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Mann eine Zuneigung zu fassen: so gelangt er doch auch zu der
Ueberzeugung, daß Dittmar seines Stoffes eigentlich eben so we-
nig Meister ist, als er die Sprache in seiner Gewalt hat. Dane-
ben ist er aber so redselig, daß er vor lanter kleinen Anekdoten
und erbaulichen Betrachtungen oft nicht zur Hauptsache kommt. 5)
Sein gründlichster Kenner, Ursinus, sagt ebenfalls von ihm in
der Vorrede zur Uebersetzung S. XXXII: „So hat er auch
manche Begebenheiten, welche er gewiß wissen mußte und welche
andere gleichzeitige Geschichtsschreiber gleichwohl beschrieben haben,
nicht mit einem Worte erwähnt.“
Dittmar war bekanntlich ein geborener Graf von Walbeck
und zwar von 1001 bis 1008 Probst des Stiftes in Walbeck:
dennoch hat er von dem letzten Einfalle der Ungarn in Sachsen,
der in dortiger Gegend 938 stattfand, nicht das Geringste erzählt.
Hat er doch auch die 939 eingetretene zweimonatliche Belg-
gerung Merseburgs durch Otto I., als dessen jüngerer Bruder
Heinrich nach Verlust des Treffens bei Birtchen unweit Wesel
nach Merseburg sich geworfen hatte, auf keine Weise erwähnt. 5)
Gewiß ist Dittmarn nach seiner Eigenthümlichkeit der Ge-
schichtschreibung nicht zuzurechnen, daß er oft Wichtiges über-
gangen hat und am Wenigsten kann daraus, daß er Etwas nicht
erzählt, auch, daß es gar nicht vorgefallen sei, geschlossen werden.
Es sind zwei alte Kalendarien des Merseburger Domstiftes
gedruckt erschienen: das eine, aus dem 10. Jahrhundert 58) und
das andere spätere in den Mittheilungen des Thüringisch -Sächsi-
schen Vereins. 55)
Beide scheinen Nekrologieen der für das Stift wichtigen Per-
sonen, z. B. der Schenkgeber zu enthalten und soweit sie, das
erstere vom Dr. Ludwig Hesse in Rudolstadt, das andere vom
2:6) Et duia omne, sagt er selbst S. 97. 1783J, quod in hujus Planitie
operis adscribendum est, ordinalim ponere nequeo, in consequentibus sensim
recolligere equidem non ernbesco. lterantis enim varia vicissitudine kruor, qui
reciae semiloe duckum nunc ob asperitatem, interdum autem propter ignoran-
tiam flexuosa calliumn varietate mutal. Hugo von Trimberg (1260 — 1309),
Rector der Schulen am Collegiatstift in Bamberg, sagt in seinem großen
Lehrgedicht, dem „Renner“, zur Erklärung des Namens desselben V. 13860
Folgendes: es solle rennen durch alle Lande: ihm, dem Verfasser, gehe es
wie einem Reiter, dem das Roß durchgehe. Auch er unterbreche oft den
Lauf seines Buchs, wenn sein Gedicht mit ihm davon rennen und mit Ge-
walt ihn dahin reiße. Richte er es nach dieser Seite, so trage es ihn auf
eine andere, nach der sein Sinn nicht gestanden u. s. w.
21)) Ueberhaupt ist Dittmar über die ungarischen Einfälle wenig unter-
richtet. Den letzten Einfall derselben in Sachsen, 938, erwähnt er lib. II.
(Monum. 744): Avares diu pacisicati ilerum insurgunt, celcriterdue fugali rede-
unt. Nun aber waren sie nicht „diu pacisicati,“ da erst 5 Jahre zuvor Hein-
rich I. sie besiegt hatte.
16n “ 101 fgd. des Höfer'schen Archivs für Geschichte und Diploma-
*9) Bd. II. von 1836 S. 229.
Sachsen-Chronik f. Verg. u. Geg. I. 1. 2