Full text : Landeskunde des Großherzogtums Hessen, der Provinz Hessen-Nassau und des Fürstentums Waldeck. (376)

Der  Odenwald.  39

Ebenfalls  erst  in  neuerer  Zeit  ist  dem  Odenwald  ein  wei—
terer  lohnender  Erwerbszweig  durch  die  Zunahme  des  Frem—
denstroms  entstanden,  der  eine  größere  Anzahl  sog.  Luftkur—
orte  entstehen  ließ.  So  sind  besonders  in  höherer  Lage  als  be—
liebte  und  zu  längerem  Aufenthalt  vielbesuchte  Punkte  Neunkirchen
  520  m  hoch,  Nonrod  300  m,  Lindenfels  360  m,  Lützelbach
  400  m  und  das  260  m  ü.  d.  M.  liegende  Lichtenberg  mit
seinem  malerischen,  gut  erhaltenen  hessischen  Schloß  zu  erwähnen,
  in  denen  zur  Hauptzeit  nicht  nur  in  den  Gasthäusern,
sondern  auch  in  den  Bauernhäusern  die  verfügbaren  Zimmer
hauptsächlich  von  Bewohnern  der  umliegenden  größeren
Städte  besetzt  werden,  um  während  der  Sommerhitze  in  den
höheren  Gebirgslagen  und  ausgedehnten  herrlichen  Laubwäldern
  Erfrischung  zu  suchen.

Die  Industrie  hat  im  Odenwald  noch  nicht  besonders  Fuß
gefaßt,  abgesehen  von  der  Steinindustrie,  die  in  ihren  Hauptbezirken
  Umgegend  von  Lindenfels  und  Reichenbach)  mehrere
tausend  Arbeiter  beschäftigt  und  eine  Verdichtung  der  Bevölkerung
  auf  300  pro  Quadratkilometer  inmitten  von  Gebieten
  mit  50—200  Einwohnern  pro  Quadratkilometer  bewirkt
  hat.  Für  sie  kommen  in  erster  Linie  der  Diorit,  der  Granit
und  der  Hornblendegranit  in  Betracht,  die  zu  Denkmälern,  der
schwarze  Diorit  besonders  zu  Grabsteinen,  verarbeitet  werden.
Die  Schleiferei  in  Lindenfels,  welche  sie  verarbeitet,  macht
damit  jetzt  den  Erzeugnissen  aus  nordischen  Gesteinen  kräftig
Konkurrenz.  Als  wichtiger  Werkstein  ist  außerdem  der  Buntsandstein
  zu  erwähnen,  der  besonders  bei  Neckarsteinach  gewonnen
  wird,  wo  die  Möglichkeit  bequemer  Verfrachtung  auf
dem  Neckar  besteht.  Aber  auch  in  Hammelbach  im  mittleren
Odenwald  und  bei  Hetzbach  finden  sich  große  Steinbrüche,  die
geschätzte  Sorten  verschiedener  Farbe  liefern  und  durch  die
Bahnen  versenden.  Im  nördlichen  Odenwald,  bei  Nieder-Ramstadt,
  und  am  Basaltkegel  des  Roßbergs  werden  Schotter