NAummer 10
—W——'.e–
Donnerstag, 14. Januar 1018
lind für die Franzosen namentlich bel Boiselle
lehr verlustreich, werden aber fortgesetzt. Desgeich-
wird ein neuer Zusammenstoß nächst
erwartet, dessen Nordseite die Fran-Kolen
zu halten sucken, während die Deutschen
durch ihre bedeutenden Erfolge die Westseite
gesichert haben. (3.)
Die Franzosen im Ober-Elsaß.
Genf, 12. Jan. Die französische Offensive
gegen das Ober-Elsaß, die ebenfalls nicht durchgedrungen
ist, ist offenbar in Frankreich mit großer
Erwartung aufgenommen worden. Französische
Verwundete erzählen, man habe sich in
französischen Heereskreisen sehr viel von der Offensive
im Ober-Elsaß versprochen. Man habe
gehofft, längstens bis Neujahr wieder in Mülhausen
einrücken zu können; zum mindesten aber
alaubte man, mit dieser Offensive die englischfranzösische
Stellung an der deutschen Fronül in
Flandern und auf dem französischen Kriegsschauplatz
bedeutend zu entlasten. Französische Offiziere
erklären jetzt, es wäre den deutschen Trupren
einfach gar nicht beizukommen gewesen.
Jede Lücke der deutschen Verteidigungslinie sei
rasch wieder ausgefüllt worden, gerade als ob
Deutschland Truppen hätte aus dem Boden
stampfen können. Andererseits hätten die Fran-Slen
bei Beginn der Offensive alle ihre versügbaren
Kräfte eingesetzt. (3.)
Deutsche Flieger über Calais.
WTB. London, 12. Jan. Die „Daily
News“ meldet: Die Flüge deutscher Flugmaschinen
über Furnes, Dünkirchen und Calais
balten an. In der vergangenen Nacht wurde die
Erscheinung von Luftfahrzeugen über Dünkirchen
nach Calais telegraphiert. Scheinwerfer suchten
mit ihrem Licht den Himmel ab, bis die Flugzzuge
wie kleine Pünktchen am Himmel sichtbar
wurden. Ein Hagel von Geschossen wurde nach
ihnen in die Höhe gesandt; jedoch das Fluggeschwader
schwenkte nach der See ab und ist
offenbar nicht getroffen worden.
Verluste der Garibaldianer.
Mailand, 12. Jan. Nach dem „Secolo“
hat bei einem Gefecht, das im Argonnenwalo
bei Maison des Forestieres am 8. Januar
stattgefunden hat, das Garibaldianer-Regiment
140 Mann an Toten, Verwundeten und Vermißten
verloren. Das Regiment hat bisher über
ein Viertel seines Bestandes und fast alle Offi-#Sziere
versoren und wurde aufs neue zur Erholung
hinter die Front geschickt. (.3.)
Vom öfeulchen Kriegsschauplatz.
Gefallene und verwundete rufsische
Generäle.
WITB. Petersburg, 12. Jan. In einer
einzigen Verlustliste sind unter den bei Inowleds
Verwundeten und Gefallenen aufgeführt
die Generäle Richter, Scholl, Konstantinow u.
Kohlschmidt.
Ermattung des russischen Heerecs.
Köln, 12. Jan. Nack einem römischen Telegramm
der „Kölnischen Zeitung“ findet in der
Presse ein Bericht des Neapeler „Mattino“ aus
dem österreichisch-ungarischen Hauptquartier
Beacktung, der unter dem Titel „Die letzten
Atemzüge des russischen Widerstandes“ zu dem
Ergebnis kommt, die russischen Hecre seien zur
Offensioe nicht mehr jähig und Rußland zum
Frieden entschlossen. Es mache nur noch verzweifelte
Anstrengungen, Galizien als Pfand
für den Friedensschluß zu behaupten. (3.)
Feuer in Warschau.
WIB. Krakau, 12. Jan. Hiesige Blätter
berichten über ein großes Feuer, das vorgestern
roße Verheerungen in Warschau angerichtet
at. Am erwähnten Tage erschien ein deutscher
Aeroplan über der Stadt und warf mehrere
Bomben ab, deren eine in der vornehmsten
Straße, dem Moskowski--Prospekt, explodierte
und die Lagerstelle einer Linoleumfabrik in
Brand steckte.
·r "r
Bon den öflerr. Kriegsschauplähen.
Die Kriegslage in Oesterreich.
WTB. Wien, 12. Jan. Amtlich wird gemeldet:
Die Versuche des Feindes, die Nida
zu forcieren, wiederholten sich auch gestern. Während
des heftigen Geschützlampfes an der ganzen
Front setzte vormittags in dem südlichen Abschnitt
die Krafttruppe des Gegners erneut zum
Angriffe an, brach jedoch nach kürzester Frist
in unserem Artilleriefeuer zusammen und flutete
zurück, indem sie Hunderte von Toten und
Verwundeten vor unserer Stellung zurückließ.
Gleichzeitig hielt auch südlich der Weichsel der
Geschũtzlampf an, wobei es einer eigenen Batterie
gelang, einen von dem Feinde besehzten
Meierhof derart unter Feuer zu nehmen, daß
die dort seit den letzten Tagen eingenisteten Russen
gezwungen wurden, fluchtartig ihre Stellungen
zu räumen. M#n den Karpathen erschweren
die ungünstigen Witterungsverhältnisse jede
größere Aktion. Im oberen Ungtale zog der
Gegner sich näher an den Ufzsolkpaß zurück. Die
von .russischen Zeitungen verbreitete Nachricht,
die Festung Przemysl hätte am 10. November
einen Parlamentär zu dem Feind entsendet, ist
natürlich vollkommen erfunden und dürfte nur
bezwecken, die gänzliche Machtlosigleit gegenüber
dieser Festung zu verbergen.
Vor Przemysl.
WITB. Wien, 12. Jan. Der Kriegsberichterstatter
des „Deutschen Volksblattes“ erklärt
über die Belagerung von Przemysl, daß die
russische Armee dort bei den bisherigen Angriffen
furchtbare Verluste erlitten habe. Die Ausfälle
der Besatzung haben den Belagerern großen
Schaden zugefügt. Gefangene russische Offiziere
erzählen davon mit unverhohlener Bewunderung.
Ebenso stark sind die Reihen bei Sturmangriffen
gelichtet worden. Wie bei der ersten
Belagerung trieben die russischen Offiziere die
Mannschaften an. Viele, die nicht vorrücken
wollten, wurden einfach niedergeschossen. Vor
den Truppen lagen Berge von Leichen feindlicher
Soldaten. Sie zählten nach Tausenden, deshalb
dürften auch die Russen ihre wahnsinnigen Angriffe
ausgegeben haben. Vor kurzem sind auch
Teile der Belagerungsarmee an die Dunajecfront
und nach den Karpathen abgezogen, so
daß bis auf weiteres vor der Festung Premysl
leine Russen erscheinen dürften.
Räumung Belgrads?"
Wien, 12. Jan. Das „Neue Wiener Journal“
meldet aus Sosia: Aus Nisch wird berichtet,
daß die serbische Regierung an die Belgrader
Bevölkerung eine Kundgebung erließ,
worin mit Rücksicht auf die militärischen Gründe
der Zivilbevölkerung verboten wird, weiterhin
in Belgrad zu verweilen. (3.)
Ilallen
55% roscen in Italien.
2. Jan. Nach der offisiellen Stabuh
n— sich 72 000 Deutsche in Jalien,
davon in der Lombardei allein über 40 000
Dagegen gibt es nur 4000 Franzosen, 3000
Engländer und 6000 Russen. (Z3.)
Keine italienische Hilfe.
Mailand, 12. Jan. Die Mailänder „Perseveranza“
erklärt an leitender Stelle: Die Japaner
mogen kommen oder nicht, das eine ist
sicher, daß die Russen, Franzosen und die Engländer
eher auf die Soldaten des Mikado rechnen
können als auf die Hilfe von Europa, insbesondere
von Italien. Und was Rumänien
anbetrifft, so wird es tun, was ihm beliebt,
allein oder in Gesellschaft des Balkanbundes.
Italien aber betreibt ausschließlich italienische
Politik. (3.)
Die d##erschen Verlastu##sten.
Verlustliste Nr. 136.
8. Inf.-Rgt. Metz: Vefr. d Res. Karl Kaiser
aus Unterhaching, gefall
16. Inf.-Rgt. Passau: Inl. Fridolin Dreier
aus Rosenheim, leicht verwundet
23. Inf.-Rgt. oaiierslamtern: Inf. Thomas
Speer aus Schwaig, mi
Res.-Juf.-Ngt. 3. 77 UN#ervofl d. L. Georg
Stettner aus Gars a. J., leicht verwundet;
Wehrmann Korbinian Schneider aus Holzlirchen,
gefallen; Gefr. d. ranz Hartan aus
Hart, leicht verwundet.
Res.= Irf. -Rgt. Nr. 17: Ers.-Res. Josef Kammerloher
aus FKäcking, schwer verwundet.
1. Pionier-Bat. München: Pionier Alois
Bergmann aus Holzhausen, leicht verwundet.
Das and Personlnachrichten
München. 12. Jon. Der bayer. Hof wird
während der Kriegszeit keine Hoffestlichkeiten
abhalten. Die für den 20. Januar festgesetzte
eit der Prin essin Abelgunde mit dem Fürsten
von Hohenzollern wird ohne größere Festlichkeiten
stattfinden.
HRänchener Neuisleilen.
München. 12. Jan. Mit den neuen Bundes-
ratsverordnungen für die Bäckereien beschäftigt
sich am Montag eine Versammlung der Bäcdermeister.
Aus dem Referat des Innungsobermeisters
erwähnen wir, daß die Bäckermeister Münchens
nicht wie diejenigen anderer Städte und
die Gehilfenorganisation Hamburgs gegen die
Bestimmungen protestieren. Sie erwarten jedock,
daß das Publikum mit der Form und
dem Gesck mack des Brotes, wie es ab 15. Jan.
hergestellt werden muß, zusrieden ist. Die Bäkkerinnung
fordert von der Militärbehörde, daß
den Kriegsgefangenen kein Weißbrot mehr gereicht
wird. Mißstände, die sich durch Eintausch
von Kommißbrot gegen andere Lebenemittel
in Restaurants einstellen, müßten ebenfalls behoben
werden. Wir sind jetzt in der Lage, ein
Brot ohne Weizenzusatz herzustellen, das dem
Konsumenten keinen Schaden zufügt. Die noch
jugelassenen Kuchen sollen die Bäcker ebenso
backen dürsen wie die Konditoren. Ueber die
Folgen des Nachtbadverbots läßt sich etwas
Bestimmtes noch nicht sagen. Ein warmer Appell
forderte die Bäcker auf, die Bestimmungen
stirengstens einzuhalten, um die allen unerwünschte
Kontrolle in den Backstuben zu vermeiden.
Landtagsabg. Scharnagl machte darauf
aufmerksam, daß Paragraph 12 bestimmt, daß
die Bestimmungen auch das Hausgebäck umfas.
sen, das beim Bäcker ausacbaden wird. worauf
leder Bäcker das Publikum aufmerksam machen
muß. Der einzige Ausweg ist das Einheitsbrot,
durch dessen Einführung bereits im Sept.
die jetzigen Bestimmungen wesentlich milder ausgefallen
wären.
U##erische Nachrichen.
würzburg, 12. Jan. Der Würzburger Magistrat
beschloß heute im Prinzip, die Errichtung
eines gemeindlichen Einigungsamtes über
Mietstreitigkeiten. Es wird unter einem unparteiischen
Vorsitzenden, dem zwei Mitglieder des
Hausbesitzer- und Mietervereins, und wenn es
sich um Hypothekenstreitigleiten handelt, zwei
von der Handwerkskammer zu ernennende Banksachleute
beigegeben sind, geführt.
B#werisches Öberians.
WMolbermoor, 12. Jan. Bei dem Standesamte
Kolbermoor wurden im vergangenen Jahr
125 Geburten, 18 Eheschließungen und 118
Sterbefälle burkundet.
Söllhuben, 12. Jan. Unter den Priesterjubilaren
dieses Jahres besindet sich auch H. H.
Benefiziat Anton Aigner in Landshut. Er kann
sein goldenes Priesterjubilãum feiern. Der Ju -
bilar ist in Söllhuben geboren und ist jetzt 76
Jahre alt. In der Seelsorge war er tätig in
Trucktlaching, Lengries, Obing, Laufen, Weng,
Dachau und Forstinning, bis er dann noch während
11 Jahren als Pfarrer in Obertauslirchen
segensreich wirkte. Ein Gichtleiden zwang ihn,
leinen dortigen Posten aufzugeben und das
Probst-Mayr-Emeriten-Benefizium in Landshut
zu übernehmen. Möge der ehrwürdige
Priestergreio sich noch lange wohlverdienster
Ruhe erfreuen!
Grafing, 12. Jan. Als der Kirchlechnerbauer
Meisl von Fürmooien mit Weizen nach Grafing
fuhr, scheuten unterwegs die Pferde.- Der Bauer,
der neben den Tieren ging, lam unter den Wagen,
wobei ihm ein Fuß zweimal gebrochen
wurde. Der auf dem Wagen sitzenden Bäuerin
gelang es, die Pferde zum Stehen zu bringen,
so daß sie und das neben ihr befindliche Kind
mit dem Schredcen davon kamen.
mühldorf, 12. Jan. Die Dienstmagd Rosa
Kaltenhauser und ihr Geliebter, der Schreiner
Jais, sind seit einiger Zeit verhaftet. Es handelt
sich um einen verbotenen Eingriff, welchen
das aus Altötting stammende Mädchen in
Mühldorf auf Anstiften seines Geliebten ausgeführt
haben soll. Der Viehverlader Springer
der Firma Vorderhole und Pollhammer
wurde in Dorfen von einem Eisenbahnwagen
an die Verladerampe gedrückt, so daß er am
nächsten Tage seinen Verlegungen erlegen ist.
Springer war aus Töging gebürtig.
Traunstein, 12. Jan. Der Minoritenpater
Hieronymus Nohrmeier, der vor zwei Jahren
in Maria-Eck stationiert war und sich von dort
in die Missionen des Minoritenordens in
den Orient begab, nach erfolgter Mobilmachung
in sein Vaterland zurückkehrte und bie jetzt im
Reservelazaret: Landehut lälig war, ist am 5.
Januar als Marinegeistlicher bei der türkischen
Flotte nach Konstantinopel einberufen worden.
Kommanales.
Sitzung des Mollegiums der Gemeinde=Bevollmächtigten
in Rosenheim.
Mittwoch, 13. Januar 1915.
. Finsterwalder, der in seiner Eigenschaft
als bisheriger 1. Vomn#sitzender die Sißung leitet,
eröffnet diese mit Danlesworlen an die
ausgeschiedenen und mit einer Begrüßung der
neu eingetretenen Mitglieder des Kollegiums.