Full text : Unser Kaiser.

In  aufgedrungener  Notwehr,  mit  reinem  Gewissen  und
reiner  Hand  ergreifen  wir  das  Schwert.“  Darin  und  nur
darin  fand  der  Kanzler  des  Reiches  Grund  und  Zweck
dieses  Krieges,  indem  er  ihn  in  denselben  Tagen  vor
dem  Volke  als  einen  „Kampf  um  unsere  Existenz  und
unsere  nationale  Ehre“  bezeichnete  und  dem  Reichstage
  unter  lebhafter  Zustimmung  von  allen  Seiten  zurief:
  „Nur  zur  Verteidigung  einer  gerechten  Sache
soll  unser  Schwert  aus  der  Scheide  fliegen.“  Dafür
und  nur  dafür  zogen  die  Millionen  in  den  Kampf,  mit
der  ehernen  Überzeugung  von  Männern,  die  da  wissen,
daß  sie  allein  für  das  Höchste  und  Reinste  streiten.
Wäre  es  anders  gewesen,  so  wären  nicht  Fürst  und
Volk  in  flammender  Begeisterung  aufgestanden.

Es  war  nichts  als  ein  Verteidigungskrieg  in  der
sinnschwersten  Bedeutung  des  Wortes.  Dürften  wir
nun  jetzt  mit  Eroberungsplänen  spielen  und  so  den
lautern  Schwung,  der  sich  aus  dem  verletzten  Rechtsgefühl
  erhob,  nachträglich  fälschen?  Es  hieße  nicht
bloß  den  Schwingen  des  deutschen  Adlers  Bleigewichte
anheften,  es  hieße  mehr.  Wir  würden  uns  in  Unrecht
setzen  vor  uns  selbst  und  vor  der  Welt.  Und  das
wäre  wahrheitswidrig  und  wäre  unsittlich.  Ein  Krieg,
so  echt  aus  der  einmütigen  und  rechtlichen  Gesinnung
des  Volkes  geboren  und  so  sehr  von  der  sittlichen
Kraft  der  Nation  getragen,  darf  sich  nicht  ohne  Sünde
gegen  die  Ehrlichkeit  seine  moralischen  Pole  verschieben
  lassen.  Darum  kann  es  nicht  gerechtfertigt
sein,  mit  einem  katholischen  Politiker  und  Wortführer
nunmehr  jene  Vorstellung  aus  dem  Beginn  des  Krieges
mit  spöttischem  Mitleid  als  „naiv“  abzutun  und  zu