Full text : Rosenheimer Anzeiger. 64. Jahrngang (64)

Aummer  I71

Allgemeines  vom  Krieg.

Die  amerikanische

Münchhauseniade.
Die  amerikanische  Zettschrift  nin-inm-  Review“
  schreibt:  „Man  hat  bisöher  auf  beiden

n  der  Welt  zu  sehr  vor  dem  „amerikanischen
  Münchhausen“  gedienert!  Die  Vereinigten
Staaten  können  vor  Herbst  1918  als  wesentli-Faktor

  laum  in  Betracht  lommen.  Nachden
  der  Zusammenberuch  Rußlands  gerade  im
entscheidenden  Augenblick  alle  guten  Aussichten
  für  1917  über  den  Haufen  geworfen  hat,
ist  heute  aller  menschlichen  Voraussicht  nach  die
Hesiun  auf  einen  glücklichen  Ausgang  im
Jahre  1918  gering.  Ebenso  unwahrscheinlich  ist
ein  Kriegsende  für  1919.  Das  nächste  Jahr  muß
eine  Zeit  beträchtlicher  Besorgnis  für  die  Westmächte
  werden!“

Dies  ist  also  das  Ergebnis  der  mit  unendlich
  viel  Worten  und  Drncerschwärz=  verltünde.
ten  Hilfe  Amerilas!  Jegtzt,  wo  die  Probr  aufs
Exempel  gilt,  entpupot  sich  die  jämmerliche  Ohnmacht
  nur  auf  dem  Papier  Eistier-  nden  amerikanischen
  Millirnenarmee.  Die  Untersecb
werden  es  auch  weiter  verhindern,  daß  die  Regierung
  der  Vercinigten  S  der  En-Staaten

  die
tente  gegebenen  Zusagen  erfüllen  lann.

Das  schlechte  Verhältnis  zwischen
den  amerilanischen  und  englischen
Soldaten.

Die  Auesagen  der  in  deutsche  Kriegsgefanhenschaft
  gerarenen  Amer-kaner  wersen  zum  Teil
t  interessante  Streiflichter  auf  die  gegenwärtigen
  Verhälniste  in  den  Ver  einiglen  Staaten,
  auf-  die  strupellose  Art,  in  den  breiten
Massen  die  feblende  Arigbrgeisterung  1  erdeugen,
  und  endlic)  auch  auf  das  nicht  gerade  kameradschefillche
  Verhältnis  der  amerffanischen
Soldaten  :#  den  englischen  und  französischen
Tundeegenosten.  Namentlich  auf  die  stammesverwandten
  En  ailänder  sind  sie  meiit  nicht  gut
zu  sorechen.  Schon  in  den  eren  Wochen  hat
6q  eine  Mise  timmung  gegen  bie  engliff  schen  Kameraden.
  bro#derz  aber  gegen  die  Offf#eer#,  geltend
  "  Lem  ascht.  In  England,  wo  die  Gefengenen
14  Tage  rellen  und  nach  Aldershot,  London
usw.  ur  e-ichtigung  milärischer  Anlagen  92=schickt
  wuarden,  brb#en  k.ie  enaischen  Oif#zere  den
amerikanischen  milttärichen  Gruß  nicht  crwidert.
Fortuälrend  ha  c  Relbereien  mit  den  englischen
  Soldaten  gegeben.  Nach  Aus  sogen  der  Gefangenen
  sunnden  sie  sich  m.)  den  Tommtes  wie
„Katze  und  Hund“.  In  Amiens  hat  ein  Amerikaner
  1  einem  englischen  Soldaten  gesagt:
„Wir  müsen  jetzt  eure  schmutzige  Arbeit  fertig
machen.“  Der  Amerikaner  sei  daraufhen  von
dem  englischen  Soldaten  niedergeschofon  worden.
  In  einem  anderen  Falle  hat  sich  ein
englischer  Soldat  beklagt,  daß  sie  drei  Jahre
gesochten  und  geb##et  bälten.  und  daß  nun
die  Amerikauer  kämen,  um  ihnen  die  Ehre  und
den  Ruhm  des  Seg  §  sort-  unehmen.  Englische
Soeldaten  laben  ihnen  gegenüber  häufig  grzäußert:
  „Wir  laben  die  Nase  vell.“  lrsp
haben  sie  nicht  emnen  Tommng:  efünden  der  heu
EEIIIIIIEIIII  eraß  Leusichlm
nicht  b#siegt  werden  lönne.  Die  Oi  *m  iere,  die
sie  geseh#en  Baben,  haben  auf  sie  „einen  sehr  arm- 



seligen  Eindruck  gemoch:“";  aber  auch  de  cigenen,

Offiziere  sellen  einen  schweren  Stand  baben,

soweit  sie  keine  regulären-  emerikanischen  Truppen

  befell  gen.  Vielfach  sühren  nicht  die  Hauplleute
  die  Kompagnien,  jondern  umgekehrt.
Die  Gefangenen  sind  leule  äuderit  w:ufrieden
mit  ihrem  Los  und  loben  die  gute  Behandlung
  und  des  frrundliche  Cutge  gc  mnkommen  der
Deutschen,  um  so  mehr,  als  sie  anfangs  der  festen
Ueber-  rugung  waren,  gleich  nach  der  Esengen,

Nosenheimer  Anzelgek

nahme  erschossen  zu  werden.  Sie  werden  nach  ihren
  Versicherungen,  wenn  der  Krieg  zu  e  ist,
zu  Hause  die  Wahrheit  verkünden,  und  jhrerseits
in  den  großen  Zeitungen  berichten,  wie  sie  die
Deutschen  in  Wrrlklichkeit  gesunden  hätten.

Diegedrückte  Stimmung  in  England.

Die  Londoner  Wochenschrist  „The  World“
schreibt:  „In  Paris  ist  jetzt  trotz  der  Nähe  der
Kriegsrone  das  Leben  fröhlicher  als  in  London.
Letzthin  haben  englische  Offfziere  zu  Dutzenden
es  vorge#ugen,  ihren  Urlaub  dort  statt  in  England
  31  berbrirgen.  Die  anscheinende  Wohlversorgtbeit
  der  eleganten  Nestaurante  im  estlichen
  London  ist  nur  Atrappe.  Der  Direltor#eines
der  be  kanntesten  Londoner  Hotels  äuherte,  daß
er  von  einer  Mahlzeit  in  seinem  eigenen  Restaurant
  immer  halb  hungrig  aufstände.“

 

Der  Krieg  zur  See.

Englands  bittere  Not.

Es  gibt  keinen  besseren  Beweis  für  die  Wirksamtkeit
  des  deutschen  1.  Boottkrieges,  als  Ausfül
  rungen  der  „Daily  Mail“,  wee  die  solgende:
„Solange  die  feindlichen  uU.Voote  noch  14  Proviantschisse
  wöchentlich  versenken.  tommt  es  gar
nicht  darauf  an,  wieriele  U.Voote  England  auf
dem  Meeresboden  schickt.  Optimisten  und  Pessmisten
  mögen  sagen  was  sie  wollen:  die  Tatsache
  bleibt'  bestehen,  daß  England  in  diesem
Jühre  gegen  bittere  Noi  zu  lämpfen  habenwird,
wonn  e  nicht  mehr  Schiffe  Daut  und  weniger
isni.“  Vor  noch  gar  nicht  langer  Geit  scholl  es
aus  dem  englischen,  und  brionders  dem  Northclijse
  Blattetwalde  gan;  anders!  Der  umgelehrte
  Procch  hat  65r  in  der  Beurteilung  der
Aur  lungerung“  Deutüchlands  vollrogen,  auf
die  chenais  so  Hrone  Hoffnungen  gesetzt  wurden
und  über  die  dieselve  „Daily  Man“  jetzt
schreilt:  „Ein  neniraler,  gewissenhafter  Beobachter
  hat  seslge##lli,  daß  die  Lebensbedingun-#en
  in  n  Betlin  heute  besser  sind  als  ror  einem
i
sen  beiden  Gegenuberstellingẽ  n,  ist  Biscount  of
Morthciiffes  Blatt  seinen  Lesern  allerdinge
sch:  ildig  geblicben.  Es  hilst  sch  aus  der  Verlegenheit,
  indem  es  so  tut,  als  habe  nie  ein
Engländer  an  die  Verndigung  des  Krieges  durch
die  Vlodade  Deutschlands  geglaubt,  u.  chlieht.
seinen  Artikel  mit  den  Worten:  „Es  gibt  nur
einen  Weg,  der  zum  Siege  führt:  Sjeg  auf  dem
Schlachtfelde.“  Wir  waten  immer  bieier  Meinung,

  aber  die  Entente  ist  es,  die  ich  bis  Geute

gegen  diesen  Sa  sperrt.  weii  ein  Blick  auf  die
Kriegslarte  seigl,  miie  es  um  sie  und  hren  „Sieg“
stelt,  wenn  man  dlesen  allein  richtigen  Grundsath
  anwenüdct.

Feindliche  Zamis!  in  der  Schlacht
bei  Cambral.

Aus  dei  Felde  wird  uns  geschrieben:

Schon  selt  einigen  Tagen  lauerte  der  Tank
ug  der  BSatterie  in  verschjedenen  Stellungen
um  das  Dorf  Bourlon  herur  n  auf  Beute.  20
am  Abend  des  256.  November  1917  hatte  er
Stellungswechsel  in  eine  vorgeschobene,  ciwa
1000  Meter  südlich  des  heiß  umstrittenen  Dorkes
  gelegene  neue  Stellung  vorgenommen  und

schien  der  rechle  Augenblick  gelommen,  also:
Alles  rauo  an  die  Geschütze!  Es  war  noch
dämmerig,  ein  leichter  Regen  siel.  Rings  um
die  Geschütze  schlugen  in  regelmähigen  Zwi--

  fchenpaiiseii  lrachenddeieinolicheiinaiiaten

ein,  in  knapp  1  Meter  Lutfernung  rou  dem
rechten  Geschütz  waren  zei  fricche  Schußlöcher,
denen  noch  weiflicher  #kalm  zacheomn.  Einig
(Minuten  erregiester  Spannung  vergingen.  Da
wurde  auf  der  Höh:  10)  südlich  des  Bourlon=Laldes
  en  sich  scharf  gegen  den  Horzont  ab.
lebender,  siänd'ig  wachsender  Buckel  sichtbar,  der
bald  wieder  klein  und  kleiner  wurde  und  am
diesseiligen  Hang  h:  rabglt.  D  as  Spiel  wiederholte
  sich  noch  mehrete  Male.  Sie  kommen!

Gerade;  u  eclösend  werite  dieser  Aueruf.  Die
Gesch.  wurden  eingerschtet.  Auf  1400,

1200  Meter  Entsernung  solpten.  sich  die  Schüsse,
der  erste  Tank  wurde  unter  Feuer  genommen.
Aha,  er  will  rechts  aus#neifen  —  nochtein  —
Ein  helles  Aufb.  iben  der  Geschohrauch  e
den  dum'en  Schatten  des  Tauls  TIrefler!  Das
Feuer  der  Tanlkanonen  verstummte.  Jetzt  den
nächsten!  Herum  den  Lasettenschwan!  geht
nicht!!  Er  hitie  sich  durch  den  Rückitoß  so  feit
in  den  ausgeweichten  Lehmboden  eingebohrt,
daß  er  nicht  mehr  von  der  Stelle  zu  bewegen
war.  Alle  Mann  heran!  Lasettenscha  an  aus.
graben,  Geschütz  herausziehen!  Noch  ein  Stücd,
nroch  ein  Anspannen  al#er  Kräfte,  und  das  Geschütz
  stand  außerhalb  des  Geschützstandes  auf

»  offer-ein  Felde,  etzt  aber  weeder.  frei  beweglich.

sie  cinn#:g  mÖ,  alcche-  Schluhfolgerung  aus  diesich

  nordürflig  e  ingegrabe  n.  Es  war  bekannt  ge“

worden,  daß  der  Feind  zwei  frische  Divisionen
und  30  Tanks  #um  Angriff  bereitgestellt  hatte.
NW  war  schärsce  Aufmerksamleit  geboten.  Um

C0.30  Uhr  morgens  meldet:  der  Posten  lebhast:s

Streufeucr  auf  das  Dorf  Bourlon  und  das
umliegende  Gelän#  und  cine  Stunde  später
Trommelfeuer  auf  die  vorderen  Gräben.  Jent

De  fseimlch'n  Tenkswrninwichn  ctwa  200
Meter  weiter  vorgesommen  und  iubren  dichtgebran
  igt,  uns  ihre  volle  Preilseile  bielend.
noch  5  an  der  Zall.  in  Richtung  auf  Veurlon
u.  lebRa#st  nach  allen  Richtungen  hin  feuernd.
Aun  solale  Schun  auf  Schuh  au-  be  iden  Royren,
  auf  die  lich  durch  j##r  egenes  Feuer  seib#
rerratenden  Ungernme.  (Ein  deutlich  vernehmbare#
  Singen  über  unseren  Köpfen,  wir  erlo
  s#elten  von  den  Tanl#  Maschinengewehrseuer.

Jetzt  g#lie,  ihr  oder  wir,  lenen  Schuß  herau:t,
der  usch:  gen  genau  gerichtet  ist.

Der  Eiser  des  Gesechts  hüätte  allmählich  die
Vedienung  erfaßt,  der  fü  hrende  Offizier  setzte
sich  selb  t  on  den  Richt#itz  e'nes  Geschütz=  s.  Ladebemmung!
  ei  anderes  Geschoß  raus  den
Schuf,  der  saß  drin!  Fast  gleichzeit  g  klang  es
aus  dem  Munde  mehrerer  Kanontere,  denen  die
elle  Kampftegeister:  ing  an  den  Augen  abzu.
selen  war:  Der  ichieft  noch?  Noch  ein  Schuß
und  noche  einer,  dann  war  alles  still.  Der  nächste

Schus.!  Daror,  eimno  höher  halten  —  Trefser!
  Er  versuchte  zu  drehen,  noch  ein  paar
Schüsee,  dann  war  auch  dieser  stl.  .-I—gnride-c(3eicl)iil3ls1tlciissivichtnauchsck


.ei-elcrleugt,zw«derronihnibschosscneii

PairermqenLranntciilchterlohrittheller
»tikI)ilai.i-iie,dievwiJethIetchdns
Aufflammen  der  krepierenden  Lanimunibon

NRichis  rührte  sich  drüben
mehr.  6  se  nkliche  Tanis  stinden.  5  daron  dcht
nelrneinander,  wie  auf  eine  Schnur  gereiht,
berschoffen  und  tellweis:  brennend,  im  Gelände.
N.  achdem  die  Geschutz:  nachgesch'en  und  al'es  für
elwaige  meitere  feindlich:  Angriffe  vorbereitet
war,  konnten  die  Bedienungen  nach  fast  zweisründigem
  Aucharren  im  seindlichen  Feuer  in
Deckungz  gehben.  Eln:  später:e  Belichtigung
xeigte  uns,  daß  die  Tanls  größtenteils  2  und
3  Volltreiser  aufwiesen.  Die  Bedienungsleute
lagen  »un  Teil  gräßlich  zugerichtet  tot  unter
und  neben  den  dran

noch  verstärkt  w  rde.

 

Gedenket  1er  bungeraden  Vönel

Sonnkag,  13.  Januar  15138

Pollsische  Rundschen.

Grolz;  admital  von  Tirpiy  über  den
Kamofgegen  England.

*  Köln,  11.  1.  In  einer  Anterredung,  die  er
dem  Verliner  Vertreter  der  „Köln.  Bolksztg.“,
Dr.  Essele,  über  die  Verhandlungen  in  Breut-Litcw#l
  gewährte,  äußerte  sich  der  Großädmiral
orcn  Tirpitz  über  die  Fol  itische  Lage  under
llärte  dann  auf  die  Frage,  ob  wir  Tugland  nieder
  wingen  lönnen,  folgendee:

Für  mich  und  alie  Stellen,  die  tiefer  in  dirte
Frage  eingedrungen  sind,  gibt  es  lein.n  Zwei
sel,  daß  wir  England  niederr  wingen
iönnen,  wenn  w##r  beim  U-Boot-Krieg  Stange
halten,  und  es  u.  eederwingen  komen,  in  durchous
  alfePbarer  Zeit.  Das  Schicktal  Englandist
  unentriunbar.  Das  erlennt  man  in  England
selbst  auch.  Je  näher  der  Augenblick  kommt,  der
England  zwingen  wird,  nachzageben,  d.  st#  größer

wird  vielleicht  das  englische  Mundstück  sein.  Das

darf  uns  nicht  irre  machen,  wir  müssen  durchhal
ten!  Natürl.  ch  müssen  wir  auch  den  Wllen  dazn
habem  und  eine  entiprechende  Peolit  tre-  beu.
Ich  traue  den  Deutschen  ja  auf  dem  Gebiete  de-Pelitik
  allerhand  3u,  aber  ich  möchte  es  nich
lur  möglich  halten,  daß  wir  uns  auf  einen

Kafjenstillstand  einlassen,  der  unsere  Unter
seeboote  lahmlegt.

Baverischer  Laudlag.

*smünchen,  11.

Die  Moblenbelieserung  der
rematorien:

 

Jannar.

Die  Nenderung  des
Zwangsabtretungsgesetzes
Die  Lederversorgung.
Die  Kammer  der  Algeordneten  beschäftigte
sich  in  der  Freltagsitzung  nnächst  mit  einem
0.  irag  Held  (.ZS#tr.)  P#w.  einem  Antrag  des
Aursschusses,  der  die  Regierung  ersucht.  An
erdnungen  uu  treifen  oder  zu  veranlasten,  daß
die  Belfeserung  der  Leichenverbr  emungsanstal.
len  mit  Koblen  eingesteltt  werde.  Als  Geaner
des  Antrages  beziichnete  sich  der  so-  reldemokralische
  Abg.  Schmid,  der  gegen  einen  derartigen
Eingriif  in  das  Selb  tverwaltungere##t  der  G.
meinden  protestierte  und  behqup##ete,  daß  der
Antrag  nur  von  dem  Bestreben  ausgehe,  die
fdem  Zemrun  unbeaqueme  FSeuechestatiung
auf  diesem  Wege  en  erdrosseln.

Abg.  Giehr!  (Z#rc.:,  siel  t:  sich  auf  den  Boden
des  Antrages,  der  im  Volle  wohl  verslanden
werde  und  der  es  ermoͤgliche,  in  gan;  Bayern
mehr  als  hundert  Fam  lien  mit  Koblen  zu  ver
jorgen.  Auf  denselben  ablehnenden  Stand.
punkt  wie  der  soz.  Redner  siellte  sich  der  lid.
Abg.  Dr.  Quidde-  Für  die  Negierung  sprach
der  Minister  des  Znnern  Dr.  von  Brettreich.
Er  betonte,  ß  die  Regierung  barundsahhlch
auf  dem  Standpunkte  siehe,  daß  bei  den  belechenden
  Verhälinissen  an  Kohlen  eingelpar:
werden  müsie,  m#s  möglich  s.i.  Ein  flantsauf
sichtliches  Eingreisen  in  die  Zuständigkeit  der
Gemeinden  sei  eben  erit  dann  eingebracht,  wenn
die  Gemeinden  ihre  Befugnisee  überschreiten  oder
die  Vorschristen  über  b#i#  Unterverte  lung  nicht

eachten.  Diese  Vorausse#zungen  lieg  en  nicht  vor.
Der  Antrag  fand  darauf  gegen  die  Stimniender
So  ialdemo-raten  und  Liberalen  Annah  ne.

Nachgehelt  wurde  dann  die  Abltimmen:  #br
den  Gesetzentwurf  betr.  die  Aenderung  des
Zwangsaktretungege  sehe.  Er  fand
genen  die  Slimme  des  Abg.  Akastt  (win)  An
nahme.

Dann  ging  das  Haus  über  zur  Veratung  Oes
Antrages  betr.  die  ausreichende  Lederversorgung
der  Bevölkerung  zu  erschwinglichen  Preisen.

 

 

Spru  XXI—

nich  woile  d-lnen  Siun  auf  blnee  richten,

die  nur  auro  alltu  darte  mudrar  r

Sel  denen  du  verleen  mo#t  die  Pildh

Und  lu  den  Staub  vor  !*nszm  .  S  blicken.

ble  Koloe.  Don  Salurn.

9  om
aus  dem  Londe  der  .Ju  von  Luls  Gumpeler.

Warmer  Erdgeruch,  vermischt  mit  dem  zarten
Duft  der  Nosen,  stieg  vom  Boden  auf.  Da  und
dort  krochen  lleine  und  groß:  Eidechsen  am  Gemäuer
  umher:  ste  schillerten  im  Sonnenglans,
als  wären  sie  von  schimmerndem  Erz.  Ein  Zitronenfalter
  flatterte  von  den  Rcsen  hinweg
durch  den  stillen  Raum  in  die  blaue,  laue
Lust.  Im  nahen  Busch  schmetterte  ein  Fink,
ein  schwaches  Echo?  töme  von  der  nahen  Bergwand
  herüber.  Von  Ferne  her  drang  ab  und
U  ein  leises  Rauschen  des  Wasserfalles.  Es
verlor  sich  in  den  Felswänden,  so  still  und
heimlich,  wie  wenn  aonster  Windhauch  über  die
Saiten  einer  Harfe  streicht.
sang  ihr  llagend  sehnsüchtiges  Lied  dazu.

Wie  im  Traume  versunken  stand  Harald  da.

Ihn  dünkte  es  wie  ein  Märchen  aus  uralten
Zeiten!  Es  war  ihm,  als  müßte  jetzt  aus  einem
der  Tore  ein  Schloßfräulein  heraustreten  und
an  die  Mauerbrüstung  eilen,  um  lug  zu
halten  nach  dem  Gelicbten.

Leise,  als  fürchtete  er  die  Hausgeister  zu  stören,
  schritt  er  durch  den  Hof,  am  Burgyfried

Eine  Nachtigall

 

vorüber#  z  einem  schmalen  Pforlchen,  und  woll.
te  durch  dasselb:  eintreten.  Da  blieb  er  gebant
steben.  Ein  wundersames  Bild  entrolite  sich  ihm
und  fesselte  ihn  derart,  daß  er  kaum  zu  atmen
wapte.

Auf  einer  Rasenbank  saß  ein  lleines  Mädchen

in  weißem,  dustigem  Kleide;  die  dunkeln  Haare,

 

welche  ein  liebreizendes  Gesicht  umrahmten,  umhüllten
  in  dichtem  Lockengewirr  den  zarten
Oberkörper;  sie  reichten  fast  bis  zum  m  Woden.
Unbeweglich  saß  die  Kleine  da  und  blickte  auf
zu  einer  wunderschönen  Frau,  die  auch  ganz
weiß  gelleidet  war.  Eine  jeine,  schlanke  Gestalt.
  Das  goldbionde  Haar  war  in  dichten
Flechten,  wie  eine  Krone,  um  das  schöne  Haupt
geschlungen.  Vor  sich  hatte  sie  einen  photographischen
  Apparat.  Sie  legte  soeben  ein  schwarces
  Tuch  darüber.  Iede  ihrer  Bewegung  war
Anmut  und  Würd.

„Mutting,  was  M-n

Die  Allme  hatte  den  Blick  auf  das  Pförichen
Herichtet.

„Das  Rosenlkind!“

Balmer  war  so  öberrascht,  das  rei  Z#inde,  liei,W
nne  Wesen  wiederzusehen,  wel  er  in  Bozen
beobachtet  hatte,  daß  er  diesen  zwi
Ausmif  nicht  zu  unterdrücken  vermochte.

Nun  wandte  0  3  die  Dame,  falt  erschroden,

  um.  Do  entfiel  ihrer
  Hand,  ein  u  Ser  hrruhnic,
kam  von  ihren  Lippen.

Harald  sah  in  ein  wunderbar  reines  Frauenantlitz,
  in  zwei  blaue  Augen,  die  leuchteten,  wie

 

wenn  der  blaue  Himmel  sich  darin  gespiegelt

Lätie

Er-  verbeugte  sich  und  sagte:

„Verzeihung,  gnädige  Frau,  ich  wollte  nicht
stören,  ich  ziehe  mich  wieder  zurück,  ich  wußte

ch
Zitie-  bleiben  Sie  doch,  hier  hat  jeder  Zutrii


Ein  herrliches  dunkles  Metall  zitterte  in  ihrer

  Stimme.

Zögernd  trat  Balmer  näher.

„Meine  Anwesenheit  wird  wohl  diesem  lleinen
  Engel  nicht  angenehm  sein,  denn  Sie  wollten
  wohl  eben  eine  Aufnahme  machen!“

„Oh,  das  tut  meiner  Ju#  nichts.  Nannten
Sie  sie  nicht  das  Rosenkind?“

„Ja.  Ich  war  gestern  mit  einem  Freund  in
ozen  und  sah  die  Kleine,  als  sie  gerade  mit
einem  Arm  voll  Nosen  vorbeiging.  Kies  reizende
  Bild  blieb  mir  im  Gedächtnie

„Wir  haben  in  unserem  Garten  eine  Menge
Nosen,  aber  meine  Ilse  liebt  es,  auch  von  Bozen
  immer  wieder  viele  Rosen  heimzubringen.“

Die  Dame  machte  sich  bei  diesen  Worten
wieder  am  Apparat  zI  schaffen.

„Ilse,  setz  dich  wieder  so,  wie  du  krüher  warst

—  oh  weh,  da  stimmt  etwas  am  Apparat  nicht.“

Boalmer  trat  hinm.

„Bielleicht  kann  #  Tlen  Verzeihung
Professor  Harald  Ba  "7

„Mia  von  —

 

Balmer  besah  den  Apparat  und  hatte  bald  den
Febler  entdecit.  5  die  Aufnahme  vorüber
war,  sprang  Klein=  Ille  von  ihrem  Sitze  und
lam  lachend  2u  ihrer  Mutter  zelaufen.

„Mutting,  jetzt  nehme  ich  dich,  aus!“

„Weißt  du  was,  Ilse,“  sagte  Balmer,  „wenn
deine  Mutter  erlaubt,  so  photographiere  ich
euch  beide  zusammen,  denn  eine  Platie  ist  ja
noch  übrig,  so  viel  ich  gesehen  habe.“

„Ja,  bitte,  bitte  Mutting.“

Mia  von  Hohenfels  stellte  sich  an  die  Seite
ihrer  Tochter  und  umschlang  sie  wie  schützend
mit  ihren  Armen.  Das  ergab  ein  Bild  von  solcher
  Anmut,  daß  Balmer,  dessen  Hände  zitteren,

  sich  Gewalt  antun  mußte,  um  ruhig  61
bleiben.  Mia  blickte  mit  ihren  großen  blauen
Augen  auf  Balmer  und  in  diesem  Augenblick
schnappte  der  Verschluß  mu.  Dann  half  er  beim
Zusammenlegen  des  Apparates,  trat  an  eine
Maucröffnung  und  sah  hinab  auf  Salurn,
welches  Zu  Füßen  der  Ruine  ausgebreitet  lag.
t  umeden  sagte  cr:

dige  Frau,  Sie  haben  mir,  heute  schon
e#  i  vollsen  Genuß  bereitet.“

„Wieso

Sie  zee  leicht.  ,

„Ich  ging  an  Ir  Villa  vü  und  härte
das  Andante  aus  dem  Geistertr#

zuch!  ie.  das  flimmt!  Der  obrlchorr  kommt
zweimal  in  der  Weshe  um  mit  une  hu  mausizieren,
  mein  Toͤchterchen  bic  die  Geige

—