Full text : Eine Sammlung der bekannesten deutschen Orden und Auszeichnungen.

Der  taptere  Vortänzer

Am  preuttlchen  Hofe  wurden  in  jedem  Winter  zwei  Gardeleutnants  zu  Vortänzern  ernannt,
  deren  Aufgabe  darin  bestand,  die  Dokbälle  mit  einer  Prinzessin  oder  in  Ermange—-lung
  einer  unverheirateten  Prinzessin  mit  einer  Hofdame  zu  erölknen.  Selbstverständlich
lollten  die  Vortänzer,  die  sich  untereinander  abwechselten,  Meister  auf  dem  Gebiete  des
Tanzes  sein.

Weitz  aber  der  Himmel,  wie  es  geschah,  dab  einmal  ein  Leutnant,  der  vom  Tanzen  keine
blalle  Ahnung  hatte,  ungekragt  zum  Vortänzer  bestimmt  wurde.  Als  er  zum  ersten  Male
mit  einer  Prinzessin  den  Hofball  tm  Weißen  Saale  eröffnete,  gelangte  er  dann  auch  nicht
über  die  Mitte  des  Saales  hinaus  und  drehte  sich,  tnnerlich  Blut  lchwitzend,  mit  der  armen
kleinen  Ortngeslin  immer  unter  dem  Nronleuchter  auk  demlelben  Fleck,  noch  dazu  gegen
den  Takt,  im  Kreile.  Ringsum  verhielt  man  sich  nur  mühlam  das  laute  Uachen.  Auch  die
hohen  Galtgeber  wurden  auf  den  Unglücklichen  aukmerklam  und  schmunzelten  bergnücglich.
Doch  nach  dem  Ende  des  Tanzes  näherte  sich  ihm  ein  anwelender  regterender  fürft  eines
der  deutlchen  Duodezstaaten,  löste  letnen  Dausorden  von  letner  Brult  und  bemerkte  humorboll:
  „Gobtel  Tapkerkett  berdtent  etnen  DOrden!“

Rünstler  kreuen  üch  an  Orden

Daß  Rünstler  bildende,  schaftende  oder  nachlchaffende  Künstler  -  körmlich  dazu  prädelsttntert
  schetnen,  an  Orden  Gekallen  zu  kinden,  ist  gewitß  einleuchtend.  Die  hervorragenditen
Zänger  und  Schaulpteler,  die  berühmtesten  Klavier-  und  Violin-Dirtuolen  haben  eine
natbe  Freude  an  Orden  empkunden.  Wer  wetb,  ob  die  ehemaligen  deutlchen  Doftheater
so  vortreftliche  Darstellerkräfte  an  sich  zu  felleln  vermocht  hätten  ohne  die  Dekorationen,
die  dielen  winkten  in  der  Gestalt  von  grohen  und  kleinen  Medatllen  kür  Kunst  und  Willenschakt,
  sowie  der  Mausorden  in  thren  diversen  Abstukungen.

Ernst  bon  Polssart  beilptelsweile,  der  noch  als  Generalintendant  in  München  bet  Gelegenheit
  den  „Julius  Cälar“  oder  den  „Dathan“  auf  den  Brettern  agterte  und  auch  im  Privatleben
  nie  den  Dollblutmimen  verleugnete,  trat,  lo  erzählt  man,  regelmähtg  den  Gang  zum
Dbotographen  an,  lobald  ihm  ein  neuer  Orden  an  die  Brust  flog,  auk  der  doch  kaum  kür
einen  lolchen  noch  ein  Raum  kret  zu  lein  schten.