Full text : Rosenheimer Anzeiger. 61. Jahrngang (61)

Aummer  r##

Rolenelmex  Anzelger.

Sonnlag,  1.  April  7913

 

ausk  igt  Die  Kriegsunterstützungskasse  zahlte
bis  zum  Jalreswechsel  133  01344  Mk.,  die  Darlehen#slasse
  15  222  Mt.,  die  Stellenlosenversi.
cherung  319  408  Mk.  aus.

Wrchliche  Nacheichten.

Die  Karfreitagefeier.  Während  viele
für  des  Vaterlandes  Ehre  verblulen,  seierte  die
Kircle  gestern  den  Karfreitag,  den  Todeslag  des
Herru,  an  dem  die  geheimmisvollen  Ratschlüsse
der  Ewigleit  in  Erfüllung  gegangen  sind.  Der
Tag  des  Sch'nerzes  und  der  Trauer  prägen
sien  nalürlich  auch  in  dem  Gottesdienst  aus.  Die
Stille  des  Todes  und  der  Trauer  liefes  Dunkel
erfüllen  die  Kirche.  Kein  Licht  brennt,  selbst

ie  „ewige  Lanipe  vor  dem  Tabernalel  ist
crloschen,  denn  er.  zu  dessen  Ehre  sie  Tag  und
Nad:  Wache  hiell,  liegt  heulte  im  Grabe,  umgeben
  ron  Blumen  nad  brennenden  Kerzen.
Wie  deuliche  Innigleil  dem  neugeborenen  Heiland
  in  der  Krippẽ  huldigt,  so  erweist  sie  auch
den  to  en  Heiland  i#n  (GGrab:=  ihr:  innigte  Verehrung.

  Heilige  Gräber  am  Karfreitag  zu  errid#zen,
  die,  nach  der  Kunstfertigleit  der  Versertiger
  und  den  aufgewendeten  Mit:  teln  wohl
ver  schieden.  n-  .Grundform  do.  h  alle  ähnlict.
sind.  inden:  das  Feliengtab  des  Jüngers  von
Mu#autd  naur-  senk#n#a  igo:,  L  ural  er  deutscher
Brauck.  Bunisarbine  Lampen  umgeben  die

 

 

Gräver,  müne  Sträucher  und  Bäunchen  und
eine  Kale  uh:  ider  Blumen,  die  des  Gärt
ners  lunsa  ändige  Hand  im  Wetiitreit  mit

   

*W*i*sn

den  Kahres:eiten  zur  Eneallung  gebracht  Pat,
sch  ninclen  ie.  Im  Scheine  vieler  Kerzen  ihront
über  dem  ganten  Aufbau  des  Grabes  in  gold-—
schinmernder.  mit  inen  weißen  Schleier  ver
Bhülller  Monranz  dan  Allerl-  e#liaur,  Zu  Tar
senten  pilgern  die  Kländiden  in  dim  im  Grabe
ruheuden  Goln  enscken.  u  #  in  Rosenheim
erricke  großer  Andran  in  den  Golleshänfern.
begaliet  vo  präc  inem  Frählingewetler.  Auf
Sch  und  der  eillten  Gräher  mor  übcerall
TLorsarn  leeimendet  worden.  Dir
r  kerbesna  nnt  Leuer  für  viele,  die  einen  ge
—ktis*  u  k.  kuran  sstunutkondcrv

-  .-is-«rxlstdkanxhcrrum

 
      

-
am  M  seild  ½  der  (rabimusil  in  der  Stadlpfurrlirnme.
  der  Kircheucr  umer  der  jachlunigen
  Leuung  des  H.  H.  Clorditeltocs

Haider  bot  dabei  ein  Meüterwerl  seine  mutilalischen
  und  gesangliüen  Könnens.  Die  hekre
Feier  Einterliett  bei  allen  einen  nachhaliigen,  tiefwirienden
  Eindruck.  Die  proteitantische-  Gemeinde
  beging  den  Karfreilag  als  ihren  höchsten
  und  ernstesen  Gedächtnistag  dre  Kirchenjahres
  mit  Abendmallsfeier  und  feierlichem
Hauplgollesdienst.  Auch  hier  war  der  Andrang
au?s  Sladtl  und  Land  so  zallreich.  daß  die  Kirche
alle  laum  zu  faisen  vermochte.  Hert  Sladt—
pfarrer  Weber  hielt  eine  inhal:spolle  Festpredigt.


Mosik  und  Ahealer.

BVolletl,eater.  Wie  bereits  mitgeteilt,
gelangt  am  Ostersonnlag.  nachminags  3  Uhr
und  öbends  6  Uhr  die  vorzügliche  Lolalposse
„Die  beiden  Reichkenmüller"  im  Hotel  „Deui-"l
  er  Kaiser“  zur  Aufführung.  Das  Stück  ist
eine  der  besten  Possen,  die  je  geschrieben  wurden.
  Der  musikalische  Teil  wird  ausgeführt  vom
Rosenheimer  Stadtorchester.

##
Bergnügungsanzeiger.

Lickilfpiele  Helios.  Am  Outermontag
gelangt  im  Srie!  „Deutscher  Kaiser"“  die  groß:
arlig  in  S#enee  Kriegs-  Allegorie  in  zwei
Alten  „Mille  eileFausft“.  2.  Teil,  zur  Vorfürrung.
  Der  1.  Tei  md:  vor  einigen  Wochen
  im  Helios  lier  gezent  5  fand  allseito
großen  Beifall.  Der  2.  Tei  erlrifft  an  szenischer
  Ausstattung  sogar  noch  v.  #  erreits  gezeigten
  1.  Teil.  Jeder  Teil  ist  fur  siu;  abgeschlossen.
  Das  neueste  vom  Kriegsschauplatz  and
herrliche  Rebennummern  sind  dem  Programme
für  Ostermontag  noch  beigegeben.

Aus  Jadusteie  und  Gewerbe

Das  Buchdruckgewerbein  der  Kriegs
zeit.

 

 

 

Den  wirkschaftlichen  Druck  der  Gegenwarl
füuhlen  am  DLarteten  diejenigen  Gewerbe,  denen
es  ichon  in  der  Zeit  des  Friedens  sehr  erschwert
wurde,  für  ihre  Erzeugnisse  von  den  Auftraggebern
  auslömmliche  Preise  zu  erhalten.  So
mustten  sich  die  Buchdruckereien,  ohne  daß  dies
össentlich  belamt  geworden  ist,  schon  seit  Jahren
fast  allgemein  mit  einem  Preisstande  begnügen,
der  in  einem  nachweisbaren  Mißoerhältnis  zu
den  Herstellungskosten  der  Druckarbeiten  steht.
Jeyt  hat  sich  die  mißliche  Lage  der  Buchdrudereien
  so  verschlimmert,  daß  sich  eine  Er-Göl’
  ung  der  Druckpreise  nicht  länger  mehr  vermeiden
  läßt.

Alles,  was  für  den  Buchdrudereibetrieb  an
Materialien  gekauft  werden  muß,  ist  leurer  gemorden.
  Welchen  Grad  diese  Verteuerung  erreicht
  hat,  ergibt  sich  daraus,  daß  z.  B.  die
Einkaufspreise  für  Papier  10  Prozent  und  mehr,
für  Druckfarbe  bis  50  Prozent,  für  Schriftmetalle
  bis  40  Prozent,  Chemikalien  bis  100
Prozent,  Schmieröle  bis  100  Prozent,  Kohlen
bis  30  Prozent  und  sonstige  Materialien  ebenfalls
  bis  30  Prozent  gestiegen  sind.  Zur  Steige- 



rung  der  Selbstkosten  bei  Herstellung  der  Druckarbeiten
  trägt  weiter  der  gegenwärtige  Mangel
an  geschultem  und  im  Betriebe  eingearbeiteten
Personal  wesentlich  bei.

Vor  kurzem  wurde  vom  Deutschen  Buchdrucker-Verein
  gemeinsam  mit  dem  Gehilfenverbande
  an  die  behördlichen  und  sonstigen
Drudauftraggeber  die  Bitte  gerichtet,  den  nach
Ausbruch  des  Krieges  bei  zahlreichen  Buchdruckerelen
  eingetretenen  Mangel  an  Beschäftigung!
  nicht  durch  Einschränlung  des  Verbrauchs
von  Drucdsachen  noch  zu  vergrößern.  Wie  dieser
Wunick  vielsach  berücksichtigt  worden  ist,  so  darf
wohl  auch  erwartet  werden,  daß  die  Verbraucher
von  Drucdardeiten  die  unbedingte  Notwendigleit
  einer  mätigen  Preiserhöhung  nicht  verleunnen
  werden.  Jedenfalls  ist  der  Wunsch  der
Buchdrudereien,  daß  man  ihnen  in  der  für  sie
besonders  schweren  Zeit  angemessene  Preise  für
ihre  Arbeiten  zubilligen  und  sich  der  leider  noch
immer  vorklommenden,  jetzt  aber  am  wenigsten
angebrachten  Preisdrückereien  enthalten  möchte,
vollauf  berechtigt.

Was  für  das  Buchdrudgewerbe  gilt,  das  gilt
in  gleich  hohtem  Maße  auch  für  ein  ihm  nahestel
  endes,  aus  ihm  hervorgegangenes  Gewerbe,
für  das  auf  so  hvehr  Siuse  stehende  deulsche
Zeitungsgewerbe,  an  das  man  nicht  nur  immer
mehr  sich  sleigernde  Ansprüche  itellen  sollte,  dein
man  vielmehr  ebenfalls,  damit  es  seine  für  die
Allgemeinbeit  wichtigen  Ausgaben  zu  erfüllen
vermag,  angemeisene  Abonnements-  und  In
seratenpreise  nicht  versagen  darf!

Eln  Wo  k  an  die  Banern.
(Schluß)

Glandt  ihr  denn  nicht,  daß  diese  Familien,
wenn  sich  Vater,  Multer  und  Kinder  wieder
finden  lönnten,  und  wieder  ihr  alles  Heint
bUüätten,  mit  9  Kilv  Geireide  im  Monat  gern
Daufrieden  wären?  Deuli  an  das  olles!  Und
Cateei  sage  id.,  daß  ihr  en  auf  dem  ere  doch
eher  heljen  ltönnt  wie  in  der  Stadt.  Neulich
hade  id  mit  einem  Bürgermeisler  von  einer
Gemeinde  gesprechen,  wo  man  jahraur,  jahr
ein  die  reine  Mehttost  hal,  wo  fast  tein:  Kar
ioffeln  gebant  werden,  wo  Schmeine  unbeiann
iind,  wo  wenig  Getreide  gebam  wird,  aus  ei-#rer
  Gegend  reiner  Biehend,t,  in  welcher  das
Mchl  von  auswäris  bezogen  wird,  aus  einer
(degend,  in  der  Fleisck  mit  Aus  nahme  von
Lohen  Feiertagen  überhaupt  nicht  gegessen  wird,
sondern  nur  die  träftige  Schmalzlost.  Er  hat
mick  gefragt:  Herr  Doktor,  was  sollen  wir
iun?  Was  habe  ich  ihm  zur  Antworl  gegeben?
  Ich  habe  ihm  die  Dinge  so  dargestellt,
wie  ich  eben  zu  euch  rede.  Er  hat  alles  eingesehen.


Ich  habe  ihm  dann  den  Rat  gegeben,  den
ich  ihm  in  Friedenszeiten  sicher  nicht  geben
würde,  der  aber  der  Not  der  Zeit  entspringt.
doch  in  Gottes  Namen  eben  mehr  die  Fleischlost
  auf  einige  Monate  einzuführen.  In  jedem
Bauerndorf  lönnen  die  „Bauern,  wenn  sie  sick.
uusammentun,  alle  14  Tage,  wenn  man  kein
Schwein  hat,  auch  ein  Stück  Rind  schlachten
und  die  Eleischnahrung  in  fden  Vordergrund
stellen.  Cs  gibt  in  jedem  Dorfe  einmal  eine
delle  Kuh  oder  ein  ähnliches  Stück,  das  sollen
die  Bauern  gemeinsckastlich  sclachten  und  unter
sich  auspfundeln.  Man  kann  das  Rindfleisch
auch  räuchern.

Dann  haben  die  Bauern  doch  Eier  und  vor
allem  haben  sie  Milck.  Durch  Einsparung  des
Mehles  ist  auch  die  Nachfrage  nach  Butterchmalz
  nicht  mehr  so  groß.  Die  Milch  enthält
alles,  was  der  Mensca,  zur  Ernährung  braucht.

nsolgedessen  heißt  es  weniger  Butler  machen
und  mehr  Milch  im  eigenen  Haus  verbrauchen.

Um  ein  Pfund  Butter  herzustellen,  braucht
nian  je  nach  Feitgehalt  12  14  Liter  Milch.
-  in  der  entbutterten  Milch  bleiben  noch  für

den  Menschen  überaus  wertvolle  Bestandteile
rurnf.  Nur  das  Fett  geht  in  die  Butter  über.
Mild,  Zucker  und  Eiweiß,  die  sehr  nahrhafte
Beslandieile  bilden,  werden  beim  Buttern  nicht
ausgeschieden,  sie  bleiben  in  der  entrahmten
Milck.  Ein  Bauer.  der  heute  Butter  verkauft
um  1.20  Mletder  1.30  Mark  per  Pfund
und  dafür  um  55  Afg.  Reis  oder  sonstige
Nahrungsmittel  tauft,  ist  ein  schlechter  Rechner.
Butteit  venwer  aus  und  verwertet  in  erster
Linie  die  so  eingesparte  Milch  im  eigenen  Hause!
Das  lann  euck  niemand  verdenken.  Man  muß
halt  einmal  mit  den  alten  Lebensgewohnheiten
ieht  in  der  Rriegszeit  brechen.  Es  ist  hier  kein
Zweifel,  daß  bei  uns  auf  dem  Lande  die  Ernährungsweise
  überall  viel  zu  einseitig  ist.  In
der  einen  Gegend  kommt  nur  Fortoftelost  immer
  in  der  einen  Form,  in  der  Oberpfalz  3  eiberlnödel
  und  Reiberdatsch,  in  Oberbayern
nichts  wie  Nudeln  und  Schmarten  usw.  auf
den  Tisch.

Was  läßt  sich  nicht  alles  aus  Magermilch
bereiten?  5  6  Liler  Magermilch  ergeben  ein
Pfund  Topfen  oder  Käse.  Topfen  ist  ein  vorrügliches
  Nahrungemittel,  im  Sommer  erfrisch
  end  und  sättigend,  besonders  wenn  man  #n
mit  einigen  Löfseln  Rahm  oder  Milch  anmacht,
Lrebel  hineinschneidet  oder  Schnittlauch  darau


Ein  Vauer,  der  Milchvieh  hat,  kann  nicht
verhungern,  besonders  wo  jetzt  der  Milchertrag
bei  beginnender  Gränfuterun  steigt.  Wie  vorzüglich
  sind  die  Milchspeisen  aus  Topfen,  wobei
  viel  Mehl  gespart  wird.  Vorzügliche  Topf- 



 

nudeln  kann  man  auck,  mit  Kartoffeln  machen,
die  gul  ausgedünstet  sind,  mit  mehligen  Spelsekartofseln,
  keinen  Salatkartoffeln.  Aus  112
Pfund  gekochten  Kartofseln  und  1  Pfund  gut
ausgewässertem  und  getrodnetem  Topfen,  ein
wenig  Mehl  zum  Einstäuben,  Salz,  alles  gut
gemischt  und  zu  Teig  geknetet,  werden  Nudeln
geformt  und  in  Fett  herausgebacken.  Das  gibt
eine  vorzügliche  Nahrung,  die  alles  enthält,
was  der  Mensch  braucht,  Eiweiß.  Kohlenhydrate
  (Stärkemehl)  und  Felt.  Das  lann  man
zu  Kraut  essen,  zu  Blaukraut,  zu  Wirsing.  Der
Bauer  lann  sich  helsen.  Aber  vor  allem  ist
es,  wie  gesagt,  noiwendig,  gemeinschaftlich  der
Not  gehorchend,  in  solchen  Gegenden  mit  vorwiegender
  Mehlkost  mehr  zur  Fleischkost,  wenigstens
  für  die  nächsten  Monate,  überzugehen.
Wo  man  leine  Schweine  hat,  müssen  die  Bauern
  zusammenstehen  und  ein  Stück  aus  dem
Stall  bestimmen  und  gemeinschaftlich  auspfündeln.
  Es  muß  gehen  und  es  wird  gehen.

Bot  allem  möchte  ich  die  Selbstversorger,
d.  die  Bauern,  die  aus  ihren  Beständen
9  Kie  Getreide  pro  Kopf  und  Monat  zurückbehalten
  dürsen,  vor  einem  warnen,  nämlich
nid  auf  Kosten  der  Zukunft  zu  leben.  Es  wird
ie  zt  vielfach  auf  dem  Lande  vom  Vorrat  ge-Art,

  ohne  Einschränlung.  Das  endet  bös.

Menn  in  einem  Haushalt  für  10  Personen
10½  jgenn:  (betreide  zurückbehallen  wurden,
jo  muß  dieser  Vorrat  reichen  bis  15.  August.
Von  leiner  Seile  isi  Mehl  oder  Brot  zu  erwarsen.
  Darüber  muß  Klarheit  herrschen.  In
den  Städten  und  vielen  Landbezirken  wird  bereits
  Mehl  nur  noch  gegen  Karten  abgegeben
und  der  Städter  bekommt  nicht  mehr  Mehl  und
Brot  pro  Kopf  als  200)  Gramm,  das  macht
pro  Monat  C//.0  Gramm,  während  der  Selbstversorger,
  wenn  er  80  Prozent  ausmahlen  läßt,
8/100  ramm  pro  Kopf  und  Monat  in  seiner
Familie  zur  Versorgung  hat.

Amt,  darüber  muß  sich  der  Vauer,  der  sein
(Letreide  selbst  vermahlen  läßgt,  klar  sein,  daß
er-  jedes  Piund  Mehl,  das  er  von  der  Kundenmühle

  meniger  belommt,  aiso  30  Pfund  Mehl
fr  10  |  Pfund  Getreide,  am  eigenen  Leib  ver-##zrürt
  und  dam  weniger  zur  Verfügung  hat.

Glande  niemand,  daß  ihm  von  irgendeiner
Seile  ein  fund  Brot  oder  Mehl  oder  Getreide
  ugeteilt  wird,  wenn  er  seine  Vorräte  zu
früh  verzehrt  hat!  Darüber  muß  Klacheit
herrschen.

Auch  werden  immer  noch  Klagen  geführt,
daß  das  Mehl  nicht  mehr  so  schön  weiß  sei.
Im  Jahre  1817  hatten  wir  in  Deutschland
eine  Mißernte.  Dortmals  hat  das  Volk  Kleie
zu  Brot  verbaden.  Wir  haben  dank  der  Tapferleit
  unseres  Heeres  vom  Krieg  noch  nichts
verspürt.  Wer  diese  lleine  Last  nicht  mittragen
  will,  der  soll  an  die  Heimsuchung  der  armen.
  ostpreußischen  Bauern  denlen.

Dr.  Georg  Heim.

##  de  Gerichisiaui
Telegraphengeheimnis.

Lürnberg,  2.  April.  Der  Postsekretär  Wilhelm
  Haßloch  hatte  am  17.  Jannar  1913,
au  welchem  Tage  die  Wahl  des  Präsidenten
der  französischen  Republik  statifand,  Schalterdienst
  bei  der  Telegraphenamtszweigstelle  im
Hauptbahnhof  zu  Nürnberg.  Dort  sprach  er
am  Abend  mit  dem  ihm  bekannten  franzöfischen
  Berufskonsul  Fuchs  über  die  Wahl  und
erbot  sich,  diesem,  sobald  er  das  Wahlergebnis
erfahren  habe,  Nachricht  zu  geben.  Haßloch
fragte  bei  dem  Haupttelegraphenamt  an,  ob
das  Wahlresullat  schon  telegraphisch  eingegangen
  sei;  nachdem  er  auf  diesem  Wege  erfahren
hatte,  daß  Poincare  als  Präsident  gewählt  war,
ichrieb  er  das  Walllergebnis  auf  ein  Lelegrammsormular
  und  ließ  es  durch  einen  Depeschenboten
  dem  Konsul  Fuchs  überbringen.  Auf
Grund  dieses  Tatbestandes  hat  das  Landgericht
Nürnberg  den  Postsekretär  Haßloch  wegen  Vergehens
  im  Amie  zu  vier  Monaten  Gefängnis
verurteilt.  Zur  Begründung  dieses  Urteils
führte  das  Landgericht  aus:  Die  Telegraphenbeamten
  sind  zur  strengsten  Wahrung  des  Telegraphengeheimnisses
  verpflichtet.  Es  ist  den
Beamten  verboten,  dritten  Personen  Mitteilung
zu  machen  von  der  Kenntnis  des  Inhalies  eines
Telegramms,  die  im  dienstlichen  Wege  erlangt
ist.  Es  war  schon  unstatthaft,  daß  der  Beamte
sich  die  Auskunft  über  das  Wahlresultat  vom
Hauptamt  geben  ließ.  Unter  keinen  Umständen
aber  durfte  er  dann  dritten  Personen  Mitteilung
  davon  machen.  —  Gegen  dieses  Urteil  legte
der  Angeklagte  Maision  ein,  die  vom  Reichsgericht
  verworfen  wur

Macktrderschte.

Canoͤshut,  31.  März.  Der  heutige  Viltualienmarkt
  war  mäßig  bestellt.  12  bis
13  Eier,  sehr  viel  vorhanden,  erhielt  man  um
1  Ml.,  später,  nachdem  die  Nachfrage  etwas
lebhofier  war,  nur  11  Stück.  Das  Pfund  Rindschmalz
  tostete  im  Grohverkauf  1.18  bis  1.20
Mark,  im  ““*—|  4-2#  bis  1.25  Mark.
Landbutter  1.30  bis  1.3  0  Mk.,  Boikereiue
1.60  Mk.,  Schweinfett  90  Pfa.  bis  1  O
—  Viehmarkt.  Kälber  lebend  1.  Qual.  57
bis  60  Mn  2.  Qual.  53  bis  57  Pfg.,  3.  Qual.
50  bis  5  3  g.  Schweine  tot  81  bis  84  Pfg.
e  Mnd,  Spanferkel  das  Paar  25  bis  30

ark.

 

—
as

 

 

Sprechecke  der  Hausfranu.

Der  Topfen.  Da  die  Landbevölkerung
selten  Topfen  bereilet,  ist  es  ratsam,  im  Haushalte
  selbst  ihn  zu  bereilen,  was  ganz  mühelos
ist.  Man  stellt  2—3  Tage  in  einer  Schüssel
oder  Topf  Magermilch  oder  Vollmilch  in  die
warme  Küche  ober  dem  Herde,  nicht  auf  die
Platte.  Hat  sich  der  Kässtoff  von  dem  Wasser
gelrennt,  läßt  man  letzteres  durch  ein  feines
Sieb  abtropfen,  schütlet  den  Topfen  hernach  in
ein  Tuch  oder  Säckchen  und  läht  ihn  1.  2  Tage
abtropsen,  so  lange  als  man  den  Topfen  eben
zur  Bearbeitung  benötigt.

Topfenmehlspeise.  12  Pfund  Kopien
wird  mit  12  Liter  Milch  fein  abgerührt,
Eier,  12  Liter  Mehl  dazu  gemengt,  mit  Meten
oder  Weichseln  gefüllt.  Zu  einer  Form,  die
mit  Butler  ausgeschmiert  und  erwärmt  ist,  dann
gebaden.  Oder:  8  Lot  Topfen  mit  4  Lot
Butter  gut  abrühren,  4  Dotter.  4  Lot  Zucker,
4  Lot  geschälle,  gehackte  oder  durch  die  Maschine
  geriebene  Mandeln,  etwas  Zitronenschale
und  den  Schnee  von  3  Eiern  bei  mäßiger  Hitze
backen  und  mit  Fruchtsaft  oder  einer  Milchereme
auftragen.

Topfenkrapferln.  3  Lot  Butter  mit
2  Dotter  und  1  ganzen  Ei  abrühren,  12  Pfund
Topfen,  nicht  ganz  12  Liter  Mehl,  Salz  und
10  Pfg  Hese,  dann  sormt  man  mit  dem
Lössel  lleine  Kräpschen  aufs  Brett,  läßt  sie
darauf  gehen  und  backt  sie  dann  goldgelb  im
heizen  Fett  oder  in  Butterschmalz  aus.  Stark
mit  Zucer  beftreut  zu  einem  Fruchtsaft  auftragen.


Einsocher,  aber  guter  Zwieback.  7
Delagramm  Vutier  werden  flaumig  abgerührt,
nach  und  nach  7  Dekagramm  Zucker  und  von
*tl  zitrone  die  feingewiegle  Schale.  Von  3
Delagramm  Hese  wird  ein  Gärleig  angemacht,
1  Ei  und  10  Delagramm  abge  ogene  geriebene
Mandeln  mil  42  Delkagramm  Mehl  am  Brett
mit  so  viel  Müch  angemacht  und  ausgearbeilet,
haf  der  Teig  set,  aber  geschmeidig  bleibt.  Gut
abgearbeilet  werden  2  Skollen  daraus  geformt,
am  geselicten  Blech  gut  gehen  lassen.  Sind  sie
gut  ausceg.  auen  »  werden  sie  in  einer  miltelheisen
  Nölre  gedacen.  Am  nächsten  Tag  werden
  die  FalleVo  in  gleiche,  nicht  zu  dide  Scheiben
geschnitien  aufs  Blech  neben  einander  gelegt,  im
Rohr  getrocknel  und  einmal  gewendet.  Will
man  den  Zwiecbad  mit  Zucker  haben,  werden
die  Scheiben  nach  dem  Schneiden  in  Vanille:
zucler,  der  mit  etwas  Zimmt  gemischt  ist,  vingewicdlt
  und  nebeneinander  auf  das  Blech  gelegt
und  getrocknet  im  Rohr  bei  mittlerer  Hitze.

Sprechsoal.
(Ohne  Verantworlung  der  Redaklion.)
Verleumderisie  Gerüchte.
Schon  seit  längerer  #eit  kursieren  in  hiesiger

Stadt  über  zwei  Frauen,  deren  Männer  vor
dem  Feind  stehen,  schwer  beleidigende  Gerüchte,
über  deren  Verbreitung  sich  jeder  anständige
Mensch  entrüsten  müßte.  Die  schwer  angegrifsenen
  Frauen  haben  bei  Gericht  Hilfe  gesucht
und  die  Verbreiter  dieses  Gerüchtes  wegen  Beleidigung
  verllagt.  Obwohl  in  der  schöffengerichtlichen
  Verhandlung  nicht  nur  kein  Beweis
für  die  haltlosen  Beleidigungen  erbracht,  im
Gegenteil,  die  beleidigenden  Aeußerungen  auf
Grund  eines  vom  Gericht  vorgeschlagenen  Vergleiches
  als  unwahr  zurückgenommen  wurden,
sinden  sich  doch  wieder  Leute,  die  den  traurigen
Mut  finden,  den  schmutzigen  Kot  im  Straßenilatsch
  neu  aufzulischen  und  weiter  zu  verbreiten.
Im  Interesse  des  gulen  Rufes  unserer  Stadt
diegt.  es,  wenn  diesen  Leuten,  die  in  unverantwortlicher
  Weise  die  Ehre  zweier  Frauen  und
damil  des  Frauengeschlechts  selber  in  der  schmählichsten
  Weise  herabwürdigen,  das  Handwerk
gelegt  wird.

rr

 

 

Bei  der  Lauptsammesstelle  des  Roten  Kreuzes
sind  seit  1.

Januar  1915  folgende  Beträge  ein- 


   

 

 
 

gegangen:
Vortrag:  10  228.08  Mfk.
Anzeiger  14.—  „
—
4.—  „
2.—  „
18.—-  „
Anzeiger  30.—  „
Anzeiger  5.—  „
Sammesstelle  Högner  &  Cie.  23.-—  „

Sammelstelle  Senft

 

Briefkossen  der  Read#

Firmpate.  Bischof  Dr.  v.  Schlör  von
Wurzburg  hat  für  seine  Diözese  den  Wunsch
ausgesprochen,  daß  im  Hinblick  auf  den  Krieg
für  die  heurige  Firmung  der  Klerus  lich  vor
der  Gemeinde  bereit  erkläre,  auf  Wunsch  der  Eltern
  die  Stelle  des  Firmpaten  bei  den  Firmlingen
  zu  übernehmen.  Es  ist  nicht  ausgeschlossen,
  daß  ein  ähnlicher  Wunsch  auch  für  die  Erzdiözese
  München  Freliug  verlautbart  wird.  Auf
die  Einfachheit,  bei  der  heurigen  Firmung
eingehalten  soll,  ist  bereits  P  n
worden.

rtterberscht  für  Sonntag,  den  4.  April:
Wechselnd  bewölkt,  stellenweise  Nlederschläge,  besonders
  Pfalz,  Nordbayern.