Full text : Unser Kaiser.

132  Unser  Kaiser.

Baue  um  den  Königsthron
Eine  Burg,  o  Gottessohn,

Sei  du  dem  Gesalbten  gnädig,
Segne,  segne  unsern  König.

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Und  nun  gehab  dich  wohl,  lieber  Leser.  Nicht  oft  bin  ich
aus-  und  eingegangen  in  der  Fürsten  Palästen,  und  immer
nur  als  ein  Gast,  nicht  als  ein  Zugehöriger.  Aber  das  Wenige,
das  ich  gesehen  und  erfahren  habe,  hat  mich  doch  oft  an  jenes
Wori  aus  Schillers  Braut  von  Messina  erinnert:

Wohl  dem,  selig  muß  ich  ihn  preisen,

Der  in  der  Stille  der  ländlichen  Flur

Fern  von  des  Lebens  verworrenen  Kreisen

Kindlich  liegt  an  der  Brust  der  Natur.

Denn  das  Herz  wird  mir  schwer  in  der  Fürsten  Palästen,
Wenn  ich  herab  vom  Gipfel  des  Glücks

Stürzen  sehe  die  Höchsten,  die  Besten

In  der  Schnelle  des  Augenblicks.

Sie  sind  nicht  zu  beneiden,  die  berufen  sind,  auf  den  Höhen
der  Menschheit  zu  wandeln.  Das  sehen  wir  auch  bei  den  Fürsten,
von  denen  ich  in  meinen  „Königgerinnerungen“  erzählt  habe.
Es  ist  wahr,  was  ein  alter  Spruch  sagt:  „Das  Purpurkleid
ist  gefüttert  mit  Herzeleid“.  Als  unser  preußischer  König
Friedrich  Wilhelm  III,  der  Urgroßvater  unseres  Kaisers,  in
seinen  dunkelsten  Tagen  auf  dem  Grabmal  der  preußischen
Herzoge  im  Dom  zu  Königoberg  die  Worte  las:  „Meine
Zeit  in  Unruhe,  meine  Hoffnung  in  Gott“,  da  seufzte  er  und
sagte  in  seiner  wortkargen  Art:  „Die  Inschrift  da  —  wie
entsprechend  meinem  Zustand!“  Sein  Sohn  Friedrich  Wil-