Contents : Rosenheimer Anzeiger. 63. Jahrngang (63)

 

 

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Rosenheimer  Tagblakt

Amlliches  Publikations-Organ

 

 

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Sonntag.  8.

April  1917

Fgentiick=  Onersen.  ç  *5.

Wilsons  Kriegsantrag  vom  Kongreß  angenommen.

Abbruch  der  diplomatischen  Beziehungen  zwischen  Wien  und  Wöashington.
Abermals  134  000  Tonnen  in  die  Tiefe  geschickt.  —  Schwere  englische  Verluste  auf  der  Westfront  —  Reims  von  der  Zivilbevölkerung
  geräumt.  —  Die  russische  Niederlage  am  Stochod:  9.500  Russen  mit  130  Offlzleren  gefangen  15  Geschütze  und
150  Maschinengewehre  erbeutet.  —  An  der  Westfront  am  Freitag  44  feindliche  Flugzeuge  abgeschossen

D#e  Keiegslase.

WIEB.  5rolen  Nanptquartlktt  h
7.  April,  vormittags.  Amtlich.

Westlicher  Krlegsschauplatz.

Der  Artilleriekampf  von  Leus  U#'s  Arras  hiell
mit  kurzen  Unterbrechungen  mit  unverminder.
ter  Heftigkeit  an.  Im  Gebiete  beiderseits  der

Somme  mehrere  Gefechte  lleinerer  Abteilungen.
Die  Franzosen  beschossen  St.  Quentin.

Bei  La  Faux,  nordöstlich  von  Soissons,  scheiterte
  ein  französischer  Vorstoß.  Beiderseits  der
Aisne  und  am  Aisne-Marne-Kanal  nahm  vorubergebend
  das  Feuer  an  Stärke  zu.  Ein  Angriff
  der  Franzosen  zur  Wiedercroberung  der
ihnen  entrissenen  Gräben  bei  Sapignenl  wurde
verlustreich  abgewiesen.

Durch  Fliegeraufnahmen  nestgeslenie  Batterien,
  Munition?  Stapel  und  Befesligungsanla.
gen  und  beobachtete  Truppenansammlungen  in
Reims  murden  von  uns  unter  Wirkungsfeuer
genommen.  7’

In  den  Argonnen  wurden  feindliche  Erkun.
bungotruppo  verlrieben.  Auf  dem  linken  Moas-Ufer
  grissen  nach  slarker  Feuervorbercilun
franzôsische  Bataillone  im  Walde  von  Malanourt
  dreimal,  aber  siets  vergeblich  an.

Um  Artilleriebcobachtungen  und  Aufklarungen
  zu  erzuingen,  setzten  die  Gegner  Ltarke,  zusammengesaßte
  Luftstreitträfte  ein.  Sie  erlit.
en  sckwere  Verluste.  Mehrere  der  seindli.
chen  Geschwader  können  als  vernichtet  gelten.
Leutnant  Voß  schoß  sein  24.  Flugzeug  ab,
Leutnant  Vertram  den  14.  Gegner  im  Luftlampf.
  Juischen  Soissons  und  Reims  unternahm
  der  Feind  eine  erhöhte  Angriffslätig.
leit  gegen  unsere  an  der  Front  stehenden  Fes.
selballone.  Durch  schnell  einsetzende  Abwechhr.
Uatterien  und  Eingreifen  unserer  Jagdstaffeln
hatte  der  Gegner  nicht  den  erhofften  Erfolg.
Nuir  zwei  Ballone  wurden  abgeschossen,  ihre
Beobachter  landeten  im  Fallschirm.  Der  Gegner
  verlor  gestern  44  Flugzeuge,  darunter  im
Luftkampf  33,  durch  Abwehrlanonen  8,  durch
Notlandung  binler  unseren  Linien  3,  ferner
durch  Luftangriff  einen  Fesselballon.  Fünk  un.
serer  Flieger  sind  nicht  zurückgekehrt.

Cestlicher  Kriegsschauplastz.
Front  des  GenerakfeldmarsWFalls
schalls  Prinzen  Leopold  v.  Baycen.

In  zahlreichen  Abschnitten  rege  Feuertälmn.
leit.  Vorstöße  von  russischen  Streifabteilungen
bei  Baranowllschi  und  südlich  von  Stanislau
nurden  zurücgeschlagen.

Seeresftont  des  Generdloborsten
Erzherzog  Joseol.

In  den  Waldlarpathen  und  im  Grenzbogen
der  Moldau.  vielsah  Vorfeldgesechte.
D5eu  des  General=  Feldmarschalls

  v.  Mackensen.

Keine  Aenderung  der  Lage.  n

Mazedonischen  Front.

Zwischen  Wardar,  und  Dotran-See  täuschton
d#  Engländer  nach  starkem  Feuer  durch  Kommando,
  und  Hurrarufe  einen  Angriff  vor.  Unser
  Vernichtungsfeuer  lag  we#rkungsvoll  auf  den
als  beletzt  erkannten  Gräben.

 

 

Oker-Bision.

In  kalter  Srühlingemacch  steht  fein  im  Osten

Ein  deutscher  Landsturmmann  getren  auf  Posien.

Fest  hält  und  sieher  seine  starre  Hand

Den  treuen  Kamerad  Geuehr  umspannt.

E  steht  und  simt  und  seine  Brust  geht  schwer,

Schutt  und  Verwüstung  ist  rings  um  ihn  hor,

Was  einst  ein  blühend  Dorf,  gebaut  mit  Fleih,

Zeigt  nur  Ruinen,  noch  vom  Brande  heiß.

Und  siueiend  lriechl  der  Rauch  am
entla

Der  nd  seufzt,  sein  Herz  ist  sehnsuchts-Wald



Er  r  ins  Weite,  ob  der  Tag  erwacht.
Da  wird's  bewußt  ihm:  „Heut  ist  Osternach!“!
Er  schaut  und  sinnt,  da  bricht  ein  Strahlen

kranz
Turch  Wolkennacht  mit  uunderbarem  Elanz.

 

Zum  Limmel  siehl  er  auf.  ganz  weltentruckt.
Der  Heiland  selbst  ist's,  den  er  dort  erblickt.
Gcöffnet  ist  des  dunklen  Grabes  Tor
Und  als  ein  Sieger  steigt  er  d’raus  hervor,
Vom  allerreinsten  Himmelsglanz  verklärt.
Schneewei-ß  und  leuchtend  und  ganz  unversehrt.
Geblendet  sällt  deso  Grabes  Wachter  hin.
Denn  nicht  crkannt  hat  ihn  sein  starrer  Sinn.
Dem  Herrn  zur  Linken  steht  ein  Engelobild
Von  Andacht  und  von  Ehrfurcht  ganz  erfullt.
Der  Heiland  schwebt  hinan,  unmerklich  kaum,
Da  glüht  es  purpurn  auf  am  Himmelsssaum,
Und  leise  bricht  das  Morgenrot  hervor,
Der  sunge  Tag  zicht  ein  durch'es  gold'ne  Tor
Und  un'ier  Landsturm  senkt  das  Laupt  und
spricht:
„Nun  ist  es  Ostern  mir,  durch  Ne  zum  Licht“!

 

WITB.  Großes  Hauptquartier,  den
6.  April.

Westlicher  Kriegsschauplaf.

Der  Artilleriekampf  an  der  Artoisfront  hat
sich  in  den  letzten  Tagen  bedeutend  gesteigert.  Besonders
  von  Angres  bis  zur  Mündung  der  Scar
pe  lag  gestern  in  Zeitwellen  starkes  Feuer  aller
Kaliber  auf  unseren  Stellungen.  Mehrsache  Vorstöße
  englischer  Erkundungsabteilungen  wurden
ron  unferer  Grabenbesatzung  zurückgeschlagen.

Auch  an  der  AMisne-  Front  kam  es  im  Anschluß
an  unser  gestern  gemeldetes,  in  dem  beabsichtig.
ten  Umfang  voll  geglücktes  Unternehmen  bei  Sa
#gneul  nördlich  von  Reims  zu  lebhaftem  Feuerkampf.
  Wir  haben  dort  15  Offeiere,  827  Mann

befangen,  4  Maschinengewehre  und  10  Minen.

 

werfer  mit  viel  Munition  erbeutet.  Ein  fran
ösischer  Gegenangriff  zwisg,en  Sapigneul  und
va  Neuville  ist  abgewiesen  worden.

Auf  dem  Westufer  der  Maas  schwoll  in  den
Mittagestunden  der  Geschützkampf  vorübergehend
  an.

Klares  Wetter  führte  bei  TLag  und  Nacht  zu
sehr  reger  Auflldrungs  und  Angriffstätigleit  der
Flieger  und  zu  zahlreichen  Luftkämpfen.  Ein  bis
Douai  vorgedrungenes  englisches  Geschwader
von  4  Flugieugen  wurde  burch  eine  unserer
Jagdstaffeln  angegrissen  und  vernichtet.  Alle
4  Flug'euge  liegen  hinter  unseren  Linien.  Ober.
leutnant  Freiherr  von  Richthofen  hat  davon  2
als  seinen  35.  und  36.  Gegner  abgeschossen.
Auberdem  verlor  der  Feind  8  Flugzeuge  im

 

Luftlampf,  2  durch  Ab'd,  uß  von  der  Erde.  Von
uns  nerden  drei  Flugzruge  vermißt.
COestlichen  Kriegsschauplatf
Front  des  Generalfeldmarschulls
K#rinzen  Leopold  non  HoyeIn.
Suüdlich  von  Rign,  bei  Jlur'.  Toboly,  an  der
Zlota  Lipa  und  Nerajomkta,  fowie  sudlich  von
Stantfolau  setzte  die  zuufiish  Artillerie  beträcht
liche  Mengen  von  Munition  gegen  unsere  Siel.
lungen  ein.  Ein  nach  Minensprengung  gegen
die  Höhe  Popislicha,  sudmenlich  von  Brza
een.  vorbrechender  Angriff  der  Russen  scheiterte.
Bei  der  Wegnahme  des  rur#sischen  Brückenkopses
Tobely  am  Stochod  am  4.  April  fielen  in  unsere
  Land:  130  Off#giere,  über  0Mann,  15
Grschuge,  und  eiw#  150  Maschinengewehre  und
Minenwerfer,  sowice  vicl  Krichageräte  aller  Art.

HSeeeront  des  Seneralober##on
Erzherzog  Jasepkl.
Nichte  Neues.
Heeresgruppe  des  General-Kels--marschalls
  u.  Mackensen.
Tic  Lage  ist  unrerander!.
Mazedonische!  Fronk
In  der  Osthalite  de#  Cerna  Bogen  nahm
reitweilig  die  Artillerictangkeit  zu.  Im  WardarTale
  wurde  durch  VBombenabwurf  unserer
Flieger  ein  umfangreiches  Munitionslager  zur
Ent'’ündung  gebracht.

o

Der  erste  Gencralquartiermeisser
Ludendorf

Abensdbericht.

WIIl.  Berlin,  6.  April.  An  der  Artois
und  in  mehreren  Abschnitten  der  Aisne-Front
siarlet  Artillerielampf;  in  Reims  aufsgestellle
Batterien,  dort  erlannte  Beseitiqunasarbeiten  u.
Verkehr  sind  von  une  n#rtungsvoll  beschos'en
worden.  Im  Osten  rege  rulsische  Feucrtatigkert.

 

Int  Fiiedeosfease.
Verfruhte  Fricdeurgeruchte.

Wiecn,  6.  April.  Eutgegen  den  wielfach  auf
getretenen  und  auch  von  verschiedenen  Blättern
wiedergegebenen  Geruchten,  wonach  während
des  Besuches  des  österreichischen  Kaiserpaares
im  Deutschen  Hauptquartier  Vorschlage  in  bezug
auf  die  Friedenefrage  zur  Erorterung  gelangt
seien,  wiro  auf  das  bestimmteste  versichert,  daß
dies  nicht  der  Fall  gewesen  i#t.  Cs  wurden  allerdings
  verschiedene  wichtige  Fragen  erörtert,
worunter  sich  auch  die  Friedensfrage  befand,
aber  es  muß  betont  werden,  daß  nahe  Ent
scheidungen  nicht  in  Aussicht  slehen,  sondern  die
Bevolkerung  sich  mit  dem  Gedanken  vertraut
machen  muß,  daß  der  Frieden  noch  auf  sich
uarten  lassen  wird.

Englische  Friedensfühler?
Berlin,  6.  April.  Manchersei  Anzeichen  deu  ·
ten  darauf  hin,  daß  eine  Anregung  zu  Frie—