direktes Anerbieten von unserer Seite hätte uns der gleichen Behandlung
aussetzen können, die wir England während des Bürgerkrieges haben
angedeiehen lassen, als England uns Eröffnungen wegen des Friedens
machte und die Vereinigten Staaten eine Antwort gaben, die prak
tisch besagte, daß die britische Regierung sich um ihre eigenen Geschäfte
kümmern möge, daß sie keine Einmischung dulde und weitere
Eröffnungen als unfreundliche Handlungen ansehen würde.
Die Deutschen
— so fügrt Herr Gerard weiter hinzu —
haben diesen Krieg begonnen, ohne die Vereinigten Staaten zu
fragen, und schienen jetzt zu denken, daß sie ein Recht hätten, von
den Wereinigten Staaten zu verlangen, daß diese für sie Frieden
machten zu solchen Bedingungen und zu solcher Zeit, wie es den
Deutschen gerade paßt. Andernfalls hätten sie ein begründetes Recht,
alles Völkerrecht zu brechen und Bürger der Vereinigten Staaten auf
hoher See zu morden. Nichtsdestoweniger
—so schließt Gerard —
glaube ich, daß die Neigung des Präfidenten Wilson in der Rich
tung auf Erreichung des Friedens sehr weit zu gehen scheint.
Wer diese Stellen aus dem Buche des Herrn Gerard liest, bei dem
steht eines fest: Als Wilson Herrn Gerard in Abschiedsaudienz empfing
— kurz vor dem 4. Dezember —, hat er ihm nicht einmal einen kleinen
Fingerzeig dafür gegeben, ob und wann er nun mit irgendeiner Aktion vorgehen
werde; und das ist auch der Eindruck, den ich dann auch nach der
Rückkehr des Herrn Gerard aus persönlicher AUnterhaltung mit ihm sehr
deutlich empfangen habe.
Ich wiederhole: seit acht Monaten hatten Wilson und fein Vertrauensmann,
der Oberst House, über die Friedensaktion hin.
und her geredet, und immer noch fehlte jede präzise Zusage, jede präzise
Meinungsäußerung des Präsidenten, daß er eine Friedensaktion unternehmen
wolle und wann er eine Friedensaktion unternehmen wolle. Konmte
die politische Reichsleitung die Verantwortung noch länger auf diesen
ewig zaudernden, ewig vertröstenden, niemals auch nur mit dem kleinsten
Worte sich bindenden Mann warten, wenn ihr aus der Gesamtlage beraus
ein ernster Friedensversuch dringend geboten erschien?
Sie kennen die Entstehung des Verbandlungsvorschlages
der Zentralmächte. Die erste Anregung zu dem Vorschlage hat
Baron Burian in der Unterredung mit Herrn v. Bethmann Hollweg
am 17. Oktober gegeben.. Wenn der rumänische Feldzug zu einem ge—
wissen Abschluß gekommen sein werde, müsse man den Versuch machen, ohne
Dreisgabe wesentlicher Poensinteressen ein Ende des Krieges herbeizufübren.
Das war der Kern der Burianschen Meimungsäußerung.
Ganz unabhängig vom Baron Burian und ohne Kenntnis seiner Anregung
kam ich in einer Besprechung mit Herrn v. Betbmann
Hollweg am 25. Okkober über eine Rede, die Sir Edward
Grey zwei Tage vorher in London gebalten hatte, zu dem gleichen Vocschlag.
Der Vorschlag lag in der Luft. Es waren die Tage der Einnahme
von Konstanza und Cernavoda. Der rumänische Feldzug näherte
sich seinem Ende. Die Lage war für uns wieder hergestellt. Die Aussicht,
uns in absebbarer Zeit und ohne weitere entsetzliche Menschenopfer
niederzukämpfen, war für unsere Feinde zerronnen. Das ganze ungeheure
Ereignis des Krieges drängte auf einen Haltepunkt zu. Jedes menschliche
Herz in der ganzen Welt mußte fühlen: entweder bringt Weihnach=