Full text : Rosenheimer Anzeiger. 60. Jahrngang (60)

NHummer  160

Rosenheimer  Angzelger

 

In  der  höheren  Mädchenschule.

Zu  einer  Schlußfeier  hat  die  höhere  Mädchenschule
  Rosenheim  auf  Montag,  nachmittags
13  Uhr,  Einladung  ergehen  lassen,  der  von
allen  Seiten,  besonders  von  den  Eltern  der  Schülerinnen,
  sehr  zahlreich  entsprochen  wurde.  Wird
doch  den  Darbietungen  der  Schule  bei  jeder
Gelegenheit  gerne  Aug'’  und  Ohr  geboten,  vor
allem  auch  am  Schlusse  eines  abgelaufenen  Schuljahres,
  da  man  das  große  Arbeitsfeld,  das
so  erfolgreich  bearbeitet  worden  ist,  höchst  zusammenfassend
  überblicken  kann.  Bis  auf  das
letzte  Plätchen  war  die  geräumige  und  seslgeschmückte
  Halle,  inderen  Vordergrund  die  Büste
des  Landẽehertn  inmitten  eines  Rahmens  herrlicher
  Blattpflanzen  thronte,  beseht,  so  zahlreich
  war  man  von  nah  und  fern  herbeigeströmt.
U.  a.  hatten  sich  auch  Herr  K.  Hofrat  Bürgermeister
  Wüst,  Ö#.  Stadtpfarrer  Geßl,  mehrere
HH.  Geistliche  usw.  eingefunden.

Eine  Lut  gewählte  Einleitung  fand  die  erhebenoe
  Feier  in  den  frohen  Festesklängen  von
„Hochzeitstag  auf  Trodlhausen“  von  Grieg,  oeren
  einschmeichelnde  Akkorde  durch  den  vollbesetzten
  Saal  rauschten.  In  die  Wiedergabe  teil-#ten
  sich  die  Schülerimen  Hildegard  Kanzler  und
Amalie  Kollmann  #ie  besonders  auch  den  vo##n
JInnigkeit  getragene.  Mittelsatz  gut  zur  Geltung
lommen  ließen.  Eine  vortrefflich-Dacbietung  war
der  Chor  „Frühlingskonzert“  von  Pache,  bei
dem  man  an  den  glockenreinen  Alkorden  seine
helle  Freude  haben  konnte.  Eine  Glanznummer
des  umsangreichen  Programms  bildete  der  Vortrag
  des  Allegro  Moderato  aus  der  Symphoni:
in  h  moll  an  zwei  Pianos  von  Schubert.  Er  gab
Jengnis,  daß  sich  die  beiden  Schülerinnen  Paula
  Niedermayr  und  Marie  Ewald  auch  in  der
schweren  Musik  eines  Schubert  mit  Erfolg  zurecht
finden.  Mit  anerkennenswerter  Bravour  wußtken
die  beiden  jugendlichen  Meisterinnen  des  Klavierspiels
  selbst  auch  die  gefäbrlichen  Klippen
glatt  zu  überwinden.

Eine  gute  Leistung  für  den  Chor  der  5.  und  C.
Klasse  stellten  die  Vorträge  der  beiden  Lieder
„O,  Sommerfrühe“  und  „Der  Wanderer  und
der  Bach“  dar,  in  Ton  gesetzt  von  Herrn  Bezirlsamteaassessor.
  Dr.  Liebermann  in  Rosenheim.
  Die  Sängerschar  widmete  sich  der  Wiedergabe
  dieser  Lieder,  die  sich  durch  hohe
Tonfülle  auszeichnen,  mit  großer  Hingabe  und
mit  nicht  zu  verkennendem  Verständnis,  so  daß
der  Erfolg  nicht  ausblieb.  Eine  slaunenswerte
Routine  und  Fingerfertigkeit  konnten  wir  bei  der
lleinen  Marie  Seeanner  kennen  lernen,  die  dem
Auoitorium  mit  „Tarantelle“  von  #.  Nubinstein
  aufwartete.  NReicher  Beifall  wurde  der
kleinen  Künstlerin  gezollt.  Einen  würdigen  Abschluß
  fand  die  hehre  Feier  in  dem  Singspiel
für  Chor  und  Soli  „Alpenrösleins  Talsahrt"“
von  Laesler.  dem  der  Chor  wie  auch  die  S)=listinnen
  einen  dezenten  Vortrag  angedeihen  liehhen.
  Die  „Lerche“  war  bei  Anny  Springer  und
das  „Alpenröslein“  bei  Amalie  Schör  mit  ihrem
  hellllingenden  Sopran  gut  ausgchoben,  wie
auch  die  „Blumenfee“(Moezrosopran)  in  Myra#eilerer
  und  der  „Bach“  in  Stefanie  Wüst.  mit  ihrer
tiesen,  vollen  Altstimme  eine  samose  Vertrelerin
fand.  Sehr  hübsch  nahmen  sich  die  Reigen  der
Aipenröslein  und  der  Blumen  des  Tales  aus,  die
von  den  Schülerinnen  der  1.  und  2.  Klasse  iuszeniert
  wurden.

In  das  durchaus  geschmackvoll  gewählte  Pro-9ramm
  waren  auch  verschiedene  Rezitationen  eingestreut,
  wie  die  2.  Szene  des  5.  Attes  aus
„Iybiernie“  von  Nacine,  vorgelragen  von  Mariechen
  Finsterwalder  und  Marie  Dunkel,  der
3.  Gesang  aus  Dantes  „Göttliche  Komödie“,
vorgetragen  von  Emma'  Schweighart,  serner
„From  Paradiese  and  the  Peri“  von  Mdore,
vorgetragen  von  Marie  Kürzinger  und  schlieblich
„Die  Mutter  des  Siegers“  von  Paul  Hoyse,
gesprochen  von  Mathilde  Burgmeier,  Johanna
Vonlsinoer  und  Hedw.  Müblbauer.  Alle  Vortragenden
  zeigten,  daß  sie  mit  großem  Geschick
von  oft  schwierigen,  zum  Teil  fremdsprachigen
Sioff  beherrschten.

Am  Schlusse  ergriff  SH.  Geistl.  Rat  Stadtpfarrer
  Geßl  das  Wort  zu  einer  Ansprache  an  die
Schülerinnen  der  6.  Klasse,  die  mit  dem  heutigen
Tage  die  Anstalt  verlassen.  Er  widmete  ihnen
ergceeisend  schöne  Worte,  wobei  er  zunächst  die
Dankespflicht  hervorhob,  der  die  Scheidenden
sowohl  der  Schule  und  ihren  Lehrkräften  wie
auch  den  Eltern  gegenüber  zu  genügen  haben.
Er  eimahnte  sie,  das  Gelehrte  und  das  Gelernte
  im  ferneren  Leben  in  die  Praoxis  umzusectzen
  zum  Wohle  Herer,  die  ihnen  nahestehen
werden.  Sie  wollen  sich  auch  gerne  der  Schule
und  der  bier  verlebten  Jugendzeit  erinnern  und
mit  Freuden  das  Vergangene  wachrufen.  Den
Schluß  seiner  eindrucksvollen  Ansprache  faßte
Redner  in  berzliche  Glück=  und  Segenswünsche,
welche  die  Scheidenden  auf  ihren  weiten  Wegen
ins  Leben  geleiten  mochten.  Nachdem  noch  auf
den  Landesherrn  ein  Hoch  ausgebracht  und  die
Königshymne  intoniert  war,  erstattete  die  Schulerin
  Maiechofer  der  6.  Klasse  den  Dam  ihrer
Mitschülerinnen  in  schönen  Worten  der  Schule,
den  Lehrkräften  und  den  Eltern.

So  fand  das  heurige  Schuljahr  in  dieser
eindrucksvollen  unde  erhebenden  Feier  einen  wücdigen
  und  schönen  Abschluß.  Auch  wir  wünschen
den  Schaterinnen  der  6.  Klasse  glückliche  Fahrt
auf  ven-  serneren,  oft  sehr  hindernisreichen  Lebeenzu

  *  Verlauf  der  glänzenden  Schlußfeier
Wlolten  sich  die  meisten  Halte  einem  Bund- 



gang  zur  Besichtigung  der  Ausstellungen  von
Handarbeilten,  Malereien  und  Jeichnungen  der
Schsllerinnen  an.  Die  Erzeugnisse  fleißiger  und
verständiger  Arbeit  waren  hier  in  reicher  Fülle
aulammengetragen  und  gesällig  gruppiert.  Bei
den  Handarbeiten  sand  man  Waäsche  in  jieder
Art  und  Ausführung,  teils  mit  den  schönsten
und  neuesten  Hochstickereien,  teilo  mit  sauber
ausgeführten  Lochssumen  gearbeitet.  Dann
wieter  konnte  man  wundervolle  Durchörucharheiten
  bestaunen,  um  sich  gleich  darauf  einer
schönen  Filelarbeit  zu  erfrenen.  Auch  eine
große  Auswahl  von  Lurusarbeiten  gal  es,  wie
Tischläufer,  Sofalissen,  Täschchen,  Schürzen,
Decen,  in  allen  Größen,  in  Hoch=  oder  Flachstich,
  wie  iin  dem  einfacheren  Stil=  und  Kreutstich,
  in  Knüpf=  oder  Häkelarbeit.  Alles  und
jedes  war  zu  sehen  und  durch  vorteilhafte  Aufmachung
  und  Gruppierung  ins.  beste  Licht  gepeill.
  Im  zweiten  Saale  waren  Zeichenblälter
der  Schülerinnen  aller  Klassen  zu  sehen,  darunter
  manch  ungewöhnlich  scharf  charakterisierles
  Motiu.  In  Malerei  gab  es  cinige  auscrieĩlene
  Stücke,  wie  Stilleben,  Bauernhaus,
Landschaft.  Verschiedene  Kästchen  und  Nahmen
  aus  Holz  hatten  tleinere  Malereien,  zwei
bemalte  Damentäschchen  aus  Sammt  fanden
viei  Bewunderung  und  selbst  in  Glas=  und  Melallmalerei

  hatten  sich  einige  geübt.  Wem
man  all  das  Schöne  sieht.  das  hier  geleistet
wurde,  so  denkt  man  unwillkürlich  der  vielen

Mühe  und  großen  Geduld,  die  hierauf  verwendet
  wurde  und  zwar  nicht  nur  von  Seite
der  Schülerinnen,  sondern  vielmehr  der  versländrisvollen
  und  tüchtigen  Leitung  der  ebru.
Schwestern.  Ihr  unermüdlicher  Eifer,  ihre  slete
Bereitwilligkeit  findet  ihre  beste  Anerlennung
in  der  Ausstellung  dieser  Schätze,  die  für  sich
selbst  das  beste  Zeugnis  geben,  was  die  Schülerinnen
  bei  den  ehrw.  Schwestern  der  höheren
Töchterschule  in  Rosenheim  leisten  können.

Der  diesmalige  Jahresschluß  steht  noch  im
Zeichen  eines  besonderen  Ereignisses.  Es  sind
aun  sechs  Jahre  verflossen,  seitdem  die  höhere
Mochenschule  ihren  stattlichen  Neubau  bezogen
hal.  Die  Schule  selbst  ist  sechsllassig,  so  daß
also  die  Schülerinnen,  welche  als  erste  im  Neunau
  in  den  ersten  Kurs  eintraten,  heuer  die
ersten  Absolventinnen  sind,  welche  ihre  ganze
Auebildung  im  neuen  Heim  genossen  haben.

Kolaluachrichten.
Rosenheim,  14.  Juli.

Diözesannachrichten.  Anweisung  erhielten
  der  Neomyst  Josef  Belz  als  Verweser
des  Helmschen  Benefiziums  in  Aibling,  der
Koadjutor  in  Grassau  P.  Joses  Fleidl  als
Kooperaturverweser  in  Secon,  der  Koadjsutor
in  Velden  Pr.  Karl  Pistorius  als  Koadiutor
in  Grassan,  der  Koadjutor  in  Kirchdorf  bei
Aibiing  Pr.  Jalob  Prähuber  als  KRooperator
in  Jarzt,  der  Koadjutor  in  Moosen  a.  Vils
Pr.  Johann  Högl  als  Koadjutor  in  Kirchdort
  der  Aibling,  der  Kooperator  in  Mühldois
  Dr.  Georg  Lipp  als  Kooperator  in  Krantberg,
  der  Kaplan  in  München-Oberföhring  Pr.
Josef  Komposch  als  zweiler  Kooperator  in
Mühldorf.  Zur  vo  rübergehenden  Auzhilfe
murden  angewiesen  der  Neomyst  Anton  Pollwein
im  Kiofter  Attel,  der  Neomyst  Mar  Weidenauer
  in  der  Expositur  Asten,  der  Neomyst  Jo?-sef
  Hahner  in  der  Pfarrei  Prien,  der  Neomyst
  Georg  Faltermeier  in  der  Pfarrei  Pang,
der  Neomyst  Franz  Kaver  Thomo  in  der  Paarrei
  Rosenheim,  der  Neomyst  Rudolf  Heigl  in
der  Pfarrei  Vogtareuth,  der  Neomyst  Anton
Seebäd  in  der  Pfarrei  Schloßberg.

Zum  Jubilänm  des  Herrn  Studienrates
  Jalob.  Die  Realschule  Hielt  Beute
Vormittag  ihre  Schlußfeier  ab.  Nach  derselben
erbat  sich  Herr  k.  Studienrat  Ostermann  das
Wort  und  gratulierte  in  einfacher  Form  mit
Nerzlichen  Worten  im  Namen  der  Schule  dem
allverehrten  Schulvorstand  Herrn  Studienrat
Jalob  zu  seinem  25jährigen  Jubiläum  als  Realschulrektor
  in  Nosenheim.  Von  einer  hröbe--ren
  Festlichkeit,  die  beabsichtigt  und  schon  wohlvorbereitet
  war,  mußte,  auf  dringendes  Erfuchen
  des  Herrn  Jubilars,  leider  Abstand  genommen
  werden.  Das  Lehrerkollegium  überreichte
als  Jubiläumsgabe  ein  unter  Mitwirkung  und

Leitung  des  Herrn  k.  Reallehrers  Grabensee
lünstlerisch  ausgeführtes  Album,  welches  die  Bilder
  sämtlicher  59  Lehrer  enthält,  die  in  den
25  Jahren  an  der  Anstalt  gewirkt  haben.

Todesfall.  Frau  Rentiere  Anna  „Zöglen
ist  heute  aus  diesem  Leben  geschieden.  Sie  war
schon  längere  Zeit  leidend  und  ist  jetzt  im  Aller
von  64  Jahren  #ngestorben.  Ihr  Gemahl,  der
früher  Besitzer  der  Geilenhauerei  an  der  Ecke
der  Frühling=  und  Haustätterstraße  war,  ist  ihr
schon  vor  einigen  Jahren  Im  Tode  vorausgegangen.
  Durch  den  jehigen  Codesfall  ist  ein  großer
  Verwandtenkreis  in  Trauer  wersetzt  worden.
Die  Verforbene  ruhe  ###  Frieden.

Die  Ferien  nehmen  heute  an  den  Schulen
Bayerns  ihren  Anfang.  Heute  sind  die  Schüler
  hereits  entlassen  worden.  Für  sie  begiant
jetzt  die  lang  ersehnte  Zeit  der  Erholung  nach
angestrengter  Tätigkeit  eines  Jahres.  Dlie  Erfolge
  bieses  Jahres  kommen  in  dem  Zeugnis
zum  Ausdruck,  das  den  Schülern  heute  mit  auf
den  Weg  hegeben  wurde.  Mancher  wird  seinen
Noten  wohl  bangen  Herzens  antgegengesehen.  haben,
  weiß  er  d  Vater  und  Mutler
zu  Houle  bkrengen  Auges  darüber  washen.  Geme

 

wünschen  wir  allen,  daß  ihre  Zeugnisse  allgemein
  hefriedigen,  so  daß  die  Ferien  keinerlei
Trübung  erfahren.  Eine  wohl  verdiente  Zeit
der  Erbolung  sind  die  Ferien  auch  für  die  Lehrerkollegien.
  Mit  Geduld  und  Aufsopferung
widmeten  sie  sich  der  Weiterentwicklung  der  ihnen
  anvertrauten  Schüler.  Ihre  Frende  ist
groß,  wenn  sie  sehen,  daß  ihrer  verantworlungsvollen
  Tätigteit  reiche  Erfolge  beschkeden
lind.  Allen,  den  Lehrkräften  sowohl  als  auch
den  Schülern  und  Schülerinnen  wnuschen  wir
recht  frohe,  erholungsreiche  Tage  in  der  nun
beginnenden  Ferienzeit.

Bon  der  Hauptübung  der  freiwilligen
  Sanitätskolonne  hat  Herr
Photograph  Knarr  mehrere  photographische
Aufnahmen  gemacht,  die  gewiß  zahtreiche  Liebhaber
  finden  werden.  Sie  halten  sowohl  die
Uebungen  am  Kipferling  als  auch  die  Vorgänge
  nach  ver  Ankunft  am  Güterbahnhof  im
Bilde  fest.  Mehrere  Karten  sind  in  unserem
Schaufenster  ausgestellt.

Geschäftsverkauf.  Das  gutrenommierte
Spenglerei-  uno  Installationsgeschäft  der  verwitweten
  Frau  Englisch  war  in  letzter  Zeit
rerpachtet,  ist  aber  jetzt  durch  Kauf  in  andereu
  Besitz  übergegangen.  Känufer  ist  der  Spengler
  und  Blitzableitersetzer  Ludwig  Egelhofer
aus  Pfassenberg  bei  Mallersdor#.Auch  das
Haus  Nilolaistraße  11  ist  vom  neuen  Besitzer
  käuflich  miterworben  worden.  Herr  Egelhofer
  wird  das  Geschäft  selbst  ausüben.

Ueber  den  Umbau  der  Gumbeikrücke,
  welche  über  die  Auerbachschlucht  beim
Tatzelwurm  führt,  haben  wir  bereits  früher  berichtet.
  Gleichzeitig  konnten  wir  mehrere  photographische
  Aufnahmen  davon  in  unserem  Schausenster
  ausstellen.  Heute  übermitltelte  uns  die
K.  Seltion  für  Wildbachverbauungen  neue  Bilder,
  die  ebenfalls  allgemeines  Interesse
wecken  werden.  Auch  diese  Bilder  haben  wir  in
unserem  Schaufenster  ausgestellt.

Die  alten  bayer.  Briefmarken  muit
dem  Bildnis  des  Prinzregenten  Luitpold  werden
  roch  nicht  sobald  aus  dem  Verkehr  verschwinden.
  Obwohl  das  ganze  Jahr  hindurch  in  Bayein
  etwa  400  Millionen  M  Mark  verwendet  werden,
wird  bie  zu  ihrem  Hollen  Aufbrauch  noch  ein
gules  Jahr  verfließen,  weshalb  denn  auch  vom
Verlettomieistenium  bis  jetzt  ein  Termin  der
Aufßerkurssetzung  nicht  bestimmt  worden  ist.

Die  Einstellungstage  der  Rekruten  und
Freiwilligen  des  Landheeres  im  Herbst  1914
sind  festgesehl:  1.  Oktober  Bezirkskommandos,
Oelonomiehandmerket,  Militärkrankenwärter;
2.  Oktober  3.  Train-Abteilung,  Bespannungeabteilung
  Z.  Fuß-Art.-Regts.,  Fahrer  der  Maschinengewehr-Komp.,
  der  Scheinwerserzüge  des
3.  und  1.  Pionier-  Batle,  und  der  Bespannungsabteilungen
  bes  1.  und  2.  Telegr.  Batls-:  ;
13.  Oktober  1.,  2..  ö.,  7.  Chev.-Regt.,  Schu.
Reiter-Regt.,  2.  II  Pee  21.  Eer  B
Leib-Regt.,  4.  6.,  8.,  11.,  21.  Inj.  Regt.,
und  3.  7  Art  9.11  en  Ball.,  bit
und  Kraftfahr--Batl.,  I.  und  2.  Peten,  Ball.

und  Flieger-Batl.;  22.  Oktober  7  J.,  1.,  3.,
Inf.-Regt.  und  12.  Feld-Art.  kiet.  —  OÖl
lober  5.,  10.,  14.  Jnf.  Regt.  und  3.,  6.  ,  10.
Feld.  Ari.  Negt.,  2.  und  4.  Pon.  4  mit
Sckeinwerferzug.

Verhafstung.  Ein  Zimmermann  von

Burgrain  wurde  wegen  Diebstahls  und  Betteis
sestgenommen.

Kirchliche  Nachrichlen.

Pilgerzuginsheilige  Land.  An  einem
Pilgerzug,  der  Mitte  dieser  Woche  nach  Palastina
  abgeht,  beteiligen  sich  auch  ml,  rere  Personen
  aus  Rosenheim,  vor  allem  die  HH.  Geistl.
Rat  Stadtpfarrer  Geßl  und  Professor  Ehreuwirth.
  Die  Pilgerfahrt  dauert  eiwa  drei  Wochen.
  Es  ist  die  dritte  bayerische  Vollswallsahrt
  ins  Heilige  Land,  die  am  Donnerstag  den
16.  Juli,  mittags  11  .45  Uhr,  mittels  Sonderziuges
  in  München  ihren  Ausgang  nimmt.  Der
Pilgerzug  zählt  insgesamt  548  Personen.  Der
Fug  geht  über  die  Tauernbahn  und  kommt
Freitag  früh  4  Uhr  in  Driest  an.  Nach  fünflägiger
  Dampferfahrt  folgt  die  Landung  in
Haisa;  nach  dreitägigem  Aufenthalt  in  Galiläa
jährt  das  Migerschiff  nach  Jaffa,  von  wo
aus  die  ahn  die  Pilger  zu  neuntägigem
Aufenthalt  in  die  Hl.  Stadt  bringt.  Am  3.
August  verläßt  der  Zug  wieder  Jerusalem:
in  Jaffa  wird  der  Dampfer  bestiegen,  der  nach
fünf  Tagen  in  Triest  eintrifft.  Dort  steht
wieder  ein  Sonderzug  bereit,  der  am  d.  August
früh  7.15  Uhr  in  München  eintrifft.  Am
Abend  vor  der  Abreise  ist  in  München  im  iHotel
  Union  Abschiedsversammlung,  zu  der  auch
Karoinal  Bettinger  erscheinen  wird.

St.  Petrus  Claver-Sodalität.  Der
rierte  Kongreß  der  St.  Pelrus  Claver-Sodalität
  wird  vom  6.  bis  10.  August  in  Salzburg
unter  dem  Protektorate  des  Erzbischofe  Dr.
Kaltner  abgehalten.  Das  Programm  weist
neben  den  täglichen  Fordereroecssammlungen
auch  gezellige  Abendzusammenkünfte,  eine  Wallsahrt
  nach  Maria  Plain  und  eine  Besichtigung
der  Missionsanstalt  Maria  Sorg  auf.  Der
Jahresbeitrag  für  Förderer  beträgt  Mk.  bei
Gratisbezug  von  „Echo“  u  egertind“.
Die  Geschäftsstelle  befindet  utht  in  Salzburg,
Dreisaltigkeitsgasse  12.  Die  Sodalität  gibt
auch  den  Elarek-Kalender  herals,  der  berelts

 

 

Mittwoch,  I5.  Juli  1914

für  das  Jahr  1915  erschlenen  sst.  Als  eigent.
licher  Missionskalender  nimmt  er  die  erste
Stelle  ein,  da  der  ganze  Stoff  sich  nur  mit  den
Missionen  befaht.  Der  Inhalt  ist  ausgezeichnet.
  Für  den  Bezug  wende  man  sich  an  Frl.
Marie  Holleis  in  Rosenheim,  Niederstraße  1.
Der  Kalender  kostet  50  Pfg.

Alpines.

Im  Kaiser  abgestürzt.  Montag  uuitlag
  ich  es  gelungen,  die  Leichen  der  beiden  mnler
  der  Elmauer  Balt  aufgefundenen  Touristen

 

 

zu  bergen.  Die  Leiden  waren  angeseilt.  Der
Absturz  erfolgte  vom  Kopftörlgraf.  Die  Absturzhöhe
  beträgt  ungefähr  150  Meter.  Die

kesden  Abgeslürzten  müssen  sofort  tot  geweken
ein

Abgestürzt.  Am  Sonntagnachmiktag  ist
von  der  Höfats  im  Algäu  der  Geschäftsführer
Leonhard  Wallner  80  Meter  tief  abgestürzt  und
erlitt  so  schwere  Verletzungen,  daß  er  noch  im
Lause  des  Nachmittags  starb.

Ein  weiteres  Opfer  der  Allgäuer
Berge.  Zwei  Kaufleute  von  Stuttgart  namens
  Jatobus  und  Manz  wollten  am  lehten
Dienstag  eine  Tour  über  den  Heilbronner  Weg
nach  dem  Biberkopf  machen.  Sie  wurden  am
Samstag  in  Stuttgart  wieder  erwarket;  nachdem
  sie  aber  nicht  Furücklehrten,  wurde  am
Montag  früh  bei  der  Reltungsstelle  in  Oberslorf
  um  Nachforschungen  gebeten.  Später
rrachte  der  Wegmacher  des  Heilbronner  Weges
  die  Nachricht,  daß  er  eine  Leiche  ausgefunden
  habe,  die  scheinbar  in  der  vorigen  Woche
  schon  abgestürzt  sein  dürfste.  Sicherlich
handelt  es  sich  um  einen  der  beiden  Vermißten,
oie  Nachforschungen  nach  dem  anderen  werden
  fortgesetzt.  Die  aufgesundene  Leiche  wurde
  nach  Oberstdorf  geschafft.

Im  Schneesturm  umgekommen.  Auf
der  Höhe  des  Untersulzbachtorl  am  Großveneaiger
  sanden  Touristen  die  Leichen  von  4  Toutisten
  auf  der  Seite  gegen  Windischmatrei  auf.
Bach  der  Situation  der  Leichen  müssen  die  Tonrisicn
  im  Schneesturm  umgelommen  sein.  Von
Windischmatrei  aus  ist  eine  Führerexpedition  abgegangen.
  In  Windischmatrei  ist  ferner  die  Nach
richt  eingelaufen,  die  Führer  hätlen  an  einer
anderen  Stelle  noch  eine  Leiche  gefunden.
-zu  dem  folgenschweren  Unglück  wird  noch  gemerdet,
  daß  dieffünf  Touristen  in  einen  heftigen
Schuceftlurm  gerieten  und  umlamen.  Drei  von
den  Verunglückten  stammen  faus  Wiener-Neusladt,
  ein  Privatbeamter  aus  Graz,  während
die  Identität  eines  jungen  Mannes,  anscheinend
cines  Studenten,  noch  micht  festgestellt  weroen
lonnte.  Die  Leichen  sind  anter  grofen  Schwie
rigkeiten  geborgen  worden  und  nach  Winoisch=Matrei
  gebracht  worden.

Aus  dem  Gerichtssaale
Lebenslänglich  im  Zuchthaus.
Ravensburg,  13.  Juli.  Ein  surchtbarer
Gattenmord  fand  seine  Sühne.  Die  Anllage
richtete  sich  gegen  Franz  Brüstle,  Bauer  vom  Bechlenrot.
  Der  Angellagte,  der  von  allen  Zeugen
als  ein  äuberst  roher  Mensch  geschildert  wird,
heiratete  trotz  mebrfacher  eindringlicher  Verwarnung
  eine  junge,  hübsche,  nicht  unvermögende,
  aber  geistig  nicht  volltommen  normale  Wilwe.
  Hatte  nun  seine  Frau  ihre  Ansälle,  so
wurde  sie  von  ihrem  Mann  und  dessen  Eltern
äukerst  roh  behandelt.  Die  Verbringung  der
Kranlsen  in  eine  Anstalt  war  wiederholt  nölig.
——  hatte  inzuischen  einen  Gröshe  Hoô#fübernommen
  und  geriet  in  ungünstige  Vermögeneverhälnsse=
  seine  kranke  Frau  sland  ihm
da  bindernd  im  Wege,  seine  sinanzie'te  Lage  zu
T##vessern.  Am  15.  März  begab  sich  Brüstle
nad.  Ochsenhausen,  laufie  dort  zweiertei  Rattengift,
  in  der  Apotheke  den  für  Menschen  harmlosen
  Meerzwiebel,  in  der  Drogerie  bettelte  er
um  Struchnin,  da  er  viele  Ratten  zu  Hause
habe.  Das  Gift  mischte  er  seiner  Frau  in
die  annebliche  -Slon.  Die  Frau  verltarb  unrer
  schreclichen  Daalen.  Nach  langem  Leugnen
  gestand  der  Angellagte,  seiner  Frau  Strych
nin  gegeben  zu  haben.  Während  der  Verhandlung
  lam  auch  ein  einzig  dastehender  Roheitsakt
  zur  Rede.  Der  Angeklagte  war  vor  acht
Jahren  wegen  Sachbeschädigung  angeklagt.  Er
hatte  als  Stallschweizer,  um  sich  das  Millgeschäft
  zu  erleichtern,  sämtlichem  Melkvieh  die
Schweifwirbel  abgedreht.  In  allen  fünf  Stallungen,
  in  welchen  der  UAngeklagte  innerhalb
seche  Jahren  in  Dienst  stand,  konnte  von  jachverständiaer
  Seite  bei  den  noch  vorhandenen
Tieren,  die  als  Melktiere  in  Betracht  kamen,
Wirbelbrüche  oder  vielmehr  verwickelte  Schweise
konstaliert  werden,  dagegen  niemals  bei  Ochsen,
  Bullen  oder  Jungvieh.  Trotz  des  leinale
erdrückenden  Beweismaterials  erkannte  das
ssiengeric  Leuttirch  damals  auf  Freisprechung.
  Der  damalige  Sachverständige  bekunbete
  als  Zeuge,  daß  ihm  der  Angetlagte  nach
Schluß  der  Verhandlung  in  Fynischer  Wesse,
unter  Bespöttelung  seines  Gutachtens  und  Beschimpfung
  der  Richter  die  Täterschaft  zugeslanden
  habe.  Auf  die  Frage  des  Jeugen

ob  er  denn  gar  kein  Mitleid  gehabt  mit  de

a#rmen  Tieren,  die  er  ##  Hunderten  6
surchtbar  gequält,  gab  er  damals  zur  Antw##t:
  Die  haben  mit  mir  auch  kein  Mitleid
  gehabt,  wenn  sie  mir  den  Melkrübel  umgeworfen.
  Der  Angeklagte  wurde  zu  lebens-Bnglichem
  Zuchthaus  Lemuteeslt.

 

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