206 Drittes Buch. II: Im Gefolge des Kaisers.
dern wieder erbaut; an den Lodiern aber nahmen diese für deren Begünstigung
durch den Kaiser harte Rache"). So hatte die fernere Entwicklung der
italienischen Verhältnisse den Sieg der staufischen Partei erschwert; er war
(1158) jetzt noch unwahrscheinlicher, als vor vier Jahren.
Ehe der Kaiser wieder in Augsburg angekommen walr, hatte er schon zwei
Anf. Mai Gesandte mit geringer Heeresmacht nach Italien vorausgeschickt, den Kanzler
Reinald von Dassel und Otto von Wittelsbach, den Pfalzgrafen von Bayern.
Sie waren trotz der Geringfügigkeit ihrer Mittel mit großem Nachdrucke aufgetreten.
Nachdem sie die das Etschtal beherrschende Burg Rivoli erstürmt
und die Veroneser zur Ablegung eines umfassenden Treueides gezwungen
hatten, hielten sie einen glänzenden Tag in dem treuen Cremona ab, wo sich
die mächtigsten Großen und die Konsuln der bedeutendsten Städte Oberitaliens
einfanden, an ihrer Spitze die Erzbischöfe von Mailand und Ravennas").
Von da zogen die beiden kühnen Gesandten mit geringer Macht in
die Mark Ankona, um diese von dem beabsichtigten Bündnisse mit den Griechen
abzuhalten, die sich schon in Ankona selbst festgesetzt hatten. Durch das
entschlossene Auftreten der beiden gegen die Häupter der Griechenfreunde zu
Ravenna'"") vermochten sie diese Stadt zum Eide der Treue für den Kaiser,
den sie zweihundert Jahre hindurch, seit den Tagen des großen Otto, nicht
mehr geleistet hatte. Dann sammelten sie aus der Umgegend ein Heer und erschreckten
die griechische Besatzung in Ankona — teils durch wirkliche Belagerungsanstalten,
teils nur durch Drohungen — so, daß diese ihnen die Tore der
Stadt öffnete und froh war, unbeschädigt nach Hause fahren zu dürfen. Darauf
kehrten der Kanzler und der Pfalzgraf nach Oberitalien zurück, wo unter
ihrem Eimflusse das mächtige Piacenza sein Bündnis mit Mailand aufgab
und sich dem Kaiser anschloßt).
Die großen Erfolge dieser beiden tüchtigen Diener des Kaisers machten in
Italien einen um so tieferen Eindruck, je geringer die Mittel gewesen waren,
mit denen sie erreicht worden. Zweierlei wurde jetzt aller Welt deutlich: einmal
der frische Aufschwung, den das Nationalbewußtsein in Deutschland unter
dem Einflusse seines hochherzigen Stauferfürsten nahm, und dann, wie stark
noch, trotz ihrer letzten Niederlagen, die kaiserliche Partei überall in Italien.
seitf). Vorzüglich machten diese Erwägungen auf den Papst Eindruck, der ja
*) Muratori, Annali d’Italia VI, p. 438—442.
*#) Der Esbischof von Ravenna war der sehr kaiserlich gesinnte Anshelm früher
Bischof von Havelberg, der seine Erhebung zu dem höheren Amte dem Einflusse
Friedrichs verdankte. 2. Buch S. 151.
*“)Mit zehn Rittern sprengte Reinald 300 Ravennaten, die von den Griechen in
Ankona sich Geld geholt, auseinander.
41) Ragev. III, 20, 21.— Chr. Reg. Colon., p. 95 ff. — Der Vertrag mit Piacenza:
M. G. Const. I, 238.
# Die allgemeine Ansicht von Friedrichs Macht spricht selbst aus einem Briefe eines
seiner entschiedensten Gegner, des Bischof Arnulf von Lisieux, an die Kardinäle
der römischen Kirche (ap. Bouquet, Recueil des historiens des Gaules et de la
France XVI, p. 665): Princeps ille, eui similem a multo tempore Rome non habuit,