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Rosenheimer Tagblatt 4
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Rosenheimer Anzeige
ais-stn 15. April 1915
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Vor Beginn eines neuen Angriffs auf die Dardanellen
Ueberschwemmuogen in frankreich. — die englischen verlafte. — die fränzösilchen Träume. — bie Kriegslage Iin englischem und rullischem
dichtc. — einc gcheimnisvolle Explosion auf den Spetlandsiufeln. — Die Riescuverluste der Kuffen in den Rarpalben. — neneriiche
schwere Beschä4kgungen engiuch-Iranzösischer kricgs#olliIc vor den Dardancilen. — RKufrische verluste anf dem Schwarzen meerc. — die
Lagc in marokko vor eince Katahroppe.
Das Flasko des Drelverbandes.
Dem Dreiverbande gelingt nichte mehr! Seit.
dem er sich in der Einschänung der militärischen,
wirtschaftlichen und moralischen Kräfte der beiden
mitteleuropäischen Kaisermächte so gründlich
rerrechnet und an allen Eten und Enden
empfindliche Schlage erhallen hat, ist sein Ansehen
bedentlich gesunken und sein früherer Ein:
fluh dahin. Wohl hat er noch in einzelnen
Ländern blindergebene Anhänger, die ihm durch
dick und dünn zu folgen bereit sind. Aber sie
selbst finden keine (befolgschaft mehr und verlieren
den politischen Boden unter den Füßen.
Das merkwurdigste Beispiel dieser Art bietet
Venizelos; bis vor kurzem noch der volkotümlichste
und einflußreichste Staatomann seines
Landes, heute ein wurzelloser Minister a. D., der
sich derar! in die Enge getrieben sieht, daß er
3 vorzieht, sich von jeglicher Teilnahme an
Politik endgeiltig zuruckzuziehen. Er hat
4 mit Leib und Seele der Firma Grey, Delcasse
und Iswolekn verschrieben und wollte
Griechenland um den Preis vager, in der Luft
schmebender Versprechungen in den Weltkrieg
hinein zichen. So seher war er seiner Sache sicher.
daß er bereils ganz beilimmte Versprechungen
gemach! zu haben scheint, so daß er, als es ihm
nicht gelang, mit seiner dreiverbandsreundlichen
Politik durchzudringen, jeden Halt und jede Belinnung
verlor und mit „Enthüllungen“ heraustam,
die nicht, wie er geglaubt und gerechnet
hatl#, seine Gegner, insbesondere den besonnenen
! König Konftantin, sondern allein ihn selbst bloßsiellten.
Es kam dabei nämlich zutage, daß er
bereil gewesen sei, lediglich um seiner Abenleutecpoliit
zum Siege zu verhelfen, griechil
sschen Besig mit einer gar nicht unbeträchrlichen
f griechischen Bevöllerung an Bulgarien abzu.
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1
treten. Das öffnele selbst den ergebensten seiner
Gefolgschaft die Augen und zeigte ihnen, wohin
die Reise gegangen wäre, wenn es Venizelos
gelungen wärc,
Griechenland zu machen.
Das hellenische Volk weiß es seinem König
m1 und dessen mililärischen Ratgebern heute Dank,
daß sie sich nicht von Venizelos in dessen gefahrvolle
Pläne verstricken ließen, sondern fest und
| entschiossen eine Beteiligung
an dem Dardanellen Unternehmen abgelehnt
haben. Der entlassene Ministerpräsident muß
jebt erlennen, daß er völlig ausgespielt hat,
und daraus erklärt es sich, daß er nach einem
miß glückten Anlauf, durch pflichtwidrige Ver
öffentlichungen die öffentliche Meinung des Lanpeitschen,
die Flinte ins Korn wirft und „endgültig“
vom politischen Schauplatz abtritt. Freilich,
daß dies auch aufrichtig so gemeint ist.
wird niemand glauben, der den Ehrgeiz und
die Gewissenlosigkeit dieses Intriganten kennt.
Aber bis auf weiteres hat er jedenfalls das
Spiel verloren und kann den Dreiverbändern
nichts mehr nützen, weshalb diese ihn denn auch
in gewohnter Treulosigkeit schleunig fallen lassen,
um es mit jetzt maßgebenden griechischen
Kreisen nicht vollends zu verderben.
Aehulich scheint es auch den Gesinnungsgenos-
sich zum Herrn der Lage in:
1
Griechenlands
ten, dem rumänischen Agenien des Dreiverbandes,
Tale Zonescu, zu ergehen. Auch er Hieh#t
sich in seinem Lande mehr und mehr vereinsam,
nachdem er vorher eine zal. #reiche Gefolg
schaft um sich gesammelt batte. Auch die maßzgebenden
rumänischen Siellen sind nich! gewillt,
sich in ein Abenleuer ein zulaisen, um dem Drei
verband die Kastanien aus dem tjürlischen Fruer
zu holen, zumal sie so wenig wie Griechenland
und Bulgarien einen Segen für sich in der Eroberung
Konstantinopels durch den Dreiverband
zu erkennen vermögen. So hat sich dieser überall
auf der Suche nach neuen Bundesgenossen
Korbe geholt, die er nicht so bald vergeisen
wird.
*
I
Algemeines vom Krieg.
Die Kriegofürsorge.
Berlin, 13. April. Die Budgeilommilsion
des Neichstages beriei heule über die Anträge
aus dem Hause betreffend Veriorgung der
Kriegoinvaliden und der Hinlerbliebenen. Der
Staatssekretär des Reichs'chaßamtes führte aur.
Die Regierung und der Reich' * seien einig.
daß es ihre Ehrenpflich! sei, nach Kräflen für
die Kriegsopfer zu sorgen. Die Lofung dieser
großen Aufgabe werde freilich einmtweilen einen
mehr theorelischen Charakter haben, da uber
die Zahl der zu Versorgenden und die finan
zielle Möglichkeit der Fursorge noch nichts seit
stehe. Es sei daher die Verantwortung nilln
gering, schon jetzt positive Veschlüsse zu i*v*v*
ohne die Gewißheit= zu Laben, ob sie uber
haupt ausführbar sind. GErirenlich sei die Er
tenninis, daß unsere L#0 besser sei, al##die
der feindlichen Lander. Der Slaatssetretar und
der Vertreter des RKriegeministeriums saaten
möglichst schleuni ge Vorlegung der gewünschten
Unterlagen zu. Der Reichsschatzielretär erklarte.
für die Uebergane dzeit wurden miltels der vor
handenen und von der Kommistion bewilligten
Fonds die zweisellos vornhandenen Härien nach
Möglichkeit gemildert werden. (J.)
Aue der sozialdemokratischen
Partei.
Berlin, 13. April. Die „Vossische Zig.“
brachte unter der Ueberschrift. „Kundgebungen
der Lieblnecht-Gruppe“ die Meldung von einem
Manifeste in der Pariser „Humaniké“, von dem
sie sagte, daß es, wenn es sich nicht um eine
Mstifitation handle, einen heftigen Vornoß
gegen die Mehrheit der Reichstagefraktion aus
den Kreisen der Minderheit bedeute. Die „Hu
des gegen den König und dessen Ratgeber aufzu- «
manite“ vom 7. April schreibt: Sie erhielt
aus Holland ein Manifest, das die Minderheit
der deutschen Sozialdemokralen veroffentlichte,
welche den Prinzipien der Internationale treu
geblieben sei, und vornehmlich Liebknecht, Ledebour,
Rühle, Mel,ring, Klara Zetkin und
Rosa Luremburg umfasse. In dem Manisest
heißt es, daß das deulsche Proletariat durchaus
nicht einverstanden sei mit den Erklärungen eines
Scheidemann und fährt dann fort: „Die Orposition
gegen diesen verabscheuungswurdigen
RKrieg ist in Deutschland ständig im Wachien.
MWenn wir auch, unter dem eisernen Druce der
sen des gestürzten griechischen Ministerpräsiden- 1 Kriegsgesetze stehend, daran gehindert sind, öf-
fentlich unsere Meinung auszudrücken,
und doch die Zukunft! eine Ueberraschung brin
gen. Von der Lallung unserer sozialistischen
Genossen in Frankreich. England und Belgzien
so lann
hängl fur uns? die Möglichleit einer Aktion
gegen den Krieg ab.“ Der „Vorwart-“ äußert
sich heute zu der Mitteilung der „Vossischen
Jeilung“: Der Aufruf sindet sich in deutscher
prache bereits im Berner Parleiorgan, trägt
dort aber leinerlei Unterschrift. Auch die „Humanite“
bezeichnet die Genossen Lieblkuccht, Ledebour
usw. nicht als Verfasser, sie nimmt vielmehr
nur an, daß der Auseuf aus den Kreifen
der Minderheit stammt. Die Berner „Tagwacht“
slellt ausdrücklich fest, daß die genannten
Oenossen an dem Aufruf nicht belieiligt sind,
lehnt es aber ab, über die Urheberschaft nähere
Mitteilungen zu machen. (3.)
Die schweizerische Neutralität.
Basel, 13. April. Der Bundesrat beschloß,
daß die deutsche Uebersetzung des berüchtigten
französischen Berichtes über angebliche
deutsche Greuellaten in den besenzten Gebieten
in offenem Umschlag von der eidgenoffischen
Post nicht spediert werden soll, da der propagandistischee
Tharaktier der deutschen Ueberiehung,
die sich an die Deutich Schweizer mendet, um
gegen Deutschland Stimmung zu machen, auf
der Hand liege. (Z.)
Wieder gesangen genommen.
Amsttrerdam. 1 3. April. Die Londoner
Zeilungen berickren mit Genugtuung, daß die
beiden deutichen O ffiziere, die aus dem Ge
sangenenlager von Llansannan (Wales! entwi
chen waren, wieder sesugenommen worden sind.
Die beiden Oifiziere haden es jertiagebracht,
J JmelanntncchcuuoonJlstsWPpoltxulcn
zu entgehen, obgleich leiner von ihnen die eng
lische Sprache vollkommen beherrschte. Am
Sonntag wurden die beiden an der Morione!
lüste in Wales verhaftel. Sie wurden von
einem Flußwackler beobachtet, als sie das Nanlioltal
entlang manderten. Der MWächter benachrichtigte
die Polizei. Ein Polizist nahm
die beiden fest und legte ihnen Handschellen an.
Sie wurden später der Militärbehörde uber
geben. Bei ihrer Festnahme hailen die beiden
Offiziere noch 7 Pfund an Barmitteln. Sie
erklärten, daß sie sicher enttommen wären, wenn
das Wetier nicht so schlecht gewesen wärc. (Z.)
Die Mißstimmung in Paris.
Genf, 13. April. Die eindringliche starke
Wirkung der deutschen Darstellung der vier
tägigen Kämpfe zwischen Maas und Mosel sucht
eine Havaemeldung durch den Hinweis auf die
anders lautenden franzosischen Bulletins abzu
schwächen. Aber die Erwartung des französi
schen Publilums von irgendwelchen bedeutsame
ren Erfolgen blieben auch heute unerfüllt. Ver
stimmt ist Paris auch durch die Meldungen von
der verheerenden Wirkung der Zeppelinbomben,
die über dem Stadtzentrum und den aäußeren
Vierteln von Nancy abgeworfen worden waren.
In den Stadtteilen, wo sich die Kasernen und
militärischen Gebäude befinden, brachen grohe
Brände aus, die am zweiten Tage eine weithin
horbare Erplosion zur Folge hatten. Peinliche
Aufmerksamleit erregt auch die deutsche
Kenntnis von den in Paris getroffenen Ver.
leidigungemaßregeln. (.3.)
Französische Träume.
Kopenhagen, 13. April. Die „National
Tidende“ meldet aus London: General Cherfils
schreibt im „Le Peuple“: Der Krieg wird
wahrscheinlich im Laufe des Sommers durch
einen enticheidenden Schlag zwischen Maas und
Mosel entschieden werden, wo die deutsche Linie
auf eine Strecke von 30 Meilen Länge und 6
Meilen Tiefe durchbrochen wird. Donach wird
eine allgemeine Offemive der Alllierten die
Deutschen bis zum Rhein zurücktreiben und darauf
wird die enischeidende Schlacht am rechten
Rheinufer erfolgen. (3Z.)
Vorahnungen.
Köln. 13. April. Die „Koln. Vollsztg.“
bringt interessante Auszuge aux einer Schrift
von Francois Delaisie, die im Jahre 1911
in Parie erschien und damals von der Pariser
Presie vollig nolgeichwiegen. wurde. Der 2
halt der Schrift siebt den Verlauf des gege
wärtigen Krieges in Frankreich und Wigien
verblussend voraus. (3.)
Die englischen Hoffnungen auf den
bstlichen Kriegsschauplatz.
London., 13. April. Die „Times“ schreibt
über die junguen Evifoden des Krieges: Die
Frühlingslamragne im Westen begann kaum
erst, aber die verzweiselten Kämpfe an der Ostfront
um den Besig der Karpalhenkämme können
kaum als Praliminaraklion aufgesaßt werden.
Sie find von größter Wichtigkeil. Der
ganze Aurgang auf dem virlichen Kriegsschauplatz
hangt von ihnen ab. Die Russen besinden
sich noch immer auf der Nordjeite des mächtigen
Uszoler Paises. Man darf von ihnen nicht
Wunder an Geschwindigkeit erwarten. Der
Kampf wird wahrscheinlich noch Wochen an
dauern. Für die Alliierten im Westen 1638.
der Wert des tussischen Druckes darin, daß die
Deutschen der Ostfront die größte Aufmerksamleit
schenten mussen, ihre Armeekorps nicht zwia.
schen den beiden Fronten hin und her schiden
konnen und sich auf einen Kampof auf beiden
Fronten gefaßt machen müssen. (3.)
Eduard Grey.
Amsterdam. 13. April. „Reuter“ meldet
aus London: Sir Edward Grey hat seinen Urlaub
abgekurzt und seine Arbeiten im Minisierium
des Aeußern wieder aufgenommen. (.3.)
Eine geheimnisvolle Erplosion.
London, 13. April. (Reuter.) Die Blätter
veröffentlichen folgendes Telegramm, das in
Aberdeen aus Lerwick auf den Shetlands-In-=seln
eingelroffen ist: Gestern abend fand eine
d reclliche Explosion stan. Eine ganze Straße
am Hafen ist vernichtet. Viele Menschen sind
umgekommen. Weitere Einzelheiten fehlen. (3.)
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