Full text: Europäischer Geschichtskalender. Chronik und geschichtlicher Überblick der denkwürdigen Jahre 1870 und 1871. Zweiter Band. (11a)

Stalien. 413 
2. Mai. Senat: genehmigt das Garantiegesetz nach den Beschlüssen der 
18. 
27. 
II. Kammer mit sehr unwesentlichen Modificationen mit 150 gegen 
20 Stimmen. 
„ Frankreich gibt sich vergeblich große Mühe, die ital. Regierung 
von der Verlegung des Regierungssitzes nach Nom selbst noch im letzten 
Momente abzuhalten. 
„ Die Stadt Rom beschließt eine Anleihe von 30 Mill. zu machen 
behufs Bauten in Folge der Verlegung des Regierungssitzes dahin. 
„ II. Kammer: genehmigt mit 151 gegen 70 Stimmen die vom 
Senat im Garantiegesetz angebrachten nicht wesentlichen Modificationen. 
„ II. Kammer: erkennt Florenz eine Entschädigung zu für den Ver- 
lust des Regierungssitzes. 
„ II. Kammer: genehmigt die Finanzvorlagen der Regierung nament- 
lich auch für Hebung der Militärkraft. 
Der den Entwurf begleitende Bericht wiederholt die mündlichen Ausfüh- 
rungen des Ministers, verbreitet sich aber mit größerer Ausführlichkeit über 
den Hauptpunkt, die Vermehrung des militärischen Aufwandes. Das Warum 
dieser Vermehrung wird mit bemerkenswerther Offenheit angegeben. Während 
der General Menabrea in seinem Bericht über die Neorganisation der Armee 
sich mit einer hohlen Phrase über das böse eiserne Zeitalter durchhalf, sagt 
Sella gerade heraus: wir müssen rüsten, weil wir den Thron des Papstes 
umgestürzt haben. Und er deutet auch verständlich genug an, von wo die Ge- 
fahr droht. Nicht von innen her: in Italien ist die clericale Partei noth- 
wendigerweise antinational und darum ungefährlich. In andern Ländern ist 
sie in der Minderheit oder particularistisch, und wird daher nicht im Stande 
sein, die Regierungen zu einer Politik im clericalen Sinne fortzuziehen. Aber 
in Ländern, wo sie als eine echt nationale Partei auftreten kann, vermag sie 
einen entscheidenden Einfluß zu üben. In dieser Weise drückt sich der Bericht 
aus, und sagt also klar genug, daß Italien nichts zu befürchten habe von den 
Staaten, in welchen die clericale Partei in der Minderzahl oder particularistisch 
ist, wie in Deutschland oder England, wohl aber von denen, wo sie einen 
nationalen Character anzunehmen vermag, wie in Frankreich. Der Bericht 
führt dann die Vorkehrungen auf, welche der Kriegsminister für die bessere 
Bewaffnung der Armee und für die Vertheidigung des Landes nothwendig er- 
achtet. Die Einführung dieser neuen Waffe wird dreißig Millionen bean- 
spruchen, von denen jedoch für die nächsten Jahre' nur drei Millionen jährlich 
begehrt werden. Auch der allgemeine Plan für die Sicherung der Landes- 
vertheidigung ist festgestellt, und die Ausführung der als nothwendig erachteten 
Befestigungen sowie der dazu gehörigen Armirungen soll beginnen. Auch für 
diesen Zweck werden einstweilen nur drei Millionen jährlich gefordert. Bei 
der Berathung in der Kammer wird die Nothwendigkeit einer allseitigen Hebung 
der Mittel zur Vertheidigung des Landes und zwar ausdrücklich gegen Frank- 
reich noch unumwundener ausgesprochen und ist die ganze Kammer ohne Unter- 
schied der Parteien darüber einig und zu Opfern bereit. 
8. Juni. II. Kammer: genehmigt die Aufhebung der Fideicommisse für 
9. 
die Provinz Rom. 
„ Die Regierung zeigt allen anderen Regierungen die auf den 
30. d. M. bevorstehende Verlegung des Regierungssitzes nach Rom an.
	        
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