Da dentsche Reich und seiue einzelurn Glieder. (Hct. 29.) 263
als gewöhnlich. Der Kaiser verliest die Throurede stehend und mit lauter,
bis zu Ende gleich kräftiger Stimme; man muß immer von Neuem über
diese phänomenale Rüstigkeit des hohen Greises auf das Freudigste erstaunen.
An der Thronrede ist nach den politischen Kämpfen der letzten Monate ihre
Kühle und Farblosigkeit das Auffallendste, und es muß mit Befriedigung
constatirt werden, daß ihre Urheber vermieden haben, irgend einen Accent
der Siegesfreude des Angriffs hineinzumengen, wovon die officibsen Kundgebungen
besonders nach den Wahlen so sehr wiederhallten. Die auswärtige
Politik ist, als Sache des Neiches, absichtlich nicht berührt; auch die kirchliche
nicht, und zwar erstlich, weil auf diesem Gebiet zunächst keine Vorlagen
zu erwarten sind, und zweitens wohl aus politischer Klugheit. um Angesichts
der Verhandlungen mit Nom die Negierung in keiner Weise Iu engagiren.
Der Passus über den inneren Frieden, den man auf die Kirchenfrage deutet,
wird mit lebhaftem Beifall ausfgenommen; indeß ist zu bemerken, daß nur
ein Wunsch, keine Hoffunng darin ausgesprochen ist. Im Uebrigen ist Manches
in der Thronrede, was weniger erbaut. So die Ankündigung des Desicits
und einer nothwendigen Anleihe. Die Stelle über die Eisenbahvorlagen
läst nicht undeutlich durchblicken, daß an Unterstübung von Local=Strunkterbahnbenten
Seitens der Regierung ohne die Bewilligung der —
staatlichung der Privatbahnen kaum zu denken ist.
29. October. (Bayern.) I. Kammer: genehmigt den Gesetz-Entwurf
betr. Erhöhung des Malgzaufschlags nach dem Beschlusse
der II. Kammer.
II. Kammer: verwirft einen Antrag des (ultr.) Abg. Hafenbrädl
die Wiedereinführung der Lebensmitteltaxen betr. und nimmt
einen Abänderungsantrag Rupperts an, der dahin geht:
„die Regierung wolle beim Bundesrathe eine Abänderung der Gewerbeordnung
dahin beantragen, daß der Landesgesehgebung der Bundesstaaten
das Recht zustehe, die amtliche Tarifirung der unentbehrlichsten Lebensmittel
wieder einzuführen. Minister v. Pfenfer bekämpft den Antrag und bemerkt,
derfelbe habe wenig Aussicht auf Genehmigung Seitens des Bundesraths, da
nach Mittheilungen aller Bundesregierungen nirgends Klagen über die Aufhebung
der Taxen laut geworden jeien.
29. October. (Elsaß-Lothringen.) Bei einem Bankett,
das der Statthalter den Spitzen der Behörden in Mühlhaufen gibt,
toastirt derselbe auf das Wohl der Stadt, worauf der Präsident
der Handelskammer, Hr. Schlumberger erwiedert:
„In einer Stadt wie Mühlhausen, die ihr Wohl und Dasein der
Gewerbethätigkeit und dem Fleiße ihrer Einwohner verdankt, bedarf es keiner
langen s*“* umG zu bewelsen, wie nützlich die Industrie für ein Land ist,
und auch, wie eine Pflicht für die Regierung ist, die Bemühungen der
Arbeiter zu brterushe und gegen auspürttige Uebermacht in Schutz zu nehmen.
In dieser Hinsicht kann das laufende Jahr, in welchem die heiß ersehnke
Reform der Zollpolitik endlich #ewahch worden ist, als ein Epoche
machendes bezeichnet werden. Auf der nunmehr gelegten Basis ist jetzt das
Gebäude zu errichten, oder, um deutlicher zu sprechen, jebt, da wir uns eines
autonomen, selbst in seinem mäßigen Umfange heilsamen Zolltarifs erfreuen,
sind mit den befreundeten und ebenmäßigen Staaten, die überseeischen ausgenommen,
gute Handelsverträge abzuschließen. Seit einiger Zeit ist viel