7. Belgien.
1. Februar. Deputirtenkammer: Budget des Innern. Es
entspinnt sich eine politische Debatte bezüglich der Intentionen des
Cabinets in der längst in Frage stehenden Angelegenheit einer Reform
der Bürgerwehr:
Ministerpräsident Malou erklärt: daß die Absichten der Regierung
nicht über Verbesserungen in der Bewaffnung und in Einzelheiten der
bestehenden Organisirung hinauslaufen, und daß dieselbe den Vorschlägen
der Commission von 1870, wonach die Stärke der Bürgerwehr auf 150,000
Mann gebracht werden soll, keine Folge zu geben gewillt sei; die 30,000
Mann, aus denen jetzt die Bürgerwehr bestehe, genügen, um als Nationalreserve
für Festungs= und Garnisonsdienst gebraucht zu werden, denn von
Felddiensten dürfe keine Rede sein. Dagegen wird das System einer durch-Heisenden
Abänderung der Bürgerwehrordnung von 1848 und 1853 im
inne der Commission von 1870 von Orts und anderen Mitgliedern der
Linken mit Entschiedenheit verfochten und sich dabei auf die im Kriegsjahr 1870
zu Tage getretenen Uebelstände * stützt. Minister Malou reicht sobam folgenden
Tagesordnungs-Antrag ein: „Die Kammer, in Uebereinstimmung mit
r von ber Regierung ausgesorbanen. Absicht, die Bewaffnung und Or-Hiffrung
der Bürgerwehr in der Weise zu verbessern, daß die Lasten der
evölkerung nicht vermehrt werden, geht zur Tagesordnung Über.“ Sofort
tritt Orts mit felsenden Amendement in die Quere: „und in der Weise,
daß der Armee die von dem Hoeewverfassungsgeet, für unerläßlich erkannte
Reserve von 30,000 Mann gesichert blei Durch das nunmehr von
Malou abgegebene Versprechen: innerhalb sechs Wochen ein Reformgesetz
einzureichen, fallen indeß beide Anträge dahin. Dennoch rückt Orts mit
einem neuen hervor, wodurch die Kammer dieses Versprechen besonders zu
Krotttell. nehmen sollte. Sein Antrag fällt indessen mit 56 Stimmen gegen
6 Enthaltungen durch und das Budget des Innern wird mit 58
bohe Fr Stimmen bewilligt
13. Februar. Große clericale Demonstration in Mecheln.
Alle katholischen Vereine des Landes sind dazu einberufen, und in
größerer *# x enbherer Zahl vertreten, auch die Häupter der Partei sind
zugegen. der Anwesenden wird auf 12,000 geschätzt. Das Ganze
ist eine nwahe der großen Kundgebungen, welche im vorigen Jahr
von der liberalen Partei in Antwerpen und Gent veranstaltet worden, und
hat denselben orwand, nämlich den neuen Stadtrath zu feiern, bei dessen
Wahl in n die clericale Partei gefiegt hat wie in Antwerpen und
Gent die übewole. Auf die Versammlung folgt ein Banket von 450 Ge-