Full text : Rosenheimer Anzeiger. 62. Jahrngang (62)

HNummer  14.

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umnseZ

ei#ttwochs,  19.  Januar  1916

 

wohl  rechnen  darf.  Herr  v.  Heydebrand  bezeichnete
  den  gegenwärtigen  Zeitpunkt  für  die  Anlündigung
  der  Wahlrechtsvorlage  als  unglücklich
  gewählt,  da  auf  diesem  Gebiete  noch  immer
  hoßte  Uneinigkeit  bei  den  Parteien  herrsche,
der  Krieg  aber  große  Anforderungen  an  die  Einigkeit
  der  Parteien  stelle.  Es  wäre  elnfach
unverantwortlich,  die  Einigkeit  unter  den  Parteien
  jetzt  zu  stören.  Die  preußische  Vollsvertretung
  könne  gegenübler  den  Bedürfnissen  des
Landes  geradezu  als  ideal  betrachtet  werden.
Seine  Ausführungen  erregten  lebhafte  Unruhe
i  den  Sozialdemokraten.  Der  freisinnige  Abgeordnete
  Dr.  Pachnike  führte  aus,  das  Vo
habe  sich  politisch  reif  gezeigt  und  müsse  demgemäß
  behandelt  werden.  Das  Reichstagswahlrecht
  habe  in  diesem  Kriege  seine  Feuerprobe
bestanden,  wie  es  ja  überhaupt  eine  Schöpfung
des  Krieges  ist.  Der  Zentrumsredner  Abg.
Herold  führte  aus,  daß  das  preußische  Wahlrecht
  den  hheutigen  Verhältnissen  nicht  mehr  entspreche.
  Für  die  Sozialdemokraten  sprach  Abgeordneter
  Hirsch  verhältnismäßig  maßpvoll.  Eine
Reform  des  Wahlrechtes  sei  dringend  notwendig,
denn  bei  dem  heutigen  Wahlrecht  komme  die
Stimmung  des  Volkes  nicht  zum  Ausdruck.
Dann  ergriff  der  preußische  Minister  des  Innern
  das  Wort  zu  einer  längeren  Rede,  in  der
er  besonders  auf  die  Konservatiren  einzuwirken
suchte.  Er  erklärte,  die  Regierung  halte  zur  Erhaltung
  und  Stärkung  des  preußischen  Staates
  ein  Zusammenarbeiten  mit  den  Parteien
für  durchaus  notwendig;  sie  halte  es  aber  nicht
für  angezeigt.  die  Frage  des  preußischen  Wahlrechts
  jetzt  einer  endgültigen  Lösung  entgegenführen
  zu  wollen.  Sie  ist  entschlossen,  wenn  die
Waffen  ruhen,  an  der  Lösung  dieser  Frage
heranzugehen;  bis  dahin  muß  diese  Frage  dem
Leben  ferngehalten  werden.  Ferner  ertlärte  Sozialdemolrat
  Hirsch:  „Wir  verwerfen  den  Frieden,
  der  die  politische  uund  wirtschaftliche  Unablängigkeit
  des  deutschen  Volles  antastet.“

Kiegslagung  des  Reichslages.

Verlin,  17.  Januar.

Im  Reichstag  ist  es  auch  heute  noch  nicht
zur  Zensurdekatte  gekommen;  erst  in  der  morgen
  früh  um  10  Uhr  beginnenden  Sitzung
mird  sie  nun,  wie  man  hofft,  auch  zu  Ende
geführt  werden.  Heute  hat  das  Haus  die  am
Samstag  durch  die  „Baralong“  Debatte  unterbrochene
  Aussprache  der  Heercsfragen  fortgesetzt.


Der  nationalliberale  Abgeordnele  Dr.  van
Calker  trat  in  seiner  Erwiderung  auf  sozialdemokratische
  Anklagen  für  die  Disziplin,  aber
gegen  die  Schilanierung  im  Heere  ein.  Einen
Höhepunkt  erreichte  die  Debatte  mit  dem  Aul—
treten  des  fortschrittlichen  Algeordnelen  Dr.
Haas  (Karloruhe),  der,  geschmückt  mit  dem
Eisernen  Kreuz  1.  Kaasse,  aus  seinen  Erfahrungen
  an  der  Front  heraus  der  Zuversicht  Ausdruck
  gab,  daß  nach  dem  Kriege  aus  den  Schützengräken
  Männer  heimkehren  werden,  die  sich
gegenseitig  achten  gelerut  haben  und  die  für  eine
innere  Annäherung  der  einzelnen  Volisllassen
wirken  würden,  selbst  dann,  wenn  das  in  diese
oder  jene  Parteischarlone  nicht  passe.

Die  Debatte  lie:  noch  eine  Weile  fort.  wobei
auch  mehrere  Sozialdemolraten,  darunter  der
feldgraue  Akgeordnete  Davidsohn  zu  Wort  kamen.
  Als  aber  eine  Rede  Dr.  Liebknechts  drohte.
wurde  durch  Deratteschluß  diesem  unergquicklichen
  Schaufpiel  vorgeleugt.  Vergebens  entrüsteten
  sich  die  Akgeordneten  Ledebour  und  Liebknecht
  in  einer  Form,  die  zu  wiederholten  Ordnungsrufen
  führte.

In  der  Abstimmung  wurden  die  sämtlichen
von  der  Kommission  beantragten  Resolutionen
zu  den  Heereofragen  angenommen,  die  weitergehenden
  sozialdemolratischen  Anträge  wurden
abgelehnt.  Unter  den  Beschlüssen  und  Anträgen
  besinden  sich  solche  betr.  Uebermittlung  der
amtlichen  Kriegonachrichten  an  alle  Organe  der
deutschen  Presse,  beic.  Erweiterung  der  Urlaul
  dgen  hrung  insbesondere  für  Gewerbetreilende,
  Landu  irte.  Leiter  von  landuirtschaftlichen,
  gewerblichen  und  mit  der  Volksernährung
äusammenhängenden  Betrieben,  Gewährung  von
Verxslegungsgeldern  während  des  Urlaubes,
Abgabe  von  Lebenomineln  und  Bedarfsgegenständen
  an  bedürftige  Volklskreise,  Hinterbliebeneuversorgung,
  Festsetzung  der  Rente  u.  a.  m.

Es  folgte  neuerdings  eine  äußerst  lebhafte
Geschäftsordnungsdebatte,  in  der  Abg.  Liebknecht
  gegen  die  Geschäftsführung  des  Präsidenten
  protestierte  und  Abg.  Ledebour  die  Wiederaufnahme
  der  Diekussion  beantragte.  Als  der
Abg.  Ledebour  von  der  Mundtotmachung  von
Akgeordneten  sprach,  wurde  er  zur  Ordnung
gerusen.  Der  Antrag  auf  Wiederaufnahme  der
Debatte  wurde  gegen  die  Stimmen  einer  Minderheit
  der  Sozialdemokraten  abgelehnt.

Unter  lebhaftem  Beifall  und  Händeklatschen
des  Hauses  und  der  Tribünen  machte  der  Präsident
  darauf  Mitteilung  von  dem  Ersuchen  Montenegros
  um  Frieden.

 

 

Kriegstasung  bes  Bayer.  Candiags

Finanzausschuß.

Nach  längerer  Erörterung  einigte  man  sich
leim  Etat  des  Staatsministeriums
der  Finanzen
dahin,  in  einem  eigenen  Abschnitte  der  Verbandlungen
  die  nunmehrige  Gestaltung  der  Finanzlage
  Bayerns  sowie  das  allgemeine  Verhältnis
  des  Reiches  zu  den  Einzelstaaten  in
bezug  auf!  die  Festsetzung  direller  Steuern  zu
leraten.  Die  Besprechung  des  Satzes  der  direlten
  Steuern  solle  bei  dem  betreffenden  Etat
erfolgen,  die  Besprechung  etwa  bis  dahin  hervortretender
  Reichesteuerprojelte  beim  Etat  der
Uederueeisungen  des  Reichs.  Die  Frage  der
Teuerungszulagen  solle  bei  den  Petitionen  und
Anträgen  zum  Finanzelat  besprochen  werden.

Der  Berichterslatter  Abg.  Schlittenbauer  hob
hervor,  daß  sich  durch  den  fünfprozentigen
Bauschabstrich  an  der  Besoldungssumme  und
durch  die  Aussetzung  der  Anlehentilgung  eine
Minderausgale  gegennber  dem  letzten  Etat  ergehen
  werde.  Die  praktische  Durchführung  des
Antrages  „Held-Dr.  Schlittenl#uer“  auf  Vereinfachung
  der  Verwaltung  müsse  der  Staatsregierung
  überlassen  bleihen,  die  zu  erwartenden
  Widerslände  gegen  die  einheitliche  Durchführung
  könnten  nur  durch  einen  tatkrästigen
Organisator  überwunden  werden;  der  Landtag
müsse  sich  auf  die  Prüjung  einer  Regierungsvorlage
  über  gewisse  allgemeine  Grundzüge  beschränken.


Allgemein  wurde  der  Ausführung  beigetreten,
daß  Voraussetzung  für  eine  Beamtenminderung
die  Vereinfachung  des  Geschäftsversahrens  sei,
namentlich  die  Entlastung  der  höheren  bcziebungsweise
  mitlieren  Beamten  von  untergeordneten
  Arbeiten.  Auch  sonst  wurden,  wie  schon
in  den  früheren  Deiatten  über  diese  Frage
Für  und  Wider  ausgiebig  erörtert.

Der  Finanzminister  führte  aus,  daß  er  vor
Ausstellung  des  Budgets  1914.15  dem  König
eingehend  über  die  Frage  Vortrag  ertattet
valc  und  daß  darausbin  der  König  in  dem  Deltret
  vom  22.  Augun  1913  sich  geäußert  habe:
„Ein  uirlsames  Mittel,  nenigstens  mit  der  Zeit
eine  Entlastung  der  Slaats  zlaĩse  herbeizuführen.
erblicke  ich  in  Ueberein1immung  mit  Ihrem
Vortrage  darin,  daß  aus  dem  Gelieie  der  ilaatlichen
  Vern.allung  auf  möglichste  Vereinfachung
und  Verbilligung  Bedacht  genommen  wird.“

Die  Alsicht  der  Staais  regierung,  dem  Landtag
einige  Richtlinien  vorzulegen,  sei  insolge  des
Krieges  nicht  zur  Aussuhrung  gelommen.  Es
sei  gelungen,  eine  Einigung  aller  Sltaatsverwaltuangen
  zu  erreichen,  daß  der  Einfluß  der
Verlehrsentueiclung  des  lexien  Jahrhunderts
in  der  Behördeneinteilung  zur  Sellung  gebracht
nerden  musse.  Die  Frage  merde,  sobald  die
Arbeitskräfte  wieder  zur  Verfügung  stünden,
weiter  bearbeitet,  das  Ergebnis  zur  Kenntnis
des  Landtages  gebracht  werden.

Zu  der  Aeußerung  des  Berichterstatters,  daß
der  Krieg  die  Möglichkeit  einer  Verringerung
der  Beamten  erwiesen  habe,  wmurde  bemerlt,
daß  die  Zaül  der  gegenwärtig  tärigen  Beamten
vicljach  nicht  die  gründliche  Erledigung  der  (beschafte
  erlaule  und  zur  Aufschiebung  nölige.  Der
Verichterstatter  se#  immte  zu,  dag  die  Zahl  der
W  tätigen  Beamien  für  den  Friedensstand
niis  "!!  Maß  geben  iönne.  Der  Finanzminister
hob  die  Ueberanrengung  der  Beamten  seines
Bereiches  und  deren  vielsache  Ertrankungen
Uervor.

Der  Klage  eines  Redners  über  die  ausgedehnie
  Vermemung  ueiblicher  Arbeitskräfte  im
Staalsdienite.  wodurch  auch  aus  dem  Kriege
rücclehrende  Anu  ärter  geschädigt  n  ürden,  wurde
das  Drängen  zu  diesen  Stellen,  andererseits  die
besondere  Eignung  weiblicher  Kräfte  für  gewisse
  Arbeitlen  entgegengehalten.

Der  Verichterstatter  fragte  unter  Bezugnahme
auf  den  „Sparerlaßz“,  nach  welchen  Grunosätzen
  bei  Wiederbeselzung  im  Kriege  erledigter
Beamtenjlellen  verfahren  worden  sei  und  ob
die  Klagen  der  mittleren  Beamten  über  Benachteiligung
  berechtigt  seien.  Der  Finanzminister
legte  eingehend  dar,  daß  in  der  Besehzung  der
während  des  Krieges  erlodigten  Stellen  nach
völlig  gleichen  Gesichtspunlten  bei  höheren,  mittleren
  und  unteren  Beamten  versahren  worden
sei.  Zuischen  den  Ministerien  sei  vereinbart
norden,  solche  Stellen  nur  im  Falle  eines  unabmeisbaren
  dienstlichen  Bedürfnisses  zu  besetzen,
  überhaupt  aber  nicht  jene  Stellen  —
auser  im  Wege  der  Versetzung  Gctatsmäßiger
Beamten  ,  die  ganz  oder  teilueiise.  den  Militaranwärtern
  vorbehalten  selen.  Die  überein-?



simmende  Anschauung  sei  weiler  dahin  gegangen,

  daß  Anstellung  oder  Beförderung  nicht  aus
dem  Grunde  vorenthalten  bleiben  dürfe,  daß
die  Anwärter  im  Felde  stünden;  manche  Beförderung
  sei  gerade  mit  Rücsicht  auf  die  Lage
der  Angehörigen  im  Falle  des  Todes  des
Kriegsteilnehmers  vorgenommen  worden.  Na
den  angegebenen  Grundsätzen  sei  das  Finanzministerium
  ausnahmslos  verfahren.
Gegenüber  der  Aeußerung  eines  Abgeordnoten,
  als  ob  in  der  Finanzverwallung,  zu  weitgehender
  Gebrauch  von  .  Unablömmlichkeitserklärungen
  gemacht  worden  lei,  legte  der  Finanzminister
  dar,  daß  davon  möglichst  Umgang

 

genommen  und  freiwilligen  Meldungen  zum
Dienste  mit  der  Waffe  ohne  weiteres  slaltgegeben
  worden  sei;  andere  Meldungen  seien  von
Fall  zu  Fall  entschieden  worden.  Die  Finanzverwaltung
  hate  gegenüber  der  Militärverwaltung
  Schwierigkeiten  gehabt,  sich  die  unentbehrlichsten
  Arteitslräfte  zu  erhalten,  und  dabei
sei  die  Arbeit  durch  den  Krieg  außerordentlich
gemehrt  worden.

Verschiedene  Redner  äußerten  sich  dahin,  daß
der  Erlaß  der  Staatsregierung  vom  Juli  1915
die  Ansätze  der  Aufwandsentschädigung  für  auswärtige
  Dienstleistung  nicht  den  tatsächlichen  Bedürsnissen
  entsprechend  angesetzt  habe,  um  so
weniger,  als  nach  dem  „ZSparerlah  nur  die
Hälfte  ausbezahlt  werde.  Der  Finanzminister
bezog  sich  in  seiner  Antwort  auf  die  Erklärung
seines  Amtsvorgängers.  Im  ülrigen  seien  die
Summen  für  Tagegelder  und  Geschästsbedürfnisse
  nach  Maßgabe  eines  Friedensetats  aufgeslellt;
  die  durch  den  Krieg  veranlaßten  zahlreichen
  Stellverlretungen  lichen  eine  Etaisüberschre
  itung  voraussehen.  Der  Zeitpunkt  der
Neuregelung  sei  allerdings  sehr  ungünstig  gewesen,
  doch  habe  man  den  Posten  nicht  erhöhen
und  die  Frage  einmal  zum  Abschluß  bringen
wollen.  Er  hale  höhere  untere  Sätßze  vertreten.
Die  tatsächliche  Zunahme  der  Teuerung  habe
sich  nicht  vorausseben  lassen.  Das  Finanzministerium
  werde  sich  aber  der  Abstellung  besonderer
Härten  nicht  widersetzen.  Sonderregelungen
durch  die  einzelnen  Verwaltungen  innerhalb  der
Gesamtsummen  lämen  auch  Wünschen  von  Beamten
  entgegen;  die  infolge  der  Stellungnahme
der  einzelnen  Ministerien  und  Reserenten  zu
Gunsten  ihrer  Beamten  äußerst  schwierigen  Verhandlungen
  seien  bis  auf  die  ebenfalls  nahe
Regelung  hinsichtlich  der  Geometer  und  Baubeamten
  beendet.  Er  ersuche  mit  Rücksicht  auf
die  außerordentliche  Schmierigleit  der  Verhandlungen,
  sich  mit  der  derzeitigen  Regelung  der
Tag=  und  Uebernachlungsgelder  zu  begnügen
und  die  Entwicklung  abzuwarten.  Der  Minister
erwähnte  ferner.,  daß  in  Kürze  eine  Bekanntmachung
  über  die  Entschädigung  der  zur  Stellvertretung
  lerusenen  Beamten  den  hauptsächlichiten
  Beschwerden  Akbhilfe  bringen  nerde.

Eine  andere  Frage  beantwortete  der  Finanzminister
  dahin,  daß  das  Jivileinkommen,  nicht
aber  das  Militäreinkommen  der  Beamten  steuerpflichtig
  sei.  Die  wiederholte  Weisung  an  die
Rentämter  werde  zwecks  gleichheitlicher  Behandlung
  neuerdinge  eingeschärft  wmerden.  Der  Mitlerichterflatler
  Abg.  Lömeneck  hob  den  Rückgang
der  persönlichen  Zulagen  hervor  und  fragte,
ob  nicht  mehr  von  den  zur  Webrbeilragsveraulagung
  bewilligten  Stellen  eingezogen  werden
lönnten.  Ein  Redner  sprach  sich  für  Aufhebung
der  Negierungs  finanzkammern  aus.  Naächste
Sihbung  Dienstag.  18.  Januar  1916,  nachmitlags
  4  Uhr.  Gegenstand:  Etat  des  Finanzministeriums.
  Nach  diesem  (Gbegenstande  wird
voraussichtlich  der  Kultusetat  beraten.

Ae  ceden?  Nareschrer.

Kristiania,  17.  Jan.  Der  Brand  in  Bergen
  ist  geslern  früh  eingedämmt  worden.  Et#t
aln  mein  sehr  wertvolle,  zentral  gelegene  Geläude,
  sind  niedergebrannt.  Der  ##mere  Stadtleil
  hat  aufgelört  zu  eristieren.  All-Bergen  ist
ein  Raub  der  Flammen  geuorden.  Ein  nationales
  Unglück  von  nie  gekannter  Schwere  ist  über
Normegen  hereingebrochen.  Werte  von  Hunderten
  von  Millionen  Kronen  sind  rernichtet.  Von
der  Sladtmauer  bis  zum  Kai  int  alles  bei  einem
  orlanartigen  Siurm  niedergebrannt:  fast
alle  großen  Holeis  liegen  in  Asche.  Das  ganze
Geschäfteviertel.  das  Herz  der  allen  Hansestadt,
ist  vernichtet.  Tausende  von  Menschen  sind  obdachlos
  und  Bauwerte  sind  fur  immer  dahin,
die  Bergens  und  Nornegens  Stolz  gewesen.
Keine  Menschenkraft  vermochte  die  Elemente  zu
ländigen.  Infolge  des  rasenden  Orkans  sprang
das  Feuer  über  breite  Anlagen  und  öffentliche
Plätze.  Aus  dem  ganzen  Lande  sind  Angebote
von  Hilfe  eingelausen.  Es  liegt  kein  Grund
vor  zu  der  Befürchtung,  daß  Not  eintreten
lönnte,  da  sich  in  Bergen  bedeutende  Mengen
Korn  und  Mehl  befinden.  Die  Ursache  des
Brandes  ist  noch  nicht  aufgeklärt.

Müncheuer  KNeuigkellen.

München,  17.  Jan.  Johann  Dirk  Bosmann
aus  Rotterdam  war  in  München  bis  zum  März
der  Vorjahres  Inhater  des  bekannten  Pianvund
  Musikalienhauses  in  der  Sonnenstrawe.  Die
Art  und  Weise,  wie  er  seinen  Zahlungsschwierigkeiten
  zu  begegnen  versuchte,  hatte  zur  Folge,
daß  ein  Strasverfahren  gegen  Bosmann,  der  im
Juni  des  Vorjahres  seine  Münchner  Wohnung
aufgegeben  hat  und  nach  Holland  übergesiedelt
  ist,  eingeleitet  wu  Das  Landgericht
München  1  hat  nunmehr  gegen  Bosmann  Haftbefehl
  wegen  betrügerischen  Bankerotts  und  Betrugs
  erlassen.

München,  17.  Jan.  Der  Verein  Zoolo-=gischer
  Gar#en  hat  in  letzter  Zeit  erfreulicher
Weise  wieder  mehrfach  Zuwendungen  erhalten.
Er  bedarf  aber,  wenn  er  diese  Kriegszeit  überdauern
  und  der  Tierpark  in  seinem  Bestand
nicht  Schaden  leiden  soll,  weiterer  Unterstützung.
Die  Lotterie,  deren  Ziehung.  unwiderruflich  am
17.  Februar  stattfindet,  bietet  jedem  Gelegenheit,
  dem  Verein  seine  Sympathien  zu  bekunden,

 

 

 

K#sschces  Saerisne.

Wasserburg,  17.  Jan.  Im  Genossenstgafts.
register  wurde  eingetragen  die  Firma  ch.
berwertungsgenossensche  Irardtea.  Msoffin
und  Umgebung,  Eingetragene  Genossenschaft  mit
unbeschränkter  Haftpflicht“.  Gegenstand  des  Un.
bernehmene  ist  die  Erbauung,  Einrichtung  und
der  Betrieb  einer  Molkerei.  Durch  Beschluß
der  Generalversammlung  kann  ver  Geschäftsbe.
trieb  auch  auf  Verwertung  von  Eiern,  Absatz
oder  Mast  von  Kälbern  und  Schweinen,  Schro.
terei,  sowie  Bezug  von  milchwirtschaftlichen  und
landwirtschaftlichen  Gegenständen  ausgedehm
werden.

Bernau,  17.  Jan.  Gestern  nachmittags  brach
im  „König'  schen  Oekonomie=  Anwesen  zum
„Schwaiger“  in  Rottau  Feuer  aus,  das  in  ra.
sender  Schnelligleit  zu  Schutt  und  Asche  verwandelt
  wurde.  Vieh,  Baumannsfahrnisse  und
Molbiliar  konnten  geretlet  werden.  Das  Feuer
soll  durch  Kinder  entstanden  sein.

Schliersec,  17.  Jan.  Der  Verschönerungs,
verein  Schliersee  hat  das  38.  Geschäftsjahr  ab.
geschlossen.  Der  Mitgliederstand  hat  sich  von
205  auf  214  erhöht.  26  Mitglieder  stehen  im
Felde.  Die  Sommersaison  1915  ist  trotz  des
Krieges  der  Fremdenfrequenz  günstig  gewesen
Die  Gelamtausenthaltdauer.  berechnet  sich  auf
69  979  Tage.  Die  Zahl  der  Passanten  betrug
4215  Personen.  Die  Iee#en  leisteten  1832
Marlk  sreiwillige  Beiträge.

 

Lor#uucke###.
Rosenheim,  18.  Jan.
Auf  dem  Felde  der  Ehre  gefallem
Michael  Antretter,  Neuhauserbauerssohn  vor
Pinsuang,  Pf.  Neubeuern,  Soldat  im  2.  Juf-Neg.;
  Friedrich  Gruber,  Oelonomenssohn  ir
Lassental,  Kaiseriäger  im  1.  Kaiseriäger-Reg.;
Florian  Schmotz,  Grasenbauerssohn  von  Oberdarching,
  Soldat  in  einem  bayerischen  Res.-Juf..
Reg.
Das  Kollegium  der  Gemeinde.  Be.
vollmächtigten  beschäftigte  sich  am  Mon.
tag  nachmittag  in  einer  fast  fünfstündigen  Si,
zung  mit  dem  Vertrag  mit  der  Fleischhandels
gesellschaft  m.  b.  H.  in  München  wegen  Ver
pachtung  des  Grenzschlachthofes,  welchen  zurzeit
HDr.  Hofschlossermeister  Wolsf  gepachtet  hat
Dem  Verktrag  mit  der  Fleischhandelsgesellschaf
wurde  mit  einigen  Abänderungen  einstimmi:
zugestimmt.  Eleichzeitig  wurden  Hrn.  Hofschlof
sermeister  Wolff  für  seinen  Betrieb  geeigne#
Näume  im  städt.  Lagerhaus  zur  Verfügung
gestellt.  *  #IN
Die  Unterwerfung  der  Montene
griner  wurde  durch  unser  Telegramm  a
Montagnachmittag  in  der  fünften  Stunde
kannt.  Sie  wurde  allgemein  als  große  Sieges
nachricht  begrüßt  und  gewertet.  Bald  krachtewieder
  die  Freudenschüsse,  bald  wehten  von  vie.
len  Häusern  die  Fahnen.  Heute  ist  der  Flag
genschmuck  in  Nosenheim  so  ziemlich  allgemeir.
Ueterall  herrscht  große  Befriedigung  darüber
daß  endlich  der  erste  Schritt  zu  einem  Frie,
densschluß  gemacht  wurde.

Verlehr  mit  Marmeladen.  Urcheden
  Verkehr  mit  Marmeladen  hat  das  Mim
sierium  des  Imnern  folgende  Anordnung  er
lassen:  Marmeladen  dürfen  zum  Verkauf  urf#
seilgeboten  werden,  wenn  sie  in  einer  für  de-Käuser
  leicht  erlennbaren  Weise  einen  Vermerl
auf  der  Verpackung  tragen,  aus  dem  sich  er
gilt.  welche  Sorte  den  Inhalt  der  Verpackung
Lildet.  Ferner  muß  auf  der  Verpackung  i#
leicht  erlennbarer  Weise  das  Gewicht  angege
len  sein,  und  zwar,  entsprechend  den  Festse
zungen  des  Reichskanzlers  in  der  kannt!
machung  vom  14.  Dezember  1915,  bei  Vepackungen
  in  Fässern  oder  in  sonstigen  Gesäßeüber
  15  Kilogramm  das  Reingewicht  (Netie
gewicht),  bei  anderen  Verpackungen  das  Rob
gewicht  (Brutto  für  Netto).  Zuwiderhandlur
gen  werden  mit  Gefängnis  bis  zu  6  Monateoder
  mit  Geldstrafe  bis  zu  1500)  Mk.  bestraft
Diese  Anordnung  tritt  mit  1.  Februar  in  Krast

Die  bayerische  Lehrerschaft  und
der  Krieg.  Nach  einer  Zusammenstellung
sind  biöher  6.30  bayerische  Lehrer  im  Weltkrieg,
gefallen.  Vermißt  werden  43,  in  Gefangenschat
sind  40  geraten.  Das  Eiserne  Kreuz  1.  Klass
erhielten  19,  dos  Eiserne  Kreuz  2.  Klasse  745.
den  Militäwerdienstorden  4.  Klasse  mit  Schwer
tern  196  Lehrer.

Der  bayer.  Sisenbahmerverban,
Obmannschaft  Rosenheim,  hielt
nuar  im  Vereinslokal  zum  „Seugenen  Nodl
seine  18.  Hau  uptversammlung  ab.  Herr  Obmam#
stellvertreter  Lucaseder  eröffnete  die  gut  besucht
Versammkung.  Vor  Eintritt  in  die  Tagesord
nung  gedachte  er  der  im  Felde  seebenden
glieder,  besonders  jener,  die  auf  dem  Felde
Ehre  gefallen  #in-  die  Versamnsng.  ethob  s  *

zum  Zeichen  Trauer  von  den  Sihen.
kmshen  ver  Obmannschaft  hatte
des  Krleges  einen  großen  Umfang.  Die
gliederzahl  konnte  auf  der  Höhe  von  558
halten  bleiben.  Versammlungen  wurden  im
gelaufenen  Jahre  6  al  Wus  ebonso  6

Kr

 

schupftgungen  n.  Durch  Kri
dürftige  wurden  120.85  Mk.
die  auf  den  Zweck  perwendet  reot