298 Die österreichisch· ungarische Mouarchie.
ten werden sich auch niemals erustlich gegen die erwähnte Steuer auflehnen.
Die Verminderung der Staatseinnahmen aber kann nicht in Betracht kommen,
wo es sich um die Grundpfeiler jedes gesunden Staatslebens handelt.
Zu den Erfordernissen einer freien Presse gehören auch die Beseitigung der
Cautionsverpflichtung und die Freigebung der Colportage. Liese lehtere
würde im gegenwärtigen Moment einer Masse von beschäftigungslofen Personen
den nöthigen Erwerb gewähren. Was wir so eben bezüglich der Verminderung
der Staateeinnahmen soaglen, müssen wir in noch höherem Grade
zu Gunsten der Aufhebung des Lotto's und der Verzehrungesteuer. geltend
machen. Die Verlusie, welche die verderblichen Wirkungen solcher Einnahmsquellen
der Gesammtheit zufügen, übersteigen bei Weilem den Gewinn, welchen
der Staat durch sie erzielt. Schließlich wünschen wir noch eine Revision
des sehigen Vereins= und Versammlungsgesetzes, wodurch dasselbe dem
Wortlaute des durch die Staatsgrundgesetze garantirten freien Vereins= und
Versammlungsrechtes mehr als seither entspricht. Bis zum Vollzuge dieser
Revision könnten die Behörden angewiesen werden, keinerlei Willkür zu üben,
und den Bürger in der Ausübung seines Rechtes zu schützen, banktctt zu
hindern. Wir gedenken bei diesem Anlasse des Umstandes, daß bereits das
Teichsgericht die behördliche Verlehung des Vereinsgesetzes constatirt hat.
Auch bezüglich des Coalitionsrechtes solle eine unparteiische Handhabung
desselben empohlen werden."
Die Petition wird an einen eigenen Ausschuß gewiesen.
9. Febr. (Oesterreich.) Eröffnung der ersten staatlichen Vorschußkasse
in Wien. Dieselbe wird jedoch in Folge der von der Regierung
für die Benützung gestelllen Bedingungen fast gar nicht in Anspruch
genommen.
10. „ (Oesterreich.) Abg.-Haus: Der Handelsminister legt demselben
mehrere Gesetzesentwürfe betr. Ausbau von Eisenbahnlinien und einen
Gesetzesentwurf betr. Erleichterung der Gebühren fusionirender Baugesellschaften
vor, durch welche alle dem in Folge der wirthschaftlichen
Krisis eingetretenen Nothstande begegnet werden soll. Das Haus geht
bereitwilligst darauf ein. Es zeigt sich jedoch bald, daß der Erfolg
in der gewünschten Beziehung ein äußerst geringer ist.
11—27. „ (Oesterreich-Ungarn.) Der Kaiser erwiedert den Besuch
des Kaisers von Rußland zur Zeit der Weltausstellung in Wien
durch einen solchen in St. Petersburg.
20. „ (Oesterreich.) Abg.-Haus: Debatte über die Aufhebung des
Zeitungsstempels. Die Regierung spricht sich entschieden dagegen aus
und der Antrag wird mit 129 gegen 114 Stimmen abgelehnt.
„ (Ungarn.) Abg.-Haus: Gelegentlich zweier Interpellationen betr.
die Angelegenheiten der Siebenbürger Sachsen tritt die krankhafte
Stimmung der Magyaren bezüglich alles dessen, was auf die Nationalitätenfrage
Bezug hat, wieder recht grell zu Tage.
24. „ (Oesterre ich.) Abg.-Haus: Derjenige Theil der staaterechtlichen
Opposition, welcher sich zum Eintritt in den Reichsrath entschlossen,
gibt im confessionellen Ausschuß durch den Mund des Grafen Hohenwart
eine Erklärung ab, welche den innerhalb jener Opposition längst
klaffenden Spalt noch wesentlich erweitert:
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