Full text : Rosenheimer Anzeiger. 60. Jahrngang (60)

Nummer  158

ren  sei.  Dieses  Gutachten  löme  nicht  vlel  kosten.
  Redner  unterstügte  den  Antrag  Huber  mit
dem  Zusatze,  daß  ein  Sachverständiger  gehört
weroe.
G.-B.  Kollmann:  Die  Frage  hänge  mit  dem
aheenm  Ankauf  der  Hofmühle  zusammen.  In
itte  der  neunziger  Jahre  sind  zwei  Peofene.
  aufgetaucht,  das  erste  betraf  die  Errichtung
  des  Eieltriztätswenler.  Das  war  nicht
vordringlich.  weil  die  Stadt  das  Gaswerk  hatte.
Das  zwmeite  Projekt  war  die  Wasserleitung.  Diese
  war  dringlich,  denn  die  damals  bestehende
Wasserleitung  war  unzulänglich  und  ganze  Vepirle
  waren  ohne  Hochdruck.  Es  war  daher
In,  daß  man  in  erster  Linie  an  die  Ausführung
d  §  Wasserwerkes  dachte.  Mehrere  Anwesen  wurden
  dazu  angekaust,  mit  den  Höhenbesigern  wurde
  verhandelt.  Plötzlich  wurde  aber  von  bem
Projelte  abgegangen,  man  wollte  zuerst  das
elektrische  Werk  bauen,  um  elektrische  Kraft  für
das  Wasser  zu  belommen.  In  Lofleiten  sollte
die  eleltrische  Station  erricktet  werden,  dazu
hat  man  eigens  ein  Anwesen  erworben  und  das
Haus  abgebrochen.  Am  17.  Sept.  1898  wuroe
dann  eine  Kumulatibsitzung  abgehalten.  Es
hießz,  die  Hofmühle  wäre  feil.  Das  war  jedoch
früher  auch  sch#n  der  Fall.  Dann  kam  ein
nganz  neues  Pre  .n  man  wollte  von  der  elektrischen
  Kraft  al  ben  und  die  Hofmühle  anlauften.
  Als  Kaufpreis  waren  115  000  Mk.  angeseg"
  Trotz  schriftlicher  Niederlegung  ist  aber
der  Preis  von  Frau  Huber  plötzlich  um  35.000
Ml.  auf  150  000  Mk.  erhöht  worden,  troßdem
murde  die  Hofmühle  gelauft.  Welcher  Privat:
lieste  sich  zu  so  etwas  herbei!  Als  nun  die  Frag#
der  Algabe  des  elektrischen  Stromes  vom  Werle
aklul  wurde,  hieß  es,  bei  der  Leitung  in  die
Hofleiten  sei  der  Stromverlust  zu  groß.  Das
habe  aber  nicht  gehindert,  daß  zwei  Jahre  später
  das  Sägewerk  Huber  ihn  doch  erhalten  habe,
nur  am  rechten  Ufer  sei  es  unmöglich  gewesen.
Uner  Wasserwerk  Bänge  mit  bleiernem  Gewicht
an  der  Hofmühle.  Es  habe  fast  eine  Million  gelostet,
  obwohl  in  nächster  Nähe  Wasser  in  Ueberfluß
  wäre.
60.-B.  Rais  stimmte  diesen  Aussührungen  zu.
Es  märe  richtiger  gewesen,  im  Elektrizitätawerk
seidst  die  Pumpstation  einzurichten.  Dann
ätte  man  das  Wasserwerk  mit  unter  einem
½  und  stets  frisches  Wasser  gebabt.  Hier
sei  der  allergrößte  Fehler  gemacht  worden.
Man  habe  sich  damals  sehr  dafür  ins  Zeug
geregt  und  eine  Kommission  aus  Nichtsachver—
ständigen  gewählt.  Was  die  Ausführungen  des
(G.-B.  Schrettenseger  anbelange,  so  sei  er  nicht
gen  richtig  informiert.  Er  stimme  aber  dem
5..B.  Dr.  Lechleuthner  zu,  wenn  die  Sache  nicht
%  schon  genügend  geprüft  sei.  Direlor
Eberle  sei  Fachmann.  Doch  glaube  er,  daß
man  trotzdem  nicht  zu  einem  anderen  Resultat
kommen  werde.  Denn  in  der  Kommission  könne
teine  größere  Kapazität  sitzen  wie  Direktor
Dyunkel.
GE.  B.  Wendl  wendet  sich  geg##n  Dr.  Lech-*22



leuthner.  Für  die  Kosten  lomme  ja  auch  noch
der  Verlauf  der  Lokomobilc  in  Vetracht,  für

die  auch  einige  Tausend  erzielt  würden.  Jehzt
lomme  man  nach  Abzug  der  Lokomobile  mit
14000  Mk.  durch,  später  koste  es  mehr.

G.-B.  Huber  wendet  sich  dagegen,  als  ob  die
Ausfüh  rungen  Mißtrauen  gegen  die  fslädtischen
Beamten  in  sich  schließen  würden.  Seinerseits
sei  dies  nicht  der  Fall.  Er  wiederhole  seinen
Antrag  auf  Zurückverweisung  der  Frage  an
die  zwei  einschlägigen  Kommissionen  unter  Beizichung
  eines  Sachverständigen  nach  dem  Vorschiage
  des  G.-B.  Dr.  Lechleuthner.  G.-B.
Schrettenseger  verwahrt  sich  auch  dagegen,  daß,
wenn  man  etwas  sage,  es  als  Mißtrauen  gegen
  die  Beamten  aufgefaßt  würde.  Da  wäre
es  jia  besser,  man  bliebe  gleich  ganz  daheim.
*7“  Mißtrauen  könne  keine  Rede  sein,  er  weile
diesen  Anwurf  ganz  entschieden  zurück.  G.-B.
Scheuer:  Von  den  beiden  Direktoren  sage  jeder
etwas  anderes  über  die  Ausführung  des  Procltes.
  Daher  sei  doch  die  Einholung  eines  Ober-Lutachtens
  das  Zweckmäßigste,  um  so  mehr,  als
die  Sache  nicht  vokdringlich  sei.  Was  stehe
denn  im  Wege,  daß  man  der  Sache  gründlich
nachgehe?  Er  bitte,  den  Antrag  Huber-Lechleuthner
  anzunehmen.  G.-B.  Krichbaumer
äußerte  sich  —  noch  für  den  Anschluß
an  das  städt.

Es  folgte  nun  Abstimmung.  Der  Magistrato=
  und  Kommissionsbeschluß  wurde  mil  allen
  gegen  6  Stimmen  abgelehnt,  während  der
Antrag  Huber-Lechleuthner  einstimmig  angenommen
  wurde.

FEotalnachrichten.
Rosenheim,  8.  Juli.

Vom  Simsbad  Hofmühle.  In  der
feutiuen  Sitzung  der  Gemeindebevollmächtigten
  regte  G.-B.  Wendl  die  Ausgabe  von  Saisonkarten
  für  das  Simsbad  Hofmühle  an.  Das
Kollegium  beschloß,  vom  nächsten  Jahre  ab
dieser  Anregung  stattugeben.

Das  Schulturnfest  unserer  Mittelschulen
  ist  auf  Donnerstag,  den  9.  Juli,  nachmiltags
  2  Uhr,  anberaumt.  Es  wird  auf  dem
Gymnasialspielplatz  am  Wasserhof  abgehalten.
Hoffentlich  wiro  das  Wetter  dazu  noch  günstig.

Die  ehem.  St.  Michgelskapelle,  in
deren  oberem  Stockwerk  die  Bramsche  Gemäloelammlung
  untergebracht  ut.  wird  zurzeit  i

 

—  ——□□

den  Parlerreräumsichfeiten  einer  garundlichrn

Renoration  unterzogen,  u.  a.  auch  d  z  Fuzboden
  erneuert.  Der  an  der  Ostseite  brfinelich-„Oelberg“
  wird  ebenfalls  renoviert.  Im  Par

terre  soll  bekanntlich  die  Kunstblattsammlung
ntergebracht  werden.

Die  Alpenvereinssektion  Rosenheim
  hat  eine  außLerordentliche  (Generalversammülung
  auf  morgen  Donnerslag,  abends  8
Nbr,  im  Flötzinger  Löchl  einberusen.  Auf  der
Tagesordnung  stehen:  Bewilligung  von  Mitteln
für  die  Hrchries-Slihütte,  Vergröherung  der
Aeranda  des  Brünsteinhauses,  Sabungsänderung
  und  Besprechung  der  Tagesordnung  der
diesjährigen  Haupkrersammlung  des  Alpenvereins.
  Die  Wichligkeit  dieser  Tagesordnung
macht  also  die  größtmögliche  Beteiligung  der
Mitglieder  an  der  Versammlung  erforderlich.

„Staatliche  Tierquälerei“.  Unler
dicsem  Titel  veröffentlicht  der  „Miesb.  Anz.“
eine  Zuschrif!,  in  der  es  heißt:  „Rokenheim  hat
bekanntlich  als  einziger  Ort  des  Sbert  andes  das
Renommee  seiner  Biehmärkte  zu  erhalten  gemußt.
  Auch  die  Bauern  und  Viehhändler  der
Miesbacher  Gegend  decken  einem  alten  Herkom:
men  nach  einen  Teil  ihres  Viehbedaties  in  Rosenheim.
  Interessant  ist  in  letztet  Zeit  der  Trans
port  der  Tiere  von  Rosenheim  nach  Mieskach
heworden.  Gewöhnlich  wird  in  Rosenheim  vormiltags
  10  Uhr  eingeladen;  nachts  10  Uhr  20
Minuten  treffen  die  Tiere  in  einem  bemittjeidenswerten
  Zustand  in  Mies  bach  ein.  Ueber  12
Stunden  muhz  so  das  Vieh  in  den  slundenlang  in
der  Sonne  stehenden  u.  unnatürlich  erhisten  Waagons
  schmachlen  trotz  erhöhter  Tarife  und  Zuschläge“.
  Die  Zuschrift  appelliert  dann  an  die
Tierschutzpereine.  Wenn  diese  Mitteilungen  den
Tatsachen  entsprechen,  ist  der  Ruf  nach  Abhilfe
gewiß  berechtigt.  Die  Stadt  hat  ein  Interese
daran,  daß  durch  solche  Vorknamaisse  der  Zu-3#19
  aus  der  Mieebacher  Gegend  zu  unseren  Märklen
  nicht  unterbunden  wird.

Der  Fremdensaison  wird  jetzt  ein  besseres
  Prognostikon  gestellt.  Bisher  hat  sich  die
Saison  etwas  merklich  langsam  angelassen.  In
München  hat  das  Amtliche  Bayer.  Reiseburean
bieher  etwa  50  000  Kü#ometer  meniger  mit  seinen
  Automobilen  in  das  Hochland  zurücgelegt
wie  im  Vorjahre.  Jedoch  sind  jetzt  Anzeichen
vorhanoen,  daß  eine  Besserung  eintritt,  und
awar  eine  recht  gute.  Die  Feriensonderzũge  sind
sehr  starl  besetzt,  ebenso  die  Ueberseedampfer.
Die  Hauptsache  ist  aber  schönes  Wetter.

Große  Gurkentransporte  gehen  zur
Zeit  hier  durch.  Die  Ferngüterzüge  von  Kufstein
brachten  viele  Wagenlacungen  Gurken  aus  Italien
  und  Südtirol,  die  für  Sachsen  und  Norddeutschland
  bestimmt  waren.  Mancher  diesel  Züge
  führte  30—40  Waggons,  von  denen  jeder  mit
Gurten  voll  beladen  war.

Böses  Mißgeschick  hatte  die  Laderinnung
  am  Dienskag-Nachmittag.  Beim  Umkehren
vor  oei  Wolfschen  Schlosserei  in  der  Königsstraße
  lippte  cer  einseitig  belastete  Wagen  um.
Dadurch  wurde  die  Deichsel  derart  in  die  Höhe
gedrückt,  daß  für  die  Pferde  Gefahr  bestand.
Mittels  Zangen  wurden  die  Ketten,  mit  denen
die  Zugtiere  an  der  Deichsel  hingen,  abgee


Der  Inn  ist  abermals  wesentlich  gestiegen.
Am-  Dienstag.  abend  7  Uhr  zeigte  der  Pegel
2.61  Meter,  bis  heute  früh  7  Uhr  waren  bereitso
  3.12  Meter  erreicht.  Zu  Mittag  konnlen
  3.20  Meter  abgelesen  werden.  Die  groten
  Niederschläge  machen  sich  also  neuerdings
geltend.

Aus  Juduflrie  und  Gewerbe.
Chewische  Fabrik  Heufeld.  Die
Bayerische  Allien-Gesellschaft  für  chemische  und
lanowirtschaftlich  chemische  Fabrilate  Heufeld  erzielte
  in  dem  am  30.  April  1914  beendeten  Beltriebsjahr
  einen  WM.#rengewinn  von  1531  652
Mark  (gegen  1  362  025  Mark  im  Vorjahr  und
1207  059  Mk.  vor  zwei  Jahren).  Eleichzeitig

erforderten  die  Fabrikationsunkosten  1272  456
Mark  (gegen  1  091  4768  Mk.  bezw.  1.044  8
Mark).  Die  übrigen  Posten  des  Gewinn=  und
Verlustlontos  zeigen  gegen  das  Vorfjahr  leine
starten  Veränderungen.  Nach  89  742  (65  467)
Mark.  Abschreibungen  wird  ein  Jahresgewinn
von  90  626  Mk.  gegen  115  020  Mk.  im  Vorjahre
  ausgewiesen.  Der  Gewinnvortrag  aus  dem
Vorjahre  von  105  566  Mk.  mindert  sich  um
den  Betrag  nachträglich  zu  3  Prozent  eingelöster
  Dividendenscheine  fun  1906  um  180  Mk.
auf  105  386  Mk.  Hiezu  kommt  das  gesamite
Gewinnergebnis  des  abgelaufenen  Berichksjahre
  mit  90  626  Mk.,  so  daß  die  Bilanz  mit
einem  Gesamtüberschuß  von  196  013  Mk.  (gegen
  121  332  Mark  im  Vorjahre)  abschließt.
Hiervon  sind  4531  Mk.  der  gesetzlichen  Reserve
zuzuweisen;  zur  Arbeiter-Pensionslasse  find
Mk.,  zu  Tantiemen  an  Vorstand  und  Angellellte
  7102  Mk.  stimmt.  Der  Vorzugs-Tiotenden-Rest
  für  1906  zu  7188  Mk.  und
die  Vorzugsdiovidende  für  1307/08  mil  66000
Mark,  alfo  zusammen  73  188  Mk.,  sollen  eingelöst,
  110  191  Mk.  auf  neue  Rechnung  vorgetragen
  werden.  Die  Verwaltung  legt  noch  dar:
„Es  sind  Anregungen  an  uns  ergangen  #uf  Zufammenlegung
  von  Aktien  und  auf  Umwandiung
  unserer  Vorzugs-Dividenden-Rückstände,
welche  nach  Anmahme  unsleres  heutigen  Antra- 



ges  noch  für  sechs  Jahre  insgesamt  297  000
Mark  betragen  werden,  in  eine  unrerzinsliche,
aus  den  Jahresgewinnen  auf  dem  Wege  der
Auslosung  zu  tilgende  Obligationenschuld.  Unsere
  Beurteilung  der  heutigen  Lage  Heufelos
veranlaßt  uns,  von  Anträgen  in  dieser  Nichtung
  abzusehen.

Vom  bayer.  Holzmarkt.  Der  Absatz
in  Banholz  konnte  auch  während  der  jüngsten
Zeil  befriedigen,  trotzdem  man  noch  viele  Klagen
  über  ungenügende  Bautätigkeit  zu  horen
besommmt.  Die  bayerischen  Vauholrägen  iind
auf  jeden  Fall  heuer  weit  besser  beschäftigt  u#12
im  Vorjahre,  wo  sich  viele  in  Ermanglung
von  Aufträgen  mit  dem  Brettereinschnilt  besassen
  mußten.  Der  Umschwung  in  der  Wilterung
  zum  Besseren  hat  am  Baulolzmarkte  wicder
  bessere  Stimmung  gczeitigt.  Mit  großer
Spannung  erwartet  man  zurzeit  am  Eichenholzmarlte
  das  deutsche  Urteil  über  die  Vermenoungsbrauchbarkeit
  der  jaxanischen  Eiche,  die  am
deutschen  Markte  seit  einiger  Zeit  große  Beachtung
  gefunden  hatte.  Nun  treffen  aber  aus
England  Nachrichten  ein,  denen  zufolge  dorten
  ein  ungünstiges  Urteil  Aber  die  ausländische
Ware  gefällt  wurde.  Es  wird  berichtel,  daß  die
sapanische  Eiche  hinsichllich  ihrer  Beschaffenheit.
in  Wirlklichkeit  nicht  das  sei,  was  ehedem  von
ihr  angenommen  wurde.  Auf  jeden  Fall  wiro
die  deutsche  Tiche,  falls  die  japaniiche  auch  bei
usns  in  Mißtredit  kommen  sollte,  an  Bedeutung
  wieder  gewinnen.  Am  Markte  mit  Eichenholz
  ist  gegenwärtig  der  Absatz  und  der  hanze
Geschäftsgang  sehr  flau.  Vielfach  ist  es  nicht
mögiich,  d.e  um  Winter  gelauften  Eichen  urt
leiche  Pre'se  abmietzen,  ganz  abgesehen  von
gewinnbringenden  Preisen.  Auch  die  banerische
Möbelindufirie  erscheint  mit  sehr  bescheidenem
Bedarfe  am  Markte.  Die  großen  Möbelgeschäfte
  halten  mit  ihren  Aufträgen  sehr  zurück,
weil  sie  m  wenig  Beschäftigung  haben.  Am
bayerischen  Breltermartle  nimmt  die  Produktion
  infolge  eines  sehr  günstigen  Wasserstandes
einen  ungehinderten  Fortgang,  so  daß  einmal
die  Vortäte  während  der  jüngsten  Zeit  sich
sehr  anhäuften,  und  weiter  die  Bestände  an
Rundhol=  wesentlich  zurückgegangen  sind.  Bei
weiterem  Anhalten  des  guten  Wasserstandes  werden
  die  meisten  Wassersägen  ihren  Vorrat  an
Rundholz  bis  gegen  Ende  des  Jahres  aufgearbeitet
  haben,  so  daß  allseits  dit  ersten  Kaufgelegenheiten
  in  den  Forsten  rege  benüst  zu
werden  scheinen.  So  dürfte  ein  Zurüdgehen
der  Holrpreise  für  den  nächsten  Winter  schon  in
Anbetracht  des  Vorhergesagten  schwerlich  zu  erwarten
  sein.

 

Grenzlande.

Innsbruck.  7.  Juli.  In  die  in  Touristenkreisen
  weit  beiannte  idyllische  Waldkapelle,,  Hötlinger
  Vild“  auf  dem  Wege  zum  Frau-Hittsaltel
  wurde  heme  vormittag  eingebrochen.  Die
Kapelle  wurde  vollständig  ausgeraubt  vorarfunden.
  Von  den  Tätern,  die  die  Kapelle  und
Sakristei  vrerwüsteten,  fehlt  jede  Spur.

Aus  dem  Gerichtssaale.
Kal.  Amtsgericht  Rosenhetmn.
Dienstag  den  7.  Juli  1914.

Wegen  Diebstahls  und  Hehlerei  saßen  die  bereits
  vorbestraften  Taglöhner  Johann  Buchner
in  Mitterhart,  Kerneder  Josef  in  Kolbermocr,
der  Eroorbeiter  Hötzinger  Georg  in  Bach  und
Foriner  Franz  von  hier  auf  der  Anklagebanl.
Am  14.  Februar  heurigen  Jahres  mußten
Buchner,  Kerneder  und  Hoͤhinger  auf  dem  Verladeplatz
  des  hiesigen  Güterbahnhofe-  eine  dem
Kaufmann  Wachter  hier  gehörige  Ladung  Altcisjen
  abladen  und  nach  etwaigen  edleren  Metallen
  sortieren.  Bei  dieser  Arbeit  kam  auch
ein  kupferner  Eimer  im  Gewichte  von  3½  Kilo
zum  Vorschein.  Den  Angeklagten  wird  nun  zur
Last  Lelegt,  diesen  Eimer  dem  Mitangeklagten
Fortner  gegeben  zu  haben,  damit  ihn  derselbe
verkaufe,  was  dieser  auch  tat.  Den'  Erlös  behielten
  die  Unehrlichen  für  sich.  Fortner  bestreitet,
  gewußt  zu  haben,  daß  der  Eimer  auf
unrechtmäßige  Weise  in  den  Besitz  der  anderen
drei  Angeklagten  gekommen  war.  Doch  das  Gericht
  war  anderer  Meinung.  Fest  steht  nämlich
  durch  Zeugenaussage,  daß  Fortner  am  14.
Februar  den  ganzen  Tag  in  der  Nähe  des
Lagerplatzes  zugebracht  hat  und  plötzlich  von
Kerneder  und  Buchner  gerufen  wurde.  Sie
übergaben  ihm  den  fraglichen  Eimer  mit  der
Weisung,  ihn  zu  verkaufen.  Wegen  eines  Vergehens
  des  Diebstahls  erkannte  das  Gericht  beie
Buchner  auf  10  Tage  Gefängnis,  wegen  Hehlerei
  bei  Fortner  auf  5  Tage  Gefängnis.  Hötzinger
  wurde  unter  Ueberbürdung  der  ausscheidbaren
  Kosten  auf  die  Staatskasse  freigesprochen,
  weil  ihm  nicht  nachgewi-esen  werden
donnte,  daß  er  ebenfalls  bei  dem  „GEeschäft“
beteiligt  war.  Der  Mitangeklagte  Kerneder  war
lrotz  rechtzeitiger  Ladung  nicht  erschienen,  weshalb
  gegen  ihn  Haftbefehl  rrssen  und  das
Verfahren  einstweilen  ausgesetzt  wurde.

Die  Hausiererin  Elisabeth  Stephan  in  Nicklbeim
  wurde  beschuldigt,  ihre  beiden  Kinder,
einen  14jährigen  Sohn  und  ein  13ähriges
Mädchen  bei  Ausübung  ihres  Beruses  mit
verwendet  zu  haben.  Ferner  hat  sie  ihre  *
tex  zum  Betieln  ausgeschidt  oder  doch  den

 

 

 

Donnerstag,  9.  Juli  1014

Beliel  nicht  verhindert.  Es  wurde  ihr  deshalb
ein  Gtkosbecht  #gestelt.  der  auf  12  Mk.
eventuell  4  Tage  Haft  lautete.  Die  Stephan
erhob  dagegen  GEisspluch,  aber  ohne  Erfoelg.
Die  Beweisaufnahme  ergab,  daß  der  Sohn
mit  Seifen  hausiert,  während  die  Tochter  in  den
Häusern  gebettelt  Die  Angeklagte  bejsaß
aber  nur  einen  Wonvergenerbeichein  für  Lumpensammeln,
  Handel  mit  Kurzwaren  und  für
ineinen  Austausch.  Die  auf  dem  Mandarswege
  ausgesprochene  Strafe  wurde  daher  aufrecht
  erhalten.

Wegen  gefährlicher  Körperverletzung  hatten
sich  der  Taglöhner  und  Hausbesicer  Lorenz  Kébinger
  in  Westerndorf-St.  Peter  und  die  Malcr##hefrau
  Therese  Uebelacker  von  hier  zu  verantworten.
  Am  10.  Mai  drang  Köbinger
in  dse  Wohnung  der  Uebelocker,  die  demels  bei
ihm  in  Logis  war  und  machte  ihr  Vorwürfe
wegen  vorausgegangener  Streitigkeit,  welche  bie
Angeklagte  mit  der  Frau  des  Köbinger  hatte.
Dabei  erhitzten  sich  die  Gemüter  derart,  daß
es  bald  zu  Tätlichleiten  kam,  wie  die  Anil-  e
schrift  sagt.  Die  Angellagte  soll  einen  S.,#
halen  genommen  und  dem  Köbinger  auf  den
Kopf  geschlagen  haben,  während  der  Angeklagte
Köbdinger  die  Uebelacker  mit  einem  Stuhl  tcallierte
  und  mit  dem  der  Angeklagten  entrissenen
  Schürhaken  deren  Schwiegertochter  einen
Schlag  auf  den  rechten  Arm  versetzte.  Die  Beweisaufnahme
  ergab.  daß  die  Uebelacker  erst
zum  Schürhaten  deqlissen  hat,  als  Köbinger
trotz  mehrfacher  Aufforderurg  die  Wohnung
nicht  verlassen  wollte  und  die  K###uu  demnact
in  der  Wahrung  ihres  Hausrechte  gehandelt
hat,  wenn  sie  auf  Köbinger  eingedrungen  ill,
was  sie  aber  in  Abrede  stellt,  weshalt  die
Uebelader  unter  Ueberbürdung  der  aussmeidbaren
  Kosten  auf  die  Staatskasse  freigesprochen
wurde.  Gegen  Köbinger  erkannte  das  Gericht
wegen  Kefährlicher  Lnteerverssiun  auf  3  M.
vdet  einen  Tag  Geläi#nis,  wobei  z#m  mildernce
Umstände  im  weilestgehenden  Maße  zugebilligl
  wurden.

Schön  hereingefallen  ist  der  Dienstknecht  Taver
  Kempinger  in  Westerndorf-St.  Peter.  Er
nahm  am  17.  Mai  l.  IJs.  in  der  Pronotdschen
Wirtschaft  in  Westerndorf  einen  dem  Taglöhner
An'n  Ster#l  gehörigen  Wetterkragen  im  Werie
von  12  Mark  mit,  ohne  den  Eigentümer  oavon
zu  verständigen  und  ohne  den  Kragen  dem
Sterim  wieder  zurückzugeben.  Er  redete  sich
in  der  Hauptverhandlung  darauf  hinaus,  er
hale  gemeint,  nachdem  Sterzl  ein  „Luter
Freund“  von  ihm  sei,  könne  er  den  Mantel  einstweilen
  anniehen,  weil  es  stark  regnete.  Es  stellie
sich  aber  heraus,  daß  die  „Freundschaft“  zwischen
  den  beiden  nicht  so  weit  her  war.  Wegen
  Diebstahls  kann  jetzt  Kempinger  drei  Tag:
„brummen“.

Die  Hauptverhandlung  gegen  die  Kochkermcrin
  Maria  Pfeffer  in  Prien  wurde  ausgesehzt
und  Haftbefehl  erlassen,  da  die  Angeklagte  tratz
rechtzeitiger  Ladung  lücht  erschienen  war.  Desgleichen
  bei  dem  Schreiner  Martin  Spitzendobler
  in  Kufstein.

Wegen  Uebertretung  der  Baupolizei  wurde
der  Waldmeister  Anton  Hamer  hier  zu  2  Mark
event.  1  Tag  Haft  verurteilt.  Er  unternahm
bei  seinem  Zaune  vor  dem  Anwesen  an  der
Kufsteinerstraße  eine  größere  Reparatur,  ohne
vorher  die  Genehmigung  zu  erholen.  Die  Baupolizei
  wird  ermächtigt,  auf  Kosten  des  Angecliag#ten
  die  gesetzwidrigen  Zustände  zu  beseiti-#en.


Efn  fremdem  Eigentum  sehr  gefährlicher
Mensch  ist  der  Uhrmacher  Christoph  Maier,
zurzeit  Iheer  in  Untersuchungshaft.  Am  29.
Arril  I.  IJs.  verkaufte  er  mehrere  ihm  zur
Reparatur  übergebens  Uhren  im  Werte  von
20  Mk.  Das  Gericht  verurteilte  den  Ungetreuen
wegen  Unterschlagung  zu  6  Wochen  Gesängnis,
  weil  der  Wuelge  ein  alter,  oft  vorbestrafter
  Sünder  ist.

Wegen  Zechprellerei  muß  der  led.  Schweizer
Josef  Schönauer,  zurzeit  hier  in  Haft,  2  Wochen
  „brummen“.  Am  26.  Juni  machte  er
in  der  Oberauerschen  Wirtschaft  in  Unterflintsbach
  eine  Zechschuld  in  der  Höhe  von
2.34  Mk.,  wogegen  er  nur  22  Pfig.  bezohlen
  konnte  und  den  Rest  bis  jetzt  noch  schuldig  0l.
Auf  die  zwei  Wochen  werden  7  Tage  der  Untersuchungshaft
  angerechnet.  Wegen  des  gleschen
Reates  hatte  sich  der  Dienstknht  Alois  Fuchs,
zurzeit  hier  in  Haft,  zu  verantworten.  Juchs
blieb  am  30.  vorigen  Monats  i  in  der  Kloo=  und
in  der  Bergwirtschaft  in  Kiefersfelden  zwei  Zechen
  von  70  und  39  Pig.  schuldig.  Das  Urteil
  lautet  auf  5  Tage  Gefängnis,  die  durch
die  Untersuchungshaft  verbüßt  sind.

Eine  umfangreiche  Rauferei,  die  am  3.  August
1912  in  der  Gastwirtschaft  Nicklheim  inszeniert
wurde,  hatte  nunmehr  ihr  gerichtliches  Nachspiel.
  Es  hatien  sich  nämlich  die  Teilnehmer
wegen  Körperverletzung  zu  verantworten.  Es
sind  dies  die  Torfarbeiter  Gebhard  Hermann,
Gebhard  Leonhard,  Müller  Simon,  Herrman
Josef  in  Nicklheim,  Schmöller  Georg  in  Salinsilie,
  Pöschl  Ludwig  in  Kast.  erstraße,  Fallner
Franz  in  Gerst  fenn.  Reiter  Adolf,  Taglöhner
in  Erünthal,  Grüninger  Karl,  Bergarbeiter  in
Hetten,  Auer  Johann,  Taglöhner  in  Rottau,
und  Schmid  Taver,  Taglöhner  in  Nicklheim.
Fallner  und  Pöschl  waren  von  dem  Erscheinen
in  der  Hauptverhandlung  entbunden.  Im
Laufe  der  Rauferei  bewarfen  sich  die  Raufbolde,
die  sich  in  zwei  gleichstorke  Parteien  spalte-