Full text : Rosenheimer Anzeiger. 61. Jahrngang (61)

Aumimer  27

Noseaßeimitr  Angergen

Mittwoch,  7.  Februar  1013

 

Rechnet  man  die  bisher  im  Januar  gemachten
  2500  Gefangenen  und  zählt  mon  etwa  4000
bis  5000  Tote  hin  u,  so  ergibt  sich  französischerseits
  ein  Gesamtverlujt  in  den  Argonnen  von
etwa  36  000  Mann.  Ein  ganzes  Armeekorps
ist  also  so  gut  wie  aufgerieben,  während  die
Verluste  auf  deutscher  Seite  nicht  einmal  den
dritten  Teil  betragen.  Wie  sehr  die  Franzosen
in  den  Waldkämpfen  gelitten  haben,  gebt  allein
  schon  aus  der  Tatsache  hervor,  daß  sie  immer
  neue  Verbände  in  die  Argonnen  geschickt
haben.  Kämpften  dort  zuerst  die  Truppen  des
II.  und  V.  Armeekorps,  so  wurden  diese  bald
verstärkt  durch  Kolonialtruppen  und  Marineinfanterie.
  Im  Januar  tauchten  vorübergehend
Truppen  des  I.  Armeekorp=  und  Garibaldianer
auf;  endlich  wurden  Mitte  Januar  neue,  disher
bei  YDpern  verwendete  Verbände  in  den  Wald
geschickt,  um  das  anscheinend  völlig  zusammengebrochene
  II.  Armeekorps  abzulösen.

Wie  es  mit  der  Verfassung  der  fransösischen
Truppen  in  den  Argonnen  bestellt  ist,  das  zeigen
am  besten  jene  Dolumente,  welche  den  französischen
  Gejangenen  in  Gestalt.  von  Anordnungen,
Befehlen,  geheimen  Erlassen,  Briefen  und  Tagebuchaufzeichnungen
  algenommen  wurden.

*  Da  erwidert  General  Gourand,  Kommandeur
  der  10.  Division,  in  einem  Zusatze  zu  dem
Tagesbefehl  vom  28.  Dezember  die  Klagen  sei-#ner
  Untergebenen  mit  den  Worten:  „Sie  werden
  daraus  entnehmen,  daß  sich  der  Gegner  bei
der  Wegnahme  einer  Stellung  mit  den  gleichen
Schwierigkeiten  abzusinden  hat  uie  wir.  Das
gibt  zu  denken,  denn  man  denlt  oft  wegen  der  eigenen
  Schwierigkeiten.  Anstrengungen  und  Verluste
  nicht  an  jene,  die  auch  der  Gegner  hat.“

Die  Schwierigkeiten  erweisen  sich  aber  auf
franzüsischer  Seite  als  recht  erheblicke,  sonst
würden  die  höheren  Führer  nicht  so  oft  über  die
Untätigleit  und  Paisivitäl  der  ihnen  unterstellten
  Truppen  Beschwerde  führen.  So  enthält  ein
Mitte  Dezember  abgenommenes  Besehlstagebuch
  folgende  Weisungen:  „Es  ist  von  der  größten
  Wichtigkeit,  auf  der  gan:en  Front  die  Tätigkeit
  zu  erhöhen.  Oie  bisherige  ist  nach  Aniicht
der  Dioifionsgeneräle  unzulänglich  ..  Es  muß
eine  größere  Angriffstätigkeit  entfaliet  werden.
Wenn  es  weiter  geht  wie  bisher,  werden  die
Deutschen  uns  zuvorkommen.“

Eine  geheime  persönliche  Anweisung  des  kommandierenden
  Generals!  des  II.  Armeekorps  enthält
  folgende  Sätze:  „Der  kommandierende  General
  stellt  mit  Bedauern  fest,  daß  die  Gefechtstätigkeit
  sich  ausschließlich  auf  starre  Verteidigung

  beschränkt,  während  die  Deutschen  bei  gleichen
  Verlusten  wie  die  Franzosen  immer  erneut
angreisen  und  durch  Teilerfolge  angeseuert  werden
  Man  hat  sich  an  Untätigleit  gewöhnt
und  warter  rein  passiv  auf  den  feindlichen  Angriff.
  Der  Mann  übernimmt  seinen  Wachtposten
im  Schützengraben  wie  im  Frieden  vor  einem
Pulvermagazin  oder  Proviantamt  Die
Führer  bleiben  in  ihren  Geiechtsständen  sitzen;
sie  führen  die  Posten  viel  zu  selten  auf  und  geben
ihnen  keine  bestimmten  Auftrage.  Alle  Führer
bringen  ihre  Zeit  in  vorderer  Linie  in  Langeweile
  oder  Angst  zu  ..  Es  ist  unbedingt
notwendig,  daß  dies  anders  wird  .  Alle
Abschninskommandeure,  die  Bataillons=  und
Kompagnieführer  müssen  jeden  Tag  in  den  vordersten
  Schützengräben  ihre  Leute  aufsuchen.
Alle  Truppenlommandeure  haben  ihre  untergebenen
  mit  Angriffsgeist  zu  erfüllen.“  Zum
Schluß  heißt  es:  „Der  kommandierende  General
will  merken,  daß  die  Franzosen  den  Deutschen
das  Gesetz  vorschreiben.  Wenn  sie  fühlen,  daß
wir  ihnen  überlegen  sind,  dann  werden  die  Deutschen
  weicher  und  die  bisherige  schwere  Arbeit
wird  leichter  werden.“  Wie  ermähnt,  mußte  inzwischen
  das  ll.#französische  Armeekorps  aus
den  Argonnen  zuruckgenommen  werden.

Has  orlhaus  im  Teufelsgrund.

Deten#iv.Roman  von  F.  Eduard  Pflüger
Machdrud  berboien.)

as  war  nun  tchr  schwer,  denn  ei  groner
Teil  der  Herrichaften,  von  denen  einige  dem  hoͤchsten
Adel  Rußlands  angehörten,  hatten  natürlich  ihre
Dienerschaft  zu  Hause  und  es  lonnte  schwer  vermieden
  werden,  daß  diese  eine  Mitteilung  von  der
DTurchsuchung  der  Wohnung  machen  würden.  Bei
einigen,  die  von  den  umliegenden  Taumusbädern
nach  Wiesbaden  gekommen  und  in  eir  Hotel
abgestiegen  waren,  lies  sich  diese  Turchsuchung  vollkommen
  geheim  ins  Werk  setzen,  da  es  sich  ja  um
weiter  nichts  handelte,  als  das  Hotelzimmer  zu
öffnen  und  die  betreffenden  Recherchen  anzustellen.
Wo0  Tienerschaft  mit  im  Holel  war,  wurde  sie  geschickt
  durch  die  Beamten  entfernt,  indessrn  der
russische  Fahnder,  der  ganz  besonders  für  solche
Arbeit  geelhne  war,  Kisten,  Kasten  und  Kofser
mit  der  Beschicklichkeit  eines  Einbrechers  durchstöberte,
  wobei  der  deutsche  Poliuist  Wache  hielt  oder,
wenn  man  im  Bilde  des  Einbrechers  bleiben
will,  Sch'niere  stand.

Das  Refultat  war  durchaus  negativ.  nirgends
wurde  etwas  gefunden.  aß  die  eine  oder  andere
Familie  Tolch  oder  Revolver  mit  sich  fuhre,  war
etwas  durchaus  Naktürliches  und  siel  nicht  auf.
Troy  alledem  wurde  eine  diesbezügliche  Meldung
an  den  Grasen  Boroff  gemacht,  der  sie  wieder
Breitschwert  übermittelte.

½"  im  Hotel  zum  s  war  eine  Dame
abgesuegn  die  sich,  wie  es  hieß#,  zur  Kur  in
#kleusteu-  aufgehalten  —  eine  Frau  Nadas
Solowiew.  Ter  russische  Polizist  fand  aaaseg
nichts,  was  seine  6  amkeir  erregie,  big  ihm
ganz  eigentümlich  in  dreieckige  Form  aeschnittene

Dem  Brigadegeneral-  Gossart  (V.  französisches
Armeekorps)  fällt  es  auf  —  Besehl  vom  30.
November  „daß  der  Dienst  in  den  Schützengräben
  in  bezug  auf  deren  Einrichtung  und  auf

nerdisziplin  viel  en  wünschen  übrig  läßt“.
General  Fouborge  (3.  Dioision)  „lennt  genan
die  schwierige  Lage,  in  der  sich  die  Truppen
befinden,  zwe  felt  nicht  daran,  daß  fie  diese  überwinden
  werden.  (13.  Novemder.)  Der  Armeeführer
  will  leinen  Zoll  hVurlickweichen.  Er  wird
unerbittlich  gegen  jeden  Offizier  und  Mann
einschreiten.  der  nicht  bie  zum  Zußersten  die
Stellung  und  den  ihm  anvertrauten  Posten
hält.“

Inwwischen  gemannen  aber  die  deutschen  Truppen
  erneut  Boden  und  auf  fran  cösischer  Seite
stieg  die  uusft  am  Kriege,  die  Zahl  der  dem
Feinde  in  die  Hand  fallenden  Soldaten  und
Maschinenge  vehre.  Dagegen  versuchte  nun  der
Oberbesehls  aber  der  4.  Armee  und  das  fran-Ksische
  Gro.  Haurn#taua#:  ier  der  Ontarme:  einzuschreiten.
  Anfangs  Jannar  erschien,  vron  der
erstgenannten  Stelle  ausgegeben,  ein  Erlaß  gegen
  die  zunehmende  Selbstverstümmelung  bei
den  Leuten.  „Seit  einiger  Zeit“  lantet  dieser,
„sind  eine  Anzahl  verdächtiger  Verwundungen
bei  Mannschaften  verschiedener  Truppenteile,  vor
allem  bei  der  Insanterie  bemerlt  worden.  Es
hat  sich  ergeben,  daß  es  sich  um  Fälle  freiwilliger,
  Verstümmelung  handelt  eu  dem  alleinigen
Jw  weck,  sich  seiner  Militärpflicht  zu  entziehen.“
In  Änlage  3  dieses  Erlasses  wird  erläuternd
binzugeseht  „Durch  Kriegsgericht  der  4.  Armee

om  18.  Dezember  1914  sind  wegen  Selbstverschmmelung
  zwecks  Verlassens  des  Schlachtseldes
verurteilt  worden  je  1  Mann  der  Regintenter
151,  34,  7,  149,  247,  336,  135,  88,  Jäger  21
und  je  2  Mann  vom  Kolonial-Regiment  24  und
Jäger  19.  Das  Urteil  ist  am  19.  vollstreckt
worden.“

Eine  Versügung  des  Generals  Joffrre  stellt
sest,  daß  allein  in  der  Zeit  vom  20.  November
bio  15.  Dezember  der  Ersatz  von  315  Stück
Maschinengewehren  angesordert  worden  sei.
Nachdem  der  Oberbesehlshaber  kurz  die  Schwierigkeiten
  betont,  die  ein  derartig  umsangreicher
Ersatz  bereite,  weist  er  darauf  hin,  daß  wohl
nur  ein  Teil  der  Gewehre  aus  Mangel  an
Sorgsalt  unbrauchbar  gemorden,  daß  dagegen
aus  den  verhältnismäßig  hohen  Verlusten  ganzer
  Maschinengewehrzüge  der  Schluß  zu  ziehen
jei,  daß  viele  Maschinengewehre  in  Feindeshand
I/geiallen  seien.  Dazu  bemerlt  der  Generalstab

§  V.  Armeekorps:  „Diese  Verfügung  kommt
gelegener  Stunde,  da  die  schmachvolle  Panik
der  5.  Kompagnie  des  Regiments  46  den  Verlust
  von  2  Maschinengewehreügen  gelostet  hat.“

Ein  anderer  Joffrescher  Erlaß  richtet  sich  endlich
  dagegen,  daß  so  zahlreiche  französische  Soldaten
  in  deutiche  Gefangenschaft  geraten  und
verfügt,  „daß  jeder  gefangen  gewesene,  nicht
verwundete  Soldat  bei  seiner  Rückkehr  aus  der
Gefangensckaft  einer  Untersuchung  unterworfen
wird“.

Dieser  und  der  vorher  genannte  Erlaß  haben
nicht  zu  verhindern  vermocht,  daß  die  Jahl  der
Gefangenen  in  den  Argonnen  ständig  zunimmt,
so  daß  unmittelbar  nach  der  Ablösung  des
II.  Armeelorrs  den  jrischen  Truppen  sogleich
2  Offiziere,  250,  Mann  und  5  Maschinengewehre
algenommen  wurden.

Aus  den  Gefangenenaussagen  klingt  starke
Kriegsmüdigkeit  hindurch,  die  wir  aber  nicht
ohne  weiteres  verallgemeinern  wollen,  da  der
Gefangene  ja  nur  allzusehr  dazu  neigt,  dem
Sieger  #zu  Gesallen  z  reden,  um  sich  dadurch
in  eine  günfrigere  Lage  zu  versetzen.  „Weit
schärfere  Schlüsse  vermag  man  aus  dem  Briefwechsel
  zwischen  den  Soldaten  und  ihren  Angehörigen
  zu  ziehen.  Wie  aus  zahllosen  Briefen
und  Tagebuchaufzeichnungen  hervorgeht,  be-Nartons

  aumelen  und  ein  Nolmbuch,  das  auf  verschiedenen
  Seiten  Dreiecke  zeigie,  die  mit  einer  ihm
unbrlanmen  Geheimschrift  bedeckt  waren.  Sofort
gab  er  dem  deutichen  Poli;isten  Nackricht  und
zehn  Minnten  spater  traf  ein  (#e##  scktrager  mit
einem  Kosser  auf  der  Schuiter  im  Holcl  ein.  Er
wurde  von  dem  Oberkellner  nach  oben  gewiesen,
der  erllarte,  im  Auftrage  von  Frau  Nadaschda
Solowiew  diesen  Kofterdersonlich  in  ihr  Zimmer
ieben  zu  mussen.  Der  Mann  schien  durchaus  verkrauenzwürdig,
  halte  auch  eine  Eisenbahn  müne  auf
und  ung  die  amiliche  Messimgmarlke  auf  seinem
blauen  Kiriel.  Cine  lurze  Konferenz  mit  dem
deulschen  Bramten  ergab  die  Erlanbnis  zum  Eintrut
  in  das  Zimmer  und  sofort  untersuchte  der  Gepäcknäger
  daͤs  Notizbuch  und  die  Grheimschui,
die  ihm  der  russische  Polizist  vorleg

Troy  dem  rot  angemalien  mit  Anen  salschen
Ba#t  bellebten  Gesichtes,  hemerlie  der  ruffische
Polizist,  daß  ein  sellsames  Leuchten  der  Freude  die
geschickte  Masle  des  Gepacktragers  überstrahlie.

„Endlich,  luirschte  Breikschwert  in  sich  hincin,
anun  aber  Nuhe,  nun  aber  Ruhe.“

Suchen  Sie  weiter,“  er  zu  dem
Fahnder,  „es  handelt  sich  hier  um  eine  Geheimschrift.
viclleicht  sinden  wir  den  Schlüssel.

Er  selbst  seyte  sich  sofort  an  ein  Cüchele
und  lopierte  mit  Ener  die  Geheimschrift,  innerhalb
der  DTreieckl.  Dann  wurde  wider  ules  4rgsallig
an  On  und  Sult  gebracht  und
ließen  das  Zimmer,  mit  tiefem  heet
schwerts,  daß  der  Schlüffel  zu  -  Erheimschemt
un  worden  w

 

Gi  r  nun  nchiche  uer-  E—l  Punkt  mit
it  vor  te  Hand
deese  Vedaschoe  Sur-  owiew  ##enen

n  lediglich

 

mnächst  nicht  msglich;
weil  psort  dreieckige  ——  und  ein

 

trachten  die  Angehörigen  den  in  die  Argonnen
entsandten  französischen  Soldaten  als  Todeskandidaten
  und  den  aus  diesen  Kämpfen  heil
Entkommenen  als  einen,  über  dessen  Haupt  die
Vorsehung  gewaltet  haben  müsse.

Ein  Mitte  Jor  bei  einem  größeren  erfolgreichen
  Angriffsgefecht  gefangen  genommener

französischer  Stabofüzier  (Major  Guinard)
jagte  aus:  „Der  Angriff  der  Deutschen  wurde
mit  bewunderungswürdiger  Energie  ausgeführt.
Unsere  Steliung  war  schnell  durchbrochen.  Meine
Kompagnien  hatten  den  Befehl,  sich  bis  zum
äuhersten  zu  halilen.  Darum  wurden  alle,  die
nicht  fielen,  gefangen  genommen.  Ich  jelb  ·
bekam  einen  Schuß  in  den  Kopf  und  weiß  ont
diesem  Augenblick  an  nichts  mehr.  Ich  bin  zufrieden.
  daß  ich  verwundet  bin,  denn  nun  brauche
ich  den  Fortgang  dieses  Krieges  nicht  mitzuerleben.
  Wir  waren  sehr  schlecht  orientiert
über  die  Qualität  des  deutschen  Heeres.  Derattigen

  Leistungen  hatten  wir  ihm  nicht  zuge—
traut.  Anderseits  hat  man  die  Nussen  weit  überschätzt.
  Für  die  von  Josste  befohlene  Offensive

  haben  die  Franzosen  noch  einmal  ihre  beste
und  äußerste  Kraft  an  allen  Punkten  eingesehzt.
Nachdem  nun  auch  dieser  Stoß  keinen  Erfolg
gebracht  hat,  könnte  höchstens  nur  noch  ausländische
  Hilfe  den  Feldmg  günstig  entscheiden.
Von  wem  sollte  die  Hilfe  aber  kommen?  Rußland
  ist  fertig  und  England  hat  wohl  Menschen,
aber  kein  Kriegsmaterial  mehr  einzusetzen.  Der
Krieg  kann  zwar  noch  lange  dauern,  aber  an
eine  Vesserung  unserer  Lage  glaube  ich.  nicht
mehr.  Diese  Auffassung  verbreitet  sich  immer
mehr,  und  deshalb  ist  es  kein  Wunder,  wenn  wir
alten  Soldaten  traurig  und  deprimiert  sind.“

Mögen  die  Franzofen  in  ihren  Bulletins  immerhin
  weiter  von  angeblichen  Erfolgen  in  den
Argonnen  berichten,  mögen  sie  fortfahren  zu  behaupien,
  daß  sie  bei  St.  Hubert  und  im  Bois  de
Grurie  Stellungen  inne  hätten,  die  schon  längst
einen  Kilometer  hinter  der  vorderen  Linie  der
Deutschen  liegen,  durch  alle  diese  Mittel  wird
lich  auf  die  Dauer  nicht  verheimlichen  lassen,  wer
der  Sieger  in  den  Argonnen  int,  ob  derjenige,
der  unaufhaltjam  vorwärts  schreitet,  oder  derjenige,
  der  gezwungen  ist,  Erlasse  herauszugeben
von  der  Art,  wie  sie  im  Auszuge  soeben  vorgeführt
  wurden.

.  w
Algemeines  vom  sitieg
Der  Justizmord  in  Casablanca.
Berlin,  1.  Febr.  Die  Vollstreckung  des
Todesurteils  an  den  deutschen  Staalsangehörigen
  Ficke  und  Grundler  in  Casablanca  ist  ein
Justizmord,  der  hler  um  so  größere  Entrüstung
erregen  muß,  als  der  französische  Generalresident
in  Marokklo  dem  amerikanischen  Geschäftsträger,
der  sich  in  nachhaltiger  und  sehr  dankenswerter
Weise  der  beiden  Deutschen  angenommen  hat,
versicherle,  es  werde  gegen  die  beiden  Todesurteile
  Berufung  an  den  Präsidenten  Poincare
  eingelegt  werden.  Daß  es  sich  um  einen
Justi-mord  handelt,  lann  man,  ohne  daß  Einzelheiten
  der  Untersuchung  bekannt  sind,  einfach
daraus  schließen,  daß  die  beiden  verurteilten
Deutschen  gleich  nach  Ausbruch  des  Krieges
verhaftet  wurden.  Sie  konnten  also  gar  teine
strafbaren  Handlungen  während  der  Kriegszeit
begehen,  und  es  kommen  also  nur  Verfehlungen
in  Betracht,  die  sie  sich  vor  dem  Kriege  hätten
zuschulden  kommen  lassen  können.  Auch  nach
den  Berichten  über  die  französische  Anklage  sind
diere  Verfehlungen  nicht  derart,  daß  sie  in  Friedenszeiten
  mit  der  Todesstrafe  geahndet  wer-E
  lönnten.  Man  muß  also  annehmen,  daß
——  ——-  —
—  uch  mit  einigen  Geheimschriftseiten  in  emem
Kosser  hat,  kann  man  lnen  Verhaftsbefehl  auswirken.
  Aber  es  we##mn  ganz  llar  geworden,
daß  die  Nadaschda  n.  ##en  bei  der  Zeremonie  des
Haudlusses  ein  Aktenlal  zus  eüüben  werde  und  seine
Mienen  verfinsterten  5  wie  der  Himmel  beie
einem  heranziehenden  (zewiter.  Er  mußte  ein  ganz
vervcgenes  Spiel  spiclen,  er  mußte  das  Attentat
edeihen  lassen  bio  zu  dem  Augenblick,  wo  die
and  zum  Mord  erl#den  war,  selbst  auf  die  Gesahr
hin,  5e  2  die  laiserlichen  Herrschaften  den  Anschlag
entde

 

Er  war  sich  volllommen  bewußt,  welch'  eine
unendliche  Verannortung  er  auf  seine  Schultern
lud,  volllommen,  aber  er  lonnte  nicht  anders
handeln,  es  gab  keinen  andern  Weg.  Und  er  durfte
dabei  nicht  einmal  einem  der  russischen  Beamten
Mitteilung  machen,  er  mußte  gauz  allein  handeln.

ermarterte  und  zergrübelte  sein  Gehirn,  auf
welche  Wes  wohl  der  Anschlag  geplant  werden
konnte,  Dolch,  Gist,  Revolver  oder  Bombe.  Sie
lonnte,  wenn  sie  sich  zum  Handkuß  niederbeugte,
der  Kaiserin  sehr  leicht  einen  Schaden  ufügen,  sie
lonnte  ihn  zufügen,  aß  er  hindern
konnte.  Es  war  furchtbar,  die  Weantwortung
drückte  ihn  schier  nieder,  zum  ersten  Mal  in
seinem  Leben  sühlte  er  sich  schwach  und  der  Aufgabe,
  die  ihm  gestellt  war,  nicht  gewachsen.

Wenn  er  sie  verhaftete,  ehe  sie  zum  *
luß  zugelassen  wurde,  kounte  man  vielleicht  einen
Dolch  oder  einen  Nevolver  in  ihrer  Tasche  vorfinden,
  eine  vergiftrte  Nadel  oder  irgend  66  etwas,
ein  Blumenbouquct  mit  einem  vergifteten  Rosenos3
  #ei  gday  ware  kein  nenis  brauchte  nur

ergleichen  Dinge  zu
rrr  hen  Sn  es  log  sonst  126  *—
urchtbare  miite  also  gew

e  r  es  ein  anderes  Mittel.  Und  nundie

  beiden  Deutschen  für  angebliche  Verfehlungen,
  die  sie  sich  in  Friedens#zeiten  haben  zuschulden
  kommen  lassen,  lock-  Kriegsrecht  verurteilt
worden  sind.  (3.)  Es  ist  selbilverständlich,
daß  unsere  Negierung  alles  tun  wird,  um  die
Sühne  für  das  an  unseren  Landsleuten  begangene
  Verbrechen  fo  schnell  wie  möglich  herbeizuführen.


Kein  Ende  abzusehen.
Kopenhagen,  1.  Febr.  „Politiken“
schreibt  in  einem  längeren  Leitartikel  anläßlich
der  halbjährigen  Dauer  des  Weltkrieges:  Die
Kriegslage  ist  äußerst  trüb,  weil  leine  Friedenszeichen
  sichtbar  werden.  Die  Hoffnungen  auf
eine  Beendigung  des  Krieges  infolge  Geldmangels
  sind  verfehlt;  die  Kriegführenden  überbieten
sich  mit  mächtigen  Goldvorräten,  die  eine  fast
unbegrenzte  Papiergeldausgabe  ermöglichen.
Die  Erwartung,  daß  ein  lebhafter  Handel  der
Neutralen  während  des  Krieges  einsetzen  werde,
ist  durch  die  Minengefahr  vereitelt  worden.  Die
neutralen  Staaten  werden  vielmehr  von  bestigen
  wirtschaftlichen  Erschütlerungen  heimgesucht.
Englands  Aushungerungspolitik  wird  den  Abschluß
  des  Krieges  nicht  herbeisführen,  Deutschlands
  innere  Hilfsquellen  sind  weit  größer,  als
man  anjänglich  angenommen  hat.  ().)

Der  Einspruck  gegen  die  amerikanischen
  Wassenlieferungen.

Köln,  1.  Febr.  Der  „Köln.  Ztg.“  zufolge
versichern  briefliche  Meldungen  aus  Nordamerila,
  es  hätten  im  ganzen  Lande  Einspruchsversammlungen
  gegen  die  Waffenlieferung  und
Waffenaussfuhr  stattgesunden.  Deulsche  und  Jr.
länder  halten  überall  treu  gegen  den  gemeinsamen
  Feind  zusammen.  Mam  hofft,  daß  der
gewaltige  Cinspruch  in  Washington  wirlen  werde.
1  sa  àt"

###n  wesilichen  Kriegsschawiss.

Die  Deutschen  in  Lille.

Amsterdam,  1.  Febr.  „Daily  Chronicie“
meldet  aus  Nordfrankreich,  daß  alle  Positionen
rings  um  die  Stadt  Lille  durck.  Zaufgräben
verstärkt  worden  sind.  Die  Deutschen  sind  in
fieberhafter  Arbeit,  um  die  Stadt  uneinnehmbar
  zu  machen  und  sie  haben  ihre  Arbeit  selbst
während  der  Nacht  nicht  unterbrochen,  wobei
alles  taghell  durch  eleltrisches  Licht  beleuchtet!
wurde.  Es  wurden  Laufgräben  um  die  Zitadelle
  angelegt  und  hinter  diesen  befinden  sich
Batterien,  die  nach  Lamberferd  im  Nordwesten
der  Stadt  gerichtet  sind.  Gefechte  von  Flugmaschinen
  sind  keine  ungewöhmlche  Erscheinung.
Seit  Beginn  der  Besetzung  sind  600  000  Mann
deutsche  Truppen  durch  die  Stadt  ge'ogen,  der
die  deutsche  Behörde  etwas  von  ihrer  früheren
industriellen  Tätigkeit  #urücktugeben  sucht.  Es
liegt  jedoch  eine  srarte  Sttuer  auf  der  Industrie.
Eine  Schokoladefabrik  muß  Hunderte  von  Küo
pro  Tag  für  das  deutsche  Heer  verschaffen  und
Tabalfabrikanten  und  händler  mussen  hohe
Prozente  zahlen.  (Z.)

"r  a  2

In  den  Rolonlen.
Aufstand  in  Britisch  Nyassa-London,

  1.  Febr.  Das  Pressebureau  ver
öffentlicht  folgende  Meldung  des  Gouverneurs
von  Nyassa-Land:  Unter  den  Eingeborenen
auf  dem  Hochplateau  von  Schire  zwischen  Zomba

als  Breitschwert  zu  diesem  Entschluß  gelangt  war,
erwachte  auch  nder  die  alte  Cnergie,  die  alle
Zuversicht  in  ihm.  Vor  allem  sagte  er  sich,  muß
ich  diese  Nadaschda  sehen  und  man  muß  sie  als
leyte  zu  der  Zeremonic  zulassen.  Hätte  ich  doch
meinen  getreuen  Kluge  hier,  aber  so  niemand  zu
haben,  niemand,  dem  man  sich  anvertrauen  lann

.  vielleichl  ist  doch  der  Fürst  ein  Mann,  der
dieser  Aufgabe  gewachsen  ist,  oder  wenigstens  stark
genug,  einen  Teil  der  Verantwortung  auf  seine
Schultern  zu  nehmen.

Kurze  Veit  darauf  hatte  sich  der  Gepäckträger
wieder  in  den  eleganten  Mann  verwandelt  und
stand  im  Zimmer  des  Fürsten  Prugawin.

Wenige  Worte  geungten,  den  Generaladjutanten
  des  Zaren  mit  der  Lage  vertraut  in
machen.  Ter  Kürst  erbleichte  und  ein  Zittern  lief
durch  seine  Gestalt.

„Lieber  Frrund,  wir  spielen  ein  gewagkes
Spiel  und  der  Einsac  ist  das  kosibare  Leben  Ihrer
Majestät.  Sollen  wir  es  dahin  kommen  lassen?
Und  was  hätten  wir,  wenn  wir  wirklich  Nadaichda
Solowiew  auf  der  Tat  absaßten?  Handeln“  wir
nicht  viel  richtiger,  wenn  wir  die  ganze  Zeremonie
absagen  und  diese  gefährliche  Nihilistin,  vvrausgesetzt,
  daß  Sie  recht  haben,  unter  strenge  Beobachtung
  siellen?  Sie  wird  von  hier  wirder  abreisen,
  sie  wird  der  Zentrale  der  Ver  chworung
zmustreben  und  wir  werden  die  Hand  auf  die  ganze
Bande  leen  können.“

der  eigentliche  Gewegge#n  rund  zu  seiner
0  sei,  verschwieg  Breitschwert  dem
7.

Land.

ürsten.  Für  ihn  haydete  es  sich  ja  nicht  darum,
eine  augenblickliche  Aufgabe  zu  Etuu  sondern
auch  Rechenbach  zu  beschützen  oder  E  ganzen
gegen  ihn  unternommenen  Altion  zu  befreien

 

 

freilich  durste  er  dem  unnen  mie
—.  —  .