Aummer 46
Ireitag, 28. Februãr 1510
von Seeräubern und Piraten angegriffen unrden.
Aber Seeräuberei und Piratenschiffe bestehen
schon seit 500 Jahren nicht mehr.“
Wir haben den Beweis erbracht, daß die
englische Admiralität genaueste Instruktionen
geben hat, daß die bewaffneten Handelsschiffe
gegen die Umerseebvote offensio vorgehen sollen
und darum behaupten wir mit vollstem Recht,
daß diese sogenannte Bewaffnung zu angeb.
lichen Defensivzwecken nur eine Finte ist und
diese Hanrleschisse lediglich Kriegshilf# lreuzer
lind und als solche behandelt werden müssen.
Das wird auch Deutschland tun, nachdem die
Frist, die es den Neutralen gegeben hat, abgelausen
ist.
— ens Getes.
Aus dem englischen Unterhaus.
London, 23. Febr. Im Unterhaus bedauerte
King (liberal), daß Asquith nicht mehr
über den Fortschritt der Kriegführung und die
Politik der Verbündeten sagte. Der Redner
konnte in den Reden der Minister keine Hoffnung
auf den militärischen Sieg entdecken, und
der Krieg würde ein Erschöpfungskrieg sein.
Die Politik, die die Regierung verfolge, werde
England nicht in den Stand seen, länger auszuhalten
als der Feind.
Schmerzliche Kritik über Grey und
Kitchener.
Amsterdam, 23. Febr. Mit besonderer
Schärse sprach sich im Unterhaus der Nationalist
Luynch gegen die Regierung aus. Er sagte u. a.,
daß das Land nicht von Männern geleitet
werde, die befähigt wären, in so ernster Zeit
die Führung zu übernehmen. Sir Edward B
habe noch niemals der Wirklichkeit ins Auge
geblickk. Dieser Mann sei vor dem Krieg ein
großer Mißerfolg gewesen, jetzt sei er eine
Größe von Unverantwortlichkeit und Unfähigleit.
Wenn wir an der Spitze der Regierung
einen kraftvollen Mann hätten, hätte er Sir
Edward Grey längst den Abschied gegeben. Der
Staatesekretär des Krieges, Lord Kitchener, sei
ebensalls ein monumentaler Mißerfolg gewesen.
Er sei der unglücklichste Mersch, den die
Nation hätte wählen können. Seine Fehler
seien riesenhaft. Dennoch vertraue man ihm
immer noch die Führung des Krieges an. (Z.)
Ein griechisches Dementi.
Athen, 23. Febr. (Meldung der Agence
d'Athenes.) Verschiedene ausländische Zeitungen
brachten die Nachricht, der frühere Ministerpräsident
Theototis sei einer Vergiftung erlegen.
Die Nachricht ist vollkommen falsch. Er
slarb an den Folgen einer infektiösen Grippe.
I s
Flottenchef Admiral v. Pohlf.
WITB. Berlin, 23. Februar. Der bisherige
Nloitenchel Admiral v. Pohl ist hier gestorden.
— Admiral von Pohl hat durch die Ersiurmung
der Takuforts im Zusammenhang mit
der China-Expedition als Leiter des Landungskorps
unvergleichliche Exfolge erworben.
Versenkt.
Vlissingen, 23. Febr. Die beiden belgischen
Fischerfahrzeuge „Zeebrügge 8“ und „Zeebrügge
9“, die von Vlissingen zur Fischerei ausgefahren
waren, wurden von einem deutschen
Unterseeboot angehalten. Ersteres wurde nach
Zeebrügge gebracht, letzteres persenkt. Die Besatzung
rettete sich nach dem Noordhinder-Feuerschiff,
von wo sie gestern nach Blissingen gebracht
wurde.
——4
göttliche Barmheersigkeit dee ihre Kreatur nicht
im Sltiche lassen lann — es bedeutet ihm die
Errettung aus den Qualen des Verzweifelns
und aus den Krallen des Wahnsinns.
Bernhard Sewald schrie nicht mehr um
Hilse, als er jetzt 1 offenen Augen dalag und
seine Blicke umhergehen ließ über die anscheinend
unendliche Weite des tellerflachen Gelandes.
Er schrie nicht, weil er wußte, daß es zwecklos
gewesen ware, und daß er verurteilt sei, geduldig
zu warten.
Denn er war jetzt bei ganz klarem Bewußtsein.
Er erinnerte sich, daß er gestern beim
letzten Verdammern des Tages — viellei
war es auch schon vorgestern gewesen: wer
konnte das missen! — mil vier Freiwilligen
ouf Patrouille gegangen war, um die Stärke der
seindlichen Stellung auszukundschaften. Ein
flacher Graben, der die Grenzicheide zwischen
#wei Rubenseldern bildete, hatte es ihnen ermöglicht,
weiter und weiter vorwärts zu kommen.
ohne daß die Franzosen ihrer ansichtig
Zweibhundert Meter vor
dem neuangeiegten seindlichen Schutzengraben
aber hatten sie die schwache Deckung verlassen
müssen, um sich kriechend auf dem offenen Gelaände
noch näher heranzuschieben. Er war
guten Mutes gewesen, denn wenn es ihnen
gelang. e zu gewinnen, die sich schräg
gegen die seindicche Stellung hinzog, durften sie
giemlich sicher darauf rechnen, sich unenddeckt
nabe on die Nothosen heranzuschleichen.
hunr seine Leute hatten auf dem gefathrlichen
und mühseligen Wege ihren Humor nicht veroren.
Deutlich entsann sich Sewald einer halblauten
wipigen Bemerkung des Mannes, der
bicht an seiner Seite gewesen war. Das aber
auch dos Lep##c, peifen Ier sich zu erinnern
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Das Geheimnis unserer U- Boote.
Haag, 23. Febr. Die „Daily Mail“ zerbricht
sich in einem Artikel den Kopf darüber,
e der neue Unterseeboots-Typus aussehen
müsse, den Deutschland nunmehr in Wirksamkeit
gestellt habe. Im letzten Juli habe die Gräfin
Degenfeld, eine Nichte des Grafen Zeppelin,
in Neuyork erklärt, Deutschland habe nun 22
Unterseeboote, die groß genug seien, nach Neuvork
zu fahren und dort außerhalb des Hafens
während zweier Monate zu bleiben, ehe
sie zurückkehren. Der Inhalt dieser Unterseeboote
wird mit 5000 Tonnen angegeben. Wir
können uns, heißt es in dem Artikel, nur auf
sehr knappe Berichte verlassen, falls sie aber
zutrefsen, so wird den deutschen Unterseebooten
nunmehr der Gefechtswert von Torpedobootszerstörern
gegeben werden, denen Admiral Sir
Reginald Bacon die Sicherheit unserer Flotte
vor Unterseebooten zuschrieb, während sie an
der belgischen Küste operierte. Ein Unterseeboot
von 5000 Tonnen jedoch könnte sehr leicht
den Kampf mit einem Torpedobootszerstörer
aufnehmen und selbst das schnellste Boot wäre
gegenüber diesem neuen Typus ohne Wert. (3.)
· I I
ben den astert.sitlegsschanylii en
Der Nachwinter an der ÖOstfront.
Berlin, 23. Febr. Dem „B.-T.“ wird aus
dem k. u. k. Kriegspressequartier gemeldet: Der
Nachwinter hat ungeheure Schneemengen über
die Ostfront ausgeschüttet. In Ostgalizien und
zu beiden Seiten des Duzjestr ist die Schneedecke
einen Meter hoch. Jehntausende sind beschäftigt,
die Laufgräben und die rückwärtigen
vermochte. Nur aus dem, was er jebt jüh,
konnte c# darauf schliehen. z„wie dieser nachtliche
Patrovillengang geende as Ersie, was
er beim Erwachen im ersten Srches des Tages
in seiner nächsten Umgebung mit Drutlichteit
hatte unterscheiden können, war der seltsam 3##
sammengeirummte Norper emes Veidgrauen.
der — kaum voier Schritte von ihm entfernt —
regungslos in seiner unnatürlichen Stellung
verharrte. Den rechten Arm hatte er stocksteil
ausgestreckt und das Gesicht mit den weitoffenen
Augen gegen den Himmel gekehrt. Der Mann
war ohne Zweisel tot, aber seine # Aüte wiesen
dcht n gorkahs, Entstellung t. a, es hatte
en
chein, als ob seine von einem
sinter slaumigen Reirgevollarf umstandenen
Lippen sich immer noch in einem spöttischen
Eccheln kräuselten.
as war der Relerzin dessen übermüti -
Scherzwort Bernhard Sewald im
hatte. Von den drei anderen hatte er anfange-.
lich nichte erspähen können, bis ein Hausen
schwärzlicher Erde, der gestern sicherlich noch
nicht an dieser Stelle E war, seine Aufmerksamkelt
auf sich #g Da hatte er
e um einen versolibtan Fenewehrscrfe gekrallte
Hand entdeckt, die zus dem Erdhaufen
herausragte, und den vorderen Teil eines in
schwerem, genageltem Gnefel- steckenden Fußes.
Nun wußte l7 mit einemmal, was geschehen
war. Eine für die vierhundert Meter weiter
Falsiegende beutsche Stellung bestimmie Granate
war zu kurz gegangen und in ihrer unmittelbaren
Nahe eingeschlagen. Vermutlich
war den oler anderen das Verhängnis ebensowenig
wehr zum Bewußtsein gekommen wie
ihm selber. Und es hatte außer ihm wohl
keiner von ihnen den Augenbllck der Detonation
Zufahrtswege auszuschaufeln. Durch diese ungeheuren
Schneeverwehungen ist jede efechtstätigkeit
völlig unterbunden. Nur in Wolhynien
kam es stellemweise zu Geplänkeln zwischen Patrouillen
und Feldwachen.
DRe Wel Meitrie.
Angriffe auf die
kleinasiatische Küste.
London, 23. Febr. „Daily Mall“ meldet
aus Athen vom 19. Febr.: Verschiedene Punkte
der kleinasiatischen Küste, namentlich der Eingang
des Golfs von Smyrna, werden regelmä-Pbig
von Schiffen der Verbündeten beschossen. Am
29. Januar wurde Amdliki gegenüber dem
Gnsteglorigo westlich des Golfs von Adalia von
den Franzosen angegriffen. Das Gefecht dauerte
10 Stunden. hefus wurde am 28., 29.
und 30. Januar beschossen.
Postäsche Ranoschen.
Reichs--und Staatssteuern.
Abg. Speck (Ztr.) hat mit Unterstützung von
14 Mitgliedern des Zentrums, des bauernbündlerischen
Abg. Matzeder und des Konservativen
Söldner in der Kammer der AbgeordsH#eten
den Antrag eingebracht: Die Königl.
Staatsregierung sei zu ersuchen, mit allem Nachdruck
im Bundesrate darauf hinzuwirken, daß
bei der bevorstehenden Erschließung neuer Einnahmequellen
im Reiche jeder weitere Eingriff
der Reichsgesetzgebung auf dem Gebiete der direkten
Besteuerung von Vermögen oder Einkommen
vermieden wird, und so den Bundesstaaten
die Möglichkeit, auch in Zukunft ihren
wichtigen kulturellen Aufgaben gerecht zu werden,
ungeschmälert erhalten bleibt.
überlebt. Cs mußte sa ein ganzer Hagel von
Sprengstücken gewesen sein, der sie überschünet
hatte. Nur die Unmöglichkeit, binter sich zu
schauen, hinderte ihn daran, auch die irdischen
Ueberreste der beiden letzten von der Patroullle
zwischen dem wetten. bräunlich verfärbten
Rübenkraut zu erspä
Kaltblütig, ohne csere leellsche Erschütterung,
botte er diese Beobachtungen gemacht.
lustige Reservist mit dem AKomgen
Börichen und der halb verschüttete Mann, der
die neroige Fa och so sest um den zerschmetterten
Gewehrschaft klammerte, sie waren
Wa längst nicht mehr die ersten lieben Kamerch
den, die er starr und tot auf der verfluchten
standrischen Erde liegen sah. Und wenn er die
anderen betrauert hatte — diese hier weckten
in seiner Seele viel eher eine Empfindung des
Neides. Denn sie waren offenbar eines 4o
cchmerzlosen Todes gestorben — in ze Fü
der Kraft und des warmen Lebens getäne von
einem Muahlengte dessen schreckhaftes Auszucken
sie W# einmol mehr hatten sehen müssen.
s nicht auch ihn so getroch
* Worum sollte nur er zu so unerhörten
Leiden verurteilt sein!?
z fragte sich's immer wieder. Aber je
mehr sich die Dämmerung des Morgens in
leuchtende Tageshelle wandelte, destoweniger
ernst war es #n mit dleser Frage. Viellelcht
waren seine Schmerzen jetzt nichk geringer als
in der Nacht, wo er gebrüllt hatte wie ein gesoltertes
Tier; aber seine Kraft, sich gegen das.
Martyrium auszulehn en, war ulcht mehr dieselbe.
Der Blutoerlust und dle durchdringende
hüöite. ° * auf dem er lag, banen
ihn sehr geschwächt.
uuchen geduldig. Er zwelfelte *
Zum Gemeindebeamtengeseb.
0 Wie aus Augsburg berichtet wird, hat die am
Februar dort versammelte Vorstandschaft
schlossen, an die Kammer der Reichsräte die
Bitte zu richten, in die Beratung des Emvwurfes
eines Gemeindebeamtengesetzes einzutreten.
————
Straßburg (Ell.), 23. rmWEsx# Wie die
„Landeszeitung“ in Mülhausen berichtet, findet
sich in einem elsässischen Blatt folgendes
zeitgemäße Inserat: „Ehrliches Dienstmädchen,
in allen häuslichen Arbeiten bewandert, sür
sofort gesucht. Sicherer Unterstand im Hause.“
Ein Albumblatt unserer Zeit!
Häünchener Neuigle#len.
München. 23. Febr. Ein neuerlicher starker
Schneefall, wie er seit Weihnachten nicht mehr
zu verzeichnen war, hat hier seit gestern eingesetzt.
An 1700 Arbeiter und Arbeiterinnen
der Straßenreinigungsanstalt waren tätig, um
die Straßen vom Schnee zu befreien und die
Durchführung des Verkehrs zu ermöglichen.
B#werische Nachrichten.
Erding, 23. Febr. In Bergarn wurde der
17 Jahre alte Sohn des Oekonomen Hilger von
einer umstürzenden Fichte erschlagen. Er war
sofort tot. Auch der Vater wurde am Kopfe
schwer verletzt.
Canstuhl, 23. Febr. Eine schwere Bluttat
hat sich in der Nacht zum Montag zuge
tragen. Die beiden Brüder Gregor und Peter
Fliktinger von der Neumühle in der Ludwigstraße
machten in der Nähe des alten Frieg
hofes wüsten Radau. Schutzmann Blank und
Nachtwächter Neuhäuser, die auf ihrem Dienstgange
vorüberkamen, mahnten die Radaubrüder
zur Ruhe, wurden aber von diesen sofort
angegriffen und mit offenbar schon bereit gehaltenen
Metzgermessern bearbeitet. Im Laufe
des Handgemenges erlitten die beiden Beamten,
die zum Schutze ihres Lebens von der Waffe
Gebrauch machen mußten, schwere Verletzungen
durch Messerstiche und Futßtritte. Den beiden
Mordgesellen, von denen übrigens einer ebenfalls
schwere Verletzungen davongetragen haben
soll, gelang es, sich loszureißen und die Flucht
zu ergreifen.
Ludwigshafen, 23. Febr. Ein Kellerbrand
in der Damenstraße hatte eine derartige Rauchentwicklung
zur Folge, daß unter den Hausbewohnern
eine Panik entstand. Ein Mann, delsen
Wohnung sich im zweiten Stock befindet.
wuhte sich nicht anders zu helfen, als daß er
lurzerhand die Bettlissen vom Fenster auf die
Straße warf, ein zweijähriges Kind auf demselben
Wege folgen ließ und zuletzt selbst vom
zweiten Stockwerk auf die Strahze sprang. Beide
blieben unversehrt. Der Brand konnte alsbald
gelöscht werden.
GEremlande.
Salzburg, 23. Febr. Der bayer. Landgerichtsrat
Gg. Groß, ein gebürtiger Schweinfurter,
ertränkte sich bei Bergheim in der Salzach.
Er ließ am Ufer seinen Mantel zurück, in dem
sich mehrere tausend Mark Bargeld befanden.
– –
daß er sterben müsse; aber er sehnte sich
nach, auf einem ordentlichen Layer zu sterben,
freundliche, teilnehmende Gesichter ui sich her,
und eine kühle, weiche, lindernde Menschenband
auf der heien, schmergenden Slirn.
ie strahlende Sonne und der Himmel.
dessen unendliche Bläue jetzt durch einzelne
Honewese Wölkchen belebt wurde, waren
ernhard Sewald niemals so schön vorgekom.
men wie heute. Es war der erste schöne Ta
den er erlebte, seitdem er wieder ins Fe
erückt war. Und er empfing ihn in tiefer
ankbarkeit wie ein nur für ihn bestimmtes
Gnadengeschenk des Himmels. Wer sein Leben
verrinnen fühlt und nicht mehr die Krast hat,
sich aufzulehnen, der wird demütig, still und
fromm. Wieder, wie in Bernhard Sewalds
Kindersahren, war ihm das Dalein Goute
heute eine unumstößliche, trostreiche Vewihet.
Freuiich, er mußte sterben — daran war ul
nehr zu ändern. Aber es konnte ihm aun
vus#st seln, hier auf diesem flandrischen
Rübenacker elend zu verkommen wie ein zuschanden
geschlagenes Stück Vieh. Das würde
Gott nicht Kulassen. der gnädige und barmherzige
Gott, seinen Himmel über ihn ausspannte
hie Iin blauseidenes Zeltdach, und der
ihn in die goldenen Strahlen seiner ewigen
Sonne einhüllte wie ein liebevoller Vater seln
krankes Kind fürsorglich einhüllt in die welche,
wärmende Decke.
i:• würde ihn finden — gewiß,
würde man ihn finden. Und liebe 2
Laute würden ihn umklingen, wenn er vom
Leben cchied.
GV * 6
z Bayerischen Städteverbandes einstimmig be-(Fortsetzung
solgt.) .
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