a
einer  Stelle  ereianete,  wo  der  Bahndamm  fun
Meter  hock  ist,  den  ein  Wagen  vierter  Klasse
hinunterstürzte.

Osterfeld  (Regbez.  Münster),  1.  Mafk.

Heute  Nachmiltag  brach  an  der  Grenze  der  Proofnzen
  Rheinland  und  Westsalen  zwischen  Osterfeld,
  Hißfeld,  Kirchhellen  und  Sterkrade  in  den
Waldungen  des  Cropßindustriellen  Grilla  ein
Waldbrans  aus,  der  auf  die  herzoglich  arenberoi#chen
  Waldungen  übergriff.  Das  Feuer  verbreitete
  sich  über  800  Morgen  Wald.  Alle  Feuerwehren
  der  Umgegend  wurden  berbeigerufen.
doch  ulst  die  Eindämmung  des  Feuers  angelichts
  des  Windes  und  der  Trockenheit  unwahrscheinlich.
  Das  Forsthaus  ist  von  den  Flammen
füngrichloffen.  Etwa  40  000  Morgen  sind  geährdet


Triest,  1.  Mai.  Die  sozialdemokratischen
sowie  die  Hovenischen  Arbeiterorganisationen
veranstalteten  zur  Maifeier  nach  den  öffentlichen
  Veriammlungen  Umzüge  durh  die  Stadt.
Während  die  Kundgebungen  der  Sozialdemokraten
  ruhig  verliesen,  kam  es  bei  dem  Umzug
der  Slovenen  zwischen  diesen  und  Italienern
an  mehreren  Punkten  der  Stadt  zu  Schlägereien,
so  daß  die  Polizei  eingreifen  mußte.  Ein  Slovene
  verletzte  einen  Italiener  schwer  durch  einen
Stich  ins  Herz.  Aus  einem  Gasthause  wurden
auf  eine  Gruppe  von  Slovenen  zwei  Nevolverschüsse
  abgefeuert,  iedoch  wurde  niemand  getroffen.
  Die  Italiener  veranstalteten  Gegenkundgeburgen
  und  warfen  dabei  verschiedene
Fenster  ein.  Es  wurden  29  Personen  verhaftet.

Pares,  1.  Mai.  Bis  abends  Jat  die  Maifeier
  leine  Störungen  verursacht.  J.  n  Paris  und
in  der  Provinz  fanden  einige  Wiamankungen
und  Umzüge  statt.  In  den  staatlichen  Streichboltz-
  und  Tabalfabriken  und  in  einigen  anderen
Fabrilen  wird  wie  in  früheren  Jahren  gestreilt.

Warschau,  Mai.  Anläßlich  der  heutigen
  Maifeier  Hleeiice  in  achtlig  Fabriken
11.000  Arbeiter.

Münchener  Neuigkeiten.

München,  1.  Mai.  Am  Dienstag  abend
wurde  in  einem  Walde  in  der  Nähe  von  Geielgasieig
  ein  21  Jahre  altes  Dienstmädchen
mit  einem  Handschuh  im  Munde  von  Holzamnilerinnen
  bewußtlos  aufgefunden.  Der  Anschein,
  daß  an  der  Kranken  ein  Sittlichkeitsverbrechen
  r#r##bi  worden  war,  wurde  resäkt
durch  deren  Angabe,  daß  sie  auf  einem  Spat#iergang
  mit  ihrem  Geliebten  von  diesem  äberwältt
  gt  worden  sei;  um  sie  am  Schreien  zu  verhindern,
  habe  er  ihr  ihren  eigenen  Haudschub
in  den  Mund  geschoben.  Ein  Mann  mit  dem
vom  Mädchen  angegebenen  Namen  war  in
München  nicht  ausmforschen;  dagegen  wurde
erhoben,  daß  das  Mädchen  als  hysterisch,  be.
lannt  is.  Am  Donnerstag  naczmittag  wurde
oie  Kranke  im  Kranfenhaus  r.  d.  J.,  wo  sie

 

 

„  lawohl,  er  ist  eben  die  Hlntertreppe  bin,
untergegangen,  und  eine  neite  Sorte  ist
Herr  Pbilipp  Lawrence!  Ich  stand  im  Torweg
und  rauchie  eben  meine  Pseise  zu  Ende,  als  ich

ihn  kommen  sah.  Herr  Lawrence,  he  ich,  wie

traurig  ist,  dies  mit  Ibrem  Herrn  Bruder.  Ich

bin  erst  eben  gelommen  zud-ks  habe  es  erst  vor
□

kurzem  gehört.  Das  war  auch  der  Fall  und  ich
war  ganz  auseer  mir.  Er  sagte  Nu  Eilbe,
sondern  stürzte  sich,  als  ich  den  Mund  auftat,  wie
ein  wilder  Stier  auf  wich,  hieb  mir  quer  ũber
die  Nase  und  stieß  mich  rückwärts  nieder,  so  daß
ich  mit  den  Kopf  auf  die  Straße  schlug  ist
das  reine  Wunder,  daß  ich  nicht  bu  Lenhunng
verlor,  so  unerwartet  kam  alles  und  so  toll  schlug
er  zu.  Sobald  ich  wieder  aufstehen  konnte,  sah
ich,  wie  er  die  Straße  hinunter  und  um  die
Ecke  raste,  als  ob  es  um  sein  Leben  ginge.“
F.  Hume  und  ich  sahen  Turner  und  dann  uns  an.

„Sind  Sie  sicher,  daß  es  Herr  Philipp  2
rence  war?“
.  Turnee  sah  mich  werwurssroll  an.

ich  sicher  bin?  Glauben  Sie,  da

o  -  von  einem  1  errn  sage,  ohne  meiner
44  zu  geinen  Ji  seh  r  wah  cheinlich.“
n  forf
4  en  hre  n  27  daß  Herr  Phll
Lawrence  Sie  in  der  chriebenen  Art  und
Weise  se  grif-  ohne  dab  Eie  m  irgendwie  provo-Ich

  weiß  *  Sie  wänre  nennten.
Ichrba  habe  nur  das
eben  r  Und  ich
übel  nehmen  lann,  wen

ich
che

—  #n  te  mit  seinem  Bruder  war.“
baben  Sie  a8  nichis  gesagt  oder  getan?-habe
  überhaupt  garnichts  getan  —  das

 

 

Sonntag,  3.  Mai  7074

untergebracht  ist,  von  einem  Ant  undersucht.
Nach  der  Untersuchung  begab  sie  sich  in  den
Abort  im  1.  Stock  und  siurste  sich  aus  dem  euster
  in  den  Garten,  wo  sie  liegen  blieb.
Vorfall  wurde  sofort  bemerkt,  woran
Mädchen  auf  einer  Tragbahr  in  den  Operationslaal
  getragen  wurde.  Es  hat  sich  durch
den  Sturz  eine  Rückenquetschung  zugezogen.

München,  1.  Mai.  Die  Vorstandschaft  des
kathol.  ländl.  Dienstbotenvereins  hat  Herrn
Pfarrer  Simmet  in  St.  Georgen  bei  Trostberg
zum  Landeepräses  gewählt.  Herr  Pfarrer  Simmet
  war  bisher  Hzanpeile  des  Vereins
für  oie  Erzdiözese  München-Freijing.  Als  Landespräsirent
  ist  nunmehr  Herr  Pfarrer  Simmet,
der  als  Dihzesanpräses  sehr  eifrig  für  den
Verein  tätiqg  war,  der  Vorsitzende  des  Vereins,
der  gegenwärtig  20  700  Mitglieder  zählt.

Bayerische  Nachrschten.)##

Kaufbeuren,  1.  Mai.  Die  Milchwirtschaftliche
  Untersuchungsanstalt  Memmingen  hat
selgende  interessante  Statistik  über  Milchfälchungen
  in  Schwaben  gaufgestellt:  im  oberen
Algäu  wurden  bei  55  Sennereien  8  Milchfälschungen,
  im  unteren  Algäu  bei  135  Sennereien
57  Fälschungen,  im  Unterlande  bei  205  Sennereien
  36  und  in  der  Donaugegend  bei  80  Sennereien
  107  Fälschungen  vorgefunden.

Memmingen,  1.  Mai.  Bei  der  Bürgermenterversammlung
  des  Bezirksamtes  Memmingen
  am  28.  April  einigte  man  sich  für  die
Ferübildungsschule  auf  dem  Lande  auf  folgenden
Vorichlag:  Es  möchten  die  Bürgermeiner  in
eheen  Gemeinden  dahin  wirlen,  daß  wenigstens
  in  den  Monaten  Dezember,  Januar  und
Jebruar  der  sonntägliche  Fortbdungsschulunterricht
  auf  den  Vormittag  des  Wochenralanztages
  verlegt  werden  soll  und  zwar  mit
einer  solchen  Uniertichtsstundenzahl,  dah  eine
Minimalunterrichtszeit  von  100  Stunden  erreicht
  wird.  Für  die  übrigen  Monate  soll
der  Unterricht  an  den  Sonntagen  beibehalten

werden.  Weiter  wurde  beschlossen,  bei  den  zustendigen
  Behörden  dahin  vorstellig  zu  werden,
es  möchte  von  1917  ab  den  Landgemeinden
auf  deren  Wunsch  unter  Berücksichtigung  der
örtlichen  Verhältnisse  eine  Abminderung  der
jährlichen  Unterrichtsstunden  bis  zu  100  gestattei
  merden.

Regensburg,  1.  Mai.  Eine  Reduzierung
der  Wurstpreise  soll  im  Benehmen  mit  der
Metzgerinnung  versucht  werden.  Herr  Nechisrat
  JZwick  teilte  in  der  heutigen  Sitzung  des
Magistrats  mit,  daß  er  mit  der  Innung  bereils
  ins  Benehmen  getreten  sei,  um  diesbezügliche
  Verhandlungen  einzuleiten.  Eine  Herabsetzung
  der  Wurstpreise  sei  auch  nicht  mehr  als
bilüg,  wenn  man  bedenkt,  ah  die  Einkaufspreise
  für  Schweine  ganz  bedeutend  zurückgegangen
  sind.  Zu  dem  Zeitpunkt,  da  die  Metzger
  sich  gezwungen  sahen,  die  Wurstpreise  in
oi:  Höhe  zu  schrauben,  kostete  das  Pfund
Schweinefleisch  im  Ankauf  dem  Metzger  88—90
Pig.  Heute  tostet  das  gleiche  Qnantum  58—62
d.  Daraus  dürfte  die  Notwenoigkeit  einer
Preisredurierung  ohne  weitercs  erhellen.

Bamberg,  1.  Mai.  Heute  abend  7  Uhr,
lurz  v##  Beginn  der  Maiardacht,  **——#  der
einarmige,  verheiratete  Taglöhner  Aloie  Uebel
ron  hier  in  der  St.  Martinslirche  auf  die  Kanà
  und  schrie  aus  vollen:  Halse:  „Wir  brauchen
ici  nen  König  und  keinen  Kaijer.  Es  lebe  die
Freiheit,  Hoch  das  Proletariat!“  Biele  Befu--ch-#erlieentjüstet
  dicht  gefüllt  Kirtr.
  Die  Poleizei  machte  dem  Slandal  ein  Ende
und  nahm  Uebel,  der  sich  bis  auf  Hose  und  Hemd
enrlleidet  hatte,  fes.  Auf  der  Polizeiwache
fricite  Uebel  den  wilden  Mann.  Er  ist  schon
vielfach  vorbestraft  und  gerichtsbelannt;  in  der

besorgte  er  ales  und  was  ich
wissen  Sie  ja

 

 

„Tr  kinch  ich  lenne  Herrn  T#ühh  Lawrence
hanz  genau.  Er  ist  kein  Mensch,  der  so  ctwas,
ohne  gereizt  zu  sein,  begehen  würde.

Sie  haben  jemand  anders  ur  ihn  gehaller
Sie  verschweigen  uns,  absichtlich  oder  wubtw:
etwas,  das  ihm  ein  zernpender  Anlaß  schien,  um
so  zu  *—  wie  er  tat.“
lauter  Stannen  nahm  Turner  das
Ta#  enbich  von  Das  MBlut  tropfte
auf  seine  MWeste
„Nunk  denn  doch  Über  allesk!
Mir  sccheint,  d  ort  gilt  hier  su  garnichts.
Wenn  Sie  die  sragen,  die  ich  vielleicht  besser
kennen,  als  Sie  Herrn  Philipp  Lawrence,  werben
#es  Ihnen  fagen,  daß  ich  kein  Lügner  bin.
age  Ihnen.  er  mich  wie  ein  Feigling  um
nichts  und  wieder  nichte  1  nicdersteß  und  dann
Fersengeld  gab;  und  st  sem  Glück,  denn
h-  er  jetzt  noch  einmal  in  meine  Nähe  kommt,
l  es  ihm  eintränken,  aber  nicht,  ohne
m  vor  et  eine  Warnung  zukommen  zu  lassen.
ht  Man  nur'  nur  sagen,  Dr.  Hume,  daß
osr  bsicht  habe  und  wenn  ich  zehnmal
*  bin,  mich  d  einem  Herrn  na
ae  sr  on  lo  en  reh  7
und
r-  es  wee  t  gerade  schön  von  Pien  feine
ei
—  *.  Turner  und  schlug  ihn  auf  die
Schulter.

(Vorcsean  foltt.)