CRUPPE 1: Germanische Freiheitskämpfe
Die uns überlieferten Zeichen altgermanischer Kultur reichen bis zu sooo Jahre vor Christi Geburt zurück. In
die „Geschichte“ aber treten die Germanen erst durch Berührung mit den Römern ein. Diese gelangen in dem
Bestreben, sich den Erdball zu unterwerfen, von Süden über die Alpen, von Westen bis an den Rhein. Von bier
aus schieben die Stiefsöhne des KAISERS AUGUSTUs, Tiberius und Drusus, die Grenzen bis zur Donau und
Elbe vor. Die eroberten Gebiete werden durch Kastelle und Straßen gesichert. Varus, der römische Statthalter
der neuen Provinz, erhebt harte Steuern und führt römische Rechtsgebräuche ein.
Daruft der jungeheruskische Fürstensohn Hermann das Volk zur Befreiung auf. Unter seiner Führung vernichten
die geeinten deutschen Stämme im rEUTOBURGER WALDE (O n. Chr.) 3römische Legionen. Germanien ist
bis zum Rhein und zur Donau befreit und wahrt fortan seine Unabhängigkeit. „
An der von den Römern stark befestigten Grenze entwickelt sich nun ein friedlicher Handel. Der Uberlegenheit
der römischen Kultur können sich die Germanen nicht entziehen; viele treten in römische Dienste. Hier aber bilden
sie bei der zunehmenden militärischen Erschlaffung der eigentlichen Römer in immer stärkerem Maße den Kern des
römischen Heeres. So verwischen sich allmählich die Gegensätze. Die früheren Völkerschaften verschmelzen zu
größeren Stämmen, die sich etwa wie folgt verteilen:
Ostgortren im südlichen Rußland Sachsen u. Thüringer in Mitteldeutschland Burgunden am Neckar und Main
Westgoten. . . in Rumänien und Ungarn Langobarden an der unteren Elbe Alemannen am Oberrhein
Vandalen -...... in Ungarn Friesen. an der Nordseeküste Franken am Niederrhein bei Köln
Der Einfall des mongolischen Reitervolkes der Hunnen, die von der Grenze Chinas in die Steppen Rußlands
einbrechen, setzt alle diese Völker in Bewegung. Zuerst werden die OsTCOTEN überrannt und unterworfen.
Dann stürzen sich die Hunnen auf die WSTGOTEN. Diese geben ihre Wohnsitze auf und gründen unter Führung
ALARICHS in Italien eine neue Heimat. Rom fällt 410 in ihre Hände. Als Alarich nach Sizilien und
Afrika, den Kornkammern Italiens, übersetzen will, stirbt er plötzlich am Fieber. Er wird im Busento begraben.
Seine Nachfolger führen die Westgoten nach Südgallien, wo sie um Toulouse das von Rom unabhängige WEST.
GOTENREICH (415-711) gründen. Es wird später von den Mauren, die der Geist des Islams führte, zerstört.
Inzwischen sind die Vandalen von Ungarn über Schlesien und Frankreich nach Spanien gelangt. Sie werden
hier von den sich ausbreitenden Westgoten nach Afrika weitergedrängt und gründen das VANDALENREICH
(429—734) mit der Hauptstadt Karthago. Es findet gegen den oströmischen Feldherrn Belisar ein rasches Ende.
Während so die Ostgermanen ihre alte Heimat aufgeben, bleiben die Westgermanen im großen ganzen auf ihrer
Scholle und dehnen sich nur weiter nach Westen, d. h. nach Gallien und Großbritannien, aus. Teilweise macht sie
freilich der mächtige Hunnenkönig ATTILA tributpflichtig. Da setzen die verbündeten Römer und Westgoten, Burgunder
und Franken 451 in der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern bei Chalons seinem weiteren Vordringen
ein Ziel. Attila stirbt 453. Sein Reich zerfällt.
Unter den freigewordenen germanischen Völkern befinden sich die Ostgoten. Ihr großer König Theodorich (Dietrich
von Bern) führte sie nach Italien, wo er einen glänzenden Kulturstaat, das OSTCOTENREICH, (493-555)
begründete. Doch im „Kampf um Rom“ gegen das oströmische (byzantinische) Kaisertum mit der Hauptstadt
Konstantinopel geht sein Stamm ruhmvoll unter. Nicht lange freilich bleibt Italien oströmische Provinz. Von
der unteren Elbe ziehen die Langobarden heran und gründen in Ober= und Mittelitalien die LOMBARDEI (568
bis 7740. Damit erreicht die Völkerwanderung ihren Abschluß: Alle Germanenstämme, die sich von ihrer Heimat
loslösten, verlieren in südlicher Kultur ihre Sitten, ihre Sprache, ihren Glauben. Sie verschmelzen mit der ortsansässigen
Bevölkerung und bilden neue „romanische“ Völker in Italien, Spanien und Frankreich. Ihre Wanderreiche
gehen zugrunde, während ihre Heimatgebiete von flawischen Völkern, die aus dem Osten nachrücken, in
Besitz genommen werden. Diejenigen Stämme hingegen, die bodenständig bleiben, bewahren sich ihre Eigenart.
Unter ihnen gewinnen zunächst die FRANKEN die größte Bedeutung. Sie besiedeln die alten Römerstädte und
nehmen das Christentum an.
Als die Mauren, die 711 das Westgotenreich zerstörten, die Pprenäen überschreiten, tritt ihnen der Frankenherzog
KARIL MARTELL entgegen. Er rettet 732 in der Schlacht zwischen Tours und Poitiers das Abendland vor
dem Islam. Sein Sohn PIPPIN der Jüngere hilft dem Papst gegen die eroberungslustigen Langobarden und
schenkt ihm als Rückhalt Rom und Ravenna. Dadurch legt er den Grund zum „Kirchenstaat".
Pippins Sohn, KARL DER CROSSE GGS—Sx4), zwingt das ihm feindlich gesinnte Langobardenreich endgültig
nieder. Ein tragisches Schicksal jedoch will es, daß er in dem Bestreben, die deutschen Stämme zu einem
Staate und einem Glauben zu vereinigen, auch viel bodenständiges Volkstum vernichtet. Seine erbitterten Kriege
mit dem wahrhaft nationalen Sachsenherzog Widukind, die Zerstörung der Irminsul, das Blutbad an der Aller,
zeugen von dem Fanatismus dieses Ringens um ein germanischechristliches Weltreich. Als Karl am Weihnachtsfest
800 die weströmische KAISERWURDE erneuert, erstreckt sich dieses von den Pyrenäen bis nach Böhmen,
von Schleswig bis Rom. Aber es vereinigt zuviel fremde Elemente in sich und wurzelt nicht im rein Germanischen.
Desbalb ist es auch nicht das ersehnte Reich der Oeutschen.